Flächen intelligent nutzen - Strategien für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung

Aktenzeichen 18398/01
Abschlussbericht:
Projektträger: Naturschutzbund Deutschland (NABU) e. V.Bundesgeschäftsstelle
Charitéstr. 3
10117 Berlin
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Telefon: 0228/4036-0
Internet: https://www.NABU.de
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der NABU will das Problem der Überbauung und Zerschneidung von Landschaft auf einer bundesweiten Tagung thematisieren. Der Flächenverbrauch, definiert durch die Zunahme der Siedlungs- und Verkehrsfläche, beträgt in Deutschland rund 120 ha pro Tag. Längst gehört der Verlust von offener Landschaft zu den bedeutendsten Ursachen für die Gefährdung der biologischen Vielfalt in Deutschland. Die zentrale Fragestellung der Veranstaltung wird die Diskussion und Entwicklung einer zukunftsfähigen, ökologisch vertretbaren Entwicklung der Siedlungsflächen sein. Die Tagung will deshalb
· Mit dem Thema Flächenverbrauch ein Problem aufgreifen, das entgegen seiner Umweltrelevanz bisher in der praktischen Umsetzung noch vernachlässigt wird.
· Impulse für Praxis und Gesetzgebung geben;
· Vorhandene Ansätze, Institutionen, Gruppen, Akteure miteinander vernetzen (z.B. Agenda 21-Projekte, Unternehmen, Gewerbe, Politik) und
· Einen Beitrag zur Aufarbeitung eines Konfliktthemas leisten


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie Tagung wird am 8. und 9. November auf dem Messegelände der Stadt Erfurt durchgeführt. Als Referenten sind vorwiegend Wissenschaftler und Praktiker aus den Bereichen Raumordnung, Finanzwissen-schaft und Naturschutz eingeladen. Den Eröffnungsvortrag wird der Präsident des UBA, Prof. Troge halten. Die Tagungsbeiträge und Ergebnisse werden in einem Tagungsreader und über die NABU-Website im Internet veröffentlicht. Der Tagungsreader soll in einer Auflage von 1000 bis 2000 Exemplaren gedruckt und allen Teilnehmern des Kongresses sowie Multiplikatoren aus Politik und Wissenschaft zugestellt werden.
Die Veranstaltung richtet sich an Fachpolitiker der Parlamente von Bund und Ländern, Kommunalpolitiker, Planungsbüros und Architekten, Vertreter von Raumordnungs- und Regionalplanungsbehörden, Wohnungsbaugesellschaften, und verschiedene kommunale Verbände. Zur Zielgruppe gehören auch thematisch interessierte Mitglieder und Funktionsträger des NABU und anderer Umweltverbände.
Konzipiert wird die Veranstaltung für ca. 300 Personen.


Ergebnisse und Diskussion

Kernstück des Projektes, das mit dem Thema Flächenverbrauch ein Problem aufgreifen sollte, das entgegen seiner Umweltrelevanz bisher in der praktischen Umsetzung vernachlässigt wird, war die Tagung Flächen intelligent nutzen - Strategien für eine nachhaltige Siedlungsentwicklung. Sie fand am 8. und 9. November 2001 in der Messe Erfurt statt. Etwa 150 Fachleute aus den Bereichen Planung, Kommunen, Politik, Ämter (Städte und Kommunen), Hochschullehrer sowie Naturschutz und Umweltschutzverbände nahmen an der Tagung teil.
Der Schwerpunkt der Fachtagung lag auf wirtschaftlichen und nicht auf ordnungsrechtlichen Ansätzen zur Steuerung im Flächenmanagement. Als wichtige Themen sind zu nennen Grundsteuerreform, interkommunale Kooperation, handelbare Flächenkontingente, Gewerbesteuer sowie die Novellierung des kommunalen Finanzausgleiches.
Prof. Andreas Troge vom Umweltbundesamt sprach über Ziele und Ansatzpunkte zur Verringerung des Flächenverbrauches. Dr. Fabian Dosch vom Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung stellte intelligente Flächennutzung als Baustein zur Umsetzung der nationalen Nachhaltigkeitsstrategie dar. Elke Pahl-Weber vom Büro BPW - Stadtplanung, Forschung, Beratung in Hamburg stellte ihre Erwartungen, ihre Erfahrungen und ihre Erfolge mit nachhaltiger Siedlungsentwicklung dar. Stefan Siedentop vom Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden diskutierte Innenentwicklung als Leitbild einer nachhaltigen Siedlungsentwicklung. PD Dr. Eckhard Jedicke von der Universität Karlsruhe zeigte die Grenzen der Innenentwicklung auf, die aus Sicht des Naturschutzes für Stadt und Dorf zu fordern sind. Klaus Einig vom Institut für ökologische Raumentwicklung in Dresden beleuchtete die Möglichkeiten auf, durch regionales Flächenmanagement die Baulandpolitik zwischen den Kommunen abzustimmen und dadurch zu einer ressourcenschonenden Siedlungsentwicklung beizutragen. Prof. Dr. Rainer Kahnert vom Büro für Gewerbeplanung und Stadtentwicklung in Dortmund erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen flächensparender Gewerbegebietsplanung. Dr. Kilian Bizer vom Finanzwissenschaftlichen Institut der Universität Köln erstellte in zwölf Thesen eine Übersicht über die ökonomischen Instrumente zur Vermeidung des Flächenverbrauches. Michael Lehmbrock vom Deutschen Institut für Urbanistik stellte verschiedene Modelle einer Grundsteuerreform vor, die zur Reduzierung des Flächenverbrauches für Siedlungs- und Verkehrsanlagen beitragen können.
Die Ergebnisse der Fachtagung wurden in einem 92-seitigen Reader festgehalten.
In Ost- wie Westdeutschland ist ein starker Flächenverbrauch zur gewerblichen Nutzung festzustellen. Durch die Abwanderung der Bevölkerung in Ostdeutschland sinkt der Wohnraumbedarf. Es lässt sich ein Wegzug aus den Innenstädten in die Speckgürtel beobachten, der zur Verödung der Innenstädte führt. Der Lösungsansatz gegen den Flächenverbrauch ist für Ost- und Westdeutschland gleich. Die Innenent-wicklung der Städte muss vorangetrieben werden.
Als Leitbild für die Innenentwicklung steht dabei die intelligente Innenverdichtung unter attraktiver Gestaltung. Erlebnisse der Natur sind am Rande und in der Siedlung zu gewährleisten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Ergebnisse der Tagung wurden in einem Reader in einer Auflage von 1.000 Stück veröffentlicht und den Teilnehmern des Kongresses, Fachpolitikern, Ausschüssen des Bundestages und der Länderparlamente, den Fachverbänden im Bereich Städtebau, Planung, Architektur und Umwelt sowie einer Auswahl größerer Städte und den zuständigen Ministerien für Umwelt, Städtebau und Raumordnung zugestellt. Darüber hinaus wurden die Ergebnisse über die NABU-Internetseiten verbreitet.


Fazit

Durch die ausgewogene Zusammensetzung der Tagungsteilnehmer und ihr positives Feedback waren wir mit der Teilnehmerzahl von 150 zufrieden. Das fachlich inhaltliche Niveau war gut bis sehr gut. Es ist gelungen Referenten fast durchweg erster Wahl zu gewinnen. Der technische Ablauf ging gut und problemlos vonstatten. Die Zuhörerresonanz war gut bis sehr gut.
Für den NABU war die Fachtagung wichtig zur Bestimmung und Überprüfung der eigenen Position. Der NABU fühlt sich durch die Ergebnisse der Tagung gestärkt in der Ausrichtung seiner Arbeit bei einem gesellschaftlich so wichtigen Thema für die Bundesrepublik.
Die Tagung hat in aller Deutlichkeit aufgezeigt, dass eine Trendumkehr beim Flächenverbrauch zu den wichtigsten ökologischen Fragestellungen der Zukunft gehört.

Förderzeitraum: 01.06.2001 - 31.01.2002 (8 Monate)
Fördersumme: 35.339,47
Förderbereich: III.11.1
Stichworte: Naturschutz
Publikationen: