{"id":90695,"date":"2026-10-23T12:46:25","date_gmt":"2026-10-23T10:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20024-009\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:25","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:25","slug":"20024-009","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20024-009\/","title":{"rendered":"Analyse der Aas\u00c3\u00b6kologie wildlebender Vertebraten als Grundlage f\u00c3\u00bcr die Weiterentwicklung des Prozessschutzes in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zum Belassen von Totholz werden <strong>in der Natur verbliebene Wildtierkadaver<\/strong> immer noch <strong>kontrovers diskutiert<\/strong>. Die Motive reichen von <strong>Seuchenbedenken <\/strong>\u00c3\u00bcber <strong>\u00c3\u201esthetik <\/strong>bis hin zu schlichtem <strong>Unverst\u00c3\u00a4ndnis <\/strong>der \u00c3\u00b6kologischen Prozesse in und um Kadaver. Hier setzt das beantragte Vorhaben an. Bis heute gibt es nur <strong>wenige Studien die statistisch abgesichert Effekte von Kadavern auf \u00c3\u2013kosysteme und deren Biodiversit\u00c3\u00a4t <\/strong>untersucht haben. Dabei liefern bisherige Studien bereits erste Hinweise auf verschiedenste <strong>positive Biodiversit\u00c3\u00a4tseffekte von Kadavern.<\/strong><\/p>\n<p>Mit meiner Doktorarbeit m\u00c3\u00b6chte ich die Wissensgrundlage f\u00c3\u00bcr diesen bisher vernachl\u00c3\u00a4ssigten Aspekt von Nekromasse in \u00c3\u2013kosystemen Deutschlands verbessern und damit das Management von Wildtierkadavern auf eine bessere Grundlage stellen. Ziel dieser Studie ist es, Grundlagen f\u00c3\u00bcr <strong>zuk\u00c3\u00bcnftige Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Wildtierkadavern in nat\u00c3\u00bcrlichen Lebensr\u00c3\u00a4umen<\/strong> zu schaffen. Dabei kann ich auf bereits bestehende Daten (\u00e2\u20ac\u017eVielaas-Projekt\u00e2\u20ac\u0153) aus dem Nationalpark Bayerischer Wald (NLP-BW) und einem Bundesweiten Aasprojekt zur\u00c3\u00bcckgreifen. Meine Modellierungsergebnisse werden die Grundlage f\u00c3\u00bcr Handlungsempfehlungen des alle 16 Nationalparks umfassenden Erprobungs- und Entwicklungsvorhabens (BfN-F\u00c3\u00b6rderprojekt Aas\u00c3\u00b6kologie) sein. Da ich mich sowohl privat, als auch beruflich sehr f\u00c3\u00bcr den Bereich der <strong>Ornithologie<\/strong> (=Vogelkunde) begeistere, werde ich im Zuge meiner Doktorarbeit einen Fokus auf die Vogelvielfalt setzen. <strong>V\u00c3\u00b6gel <\/strong>sollen hier zum einen <strong>als Kadaverbesucher<\/strong>, zum anderen aber auch erstmals im gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178eren Rahmen f\u00c3\u00bcr Deutschland <strong>als Kadavertierarten<\/strong> betrachtet werden.<\/p>\n<p>Generelles Ziel ist es herauszufinden, in welchem Habitat (i) welcher Kadavertyp und (ii) in welcher H\u00c3\u00a4ufigkeit ausgelegt werden muss, um Artenvielfalt und Artengemeinschaften positiv zu beeinflussen.<\/p>\n<p>Ich m\u00c3\u00b6chte mich dabei den folgenden <strong>f\u00c3\u00bcnf Fragestellungen<\/strong> widmen:<\/p>\n<p>(i) Wie l\u00c3\u00a4sst sich durch <strong>Variation von Kadavertierarten verschiedener Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178en <\/strong>die Biodiversit\u00c3\u00a4t des Nekrobioms optimieren?\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>(ii) Welche Rolle spielen B<strong>ioregion, Klima und lokales Wildtiermanagement f\u00c3\u00bcr die Biodiversit\u00c3\u00a4t an Kadavern<\/strong>?\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>(iii) Unterscheidet sich die <strong>Besuchsfrequenz von Wirbeltieren<\/strong> zwischen (a) <strong>Vogel- und S\u00c3\u00a4ugetierkadavern<\/strong> und (b) <strong>offenen und geschlossenen Habitaten<\/strong>?<\/p>\n<p>(iv) Zeigen <strong>herbivore Besucherarten<\/strong> Unterschiede in der Besuchsfrequenz zwischen Kadavern und Kontrollstandorten?<\/p>\n<p>(v) Unterscheidet sich die <strong>Besuchsfrequenz von Wirbeltieren<\/strong> zwischen <strong>Reh-, Seehund- und Vogelkadavern<\/strong>?\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Ein interessanter Aspekt ist, dass im Zuge einer <strong>Rehkadaver-Auslegung<\/strong> im Nationalpark Eifel im Juni 2023 noch am selben Tag <strong>21 G\u00c3\u00a4nsegeier<\/strong> gelandet sind und den Kadaver binnen weniger Stunden verzehrt haben (https:\/\/www.nationalgeographic.de\/tiere\/2023\/06\/seltene-gaeste-geier-im-nationalpark-eifel).<\/p>\n<p>G\u00c3\u00a4nsegeier z\u00c3\u00a4hlen schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr zu den heimischen Brutvogelarten, da sie als obligate Aasfresser auf Aas als Nahrung angewiesen sind. Diese Beobachtung alleine zeigt bereits, dass das Auslegen von Tierkadavern sehr interessante Effekte auf ein \u00c3\u2013kosystem haben kann, und dass wir so (eventuell) auch gef\u00c3\u00a4hrdete Arten gezielt unterst\u00c3\u00bctzen k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p><strong>Themenbereiche: Kadaver\u00c3\u00b6kologie; Naturschutz; Managementempfehlungen; Ornithologie; Biodiversit\u00c3\u00a4t<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Gegensatz zum Belassen von Totholz werden in der Natur verbliebene Wildtierkadaver immer noch kontrovers diskutiert. Die Motive reichen von Seuchenbedenken \u00c3\u00bcber \u00c3\u201esthetik bis hin zu schlichtem Unverst\u00c3\u00a4ndnis der \u00c3\u00b6kologischen Prozesse in und um Kadaver. Hier setzt das beantragte Vorhaben an. 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