{"id":58087,"date":"2026-03-29T10:46:06","date_gmt":"2026-03-29T08:46:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20023-035\/"},"modified":"2026-03-29T10:46:07","modified_gmt":"2026-03-29T08:46:07","slug":"20023-035","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20023-035\/","title":{"rendered":"Entstehung und Entwicklung des Klimaschutzes als Idee und Themenfeld innerhalb der deutschen Natur- und Umweltschutzbewegung am Beispiel des Bund Naturschutz, des Deutschen Alpenvereins, der NaturFreunde Deutschlands und von Greenpeace Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und -schutz besitzt neben seiner naturwissenschaftlich zu erfassenden Dimension auch eine ausgepr\u00e4gte gesellschaftliche Dimension. Schon bei der Beschreibung des Klimawandels als `Problem\u00b4 oder der Definition eines `guten\u00b4, zu `sch\u00fctzenden\u00b4 Klimas handelt es sich schlie\u00dflich um eine menschliche Deutung. Nicht zuletzt ist es gerade diese gesellschaftliche Ebene, auf welcher h\u00e4ufig Schwierigkeiten auftreten, die die praktische Umsetzung von Klimaschutzma\u00dfnahmen erschweren. Umso wichtiger ist es, ein besseres Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die gesellschaftliche Dimension des Klimaschutzes zu erlangen. Ein Mittel hierzu bietet die Geschichtswissenschaft, sprich: die Erforschung des Klimaschutzes in seiner historischen Entwicklung.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Promotionsprojekts wird deshalb das Verh\u00e4ltnis der deutschen Natur- und Umweltschutzbewegung zum Klimaschutz in seiner historischen Entwicklung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erforscht. Mit Blick auf den gesamtgesellschaftlichen Klimaschutzdiskurs ist diese Bewegung von besonderer Bedeutung. Zum einen vertritt sie die Interessen eines relevanten Anteils der deutschen Bev\u00f6lkerung und pr\u00e4gt das gesellschaftliche Meinungsbild zum Klimaschutz ma\u00dfgeblich mit. Zum anderen ist ihr Verh\u00e4ltnis zum Klimaschutz selbst \u00fcberaus komplex und vielschichtig. Einerseits handelt es sich bei der Natur- und Umweltschutzbewegung um einen der wohl wichtigsten Vertreter st\u00e4rkerer Klimaschutzma\u00dfnahmen, andererseits ist ihr Verh\u00e4ltnis zum Klimaschutz durch gr\u00fcne Zielkonflikte (z.B. Windkraft contra Vogelschutz) gepr\u00e4gt, weshalb sich Teile der Bewegung in manchen F\u00e4llen auch gegen konkrete Klimaschutzma\u00dfnahmen engagieren.<\/p>\n<p>Die in sich durchaus vielf\u00e4ltige deutsche Natur- und Umweltschutzbewegung wird in der Dissertation anhand von vier Verb\u00e4nden, die diese repr\u00e4sentativ erfassen, untersucht. Hierbei handelt es sich um den Deutschen Alpenverein, die NaturFreunde Deutschlands, den Bund f\u00fcr Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie Greenpeace Deutschland. Im Einzelnen stehen dabei zun\u00e4chst Fragen nach der Entstehung und Entwicklung des Klimaschutzes als Themenfeld innerhalb der Bewegung im Zentrum: In welchem historischen Kontext wurde der Klimawandel z.B. erstmals (als Problem) wahrgenommen und wie avancierte der Klimaschutz zu einem Thema, f\u00fcr das sich zivilgesellschaftliche Akteure aktiv einsetzten? Forschungsleitend ist zudem die Frage nach den Motiven und angef\u00fchrten Argumenten f\u00fcr den Klimaschutz: Wurde der Klimawandel beispielsweise eher als Bedrohung der Natur oder als Gefahr f\u00fcr die Menschheit dargestellt? Des Weiteren ist nat\u00fcrlich von Interesse, wie genau der praktizierte Klimaschutz aussah und welche L\u00f6sungskonzepte innerhalb der Bewegung im Laufe der Zeit vertreten wurden. Von besonderer Relevanz ist die Frage, wie sich das `neue\u00b4 Thema des Klimaschutzes in den bereits bestehenden Natur- und Umweltschutzdiskurs eingliederte: Ver\u00e4nderte sich letzterer durch den Klimaschutzdiskurs? Inwieweit traten (gr\u00fcne Ziel-)Konflikte zwischen dem Natur- und Umweltschutz sowie dem Klimaschutz auf und wie ist man mit diesen umgegangen? Abschlie\u00dfend soll untersucht werden, ob bzw. worin sich die Positionen zum Klimaschutz der `klassischen\u00b4 Natur- und Umweltschutzverb\u00e4nde von denen der `neuen\u00b4 (reinen) Klimaschutzbewegung unterscheiden. Beantwortet werden diese Forschungsfragen durch die prim\u00e4r qualitative Auswertung eines breiten Spektrums an Quellen, das von den Social-Media-Auftritten der Verb\u00e4nde bis hin zu klassischen archivalischen Quellen reicht. Besonders relevant sind die Mitgliederzeitschriften der einzelnen Organisationen, da sich diese hier der (vereinsinternen) \u00d6ffentlichkeit vorstellten, regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihre T\u00e4tigkeit berichteten und f\u00fcr (Klimaschutz-)Anliegen warben. Zugleich wurden \u00fcber jene Medien aber auch vereinsinterne Debatten rund um den Klimaschutz ausgetragen. Durch die Analyse dieser Magazine lassen sich demnach Erkenntnisse zur Bedeutung und Auspr\u00e4gung des Klimaschutzes sowie entsprechende Ver\u00e4nderungen \u00fcber die Zeit am besten gewinnen.<\/p>\n<p>Die Dissertation schafft damit eine neue, nicht von tagespolitischen Debatten \u00fcberlagerte, Perspektive auf den Klimaschutz und stellt die derzeit h\u00e4ufig kontrovers gef\u00fchrten Auseinandersetzungen \u00fcber (richtigen) Klimaschutz auf ein historisches Fundament. Hierdurch wird der gesellschaftliche Bezugsrahmen zum Klimaschutz und insbesondere die entsprechende Position der Natur- und Umweltschutzbewegung besser verstanden werden. Bei der Planung zuk\u00fcnftiger Klimaschutzma\u00dfnahmen k\u00f6nnen so z.B. m\u00f6gliche diesbez\u00fcglich relevante Bedenken und Vorstellungen der Natur- und Umweltschutzbewegung von Beginn an besser integriert werden. Dies ist f\u00fcr den Erfolg von Klimaschutz, der auch davon abh\u00e4ngt, ob er im Einklang mit der Bev\u00f6lkerung geschieht, von entscheidender Bedeutung. Die zu erwartenden Ergebnisse der Dissertation sind jedoch f\u00fcr alle im Umwelt- bzw. Klimabereich t\u00e4tigen Akteure hilfreich. Auch naturwissenschaftlich Forschende werden etwa durch den gesellschaftlichen Bezugsrahmen zum Klimawandel, beispielsweise in ihrer Auswahl von Forschungsfragen, beeinflusst und profitieren demzufolge von einer kritischen Aufarbeitung dieses Bezugsrahmens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und -schutz besitzt neben seiner naturwissenschaftlich zu erfassenden Dimension auch eine ausgepr\u00e4gte gesellschaftliche Dimension. Schon bei der Beschreibung des Klimawandels als `Problem\u00b4 oder der Definition eines `guten\u00b4, zu `sch\u00fctzenden\u00b4 Klimas handelt es sich schlie\u00dflich um eine menschliche Deutung. 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