Vergleichende modellhafte Anwendung eines neu entwickelten Fugenstopfmörtels an einem mittelalterlichen Kirchenbau im national wertvollen Ensemble Pückler-Park Muskau (Sachsen)

Aktenzeichen 17149/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.12 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad MuskauOrangerie
Parkverwaltung
02953 Bad Muskau
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Telefon: 035771/52012
Internet: -
Bundesland: Sachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Für den Erhalt der Bergschen Kirchruine sind eine Fugensanierung des Feldsteinmauerwerks und der Mauerkrone von zentraler Bedeutung. Es wurde nach einem geeigneten Mörtel mit Eigenschaften wie Feuchte- und Sulfatbeständigkeit gesucht. Der im Rahmen des BMBF-Programmes entwickelte HAZ-Mörtel scheint diese Eigenschaften zu erfüllen. Es erfolgte jedoch noch keine Anwendung an unregelmäßigem Mauerwerk aus Hartgestein. Im Rahmen einer Musterachse soll dieser HAZ-PmF-Fugenstopfmörtel für eine Fugensanierung von unregelmäßigem Mauerwerk aus Hartgestein an der Berg`schen Kirchruine getestet werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten Methoden1. Anlegen von Musterstreifen an der Kirchruine, an der Wetterseite, an durchgehenden Rissen und versalzenen Bereichen
a) Fugensanierung mit HAZ-PmF-Fugenstopfmörtel und Fugendeckmörtel
b) Fugensanierung mit nachgestelltem Altmörtel
2. Erste Begutachtung der Musterachsen nach 3 Monaten durch TU Dresden, Baustofflabor, Herrn Hempel
3. In Auswertung der ersten Ergebnisse Fugensanierung am gesamten Mauerwerk mit herkömmlichem Mörtel nach 1b), da für die HAZ-Anwendung zur Verfugung von unregelmäßigem Natursteinmauerwerk noch keine Langzeiterfahrungen vorliegen.
4. Wissenschaftliche Beobachtung der Musterachsen über einen Zeitraum von 2 Jahren durch
5. Herrn Hempel mit Folgeuntersuchungen:
- Flankenhaftung am Hartgestein (bisher nur an weichen Steinen wie Sandstein angewandt);
- Schwinden, Rissbildung => Kartierung; Fotodokumentation;
- E-Modul-Bestimmung;
- Eignung der Mörtel zur Fugensanierung im Bereich der Mauerkronen, des Mittelwandbereichs sowie des unteren Wandbereichs im Spritzwasserbereich;
- Betrachtungen zur Ökonomie beider Verfahren.


Ergebnisse und Diskussion

Das Baustofflabor der TU Dresden konnte das Messprogramm zu den vergleichenden Mörteluntersuchungen nach zweijährigem Beobachtungszeitraum im November 2002 abschließen. Pro Jahr liefen Aufzeichnungen zu je 8 Messreihen.
Nachfolgend sollen die wesentlichen Ergebnisse unter Beachtung baulich technologischer, ökonomischer und denkmalpflegerischer Aspekte zusammengefasst und gewertet werden.
Der nachgestellte Kalkmörtel entspricht vom Charakter und der Optik her dem Originalmörtel, der an einigen Wandbereichen der Kirchruine erhalten werden konnte. Nach zweijähriger Standzeit und stark wechselnden Tau-Frost-Perioden dieses Winters weisen die Flächen mit funktionierender Umlüftung ein intak-tes Erscheinungsbild auf. Probleme stellten sich bei den Kalkmörtelflächen an Nord- und Westwand ein. Die hohe Feuchtebelastung, der Traufbereich von Bäumen sowie fehlende Abtrocknung trugen dazu bei. Im Vergleich zum HAZ-Pmf-Fugenstopfmörtel ist das Schwinden, Quellen, die Verformung beim Kalkmörtel höher.
Folgende Eigenschaften des HAZ-Pmf-Fugenstopfmörtels können bestätigt werden :
- Unempfindlichkeit gegen die im Mauerwerk enthaltenen Salze an der Südwand;
- guter Haftverbund zu den Natursteinen, es traten nur wenige Flankenabrisse auf, die jedoch keine größeren Längen erreichten;
- ausreichende Festigkeit zur Stabilisierung des Natursteinmauerwerks im Bereich des Risses der Nordwand, wo zusätzliche statische Kräfte durch einen in der Nähe stehenden Baum in das Mauerwerk eingeleitet werden;
- geringe Wasseraufnahme und ausreichende Wasserdampfdurchlässigkeit an der witterungsmäßig stark belasteten Westwand, Stabilität auch im oberen Bereich an der Mauerkrone.
Der HAZ-Mörtel wirkt durch den aufgebrachten Deckmörtel mit Blähschiefer sehr rustikal. Sein Erscheinungsbild entspricht dem Charakter einer mittelalterlichen Ruine. Als nachteilig wird die einsetzende Vergrünung an der feuchtebelasteten Westwand eingeschätzt, die eventuell durch den alkalisch reagiernden Faseranteil entsteht. Die Faserbewehrung im HAZ-Mörtel gewährleistet jedoch auch in statisch hoch belasteten Wandflächen eine Festigkeit des Mörtels.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Eine Präsentation zum HAZ-Mörtel für örtliche Firmen fand am 01.09.00 statt. Des weiteren wurden zwei Reportagen mit dem Fernsehen WSW gedreht sowie mehrfach die örtliche Presse geladen. Im ergangenen Jahr gab es eine Informationsveranstaltung für Muskauer Parkführer, in diesem Jahr sind zwei weitere öffentliche Führungen geplant. Am 28.09.01 besuchten ca. 40 Mitarbeiter des LfD im Rahmen einer Exkursion die Kirchruine.


Fazit

Ein Einsatz von HAZ-PmF-Fugenstopfmörtel zur Verfugung von Feldsteinmauerwerk ist auf Grund der hohen Festigkeiten beider Materialien empfehlenswert. Die starke Flankenhaftung, Form- und Frostbeständigkeit sowie Salzresistenz sprechen speziell für einen Einsatz des Mörtels am Feldsteinmauerwerk.
Bei der Verfugung von Sandstein führt eingesetzter HAZ-Mörtel in unveränderter Rezeptur zu Kantenabplatzungen. Die einsturzgefährdete Kirchruine, eines der ältesten mittelalterlichen Bauwerkeder östlichen Oberlausitz, konnte denkmalgerecht gesichert werden. Eine generelle Sanierung mit HAZ-Mörtel war auf Grund der laufenden Testphase von 2 Jahren und des akuten Handlungsbedarfs nicht möglich. Zudem ist eine Sanierung mit HAZ-Mörtel wegen der einzustellenden höheren Kosten langfristig zu planen.

Förderzeitraum: 04.05.2000 - 01.03.2003 (2 Jahre und 10 Monate)
Fördersumme: 74.454,32
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Umweltforschung, Kulturgüter, Klimaschutz, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
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