Modellhafte Sanierung der durch Umwelteinflüsse geschädigten Wendeltreppe in Sandstein-Skelettbauweise von Schloß Hartenfels mit hohem technischen und konservatorischen Schwierigkeitsgrad (Sachsen)

Aktenzeichen 14691/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.11 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Landratsamt Torgau-OschatzDezernat Bau und Umwelt
Schloßstr. 27
04860 Torgau
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Telefon: 03421/758443
Internet: -
Bundesland: Sachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Sanierung des Treppenlaufes des Großen Wendelsteins unter Maßgabe, dass möglichst viele Originalsubstanz erhalten bleiben kann. Die Treppe war bereits jahrelang durch die Bauaufsicht gesperrt.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDie einzelnen Stufen des Treppenlaufes waren zum großen Teil gebrochen, an der Unterseite stark verwittert und an der Oberseite stark ausgetreten und mit einer Stahlbetonschicht überdeckt.Die Voruntersuchungen ergaben, dass ein Teil der Stufen komplett erhalten werden konnte, von anderen Stufen wurden einzelne Teile wiederverwendet und die restlichen Stufen mussten als neue Stufen ausgebildet werden.
Alte und neue Stufenteile wurden mit Bewehrungseisen verbunden und mit Steinersatzmörtel aufmodelliert. Alle Stufen erhielten danach eine Acrylharzvolltränkung. Im Anschluss erfolgte der Wiederaufbau des Treppenlaufes vom Großen Wendelstein. Die Methode der Acrylharzvolltränkung wurde erstmals zur statischen Konsuldierung an Sandsteinelementen angewandt.


Ergebnisse und Diskussion

· Zusammenfassung der Ergebnisse der Festigkeitsuntersuchungen an Probekörpern und der Probebelastungen einzelner restaurierter Stufensteine:
Die an den Probekörpern gewonnenen Versuchsergebnisse sind
- Verhältnis der Druckfestigkeiten und Biegezugsfestigkeiten von getränktem zu ungetränktem Cottaer Sandstein im Mittel 5,3 zu 1,0
- Die Durchtränkung sowohl des Sandsteines als auch der Antrags- und Injektionsmassen wird erreicht.
- Der Haftverbund Stahl-Injektionsmörtel und Injektionsmörtel-Sandstein erreicht durch die Acrylharzvolltränkung Festigkeitswerte, die in ausreichenden Größenordnungen und höher sind als ohne Tränkung.
- Die Antragsmasse erhält durch die Acrylharzvolltränkung ebenfalls die volle Druckfestigkeit des getränkten Sandsteines. Ihr Verbund zum Sandstein ist ohne Mangel. Sandstein und Antragsmasse verhalten sich bei Belastung wie ein homogener Querschnitt.
Die restaurierten Stufen verhielten sich in der Probebelastung unterschiedlich:
- Die Probelast erzeugte Spannungen im Stufenquerschnitt (Nähe Stufenhals) in dreifacher Höhe gegenüber der Gebrauchslast.
- Alle vier Probestufen zeigten durchgängig lineares Verhalten. Es sind demnach keine Versagenserscheinungen aufgetreten.
- Bereits gerissene Stufen (sanierter Riss durch Schwinden wieder geöffnet) besaßen über dem sanierten Riss ca. die doppelte Dehnung.
- Die nachträgliche Behandlung solcher geöffneter Risse mit Acrylat wirkt sich sehr positiv aus.
Schlussfolgerungen:
- Die geforderten Festigkeiten werden mit der praktizierten Sanierungslösung erreicht.
- Ein Problem stellt das Garantieren eines rissfreien Zustandes des Mehrkomponentensystems bis zur Volltränkung dar. Sollten sich die versorgten Risse durch Schwinden und Bewegen der Stufenteile wieder öffnen, kann eine nachträgliche Behandlung durch Acrylat zu wirksamen Verbesserungen führen.
· Modifikation der Oberflächenbehandlung bei der Acrylharzvolltränkung:Damit kurz nach der Volltränkung kein Methylmetacrylat aus größeren Porenöffnungen und Rissen austreten kann, wurden die Oberflächen bisher generell mit aufgeschäumten Hasenhautleim beschichtet. Bei der Tränkung von Neuteilen entsteht dadurch jedoch eine ästhetisch unbefriedigende fleckige Oberfläche. In solchen Fällen werden wesentlich bessere Resultate erzielt bei folgender Vorgehensweise:
- keine Beschichtung mit Hasenhautleim- Abdampfungsrate ca. 1 mm
Verwitterte Originaloberflächen und versorgte Rissbereiche werden mit Hasenhautleim beschichtet.
· Begehung der montierten WendeltreppeBei der anschließenden Begehung der montierten Wendeltreppe wurde der Restaurierungserfolg augenscheinlich. Es wurden auch Probleme, die sich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Acrylharzvolltränkung ergaben, erläutert:
- Eine steinmetzmäßige Nacharbeitung der getränkten Stufen ist nur in engen Grenzen möglich. Nachbesserungen können nur mit schleifenden Diamantwerkzeugen vorgenommen werden.
- Fest mit der Umfassungskonstruktion verbundene Teile konnten nicht ausgebaut und getränkt werden. Soweit sie Teile der Trittflächen der Treppe bilden, mussten sie abgearbeitet und mit einer getränkten Platte versehen werden.
- durch die Volltränkung nehmen die Stufensteine bei Bewitterung kein Niederschlagswasser mehr auf. Ggf. bedeutet dies eine erhöhte Feuchtebelastung für die Umfassungskonstruktion im Bereich des äußeren Auflagers und der Fugen zwischen den Stufensteinen.
Jedoch gilt die Restaurierung des Großen Wendelsteins mit Hilfe der Acrylharzvolltränkung in der praktizierten Weise die anerkennende Zustimmung des von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt eingesetzten Projektbeirates für die vorbildlich geleistete Arbeit aller am Projekt Beteiligter.Durch das Landratsamt Torgau-Oschatz wurden getränkte Sandsteinplatten an einer vielbegangenen Stelle der Schlossanlage eingebaut (Schwelle Eingang Flügel C, unter Großer Wendelstein). Dadurch lassen sich rechtzeitig Hinweise darauf gewinnen, wie sich die Treppenstufen später verhalten bzw. abnutzen werden.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Voruntersuchungen und Ausführungsarbeiten wurden durch einen berufenen Beirat begleitet und in einem abschließenden Kolloquium am 26.02.2003 Fachexperten aus ganz Deutschland vorgestellt. Publikation erfolgte in der örtlichen Presse. Des Weiteren erfolgt eine Publikation durch die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden im Rahmen der 2. Sächsischen Landesausstellung 2004 in Form eines Architektenführers Torgau. Darin wird ein Sonderbericht durch das Landesamt für Denkmalpflege Sachsen über die Rekonstruktion des Großen Wendelsteins erscheinen.


Fazit

Nach Einbau der Wendeltreppe des Großen Wendelsteins und Sanierung der Gewölbe einschließlich der Brüstungen ist der Große Wendelstein gesichert und kann wieder durch die Öffentlichkeit genutzt und bewundert werden. Die äußere Instandsetzung der Fassaden des Großen Wendelsteins zwischen Altanplattform und Gesims unter der Spiegelstube steht noch aus, war aber im Rahmen der Sanierungs-arbeiten in Vorbereitung zur 2. Sächsischen Landesausstellung 2004 nicht vorgesehen.

Förderzeitraum: 30.07.1999 - 31.12.2002 (3 Jahre und 5 Monate)
Fördersumme: 306.454,04
Förderbereich: III.12.1
Themengebiet: Kulturgüterschutz
Stichworte: Umweltforschung, Kulturgüter, Klimaschutz, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen:
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