18.03.2011 | Umfrage: Informationsdschungel hemmt Sanierung von Privathäusern

Verhalten in Modernisierungsfragen untersucht – Ansatz von DBU-Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ bestätigt

Wohlfühlen
Behaglichkeit und Wohnkomfort sind entscheidend für eine künftige Sanierung. In einer Umfrage in Zusammenarbeit mit der DBU-Kampagne "Haus sanieren-profitieren" wurden Einflüsse auf das Sanierungsverhalten von Hausbesitzern untersucht.
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Osnabrück. Zeit ist Geld – das gilt auch für ratsuchende Hausbesitzer, die ihre Immobilien energetisch auf den neuesten Stand bringen wollen. Das ergab eine Umfrage im Rahmen einer Forschungsarbeit in Zusammenarbeit mit „Haus sanieren – profitieren“. Die Klimaschutzkampagne der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) hatte die Einflüsse zum Verhalten von Hausbesitzern für energetische Sanierungen ermitteln lassen. Bundesweit wurden rund 280 ausgesuchte Hausbesitzer befragt. Danach ist der Aufwand, der für die Suche nach geeigneten Informationsquellen aufgewendet wird, ein Hemmnis in Sanierungsfragen. „Wenn Hausbesitzer nicht einfach und günstig an die für sie passenden Informationen kommen, kann das die Entscheidung zu einer Sanierung sehr beeinflussen – oft nicht zum Guten“, sagt Dr.-Ing. E. h. Fritz Brickwedde, DBU-Generalsekretär.

Umweltschutz für viele wichtig, aber keine konkrete Umsetzung folgt

Dass guter Rat nicht teuer sein muss, zeige die bundesweite Beratungskampagne, die Besitzer von unsanierten Ein- und Zweifamilienhäusern mit dem kostenlosen Energie-Check animiere, ihre Gebäude energetisch zu sanieren. Die Befragung habe ergeben, dass Nichtsanierer durchaus ein hohes Umweltbewusstsein hätten. „Für die Mehrheit ist Umweltschutz zwar wichtig, aber daraus folgt keine konkrete Umsetzung wie etwa eine energetische Sanierung“, so Brickwedde.

Eklatante Ahnungslosigkeit der Hausbesitzer zu Kohldioxidausstößen von Häusern

Rund 40 Prozent der befragten Nichtsanierer stimmten der – falschen – Aussage zu, dass es sich bei den von Haushalten verursachten klimaschädlichen Kohlendioxidausstößen nur um einen geringen Teil des gesamten Ausstoßes handele. Brickwedde: „Dabei ist der tatsächliche Anteil enorm. Private Haushalte verbrauchen in Deutschland so viel Energie wie die Industrie oder der Verkehr.“ Diese eklatante Ahnungslosigkeit habe auch eine Befragung des Instituts für sozial-ökologische Forschung 2010 ergeben: Viele Besitzer seien der Ansicht, ihr Haus sei in keinem schlechten energetischen Zustand. Aufklärungsbedarf bestehe also weiterhin. „Und dieser muss befriedigt werden. Denn je mehr die Hausbesitzer über den Kohlendioxidausstoß von Haushalten wissen, umso höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich für eine energetische Sanierung entscheiden. Genau dafür sorgen wir mit unserer bundesweiten Initiative“, sagt Brickwedde. Die Kampagnen-Partner aus dem Handwerk setzten mit dem Energie-Check dort an, wo die Hausbesitzer noch unentschlossen oder nicht genügend informiert seien.

Energie-Check am Tisch
Wohl überlegt sollte eine Sanierung sein: Partner der Kampagne sind darin geschult, einen kostenlosen Energie-Check vor Ort durchzuführen. Das Ergebnis offenbart den oft ahnungslosen Hausbesitzern den energetischen Zustand des Hauses.
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Oft keine Sanierung nach guter Kosten-Nutzen-Analyse

Beinahe alle befragten Sanierer bewerteten eine energetische Sanierung als gut. Auch rund 80 Prozent derjenigen, die nicht saniert haben, täten das. „Die Werte zeigen aber auch, dass nach einer guten Kosten-Nutzen-Analyse einer Sanierung nicht automatisch saniert wird“, erklärt Stefan Rümmele, Projektleiter von „Haus sanieren – profitieren“. Dabei könne nach einer Sanierung der Energiebedarf um mehr als 80 Prozent gesenkt werden. Die Voraussetzungen, auf diese Art Geld zu sparen, seien denkbar günstig. Viele Maßnahmen am Haus würden jetzt zu guten Bedingungen vom Staat unterstützt. Rümmele: „Derzeit sind die finanziellen Voraussetzungen gut. Seit März werden wieder einzelne energetische Sanierungen wie die Hausdämmung, neue Fenster und die Erneuerung der Heizungsanlage von der Kreditanstalt für Wiederaufbau gefördert.“

Eigener Wohnkomfort hat Einfluss auf Sanierungsentscheidung

Vorteile wie der Einsatz für den Klimaschutz oder Einsparmöglichkeiten würden einfach nicht umgesetzt, weil das Problembewusstsein nicht groß genug sei. Zumindest der eigene Wohnkomfort habe einen Einfluss auf die Entscheidung, ob saniert werde oder nicht. „Schließlich sieht eine neue Fassade mit besseren Fenstern schöner aus und steigert die Behaglichkeit in den eigenen vier Wänden. Hinzu kommt die Gewissheit, sein Geld gut eingesetzt zu haben, direkt davon zu profitieren und sich auch für mehr Umweltschutz engagiert zu haben“, erklärt Rümmele.



Die Studie wurde von Jennifer-Marlit Döring im Rahmen ihrer Bachelorabschlussarbeit an der Fachhochschule Osnabrück angefertigt.