Modellhafte Bewahrung umweltgeschädigter Zierelemente der ehemaligen Ratslaube in Halberstadt (Sachsen-Anhalt)

Aktenzeichen 14924/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.03 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Stadt HalberstadtBaudezernat

38805 Halberstadt
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Bundesland: Sachsen-Anhalt
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Die einstmals prächtige, einen hohen handwerklichen und bildkünstlerischen Wert verkörpernde, 1663 den Südeingang des historischen Rathauses bildende Ratslaube wurde 1945 mitsamt diesem zerstört. 1950 konnten noch 56 Stück der bildlich gestalteten Sandsteine, teils beschädigt oder als Fragmente, geborgen werden. Dieser kunsthistorische Wert soll erhalten und später funktional, eingefügt in eine wieder aufzubauende Ratslaube, der Öffentlichkeit präsentiert werden. Der umwelt- und ereignisbedingte Schadstoffeintrag führte zu fortschreitender Zerstörung der Kunstwerke. Ziel ist es, diesen Vorgang zu stoppen, die Steinoberfläche zu neutralisieren und zu konservieren. Gewollter Effekt des Vorhabens ist die hieraus entstehende, wiederverwendbare Technologie für schadstoffbelastete Sandsteine analoger Eigenschaften und Härte sowie die Anwendung speziell abgestimmten Steinersatzmaterials.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenAbfolge der Bearbeitungsphasen:
- Wissenschaftliche Untersuchungen zu Eigenschaften, Zustand, Schadstoffbelastung und Wasseraufnahmeverhalten der Sandsteine vor und nach der Behandlung sowie begleitende Beratung während der Sanierung;
- Ermitteln und Erproben eines geeigneten Festigungs- und Konservierungsmittels im Laborversuch;
- Festigen und Sichern absandender und schollenförmig gelockerter Bereiche mittels Injektion von Mörtel auf mineralischer Basis;
- Entsalzen und Neutralisieren eingetragener Schadstoffe durch Ausschwemmen mittels Kompressenvornässung und Mikrodampfstrahl;
- Ausdünnen schadstoffhaltiger Krusten mit Mikropartikelstrahl und Skalpell nach Erweichen, ggf. Abdünnen und Schlichten durch Schleifen mit Minimotgerät;
- Konservieren entsprechend den Untersuchungsergebnissen und Laborbefunden;
- differenziertes Ergänzen von Fehlstellen an bildlichen Darstellungen.


Ergebnisse und Diskussion

Die anvisierte Zielstellung, die Steine zu gesunden um sie später wieder ihrer ursprünglichen Funktion als Teil eines Baukunstwerkes zuzuführen, wurde im wesentlichen erreicht. Nicht alle Steine waren für eine Wiederverwendung geeignet. Einige Schäden offenbarten sich erst bei der Bearbeitung.

Förderlich und kostensparend erwies sich eine einvernehmliche und koordinierende Zusammenarbeit der verschiedenen Disziplinen, was jedoch nicht gleichzeitig mit Termintreue zu verbinden war.

Die Ergebnisse der Bohrwiderstandsmessungen nach der Konservierung erfüllten nicht die Erwartungen. Im Bericht verwies das IDK Dresden auf anderweitige Erfahrungen mit Kieselsäureester-Produkten, wobei der Festigungseffekt gegenüber den Herstellerangaben oftmals wesentlich später eintrat.

Das vorliegende Ergebnis genügt zwar dem Verwendungszweck, bleibt aber hinter den Laborergebnissen zurück. Eine weitere Beprobung, evtl. nach 6 Monaten, könnte hierzu Aufschluss geben.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Ergebnispräsentation beschränkt sich vorerst auf das Zurschaustellen ausgewählter, konservatorisch und restauratorisch bearbeiteter Werkstücke, kombiniert mit neuen Ergänzungsstücken zu einem Bauteil, aufgebaut in einem zentralen Kaufhauskomplex der Stadt. Später findet dieses Bauteil seine Verwendung in dem wiederzuerrichtenden Bauwerk Ratslaube.


Fazit

Zur Behandlung der umweltgeschädigten sandsteinernen Kunstfragmente wurde eine systematische, folgerichtige Vorgehensweise festgelegt. Diese basierte auf aktuellem Stand wissenschaftlicher Erkenntnisse und praktischer Erfahrungen. Hiermit war es möglich, die äußere Erscheinung des Steines konser-vatorisch so zu fertigen, dass in absehbarer Zeit keine substanzgefährdenden Einflüsse wirksam werden können. Darüber hinaus erreichen die statischen Eigenschaften annährend Originalwerte.

Förderzeitraum: 03.10.1998 - 13.04.2000 (1 Jahr und 6 Monate)
Fördersumme: 51.129,19
Förderbereich: III.9.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Kulturgüter, Umwelttechnik
Publikationen:
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