{"id":58087,"date":"2026-10-23T12:46:25","date_gmt":"2026-10-23T10:46:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20023-035\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:28","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:28","slug":"20023-035","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20023-035\/","title":{"rendered":"Entstehung und Entwicklung des Klimaschutzes als Idee und Themenfeld innerhalb der deutschen Natur- und Umweltschutzbewegung am Beispiel des Bund Naturschutz, des Deutschen Alpenvereins, der NaturFreunde Deutschlands und von Greenpeace Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und -schutz besitzt neben seiner naturwissenschaftlich zu erfassenden Dimension auch eine ausgepr\u00c3\u00a4gte gesellschaftliche Dimension. Schon bei der Beschreibung des Klimawandels als `Problem\u00c2\u00b4 oder der Definition eines `guten\u00c2\u00b4, zu `sch\u00c3\u00bctzenden\u00c2\u00b4 Klimas handelt es sich schlie\u00c3\u0178lich um eine menschliche Deutung. Nicht zuletzt ist es gerade diese gesellschaftliche Ebene, auf welcher h\u00c3\u00a4ufig Schwierigkeiten auftreten, die die praktische Umsetzung von Klimaschutzma\u00c3\u0178nahmen erschweren. Umso wichtiger ist es, ein besseres Verst\u00c3\u00a4ndnis f\u00c3\u00bcr die gesellschaftliche Dimension des Klimaschutzes zu erlangen. Ein Mittel hierzu bietet die Geschichtswissenschaft, sprich: die Erforschung des Klimaschutzes in seiner historischen Entwicklung.<\/p>\n<p>Im Rahmen des Promotionsprojekts wird deshalb das Verh\u00c3\u00a4ltnis der deutschen Natur- und Umweltschutzbewegung zum Klimaschutz in seiner historischen Entwicklung seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert erforscht. Mit Blick auf den gesamtgesellschaftlichen Klimaschutzdiskurs ist diese Bewegung von besonderer Bedeutung. Zum einen vertritt sie die Interessen eines relevanten Anteils der deutschen Bev\u00c3\u00b6lkerung und pr\u00c3\u00a4gt das gesellschaftliche Meinungsbild zum Klimaschutz ma\u00c3\u0178geblich mit. Zum anderen ist ihr Verh\u00c3\u00a4ltnis zum Klimaschutz selbst \u00c3\u00bcberaus komplex und vielschichtig. Einerseits handelt es sich bei der Natur- und Umweltschutzbewegung um einen der wohl wichtigsten Vertreter st\u00c3\u00a4rkerer Klimaschutzma\u00c3\u0178nahmen, andererseits ist ihr Verh\u00c3\u00a4ltnis zum Klimaschutz durch gr\u00c3\u00bcne Zielkonflikte (z.B. Windkraft contra Vogelschutz) gepr\u00c3\u00a4gt, weshalb sich Teile der Bewegung in manchen F\u00c3\u00a4llen auch gegen konkrete Klimaschutzma\u00c3\u0178nahmen engagieren.<\/p>\n<p>Die in sich durchaus vielf\u00c3\u00a4ltige deutsche Natur- und Umweltschutzbewegung wird in der Dissertation anhand von vier Verb\u00c3\u00a4nden, die diese repr\u00c3\u00a4sentativ erfassen, untersucht. Hierbei handelt es sich um den Deutschen Alpenverein, die NaturFreunde Deutschlands, den Bund f\u00c3\u00bcr Umwelt und Naturschutz Deutschland sowie Greenpeace Deutschland. Im Einzelnen stehen dabei zun\u00c3\u00a4chst Fragen nach der Entstehung und Entwicklung des Klimaschutzes als Themenfeld innerhalb der Bewegung im Zentrum: In welchem historischen Kontext wurde der Klimawandel z.B. erstmals (als Problem) wahrgenommen und wie avancierte der Klimaschutz zu einem Thema, f\u00c3\u00bcr das sich zivilgesellschaftliche Akteure aktiv einsetzten? Forschungsleitend ist zudem die Frage nach den Motiven und angef\u00c3\u00bchrten Argumenten f\u00c3\u00bcr den Klimaschutz: Wurde der Klimawandel beispielsweise eher als Bedrohung der Natur oder als Gefahr f\u00c3\u00bcr die Menschheit dargestellt? Des Weiteren ist nat\u00c3\u00bcrlich von Interesse, wie genau der praktizierte Klimaschutz aussah und welche L\u00c3\u00b6sungskonzepte innerhalb der Bewegung im Laufe der Zeit vertreten wurden. Von besonderer Relevanz ist die Frage, wie sich das `neue\u00c2\u00b4 Thema des Klimaschutzes in den bereits bestehenden Natur- und Umweltschutzdiskurs eingliederte: Ver\u00c3\u00a4nderte sich letzterer durch den Klimaschutzdiskurs? Inwieweit traten (gr\u00c3\u00bcne Ziel-)Konflikte zwischen dem Natur- und Umweltschutz sowie dem Klimaschutz auf und wie ist man mit diesen umgegangen? Abschlie\u00c3\u0178end soll untersucht werden, ob bzw. worin sich die Positionen zum Klimaschutz der `klassischen\u00c2\u00b4 Natur- und Umweltschutzverb\u00c3\u00a4nde von denen der `neuen\u00c2\u00b4 (reinen) Klimaschutzbewegung unterscheiden. Beantwortet werden diese Forschungsfragen durch die prim\u00c3\u00a4r qualitative Auswertung eines breiten Spektrums an Quellen, das von den Social-Media-Auftritten der Verb\u00c3\u00a4nde bis hin zu klassischen archivalischen Quellen reicht. Besonders relevant sind die Mitgliederzeitschriften der einzelnen Organisationen, da sich diese hier der (vereinsinternen) \u00c3\u2013ffentlichkeit vorstellten, regelm\u00c3\u00a4\u00c3\u0178ig \u00c3\u00bcber ihre T\u00c3\u00a4tigkeit berichteten und f\u00c3\u00bcr (Klimaschutz-)Anliegen warben. Zugleich wurden \u00c3\u00bcber jene Medien aber auch vereinsinterne Debatten rund um den Klimaschutz ausgetragen. Durch die Analyse dieser Magazine lassen sich demnach Erkenntnisse zur Bedeutung und Auspr\u00c3\u00a4gung des Klimaschutzes sowie entsprechende Ver\u00c3\u00a4nderungen \u00c3\u00bcber die Zeit am besten gewinnen.<\/p>\n<p>Die Dissertation schafft damit eine neue, nicht von tagespolitischen Debatten \u00c3\u00bcberlagerte, Perspektive auf den Klimaschutz und stellt die derzeit h\u00c3\u00a4ufig kontrovers gef\u00c3\u00bchrten Auseinandersetzungen \u00c3\u00bcber (richtigen) Klimaschutz auf ein historisches Fundament. Hierdurch wird der gesellschaftliche Bezugsrahmen zum Klimaschutz und insbesondere die entsprechende Position der Natur- und Umweltschutzbewegung besser verstanden werden. Bei der Planung zuk\u00c3\u00bcnftiger Klimaschutzma\u00c3\u0178nahmen k\u00c3\u00b6nnen so z.B. m\u00c3\u00b6gliche diesbez\u00c3\u00bcglich relevante Bedenken und Vorstellungen der Natur- und Umweltschutzbewegung von Beginn an besser integriert werden. Dies ist f\u00c3\u00bcr den Erfolg von Klimaschutz, der auch davon abh\u00c3\u00a4ngt, ob er im Einklang mit der Bev\u00c3\u00b6lkerung geschieht, von entscheidender Bedeutung. Die zu erwartenden Ergebnisse der Dissertation sind jedoch f\u00c3\u00bcr alle im Umwelt- bzw. Klimabereich t\u00c3\u00a4tigen Akteure hilfreich. Auch naturwissenschaftlich Forschende werden etwa durch den gesellschaftlichen Bezugsrahmen zum Klimawandel, beispielsweise in ihrer Auswahl von Forschungsfragen, beeinflusst und profitieren demzufolge von einer kritischen Aufarbeitung dieses Bezugsrahmens.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Klimawandel und -schutz besitzt neben seiner naturwissenschaftlich zu erfassenden Dimension auch eine ausgepr\u00c3\u00a4gte gesellschaftliche Dimension. 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