{"id":53474,"date":"2026-01-27T10:50:55","date_gmt":"2026-01-27T09:50:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/06000-498\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:56","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:56","slug":"06000-498","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/06000-498\/","title":{"rendered":"Schildl\u00e4use im Weinbau &#8211; Befallsursachen und Grundlagen f\u00fcr ein umweltschonendes Sch\u00e4dlingsmanagement"},"content":{"rendered":"<p>Schildl\u00e4use im Weinbau &#8211; Befallsursachen und Grundlagen f\u00fcr ein umweltschonendes Sch\u00e4dlingsmanagemenZUSAMMENFASSUNGIn den Jahren 1998 bis 2001 wurden Untersuchungen zu Artenspektrum, Biologie und Syn\u00f6kologie der im Weinbau auftretenden Schildl\u00e4use durchgef\u00fchrt. Damit sollte eine Arbeitsgrundlage geschaffen werden, auf deren Basis sp\u00e4ter praxisorientierte Versuche geplant und durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.Bei den f\u00fcnf an Reben gefundenen Schildlausarten handelt es sich durchweg um polyphage Arten, die auch noch eine Vielzahl anderer Wirtspflanzen besiedeln k\u00f6nnen. Bis auf die Schildlaus Pulvinaria vitis konnten alle an Reben gefundenen Schildlausarten auch im direkten Umfeld von Rebanlagen auf alternativen Wirtspflanzen nachgewiesen werden. Neu f\u00fcr die deutsche Fauna war dabei die Pfirsichschildlaus Parthenolecanium persicae. Weitere 21 Schildlausarten, die zum Teil als alternative Wirtstiere der Parasitoide der Rebenschildl\u00e4use dienen k\u00f6nnen, konnten im direkten Umfeld von Rebanlagen nachgewiesen werden. Von diesen 21 Arten konnten drei auch auf Begr\u00fcnungspflanzen innerhalb von Rebanlagen nachgewiesen werden.Das Spektrum der nat\u00fcrlichen Feinde der Rebenschildl\u00e4use wurde ermittelt. Es konnte gezeigt werden, dass eine Reihe von Wechselwirkungen mit Organismen innerhalb und au\u00dferhalb der Rebanlage existieren, die f\u00fcr die Populationsentwicklung einer Rebenschildlaus im Weinberg von Bedeutung sein k\u00f6nnen. Von den 12 Parasitoid Species, die an Rebenschildl\u00e4usen nachgewiesen wurden, konnte eine Art innerhalb der Begr\u00fcnung an einem alternativen Schildlauswirt, der die Rebe nicht bef\u00e4llt, nachgewiesen werden. Neun dieser Arten konnten aus Rebenschildl\u00e4usen, die im Umfeld von Rebanlagen alternative Wirtspflanzen besiedelten, und acht aus alternativen Schildlauswirten, gez\u00fcchtet werden. Drei R\u00e4uber und drei Parasitoide, die als nat\u00fcrliche Feinde der Rebenschildl\u00e4use bekannt sind, konnten nur aus alternativen Schildlauswirten im Umfeld von Rebanlagen nachgewiesen werden. Bei den Parasitoiden der Rebenschildl\u00e4use reicht das Spektrum von monophagen Arten wie Blastothrix hungarica, die ausschlie\u00dflich Parthenolecanium persicae parasitiert, bis zu polyphagen Arten, wie Coccophagus lycimnia, die sowohl P. corni, P. persicae, Pulvinaria vitis als auch eine Vielzahl von anderen Schildlausarten au\u00dferhalb von Rebanlagen parasitiert. Im Fall dieser Species w\u00e4re eine gezielte F\u00f6rderung des N\u00fctzlings durch eine geeignete Bepflanzung von Rebb\u00f6schungen denkbar.F\u00fcr die nat\u00fcrliche Regulation der Schildl\u00e4use im Weinbau kann entscheidend sein, wie viele Arten von Rebenschildl\u00e4usen auf einmal auftreten, welche Pflanzen in der Begr\u00fcnung und im Umfeld der Rebanlagen zu finden sind und welche Schildlausarten sich dort jeweils ansiedeln. Die Kenntnis solch komplexer qualitativer Wechselwirkungen ist die Voraussetzung f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis quantitativer Prozesse im Feld. Der Versuch einer Quantifizierung der jeweiligen Wechselwirkungen wurde nicht unternommen. An diesem Punkt k\u00f6nnten Nachfolgestudien ansetzen.F\u00fcr die Einsch\u00e4tzung der Bedeutung einzelner Parasitoide ist die Kenntnis ihrer Generationszahl, der Phasen ihrer Aktivit\u00e4t sowie der Mechanismen der Synchronisation ihrer Entwicklung mit der ihrer Wirte notwendig. Mit Hilfe von Gelbschalen wurde drei Vegetationsperioden hindurch die Aktivit\u00e4tsdichte der Schildlausparasitoide bestimmt, mit Zuchtergebnissen und mikroskopischen Untersuchungen abgeglichen und daraus Generationszahlen und \u00dcberdauerungsstrategien im Weinberg ermittelt.F\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Befallsursachen und der Populationsdynamik der Schildl\u00e4use war es notwendig, Methoden zur Quantifizierung des Befalls zu erarbeiten. Es stellte sich heraus, dass es weder auf einem befallenen Stock noch in einer befallenen Anlage oder in einem gr\u00f6\u00dferen Gebiet homogene Verteilungsmuster gibt. Es wurden die Ph\u00e4nologie und das Wanderungsverhalten der Schildl\u00e4use studiert und die Befallsmuster auf dem Stock zu unterschiedlichen Jahreszeiten sowie jene in kompletten Anlagen ermittelt. Die Schildlausbest\u00e4nde der untersuchten Anlagen waren negativ-binomial verteilt. Da die vorgefundenen Verteilungen eine Zufallsbeprobung bei Versuchen nicht zulassen, wurden Ans\u00e4tze ausgearbeitet, anhand derer sich praxisorientierte Experimente zur Bek\u00e4mpfung von Schildl\u00e4usen in Rebanlagen auswerten und quantifizieren lassen. Neu dabei ist die Vor- und Nachbonitur markierter St\u00f6cke und Bl\u00e4tter und bei letzteren die Konstruktion und der Einsatz eines Gel\u00e4ndebinokulars. Das Studium der Populationsdynamik von Schildl\u00e4usen an Einzelst\u00f6cken durch die Erstellung von Lebenstafeln entpuppte sich aus verschiedenen Gr\u00fcnden als fragw\u00fcrdig:1.\tDurch den Rebschnitt finden drastische und gleichzeitig chaotische Eingriffe in die Schildlauspopulation eines einzelnen Stockes statt.2.\tDie Anzahl der Eier ist so gro\u00df (bis zu 3500), dass bereits \u00c4nderungen in der Gesamtmortalit\u00e4t der Schildl\u00e4use im Promillebereich &#8211; die jedoch weit unterhalb der Messgenauigkeit von Feldmethoden liegen &#8211; zu einer Vervielfachung der Schildlauspopulation f\u00fchren k\u00f6nnen.Trotz dieser Schwierigkeiten wurden mit Hilfe der Bonitur kompletter Rebanlagen Verfahren entwickelt, anhand derer allgemeine Ver\u00e4nderungen in der Populationsdichte &#8211; trotz chaotischer Eingriffe am Einzelstock &#8211; beschrieben werden k\u00f6nnen. Der allgemeine Effekt einer Kulturma\u00dfnahme (Zeitpunkt des Rebschnittes) auf eine Schildlauspopulation konnte visualisiert und mit parameterfreier Statistik \u00fcberpr\u00fcft werden.Zur Ermittlung der Todesursachen von Schildlauslarven wurden Licht- und Rasterelektronenmikroskope eingesetzt.Im Hinblick auf die Ursachen des Schildlausbefalls kann f\u00fcr alle f\u00fcnf Arten ausgeschlossen werden, dass Massenvermehrungen durch generelles Fehlen nat\u00fcrlicher Feinde begr\u00fcndet sind. Ebenso k\u00f6nnen vermeintliche Nebenwirkungen von Pflanzenschutzmitteln als generelle Ursache einer Schildlausvermehrung in Rebanlagen ausgeschlossen werden, da auch Anlagen, in denen \u00fcberhaupt kein Pflanzenschutz betrieben wurde, betroffen waren. Der Phosphors\u00e4ureester ME 605, der h\u00e4ufig zur Bek\u00e4mpfung der Traubenwickler (Lep.: Tortricidae: Eupoecilia ambiguella, Lobesia botrana) eingesetzt wird, f\u00fchrt zu hoher Mortalit\u00e4t bei Schildl\u00e4usen. Nach Jahren grossfl\u00e4chiger insektizidfreier Bewirtschaftung von Rebanlagen blieben Schildl\u00e4use in Rebanlagen jedoch lokale, oft eng begrenzte Ph\u00e4nomene. An diesen Stellen liegt eine physiologische Pr\u00e4disposition der Pflanze f\u00fcr Schildlausbefall vor, denn unbefallene St\u00f6cke lie\u00dfen sich bei Stichproben nicht erfolgreich infizieren.In Anlagen mit deutlich abgrenzbaren Schildlausherden wurden deshalb vergleichende chemische Untersuchungen des Bodens, der Bl\u00e4tter und des Mostes befallener und unbefallener St\u00f6cke durchgef\u00fchrt. Bei den Blattanalysen konnten keine deutlichen Unterschiede beim Stickstoffgehalt und in den Mineralstoffgehalten zwischen befallenen und unbefallenen Reben festgestellt werden. Bei den Bodenverh\u00e4ltnissen wurden zwar zum Teil gro\u00dfe Unterschiede in den N\u00e4hrstoffgehalten ermittelt, jedoch zeigte jede untersuchte Anlage ein anderes Bild. Beim Vergleich der Moste von Trauben unbefallener und befallener St\u00f6cke zeigten sich Unterschiede in den Gehalten verschiedener Stickstoffverbindungen: Die Moste befallener Reben zeigten in vier von f\u00fcnf F\u00e4llen h\u00f6here Gesamt-Aminos\u00e4uregehalte als die unbefallener Reben. Einmal waren die Verh\u00e4ltnisse genau umgekehrt.Ein Versuch zum Einfluss einer Blattd\u00fcngung auf die Mortalit\u00e4t von Schildl\u00e4usen erbrachte wenig verwertbare Ergebnisse bis auf die Erkenntnis, dass Schildlauslarven im Sommer offenbar auch die Begr\u00fcnung besiedeln und bei deren Absterben h\u00f6chstwahrscheinlich auf die Rebe zur\u00fcckkehren, was bisher nicht bekannt war.Eine Bek\u00e4mpfung der Schildl\u00e4use ist nur dann sinnvoll, wenn sie Sch\u00e4den verursachen. Bei den bisherigen Untersuchungen konnten auch bei starkem Befall keine \u00e4u\u00dferlich sichtbaren Symptome ausgemacht werden, die auf eine schildlausbedingte Schw\u00e4chung der Rebe hindeuten. Ru\u00dftauschw\u00e4rzungen der Trauben sind offenbar Ph\u00e4nomene niederschlagsarmer Gebiete und traten im Untersuchungsgebiet nur in sehr geringem Ausma\u00df auf. Nach dem bisherigen Stand der Kenntnis ist daher eine Schildlausbek\u00e4mpfung in mitteleurop\u00e4ischen Rebanlagen in der Regel nicht n\u00f6tig.Forschungsbedarf besteht noch hinsichtlich folgender zwei Aspekte des Schildlausbefalls:1.\tWie realistisch ist eine im Labor nachgewiesene Virus\u00fcbertragung im Freiland?2.\tK\u00f6nnen Schildl\u00e4use Verursacher der Holzf\u00e4uleerkrankung ESCA sein?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schildl\u00e4use im Weinbau &#8211; Befallsursachen und Grundlagen f\u00fcr ein umweltschonendes Sch\u00e4dlingsmanagemenZUSAMMENFASSUNGIn den Jahren 1998 bis 2001 wurden Untersuchungen zu Artenspektrum, Biologie und Syn\u00f6kologie der im Weinbau auftretenden Schildl\u00e4use durchgef\u00fchrt. Damit sollte eine Arbeitsgrundlage geschaffen werden, auf deren Basis sp\u00e4ter praxisorientierte Versuche geplant und durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.Bei den f\u00fcnf an Reben gefundenen Schildlausarten handelt es sich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2477],"class_list":["post-53474","promotionsstipendium","type-promotionsstipendium","status-publish","hentry","tag-deutschland"],"meta_box":{"dbu_stipendiaten_az":"06000\/498","dbu_stipendiaten_anrede":"","dbu_stipendiaten_nachname":"Hoffmann","dbu_stipendiaten_vorname":"Christoph","dbu_stipendiaten_titel":"Dr.","dbu_stipendiaten_fbeginn":"1998-06-01 00:00:00","dbu_stipendiaten_fende":"2001-05-31 00:00:00","dbu_stipendiaten_e_anschrif":"Universit\u00e4t Fridericiana Karlsruhe (TH)<br>Zoologie I<br>Fakult\u00e4t f\u00fcr Bio- und Geowissenschaften","dbu_stipendiaten_betreuer":"Prof. Dr. Konrad Schmidt","dbu_stipendiaten_email_dienst":"christoph.hoffmann@wbi.bwl.de"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/53474","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/promotionsstipendium"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/53474\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":59486,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/53474\/revisions\/59486"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=53474"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=53474"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=53474"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}