Erprobung und Weiterentwicklung von Konservierungs- und Reinigungsverfahren an Bleiruten und Eisenhalterungen umweltgeschädigter wertvoller Glasmalereien am Beispiel der Quedlinburger Johanniskirche (Sachsen-Anhalt)

Aktenzeichen 18525/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev. Kirchenspiel Quedlinburg
Carl-Ritter-Str. 16
06484 Quedlinburg
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Telefon: 03946/916060
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Anlaß zur Durchführung des Projektes waren die starken Umweltschäden an einem noch vollständigen Bestand historischer Glasmalereien aus dem frühen 20. Jahrhundert, der zusammen mit den anderen Ausstattungsstücken der Kirche aus der Bauzeit ein inzwischen selten gewordenes Ensemble bildet. Ziel ist es, neben der Sanierung der Umweltschäden, Untersuchungen durchzuführen, um Verfahrensweisen zu entwickeln, korrodierte Metallteile der Halterungen und Verbleiungsnetze der Glasmalereien zu behandeln und zu konservieren. Die Maßnahmen sollen als Modell für weitere Objekte in entsprechender Differenzierung nach den örtlichen Gegebenheiten zur Verfügung stehen.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAnlass für das Projekt waren schwere Umweltschäden an den Glasmalereien, ihr drohender Verlust und die Tatsache, dass es sich hier um einen noch vollständig erhaltenen, originalen Bestand aus der Bauzeit der Kirche handelt. Er nimmt einen wesentlichen Stellenplatz innerhalb der ebenfalls noch bewahrten übrigen Ausstattung der Kirche von 1905/06 ein.
Neben der Errichtung einer isothermischen Schutzverglasung und Sanierung der Glasmalereischäden wurden von einer Fachrestauratorin - Frau Ilona Berkei, Zeuthen - vor allen Dingen auch der Aufbau und der Erhaltungszustand der auf den Farbgläsern des frühen 20. Jahrhunderts angelegten Malschichten untersucht. Die Ergebnisse sind in die ausführliche Dokumentation des Bestandes eingeflossen. Die Glasmalereien mit ihren Halterungssystemen boten weiterhin Gelegenheit, Modelluntersuchungen zur Durchführung von Feinstrahlreinigungen bei Blei- und Metallteilen vorzunehmen. Die dazu vorliegenden Empfehlungen sollten je nach den Ergebnissen modifiziert oder bestätigt werden.
In den naturwissenschaftlich-technischen Untersuchungen wurde versucht, mit Hilfe der Feinstrahltechnik die Bruchstellen an den Bleiruten vor dem Löten zu reinigen. Dabei zeigte sich, dass die traditionellen Reinigungsmethoden effektiver sind. Dagegen war der Versuch der Oberflächenreinigung sowohl an den Bleiruten als auch vor allem an Eisenhalterungen erfolgreich. Die notwendigen Optimierungen der Verfahrensparameter wurden vorgenommen. Die Qualität des Reinigungsergebnisses wurde mit mikroskopischen und oberflächenprofilometrischen Messungen beurteilt. Empfehlungen für die praktische Anwendung konnten abgeleitet werden.
Bei der fachlichen Konsultation von Herrn Oberkonservator Martin Mach (Bayrisches Landesamt für Denkmalpflege) stellte sich heraus, dass die für Zinkguss, Bronze und ähnliche Materialien geltenden Gesetzmäßigkeiten und Ergebnisse von Versuchen zum Einsatz der Feinstrahltechnik nur von bedingter Relevanz für die Eisenhalterungen und Bleie sind. Dennoch wurden die dort gewonnenen Erkenntnisse bei der Formulierung der Empfehlungen im Projekt berücksichtigt.
Darüber hinaus wurden die Erfahrungen der Metallrestaurierungswerkstatt Betina Roß GmbH Hamburg und Berlin ebenfalls durch Konsultation ermittelt und berücksichtigt.


Ergebnisse und Diskussion

In der innerhalb des Projektes veröffentlichten Broschüre Glasmalereien in der Quedlinburger Johanniskirche werden die Ergebnisse ausführlich in den Beiträgen der Restaurierungswerkstatt Ilona Berkei und der BAM behandelt.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

In der vorgenannten Broschüre haben alle Projektbeteiligten einen Beitrag zur Dokumentation des Projektes geleistet. Mit den zur Verfügung stehenden Mitteln konnten 180 Exemplare dieser Broschüre gedruckt werden. Sie sollen allen interessierten Werkstätten, Denkmalämtern und Eigentümern von relevanten Objekten zur Verfügung gestellt werden. Zum Abschluss des Projektes fand am 06. November 2002 ein Abschlussgespräch in der Johanniskirche statt, in dem der Werdegang des Projektes dargestellt wurde und allen Beteiligten sowie Förderern des Projektes Dank für das hervorragende Ergebnis ausgesprochen wurde. An dem Gespräch waren zwei regionale Zeitungen beteiligt (Wochenspiegel und Mitteldeutsche Zeitung), die eine Veröffentlichung in näherer Zukunft zugesichert haben.


Fazit

Außer des erfolgreichen Abschlusses der restauratorischen Behandlung und ausführlichen Dokumentation des Glasmalereibestandes mit speziellen Untersuchungen der vorgefundenen Malschichten ist als Fazit festzustellen, dass die Feinstrahltechnik sowohl für Arbeiten am Blei als auch für solche an den Eisenhalterungen effektiv eingesetzt werden kann. Gegenüber den üblicherweise verwendeten Reinigungsmethoden ist eine bessere Qualität des Reinigungsergebnisses zu erwarten. Die Kosten sind allerdings allgemein höher zu veranschlagen, so dass in jedem Einzelfall über eine Anwendung entschieden werden muss. Als Strahlgut dürfte die von uns verwendete Schlacke den Anforderungen in den meisten Fällen vollkommen genügen. Die Verwendung von Korund ist ebenso möglich, jedoch muss hier mit höheren Kosten gerechnet werden. In jedem Fall muss eine Möglichkeit für die Entsorgung des anfallenden Strahlgutes vor Ort gefunden werden. Als Ergänzung zum vorhandenen Gerätebestand ist die kostengünstige Investition jeder Restaurierungswerkstatt für Arbeiten an den Metallteilen der Glasmalereien zu empfehlen.

Förderzeitraum: 30.08.2001 - 30.08.2002 (1 Jahr)
Fördersumme: 56.242,11
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Umwelttechnik
Publikationen: