Modellhafte Konservierung des umweltgeschädigten Roten Sandsteins am Ostchor der Stadtkirche St. Jacobi in Sangerhausen

Aktenzeichen 16952/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.1 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev. Kirchengemeinde St. Jacobi Sangerhausen
Alte Promenade 23
06526 Sangerhausen
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Telefon: 03464/570334
Internet: -
Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Ziel der Maßnahme, war die Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes, für den in der gesamten Saale-Unstrut und Ostharzregion überwiegend verbauten und durch aggressive Umwelteinflüsse infolge des über Jahrhunderte abgebauten und verhütteten Kupferschiefers und der Industrialisierung der letzten hundert Jahre stark geschädigten und in der Substanz gefährdeten roten Sandsteines. Zur Instandset-zung, Restaurierung und Konservierung des roten Sandsteines gab es bisher nur geringe handwerkliche Erfahrungen aber kein wissenschaftlich fundiertes Sanierungskonzept.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenGrundlage für die Planung, Vorbereitung und Ausführung der Maßnahmen, sowie die Erstellung des entsprechenden Konservierungskonzeptes waren wissenschaftlich-technische Voruntersuchungen durch Herrn Dr. Eberhard Wendler - Fachlabor für Konservierungsfragen in der Denkmalpflege, München, in Zusammenarbeit und fachlicher Abstimmung mit dem Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen in Sachsen und Sachsen-Anhalt.
Im Rahmen mehrere Baustellentermine wurden im Beisein vom LfD Sachsen-Anhalt und unter Federführung des IDK Halle repräsentative Bereiche für Probeentnahmen und Musterflächen festgelegt. Wichtig war hier neben den Feuchte- und Salzbestimmungen von Stein und Mauerwerk, auch alle notwendigen geologischen und Steinfestigkeitsuntersuchungen am roten Sandstein durchzuführen, auch in Rückkopp-lung zum einzusetzenden Mörtel.
Die Ergebnisse und Erkenntnisse der wissenschaftlich-technischen Voruntersuchungen wurden im Konservierungskonzept des Fachlabors Dr. E. Wendler schriftlich fixiert und sind dann unmittelbar in die Ausführungsplanung und Ausführung der Stein- und Mauerwerkskonservierung in einem entsprechend aus-gewählten Bereich eingegangen.
Auch nach Abschluss aller Maßnahmen (November 2002) ist es notwendig, die Ergebnisse mittel- und langfristig zu überwachen und zu kontrollieren.


Ergebnisse und Diskussion

Entsprechend der vorgegebenen Zielstellung, der Erarbeitung eines Sanierungskonzeptes für den in der Region an Denkmalen häufig verbauten und durch aggressive Umwelteinflüsse infolge des über Jahrhunderte abgebauten und verhütteten Kupferschiefers und der Industrialisierung der letzten hundert Jahre stark geschädigten und in der Substanz gefährdeten roten Sandsteines, ist festzustellen, dass sowohl der Verlauf, die Methodik und das Ergebnis zu einem überaus brauchbaren Erfolg geführt haben.
Grundsätzlich war die Erarbeitung des spezifischen Konservierungskonzeptes für den Roten Sandstein und deren partielle Erprobung und Anwendung das Hauptziel des Projektes, eingebettet war dies in die Gesamtmaßnahme der Restaurierung / Konservierung des Chormauerwerkes bzw. der Chorfassaden.
Die Erprobungs- und Musterflächen befinden sich nach Abschluss (November 2002) in dem angestrebten Konservierungszustand.
Ursache für die massiven Verluste der Sandsteinoberflächen ist die starke Anreicherung von Gips in vorgelagerten, mit den Oberflächen verzahnten Krusten sowie die deutliche Kontamination mit hygroskopischen Salzen im Gesteinsinneren. Folge sind thermische und hygrische Scherspannungen, sowie Belastungen durch Hydrations- und Kristallisationswechsel. Das erarbeitete Konservierungskonzept enthält daher die Ausdünnung der Krusten durch Trockenstrahlreinigung, sowie eine Salzreduzierung durch Kompressen als zentrale Voraussetzungen. Partielle Festigung, Anböschungen / Ergänzungen, sowie einpartieller Schutz besonders empfindlicher oder belasteter Oberflächen durch Schlämmen und Lasuren erfolgen miteinander materialkompatibel in silikatischer Bindung (KSE-Modulsystem). Zur Gewährleistung der Dauerhaftigkeit der Maßnahmen ist neben der selbstverständlichen Instandsetzung der desolaten Wasserführung eine abschließende Imprägnierung aller Schrägflächen (Pfeilerabdachungen, Gesimse) vorgesehen.
Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass es während der gesamten Bearbeitung und Durchführung des Projektes keine Abweichungen von der vorgegebenen Aufgaben- und Zielstellung gab.
Kontroverse fachliche Diskussionen haben hier zu einer fachtechnisch hervorragenden Lösungskonzeption beigetragen. Zu klärende Probleme bestanden hauptsächlich in der Festlegung der Muster- und Beprobungsflächen, dies konnte nach entsprechenden Diskussionen einvernehmlich gelöst werden, der Umfang der Beprobungsflächen richtete sich auch nach den finanziellen Möglichkeiten, da sich insbesondere die Vorarbeiten (Kompressen, Entsalzen u.a.) als überaus aufwendig darstellten.
Weiterhin erwies sich als wesentlicher Faktor die Einhaltung bestimmter Zeitintervalle in den Vorbereitungs- und Durchführungsmaßnahmen als unabdingbar und zwingend notwendig.
Die notwendige Einhaltung der Reaktionszeiten könnte sich in der praktischen Durchführung unter Umständen als problematisch erweisen, ist aber fachtechnisch unabdingbar und zwingend notwendig, auch in Abhängigkeit von der Jahreszeit der Bearbeitung und den Witterungseinflüssen.
Die Zusammenarbeit der einzelnen beteiligten Kooperationspartner kann als durchweg positiv bezeichnet werden. Nach Abschluss der Maßnahmen können alle beteiligten Kooperationspartner von den Ergebnissen und Lösungen partizipieren.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Neben der Veröffentlichung durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt werden insbesondere das LfD Sachsen-Anhalt mit Sitz in Halle/S., sowie das Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen Veröffentlichungen und die Zugänglichmachung der Projektergebnisse durchführen.
Die Form der Veröffentlichungen bzw. Zugänglichmachung obliegt den beiden genannte Institutionen.


Fazit

Abschließend ist einzuschätzen, dass das gesamte Projekt in seiner Aufgabenstellung, Zielstellung, Methodik, Abarbeitung der Arbeitsschritte und nicht zuletzt in seinen Ergebnissen und fachtechnischen Lösungen zur Konservierungsproblematik des rotliegenden Sandsteines ein absoluter Erfolg war und weit über das bearbeitete Projekt an der St. Jacobi Kirche Sangerhausen hinaus, aufgrund seines Modellcharakters, Ausstrahlung besitzt. Insbesondere ist hier zur Vorgehensweise und Methodik zu erwähnen, dass ausgehend von rein theoretischen Ansätzen über wiss.-techn. Voruntersuchungen bis hin zur praktischen Umsetzung und konkreten Ausführung der spezifisch neuen Konservierungsmethoden eine schlüssige und vollständige Abarbeitung zur gegebenen Zielstellung erfolgen konnte.

Förderzeitraum: 20.04.2001 - 20.04.2002 (1 Jahr)
Fördersumme: 97.145,46
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kirche , Stein
Publikationen:
Geografisch:


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