02.09.2020 | „Lösungen gegen Klimawandel und für Fragen sozialer Gerechtigkeit“

Deutscher Umweltpreis 2020 für Ökonom Prof. Dr. Ottmar Edenhofer

Umweltpreisträger: Prof. Dr. Ottmar Edenhofer © MCC
Klimaschutz fängt bei jedem selbst an: Sofern es der Terminkalender erlaubt, ist Prof. Dr. Ottmar Edenhofer per Fahrrad unterwegs.
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Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (links) mit Kardinal Reinhard Marx © Robert Kiderle Fotoagentur
Das soziale Miteinander im Blick: Der diesjährige Träger des Deutschen Umweltpreises, Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (links), im Gespräch mit Kardinal Reinhard Marx, dem früheren Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz. Was beide verbindet: Ökonomie spielt in ihrer Arbeit eine wichtige Rolle – für Edenhofer beim Klimaschutz, für Marx als jüngst bestätigter Wirtschaftsrat-Chef im Vatikan.
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Umweltpreisträger Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (rechts) © Reinsch/MCC
Raus aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft: Umweltpreisträger Ottmar Edenhofer (rechts) ist nicht nur ein Meister der Theorie, sondern schaut sich, wie hier in einem Tagebaugebiet, regelmäßig die Lage vor Ort an.
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Fridays-for-Future-Aktivistinnen Greta Thunberg (links) und Luisa Neubauer (zweite von links), Umweltpreisträger Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (dritter von links) und Prof. Dr. Johan Rockström (rechts) © Kriemann/PIK Potsdam
Nicht nur freitags: Der Austausch mit der jüngeren Generation, hier die Fridays-for-Future-Aktivistinnen Greta Thunberg (links) und Luisa Neubauer (zweite von links), ist Umweltpreisträger Prof. Dr. Ottmar Edenhofer (dritter von links) sehr wichtig. Edenhofer leitet gemeinsam mit Prof. Dr. Johan Rockström (rechts) das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.
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Potsdam. Der diesjährige Deutsche Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) geht an einen der weltweit einflussreichsten Pioniere der Ökonomie des Klimawandels: Professor Dr. Ottmar Edenhofer (59), Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) und des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) in Berlin, erhält ein Preisgeld in Höhe von 250.000 Euro. „Durch seine exzellenten Forschungen, wissenschaftsbasierten Politikberatungen sowie sein hohes Engagement schafft er es, über den wirtschaftlichen Denkansatz Lösungen gegen den Klimawandel anzubieten, die auch Fragen der sozialen Gerechtigkeit behandeln“, so DBU-Generalsekretär Alexander Bonde. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier wird die Auszeichnung nach derzeitigem Stand am 25. Oktober in Hannover überreichen.

Verantwortungsvolle und gerechte Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter

Edenhofer verstehe es wie kaum ein anderer, Wirtschaft, Klimaschutz und gesellschaftliche Ansprüche in Einklang zu bringen. „Auf diese Weise hat er politischen Entscheidungsträgern Wege aufgezeigt, durch die vermeintliche Zielkonflikte überwunden werden können“, betont Bonde. Edenhofer sei „ein mutiger Navigator für die Politik“, deren Entscheidungsprobleme er ernst nehme. Gleichwohl gelte er als „unbestechlicher Problemlöser, der nie das Ziel aus den Augen verliert, den gesellschaftlichen Wandel voranzubringen“. Dabei leite ihn „unbeirrbar die Aussicht auf eine verantwortungsvolle und gerechte Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter wie Atmosphäre und Ozeane“. Bonde: „Ihm ist es zu verdanken, dass Regierungsvertreter aufgrund wissenschaftlich fundierter Empfehlungen den politischen Handlungsrahmen so setzen können, damit sich im Sinne des Klimaschutzes zukunftsfähige Innovationen am Markt behaupten.“ So habe der Direktor des PIK, Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, als Berater der Bundesregierung mit seinem Vorschlag, einen Preis für den Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) als steuernde Maßnahme für mehr Klimaschutz einzuführen, maßgeblich zum erfolgreichen Abschluss bei den Verhandlungen zum Klimapaket beigetragen. „Ottmar Edenhofer hat die CO2-Bepreisung als marktwirtschaftliches Leitinstrument der deutschen Klimapolitik entscheidend vorangebracht“, so Bondes Fazit.

Erfolgreiches Engagement für internationale Klimaverhandlungen

Herausragende Verdienste habe sich der Wirtschaftswissenschaftler von 2008 bis 2015 in leitender Funktion als Mitglied des Weltklimarats (IPCC) und Mitverfasser verschiedener IPCC-Berichte erworben. „Auch hier verstand er sich als Mittler zwischen Wissenschaft und Politik und gab entscheidende Impulse für einen notwendigen Reformprozess“, so der DBU-Generalsekretär. Seit 2005 ist Edenhofer Chefökonom am PIK; seit 2018 ist er dort Direktor zusammen mit Johan Rockström, der 2015 den Deutschen Umweltpreis erhielt. Zudem fungiert Edenhofer seit 2012 als Gründungsdirektor des MCC, das zu wirtschaftspolitischen Lösungen mit Bezug auf globale Gemeingüter forscht. An der Technischen Universität Berlin ist er Professor für die Ökonomie des Klimawandels. Darüber hinaus ist er unter anderem Mitglied der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Er ist Ko-Vorsitzender des Lenkungskreises der Wissenschaftsplattform für den Klimaschutzplan 2050, berufen von den Bundesministerien für Wissenschaft und Forschung sowie für Umwelt, und leitet das Kopernikus-Projekt „Ariadne“, das zu den größten Forschungsinitiativen zur Energiewende in Deutschland gehört. Bonde: „In seinem Bestreben zu einer sozial ausgewogenen Klimapolitik hat sich Herr Edenhofer überdies sehr erfolgreich für eine zügige Integration einer deutschen CO2-Preisreform in ein europäisches System als Basis für internationale Klimaverhandlungen eingesetzt.“ Zu seinen Gesprächspartnern zählen hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Kirche und Gesellschaft wie Bundeskanzlerin Angela Merkel, Papst Franziskus und Klimaaktivistin Greta Thunberg.

Klimaschutz als Thema der Gerechtigkeit

Das Interdisziplinäre habe den Wahl-Potsdamer schon immer gereizt, betont Bonde. Ursprünglich sei Edenhofer von der Sozialethik geprägt und habe zeitweise den Jesuiten angehört. „Daher hat Professor Edenhofer sich stets die Frage gestellt, wie unser Wirtschaftssystem so weiterentwickelt werden kann, damit auch Geringverdiener ein Auskommen mit dem Einkommen haben“, sagt Bonde. Der aus einer mittelständischen Unternehmerfamilie stammende Niederbayer hat unter anderem dargelegt, dass die Motivation, sich für den Klimaschutz zu engagieren, durch ökonomische Anreize wie einer CO2-Steuer nicht zerstört, sondern gestärkt wird. Bonde: „Ökonomie und Moral sind für ihn keine Gegensätze.“ Außerdem habe Edenhofer dargelegt, „dass die Einnahmen aus einer CO2-Bepreisung verwendet werden könnten, um vor allem den ärmsten Menschen einen Zugang zu sauberem Wasser und Elektrizität zu ermöglichen. Durch ihn wird Klimaschutz zu einem Thema der Gerechtigkeit.“

Bodenständig und bürgernah geblieben

Edenhofer sei trotz internationaler Aufmerksamkeit stets bodenständig geblieben und habe sich das Talent bewahrt, seine Ideen und Vorstellungen bürgernah und verständlich zu vermitteln, so Bonde. Besondere Achtung bringe er den Lokalpolitikern entgegen, von denen aufgrund seiner Impulse zur Land- und Bodenwertsteuer viele positive Rückmeldungen kommen. Edenhofer selbst formuliert das so: „Von der richtigen Bewirtschaftung der weltweiten Gemeinschaftsgüter – und dazu gehört auch der Boden – hängt der Wohlstand des 21. Jahrhunderts ab.“


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