18.11.2010 | Keine halben Sachen: Klimaschutz am Haus als Ganzes betrachten

Günstige Anreize für Sanierungswillige – Enkeltauglichkeit und Wohlfühlfaktor erhöhen

Baustelle
Ob vollständige oder teilweise Sanierung: staatliche Förderung gibt es für alle Hausbesitzer. Dem Klima wird geholfen und die eigenen vier Wände werden "enkeltauglich" gemacht.
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Osnabrück. Rund 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und etwa ein Drittel des klimaschädlichen Kohlendioxidausstoßes gehen von Wohngebäuden aus. „Deshalb sind hier die Möglichkeiten zur Energieeinsparung und zum Klimaschutz gewaltig“, weiß Markus Große Ophoff von „Haus sanieren – profitieren“, der Klimaschutzkampagne der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU). Deshalb setze auch die Bundesregierung im Rahmen ihres Energiekonzeptes auf einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand bis 2050 und wolle die jährliche Sanierungsrate deutlich erhöhen. Da das nicht zum Nulltarif funktioniere, sollen staatliche Darlehen den Sanierern unter die Arme greifen. Ob sich aber Einzelmaßnahmen gegenüber einer Komplettsanierung rentierten, müsse auf alle Fälle vorher geprüft werden.

Zusammenspiel aller Maßnahmen kann Wärmeverlust um die Hälfte verringern

„Entscheiden sich Sanierungswillige für neue Fenster, ohne die wärmedurchlässige Fassade zu berücksichtigen oder setzen eine neue Heizungsanlage ein, ohne die Fenster zu erneuern, werden oft deutliche Einsparmöglichkeiten vertan“, so Große Ophoff. „Über das Dach können bis zu 35 Prozent Energie verloren gehen, über die Fenster 15 und über die Kellerdecke bis zu zehn Prozent.“ Erst das Zusammenspiel der Sanierungsmaßnahmen an allen Stellen gemeinsam könne den Wärmeverlust um 50 Prozent verringern.

Staat greift Sanierungswilligen finanziell unter die Arme

Der Staat lasse Sanierungswillige nicht im Regen stehen und biete Umsetzungs-Anreize weiß Große Ophoff: „Heutige Beratungs- und Fördermöglichkeiten garantieren die Wirtschaftlichkeit von kompletten Sanierungen von Anfang an. Diese sollten Hauseigentümer unbedingt nutzen.“ Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) fördere mithilfe von Darlehen die vollständige energetische Sanierung im Programm „Effizient Sanieren“. Kredite in Höhe von bis zu 75.000 Euro pro Wohneinheit würden für diese Kompaktmaßnahmen bereit gestellt. Je nach KfW-Förderstufe erhalte der Sanierer einen Tilgungszuschuss – dieser verringere die Kreditsumme, die zurückgezahlt werden muss - maximal 12,5 Prozent seien möglich. „Für Selbstfinanzierer gibt es außerdem direkte Zuschüsse bis zu 13.125 Euro“, erklärt der DBU-Experte. Einzelne Sanierungsmaßnahmen würden im KfW-Programm „Wohnraum modernisieren“ gefördert. „Hier sind jedoch die Konditionen nicht so günstig.“ In der Regel gelte: Je anspruchsvoller das Sanierungsziel, desto höher der Zuschuss.

Feist: Wenn schon sanieren, dann mit hoher energetischer Qualität

Auch Wolfgang Feist, Träger des Deutschen Umweltpreises 2001 der DBU und maßgeblicher Entwickler des Passivhauskonzeptes, unterstreicht die Verantwortung der Hausbesitzer: „Wenn schon saniert wird, dann auch so, dass sich die Maßnahme heute und auch morgen rechnet, also hohe energetische Qualität erfüllt.“ Die DBU-Kampagne „Haus sanieren – profitieren“ gebe Hausbesitzern einen Einstieg für solides Sanieren, betont Große Ophoff. Schritt für Schritt könne nach dem kostenfreien Energie-Check der Mehrwert für das Haus ausgeschöpft werden. Partner der DBU-Initiative würden im Anschluss an den Erst-Check eine Energieberatung empfehlen. Der Experte untersuche dann konkret die Einsparmöglichkeiten etwa an der Gebäudehülle oder Heizung.

Energetische Sanierungen für nachfolgende Generationen und potenzielle Käufer wichtig

Immer mehr Hausbesitzer würden erkennen, dass mit einer energetischen Sanierung auch eine Wertsteigerung ihres Hauses einher gehe. Das sei vor allem für nachfolgende Generationen und potenzielle Käufer wichtig. „Das Gebäude wird quasi enkeltauglich gemacht“, betont Große Ophoff. Zusätzlich erhöhe sich mit einer Sanierung der Wohlfühlfaktor in den eigenen vier Wänden. Bundesweit sind rund 11.000 Handwerker geschult, um den kostenlosen Energie-Check bei Hauseigentümern durchzuführen. „’Haus sanieren – profitieren’ zählt damit zu den größten Klimakampagnen in Deutschland und wird gemeinsam mit dem Deutschen Handwerk getragen.“

KfW-Grafik Energieeffizient sanieren_groß