{"id":53514,"date":"2026-01-27T10:50:59","date_gmt":"2026-01-27T09:50:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/06000-386\/"},"modified":"2026-01-27T10:51:00","modified_gmt":"2026-01-27T09:51:00","slug":"06000-386","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/06000-386\/","title":{"rendered":"Einfluss der Windenergienutzung auf die Avifauna im Binnenland"},"content":{"rendered":"<p>Einfluss der Windenergienutzung auf die Avifauna im BinnenlandZusammenfassung der DissertationIm Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde den Fragen nachgegangen, welche Auswirkungen die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen (WEA) auf im Binnenland rastende sowie \u00fcberwinternde, br\u00fctende und ziehende V\u00f6gel hat. Weiterhin wurde die Raum-Zeitnutzung von Greifv\u00f6geln (hier: Accipitriformes und Falconiformes) im Hinblick auf einen m\u00f6glichen Einfluss von WEA untersucht.Rastende und \u00fcberwinternde V\u00f6gelIm Vordergrund dieses Aspektes standen die Fragen, a) ob Windparkfl\u00e4chen im Binnenland in vergleichbarer Weise wie unbeeinflusste Fl\u00e4chen von Durchz\u00fcglern und \u00fcberwinternden Arten als Rast- bzw. Nahrungshabitate genutzt werden und b) ob die vorkommenden Arten ein Meideverhalten gegen\u00fcber WEA zeigen. Zwischen Anfang Januar und Anfang April der Jahre 1998 bis 2000 wurde das Vorkommen sowie die r\u00e4umliche Verteilung \u00fcberwinternder und rastender V\u00f6gel mittels standardisierter Begehungen (vgl. BIBBY et al. 1995) in mehreren westf\u00e4lischen Windparks (WP) erfasst. Zus\u00e4tzlich wurden Daten auf einer Kontrollfl\u00e4che erhoben. Bei einem WP war der Vergleich zwischen der Situation vor und nach der Errichtung von WEA m\u00f6glich. Das Artenspektrum und die Artenzahl waren beim Prae\/Post-Test in den drei Untersuchungsjahren vergleichbar. Auch auf der Kontrollfl\u00e4che und in den anderen WP wurde ein f\u00fcr die westf\u00e4lische Agrarlandschaft typisches Arteninventar festgestellt. Aufgrund der Ergebnisse kann bei den Arten M\u00e4usebussard (Buteo buteo), Turmfalke (Falco tinnunculus), Kornweihe (Circus cyaneus) und Rabenkr\u00e4he (Corvus c. corone) ein Meideverhalten gegen\u00fcber WEA weitgehend ausgeschlossen werden. M\u00f6glicherweise meiden allerdings individuenstarke Rabenkr\u00e4hen-Schw\u00e4rme die Umgebung von WEA. Auch bei den Arten Star (Sturnus vulgaris) und Ringeltaube (Columba palumbus) ergaben sich Hinweise auf ein Meideverhalten bis zu 100 m zur n\u00e4chsten WEA, wobei unklar ist, ob dieser Effekt in urs\u00e4chlichem Zusammenhang mit den WEA steht. Die r\u00e4umliche Verteilung rastender Kiebitze (Vanellus vanellus) beim Prae\/Post-Vergleich weist deutlich auf ein Meideverhalten bis zu einem Abstand von 200 m zu einer WEA hin, aufgrund dessen es zu einem Lebensraumverlust f\u00fcr die Art kommt. Als Ursachen werden Turbulenzen in der Umgebung der WEA, aber auch akustische Reize diskutiert. Es wird empfohlen bei der zuk\u00fcnftigen Planung von WEA einen Abstand von 200 m zu Kiebitz-Rastgebieten einzuhalten.Br\u00fctende V\u00f6gelIm Hinblick auf einen m\u00f6glichen Einfluss auf Brutv\u00f6gel wurde untersucht, ob sich die Errichtung und der Betrieb von WEA auf das Artenspektrum sowie auf die Zahl und die r\u00e4umliche Verteilung der Reviere einzelner Arten auswirkt. In zwei westf\u00e4lischen WP wurden zwischen 1997 und 2000 die Siedlungsdichte und die r\u00e4umliche Verteilung der Reviere mit Hilfe der Revierkartierungsmethode (vgl. BIBBY et al. 1995) vor und nach Errichtung von WEA erfasst. Dieselben Erhebungen fanden auf je einer vergleichbaren Kontrollfl\u00e4che statt (BACI-Design). In keinem der WP kam es nach Errichtung der WEA zu einer wesentlichen Ver\u00e4nderung des Artenspektrums oder der Siedlungsdichte einzelner Arten. Die Analyse der r\u00e4umlichen Verteilung der Feldlerchen-Reviere (Alauda arvensis) in den beiden WP lieferte keinerlei Anzeichen f\u00fcr ein Meideverhalten der Art gegen\u00fcber WEA. Diese Aussage scheint auch f\u00fcr Buchfink (Fringilla coelebs) und Goldammer (Emberiza citrinella) zuzutreffen. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass die genannten Arten z.T. eine hohe Brutorttreue zeigen. Lediglich bei der Wachtel (Coturnix coturnix) war nach Errichtung eines WP ein deutlicher Bestandsr\u00fcckgang zu verzeichnen, der aufgrund des Migrationsverhaltens der Art (Invasionsvogel) allerdings schwer zu interpretieren ist. Zur Kl\u00e4rung eines m\u00f6glichen Zusammenhangs sollte ein langfristiges Monitoring angestrebt werden.Trotz eines fehlenden Meideverhaltens k\u00f6nnen Individuen durch die von WEA ausgehenden akustischen und visuellen Reize oder durch die entstehenden Turbulenzen beeintr\u00e4chtigt werden. Vor diesem Hintergrund wurde das Gesangsverhalten der Feldlerche in der Umgebung von WEA mit Hilfe des ?animal focus sampling? (vgl. ALTMANN 1974) detailliert untersucht. Dabei wurde in gleicher Weise das BACI-Design angewandt. Bei keiner der analysierten Variablen (u.a. Dauer und maximale H\u00f6he eines Singfluges, Gesangsmenge pro 15 min) konnte ein Einfluss der WEA nachgewiesen werden.Greifv\u00f6gelIn der vorliegenden Arbeit wurde der Frage nachgegangen, ob die Errichtung und der Betrieb von WEA auf einer Fl\u00e4che die Raum-Zeitnutzung von Greifv\u00f6geln beeinflusst. Dazu wurden auf einer Windparkfl\u00e4che bei Paderborn vor und nach Errichtung von WEA sowie auf einer nahe gelegenen Kontrollfl\u00e4che Daten erhoben (BACI-Design). Es wurde eine standardisierte Beobachtungsmethode unter Verwendung des ?scan sampling? (vgl. ALTMANN 1974) entwickelt, mit deren Hilfe sich das Auftreten, die r\u00e4umliche Verteilung und das Verhalten der Individuen einer Art differenziert quantitativ beschreiben l\u00e4sst. Die einst\u00fcndigen Beobachtungen fanden in den Jahren 1998 bis 2000 zwischen Anfang Januar und Anfang Juli jeweils pentadenweise statt. Unter Ber\u00fccksichtigung der Kontrollfl\u00e4che lassen die Ergebnisse den Schluss zu, dass die Errichtung und der Betrieb der WEA keinen signifikanten Einfluss auf die Nutzungsintensit\u00e4t bei den Arten M\u00e4usebussard, Turmfalke und Rotmilan (Milvus milvus) hatte. Allerdings gingen M\u00e4usebussard und Turmfalke nach Errichtung der WEA tendenziell weniger der Ansitzjagd nach, was mit dem Verlust von Ansitzwarten w\u00e4hrend der Errichtung der WEA und einer erh\u00f6hten Frequenz akuter St\u00f6rreize (PKW, LKW) begr\u00fcndet wird. Die leicht ver\u00e4nderte r\u00e4umliche Verteilung der beiden Arten ist nicht auf ein Meideverhalten gegen\u00fcber WEA zur\u00fcckzuf\u00fchren. Der WP hat sich f\u00fcr die Arten Rohrweihe (Circus aeruginosus), Wiesenweihe (C. pygargus) und Kornweihe nicht als Barriere ausgewirkt.Ziehende V\u00f6gelEin weiteres Ziel dieser Arbeit war es, das Auftreten von Reaktionen und Irritationen von V\u00f6geln w\u00e4hrend des Tagzuges an verschiedenen WP im Binnenland (Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-W\u00fcrttemberg) zu quantifizieren. Dar\u00fcber hinaus sollte \u00fcber einen Vergleich der in den vier WP gewonnenen Ergebnisse gekl\u00e4rt werden, ob die Reaktionsh\u00e4ufigkeit von den stand\u00f6rtlichen Bedingungen (Anzahl, Art und Anordnung der WEA) abh\u00e4ngt. W\u00e4hrend der Beobachtungen, die in den Jahren 1998 und 1999 zwischen Anfang September und Mitte November stattfanden, wurde das Verhalten der erfassten Individuen bzw. Schw\u00e4rme (=Ereignis) anhand bestimmter Kategorien beschrieben, die vor der Untersuchung definiert worden waren. Es wurden nahezu ausschlie\u00dflich ziehende Kleinv\u00f6gel (Passeres) registriert. Der Anteil der Ereignisse, bei denen deutliche Reaktionen festgestellt wurden, lag an den vier Standorten zwischen 4% und 45%. Als h\u00e4ufigste Reaktion traten horizontale Ausweichbewegungen auf. In 3% bis 19% aller Ereignisse kam es zu einer \u00c4nderung der Schwarmstruktur, die sich vor allem bei individuenstarken Schw\u00e4rmen zeigte. Die Zahl und Dichte der WEA scheint positiv mit der Reaktionsh\u00e4ufigkeit zusammenzuh\u00e4ngen. Eine Anordnung der WEA in einer senkrecht zur Zugrichtung stehenden Reihe sowie ein geringer Abstand zwischen Rotorunterkante und Grund scheinen deutlich mehr Reaktionen zu verursachen. Die Auswirkungen der WEA auf den Kleinvogelzug am Tage werden an den vier untersuchten Standorten als gering eingestuft. Insbesondere wenn WEA in gro\u00dfem Abstand (> 300 m) zueinander stehen, sind keine Beeintr\u00e4chtigungen ziehender Kleinv\u00f6gel zu erwarten. Um das Vogelschlagrisiko an WEA im Binnenland -vor allem im Mittelgebirge- w\u00e4hrend des Herbstzuges abzusch\u00e4tzen, wurde im gleichen Zeitraum die Umgebung von f\u00fcnf WEA mehrfach intensiv nach toten oder verletzten V\u00f6geln abgesucht. Um Aas fressende S\u00e4uger, vor allem den Fuchs (Vulpes vulpes), von den abgesuchten Fl\u00e4chen fernzuhalten, wurden diese mit einem elektrischen Zaun gesichert. W\u00e4hrend der insgesamt 82 Begehungen an den f\u00fcnf WEA wurde ein totes Wintergoldh\u00e4hnchen(Regulus regulus) gefunden, das mit gro\u00dfer Wahrscheinlichkeit durch Kollision mit der WEA ums Leben kam. Trotz methodischer Schwierigkeiten wird das Vogelschlagrisiko an den f\u00fcnf WEA als niedrig eingestuft.Die \u00dcbertragbarkeit dieser Aussagen auf andere Binnenlandstandorte h\u00e4ngt entscheidend von der Intensit\u00e4t des Zuggeschehens und dem Spektrum ziehender Arten ab und ist aufgrund der gro\u00dfen Zahl Einfluss nehmender Faktoren schwierig.Die Errichtung und der Betrieb von WEA kann f\u00fcr einzelne Arten zu gewissen, aber begrenzten Beeintr\u00e4chtigungen f\u00fchren, die durch planerische Ma\u00dfnahmen unter Ber\u00fccksichtigung von Naturschutzaspekten auf ein ertr\u00e4gliches Ma\u00df reduziert werden k\u00f6nnen. Dazu z\u00e4hlt, dass in Vorrangfl\u00e4chen f\u00fcr den Naturschutz sowie in Gebieten, in denen es zu Konzentrationen des Vogelzuges kommen kann, keine WEA errichtet werden sollten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfluss der Windenergienutzung auf die Avifauna im BinnenlandZusammenfassung der DissertationIm Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde den Fragen nachgegangen, welche Auswirkungen die Errichtung und der Betrieb von Windenergieanlagen (WEA) auf im Binnenland rastende sowie \u00fcberwinternde, br\u00fctende und ziehende V\u00f6gel hat. 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