Umbau und Erweiterung des Kindergartens Groß Lengden unter ökologischen Gesichtspunkten

Aktenzeichen 05209/01
Zusammenfassung / Abstract: Dateigröße: 0.04 MB | Zuletzt geändert: 11.08.2009
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Projektträger: Ev.-Luth. Kirchengemeinde Groß Lengden
Mitteldorfstr. 2
37130 Gleichen
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Bundesland: Niedersachsen
Beschreibung:
Zielsetzung und Anlass des Vorhabens

Der Altbaubestand enthält ein erhebliches Potential zur Einsparung von Heizenergie und Minderung der CO2-Emission. Auch die Anforderungen an die Behaglichkeit des Wohnens sind in den letzten Jahre ständig gestiegen. Erreicht wird die thermische Behaglichkeit durch ein verändertes Heizverhalten in Verbindung mit dem verbesserten Wärmeschutz der Gebäudehülle.
Jedoch ergeben sich bei der Integration von modernen energiesparenden Techniken in historische Gebäude häufig Konflikte mit den denkmalpflegerischen Belangen. Durch falsche Sanierungsmaßnahmen verringert sich der Bestand an Fachwerkgebäuden in Deutschland kontinuierlich. Damit verbunden ist der Verlust der traditionellen Ortsbilder und Hauslandschaften. Sanierungsfehler resultieren weitgehend aus den Versuchen, neuzeitliche Anforderungen ohne Kenntnis über deren Auswirkungen in Fachwerkwänden umzusetzen. Der Umbau des ortsbildprägenden Fachwerkhauses zu einem Niedrigenergiehaus zeigt den Umgang mit den Anforderungen in besonders deutlicher Weise.

Mit dem Projekt soll demonstriert werden, wieweit sich auch im Altbaubereich energiesparendes Bauen praktizieren läßt. Angestrebt wird eine erhebliche Umweltentlastung, ohne daß es zu einem Widerspruch zwischen traditionellem Erscheinungsbild und Wärmeschutz kommen muß.


Darstellung der Arbeitsschritte und der angewandten MethodenDas Gebäude wies einen hohen Sanierungsbedarf auf. Weder das Raumangebot noch der Zustand der Räume und der haustechnischen Ausstattung ließen eine weitere Nutzung als Kindergarten zu. Ein angenehmes Raumklima und Behaglichkeitsempfinden waren nicht gegeben. Da sowohl die Bausubstanz saniert, als auch die technische Ausstattung komplett erneuert werden mußte, bot sich die Möglichkeit einer umfassenden ökologischen Sanierung.
Folgende Ziele wurden definiert:
- Beheizung des Gebäudes über ein ausgereiftes, energiesparendes und abgasarmes Heizsystem
- Reduzierung der Lüftungsverluste und optimale Frischluftzufuhr durch Einbau einer Lüftungsanlage
- Dämmung der Dach-, Fußbodenflächen und Fenster gemäß dem Standard in Niedrigenergiegebäuden
- Optimierung des Wärmeschutzes der Außenwände ohne Gefahr von Substanzschäden
- luftdichte Gebäudehülle zur Vermeidung von Tauwasser und als Voraussetzung für die Lüftungsanlage

Besonders problematisch war die Ausführung der starken Innendämmung der Fachwerkwand und die Realisierung der Luftdichtigkeit der Bauhülle. Die Umsetzung des anspruchsvollen technischen Konzeptes war mit erhöhtem Zeitaufwand für alle Beteiligten verbunden. Von Planern und Handwerkern war besondere Sorgfalt gefordert. Eine Begleitmessung soll die langfristige Substanzverträglichkeit der gewählten Konstruktion belegen.


Ergebnisse und Diskussion

Drei Jahre nach Sanierung des Gebäudes ist es Zeit, erste Erfahrungen und Meßergebnisse zu bewerten. Mit Einschränkungen kann für das Bauvorhaben des Kindergartens in Groß Lengden eine positive Bilanz gezogen werden. Die Atmosphäre und Funktionalität des Gebäudes beeindrucken, der Energieverbrauch tendiert zu den angestrebten Verbrauchsziffern, die Feuchtebeanspruchung der Holzkonstruktion ist zwar deutlich erkennbar, aber weitgehend noch zu tolerieren.
Der hohe Zeitaufwand in Planung und Ausführung resultiert zum größten Teil nicht aus der speziellen Situation, sondern aus der Pilotfunktion. Das Dämmprinzip ist unter Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten evtl. mit abgeminderten Dämmstärken auf eine Vielzahl von Fällen anwendbar. Bewährt hat sich die Verwendung traditioneller und ökologischer Materialien (Lehmputz etc.) als wichtige Komponenten im bauphysikalischen Konzept. Neben den rein technischen Ergebnissen der Qualitätssicherung sind die Erfahrungen, die mit der Qualifizierung der Ausführenden vor Ort gemacht wurden, positiv herauszustellen.
Die Auslegung der Heizungs- und Lüftungstechnik ist dem Niedrigenergiegebäude angemessen und hat sich bewährt. Hinsichtlich der Nutzung der Regelmöglichkeiten von Heizung und Lüftung bestanden anfangs erhebliche Unsicherheiten beim Personal. Nach einer nochmaligen gründlichen Besprechung unter allen Beteiligten hat sich die Akzeptanz noch einmal deutlich erhöht. Insofern kann für die Zukunft auch ein weiter verminderter Energieverbrauch prognostiziert werden.
Die Holzfeuchten liegen zur Zeit überwiegend im Bereich um die kritische 20 %-Marke. Damit ist zwar keine unmittelbare Gefahr für einen Neubefall mit pflanzlichen oder tierischen Schädlingen gegeben, jedoch bleibt ein Risiko. Wünschenswert ist eine weitere Abtrocknung. Die weitere Beobachtung der Feuchteentwicklung und eventuell eine Wiederholung der Luftdichtigkeitsmessung zu Prüfzwecken sind notwendig.
In Groß Lengden wurde demonstriert, daß eine energetische Sanierung mit der unverzichtbaren Dämmung der Bauhülle unter Bewahrung der alten Fachwerkkonstruktion möglich und sinnvoll ist. Schon darin liegt ein großer Erfolg. Der Kindergarten steht nicht unter Denkmalschutz. Bei vergleichbaren Konzepten in Baudenkmälern, wo es nicht nur um den Erhalt des äußeren Erscheinungsbildes geht, müßten zweifellos wesentliche Aspekte der Planung und Ausführung neu durchdacht werden.
Bei guter Abstimmung aller Beteiligten sind im Altbaubestand große Energiesparpotentiale zu erschließen. Voraussetzungen dafür sind aber eine sorgfältige Untersuchung der Bausubstanz und die Erarbeitung eines an diese Substanz angepaßten Maßnahmenkataloges. Zu berücksichtigen ist der Umstand, daß in Groß Lengden die Belastung durch Schlagregen und innere Feuchtequellen eher gering ist. Weitere Ursachen für die gute Zwischenbilanz waren die hohe Motivation und Fachkunde der Beteiligten. Die Einbeziehung von Sonderfachleuten und die spezielle Schulung der Handwerker sind im Alltag nicht die Regel.
Diese Umstände schränken die direkte Übertragbarkeit der Projektergebnisse auf andere Gebäude etwas ein. Der Modellcharakter des Vorhabens bleibt davon unberührt, die Pilotfunktion ist unbestritten.


Öffentlichkeitsarbeit und Präsentation

ZHD-Publikation Niedrigenergie-Bauweise im alten Fachwerkhaus
ZHD-Ausstellung Luft zum Atmen - Häuser zum Leben
Vorstellung des Projektes auf zahlreichen Seminaren und Messen


Fazit

Die Sanierung des alten Fachwerkhauses zu einem Kindergarten in Niedrigenergiebauweise ist gelungen. Hinsichtlich der langfristigen Auswirkung der Dämmaßnahmen auf die alte Fachwerkkonstruktion ist eine weitere Beobachtung angemessen.
Allgemein: In Einzelfällen können auch in empfindlichen historischen Fachwerkgebäuden durchaus anspruchsvolle Energiesparkonzepte verwirklicht werden. Das setzt einen überdurchschnittlichen Aufwand für Planung und Ausführung sowie günstigen Rahmenbedingungen voraus.

Förderzeitraum: 04.10.1994 - 20.12.1999 (5 Jahre und 3 Monate)
Fördersumme: 65.623,80
Förderbereich: I.3.1
Themengebiet: Umwelttechnik
Stichworte: Umweltforschung, Kulturgüter, Klimaschutz, Umwelttechnik, Ressourcenschonung
Publikationen: