{"id":90695,"date":"2026-02-11T10:46:16","date_gmt":"2026-02-11T09:46:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20024-009\/"},"modified":"2026-02-11T10:46:18","modified_gmt":"2026-02-11T09:46:18","slug":"20024-009","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20024-009\/","title":{"rendered":"Analyse der Aas\u00f6kologie wildlebender Vertebraten als Grundlage f\u00fcr die Weiterentwicklung des Prozessschutzes in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zum Belassen von Totholz werden <strong>in der Natur verbliebene Wildtierkadaver<\/strong> immer noch <strong>kontrovers diskutiert<\/strong>. Die Motive reichen von <strong>Seuchenbedenken <\/strong>\u00fcber <strong>\u00c4sthetik <\/strong>bis hin zu schlichtem <strong>Unverst\u00e4ndnis <\/strong>der \u00f6kologischen Prozesse in und um Kadaver. Hier setzt das beantragte Vorhaben an. Bis heute gibt es nur <strong>wenige Studien die statistisch abgesichert Effekte von Kadavern auf \u00d6kosysteme und deren Biodiversit\u00e4t <\/strong>untersucht haben. Dabei liefern bisherige Studien bereits erste Hinweise auf verschiedenste <strong>positive Biodiversit\u00e4tseffekte von Kadavern.<\/strong><\/p>\n<p>Mit meiner Doktorarbeit m\u00f6chte ich die Wissensgrundlage f\u00fcr diesen bisher vernachl\u00e4ssigten Aspekt von Nekromasse in \u00d6kosystemen Deutschlands verbessern und damit das Management von Wildtierkadavern auf eine bessere Grundlage stellen. Ziel dieser Studie ist es, Grundlagen f\u00fcr <strong>zuk\u00fcnftige Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Wildtierkadavern in nat\u00fcrlichen Lebensr\u00e4umen<\/strong> zu schaffen. Dabei kann ich auf bereits bestehende Daten (\u201eVielaas-Projekt\u201c) aus dem Nationalpark Bayerischer Wald (NLP-BW) und einem Bundesweiten Aasprojekt zur\u00fcckgreifen. Meine Modellierungsergebnisse werden die Grundlage f\u00fcr Handlungsempfehlungen des alle 16 Nationalparks umfassenden Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (BfN-F\u00f6rderprojekt Aas\u00f6kologie) sein. Da ich mich sowohl privat, als auch beruflich sehr f\u00fcr den Bereich der <strong>Ornithologie<\/strong> (=Vogelkunde) begeistere, werde ich im Zuge meiner Doktorarbeit einen Fokus auf die Vogelvielfalt setzen. <strong>V\u00f6gel <\/strong>sollen hier zum einen <strong>als Kadaverbesucher<\/strong>, zum anderen aber auch erstmals im gr\u00f6\u00dferen Rahmen f\u00fcr Deutschland <strong>als Kadavertierarten<\/strong> betrachtet werden.<\/p>\n<p>Generelles Ziel ist es herauszufinden, in welchem Habitat (i) welcher Kadavertyp und (ii) in welcher H\u00e4ufigkeit ausgelegt werden muss, um Artenvielfalt und Artengemeinschaften positiv zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte mich dabei folgenden <strong>vier Fragestellungen<\/strong> widmen:<\/p>\n<p>(i) Wie l\u00e4sst sich durch<strong> Variation von Kadavertierarten mit verschiedener Gr\u00f6\u00dfe und unterschiedlichem Ern\u00e4hrungstyp <\/strong>die Biodiversit\u00e4t des Nekrobioms optimieren?<\/p>\n<p>(ii) Zeigen <strong>V\u00f6gel als Kadaverbesucher eine unterschiedliche Pr\u00e4ferenz zwischen Vogelkadavern und S\u00e4ugetierkadavern<\/strong>?\u00a0<\/p>\n<p>(iii) Welche <strong>Rolle spielen Bioregion, Klima und lokales Wildtiermanagement<\/strong> f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t der kadaverassoziierten Arten?<\/p>\n<p>(iv) Welche Rolle nehmen <strong>herbivore Arten als Kadaverbesuche<\/strong>r ein?<\/p>\n<p>Ein interessanter Aspekt ist, dass im Zuge einer <strong>Rehkadaver-Auslegung<\/strong> im Nationalpark Eifel im Juni 2023 noch am selben Tag <strong>21 G\u00e4nsegeier<\/strong> gelandet sind und den Kadaver binnen weniger Stunden verzehrt haben (https:\/\/www.nationalgeographic.de\/tiere\/2023\/06\/seltene-gaeste-geier-im-nationalpark-eifel).<\/p>\n<p>G\u00e4nsegeier z\u00e4hlen schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr zu den heimischen Brutvogelarten, da sie als obligate Aasfresser auf Aas als Nahrung angewiesen sind. Diese Beobachtung alleine zeigt bereits, dass das Auslegen von Tierkadavern sehr interessante Effekte auf ein \u00d6kosystem haben kann, und dass wir so (eventuell) auch gef\u00e4hrdete Arten gezielt unterst\u00fctzen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Themenbereiche: Kadaver\u00f6kologie; Naturschutz; Managementempfehlungen; Ornithologie; Biodiversit\u00e4t<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zum Belassen von Totholz werden in der Natur verbliebene Wildtierkadaver immer noch kontrovers diskutiert. Die Motive reichen von Seuchenbedenken \u00fcber \u00c4sthetik bis hin zu schlichtem Unverst\u00e4ndnis der \u00f6kologischen Prozesse in und um Kadaver. Hier setzt das beantragte Vorhaben an. 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