Förderschwerpunkt Bioabfallverwertung: Nachweis der Genehmigungsfähigkeit einer großdimensionierten Komposttoilettenanlage im städtisch-öffentlichen Raum am Modellprojekt Ökohaus Rostock unter Berücksichtigung baurechtlicher, hygienischer, epidemiologischer und siedlungswasserwirtschaftlicher Aspekte und der Gesamtökobilanz

Aktenzeichen 06203/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.05 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ökohaus e. V. Rostock
Hermannstr. 36
18055 Rostock
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Telefon: 0381/455941
Internet: -
Bundesland: Mecklenburg-Vorpommern
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der Anlass zur Initiierung des Vorhabens war die Suche nach sinnvollen Möglichkeiten der Einsparung von Trinkwasser auch im öffentlichen Bereich. Das Komposttoilettenprojekt sollte weiterhin als öffentlichkeitswirksames Modell für die BR Deutschland Anregungen und Anlaß für eine Nutzung ökologisch und ökonomisch realisierbarer Alternativen der Abfallbeseitigung bieten. Die Zielsetzung bestand einerseits in der Erlangung wissenschaftlich fundierter Erkenntnisse und Sicherheit in der Bewirtschaftung von Trockentoilettenanlagen für Projektbetreiber, Hersteller, Behörden und weitere Kooperationspartner. Zum anderen sollte die behördliche Genehmigungsfähigkeit (hygienische, baurechtliche u.a.) einer Komposttoilettenanlage in einem innerstädtisch-zentral gelegenen und öffentlich genutzten Gebäude nachgewiesen und für ähnliche Projekte in M-V durch Änderung der Rahmenrichtlinien in der Kommunal- und Landesgesetzgebung erleichtert werden.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenZeitlich lassen sich einzelne Projektphasen unterscheiden: der Einbau der Toilettenanlage, die Initiierung des Kompostprozesses durch Beimpfung der Behälter mit Starterkompost sowie Besatz mit im Boden lebenden Tieren sowie die Prozessoptimierung. Die Nutzung der Komposttoilettenanlage erfolgte auf der Grundlage einer Ausnahmegenehmigung durch das zuständige Bauordnungsamt. Während des genehmigten Zeitraumes wurde der Betrieb unter folgenden Gesichtspunkten wissenschaftlich betreut: a) hygienische und epidemiologische Untersuchung der Anlage durch das Landeshygieneinstitut M-V und b) Überprüfung der Notwendigkeit einer siedlungswasser-wirtschaftlichen Nachbehandlung der evtl. anfallenden Sickerwässer, Überwachung bzw. Optimierung des Rotteprozesses und Prüfung der Kompostqualität durch das Institut für Siedlungswasserwirtschaft der Universität Rostock.Alle Arbeiten wurden durch Ökohaus e.V., hauptsächlich in Person der Projektleitung, koordiniert, soweit möglich mit Erfahrungen aus anderen Komposttoilettenanlagen verglichen und die Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.


Ergebnisse und Diskussion

Eine Komposttoilette muss Anforderungen von Kleinkompostieranlagen erfüllen. Der Betrieb erfolgte auf Grundlage der bestehenden baurechtlichen Bestimmungen für die Nutzung üblicher Toiletten (z.B. aktive Be- und Entlüftung geschlossener Räume getrennt von der Behälterlüftung). Die Herren- und Damentoiletten unterschieden sich im Prozessverlauf erheblich voneinander. Während bei den Herren durch Trennung der Fäkalien eine schnelle Umsetzung erfolgt(e), gestaltete sich die Kompostierung in den Damentoiletten aufgrund fehlender Trennung insgesamt schwieriger. In die Damentoiletten wird zum Hauptteil Urin eingetragen. Somit sind der Feuchtigkeitsgrad und das C/N-Verhältnis weit ungünstiger als in den Herrentoiletten. Darüber hinaus wird der Urinstickstoff sehr schnell als Ammoniak freigesetzt. Es empfiehlt sich daher, ein- bis zweimal pro Woche Strukturmaterial zuzu-setzen und das anfallende Sickerwasser zu entfernen oder eine Fest-Flüssig-Trennung zu installieren. Das Sickerwasser bedarf einer Nachreinigung, da es relativ hohe Nährstoffwerte (Stickstoff und Phosphor) aufweist. Um optimale C/N-Verhältnisse zu gewährleisten, hat sich als Zugabe ein Gemisch aus Strohhäcksel und Hobelspänen im Verhältnis 1:1 als optimal erwiesen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, dieselbe Menge Rindenschrot zuzusetzen. Aufgrund der Größe der Behälter ist es schwierig, eine gründliche Durchmischung des Rottegutes zu erreichen. Somit werden sehr hohe Rottetemperaturen kaum erreicht, und es sind längere Rottezeiten einzuplanen. Auch unter ungünstigen Bedingungen finden Rotteprozesse statt. Aufgrund der langen Verweildauer des Rottegutes in der Anlage kann von einer Hygienisierung des Komposts ausgegangen werden. Innerhalb des Projektzeitraumes wurden jedoch keine wesentlichen Mengen an Kompost zur Feststellung der Unbedenklichkeit entnommen.Ein Befall von Drosophila tritt mit hoher Wahrscheinlichkeit, vor allem bei erhöhtem Wassergehalt des Rottegutes auf. Diese können auch gegen den Luftstrom in die Toilettenräume aufsteigen. Eine Schädlingsreduzierung kann durch den Eintrag von Rindenschrot und eine Trockenlegung des Rottegutes erreicht werden. Die Verkompostierung von Küchenabfällen ist in öffentlichen Toiletten-Anlagen nur bedingt empfehlenswert bzw. nur dann, wenn sich der Kompostierungsprozess stabilisiert und sich ein reichhaltiges biologisches Leben entwickelt hat. Zur natürlichen Fliegenbekämpfung können Spinnentiere in die Behälter gebracht werden. Sollte dies nicht ausreichen, kann - vorsichtig dosiert - natürlicher insektizider Wirkstoff eingesetzt werden. Dabei würde aber auch die Spinnenpopulation geschädigt.Die Genehmigung der Anlage im Ökohaus e.V. ist auch weiterhin an Auflagen (wissenschaftliches Begleitprogramm, Unbedenklichkeitsprüfung des Komposts) seitens des Umwelt- und des Bau-Ordnungsamtes der Stadt geknüpft.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

Die Öffentlichkeitsarbeit erfolgte im Wesentlichen innerhalb von Führungen für interessierte Personen, Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer/innen und Multiplikator/innen sowie Projekttagen für Schulklassen in Kooperation mit dem städtischen Umweltberatungszentrum und der Arbeitsgruppe PARÉA (entwicklungspolitische Bildung) des Ökohaus e.V.. Die lokale Presse berichtete in regelmäßigen Abständen über die Anlage und über den Prozessverlauf. Nach Abschluss des Projektes soll die Internetpräsentation fertiggestellt und ein Konzept für Öffentlichkeitsarbeit bezüglich politischer Entscheidungsträger zur Änderung von gesetzlichen Rahmenrichtlinien der Genehmigung erarbeitet werden.


Fazit

Wie die Erfahrungen unseres Projektes zeigen, kann eine Trockentoilettenanlage auf eine ökologisch sinnvolle, wassersparende und hygienische Weise Fäkalien zu einem wertvollen Rohstoff umsetzen. Die Komposttoiletten im Ökohaus e.V. sparen pro Jahr rund 200.000 Liter Trinkwasser. Gemessen an den Abwasserpreisen der Hansestadt Rostock entspricht dies einer jährlichen Kosteneinsparung von ca. 2000 DM. Dabei sind die Subventionierung von Trinkwasser bzw. bisher unbeachtete volkswirtschaftliche Auswirkungen der Abwasserbeseitigung nicht eingerechnet. Andererseits sind aber ebenso der hohe Wartungsaufwand und die derzeitigen Anschaffungskosten für den Betreiber mit einzukalkulieren. Unabhängig vom Spareffekt ging es uns darum, eine Alternative im Umgang mit vermeintlichen Abfallprodukten zu versuchen. Die generelle Genehmigungsfähigkeit von Trocken-Toilettenanlagen konnte durch unser Projekt demonstriert werden. Aufgrund ihrer Größe stellt die Bewirtschaftung von Anlagen in öffentlichen Einrichtungen höhere technische und wissenschaftliche Anforderungen an den Betreiber als Kleinkompostierungsanlagen. So besteht unserer Meinung nach weiterhin Forschungs- und Entwicklungsbedarf hinsichtlich der Funktionalität der Behälter (Kompostentnahme, Konzipierung der Überläufe, Einarbeitung der Zuschlagstoffe.)

Förderzeitraum: 23.03.1995 - 29.08.2001 (6 Jahre und 5 Monate)
Fördersumme: 94.338,46
Förderbereich: II.4.-
Themengebiet: Umweltforschung
Stichworte: Umweltkommunikation, Landnutzung, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen:
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