{"id":53322,"date":"2026-01-27T10:50:39","date_gmt":"2026-01-27T09:50:39","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20001-171\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:40","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:40","slug":"20001-171","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20001-171\/","title":{"rendered":"\u00c4sthetik der Esskultur. Philosophische Grundlegung einer Ethik der Ern\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>EssthetikDas Habilitationsprojekt versucht, mit der Grundlegung einer Ethik der Ern\u00e4hrung ein von der praktischen Philosophie vernachl\u00e4ssigtes Thema zu systematisieren. Weder in der \u00f6kologischen Ethik, der Naturphilosophie oder der politischen Philosophie noch in den Ans\u00e4tzen zu einer Philosophie des guten Lebens, der Lebenskunst oder der Leiblichkeit sowie der \u00c4sthetik des Geschmacksurteils kommt der menschlichen Ern\u00e4hrungspraxis eine systematische Bedeutung zu. Diese thematische Bez\u00fcge zu Natur, Gesundheit, \u00d6konomie, Geschmack und Alltagskultur will das Habilitationsvorhaben in der Essensthematik b\u00fcndeln und unter einer ern\u00e4hrungsethischen Sichtweise in den Blick nehmen. Dabei soll die Ethik der Ern\u00e4hrung als angewandter Teil einer allt\u00e4glichen Ethik und \u00c4sthetik der menschlichen Ess-istenz verst\u00e4ndlich gemacht werden. Es wird die These vertreten, dass eine solche \u00bbEssthetik\u00ab, die Kultur des guten Essens, eine Praxisform des guten Lebens ist. Die Argumentation versucht den damit beanspruchten, normativen Begriff \u00bbdes Guten\u00ab zu kl\u00e4ren und zu begr\u00fcnden. In methodischer Hinsicht verfolgt eine Philosophie der Ern\u00e4hrung zu diesem Zweck einen interdisziplin\u00e4ren Ansatz, der die heute in viele Diskursformen und verschiedenste Wissenschaften zerstreute Ern\u00e4hrungsfrage als Ganzes betrachtet. Ausgangspunkt des Vorhaben ist eine Problematisierung der vorherrschenden Ern\u00e4hrungsgewohnheiten ? mit dem Ergebnis, dass diese wegen ihrer gesundheitssch\u00e4dlichen, un\u00f6kologischen und sozio\u00f6konomisch ungerechten Auswirkungen zu kritisieren sind. Angesichts dieser problematischen Ern\u00e4hrungspraxis soll die systematische Darlegung einer Kultur des genussvollen Essens versucht werden. Als eine unerl\u00e4ssliche Bedingung daf\u00fcr ist im Rahmen einer Theorie der kulinarischen Praxis die Kochkunst als eine in sich wertvolle T\u00e4tigkeit aufzuwerten. Au\u00dferdem wird das Gastmahl, das Essen mit Anderen, als wesentliche Bestandteil einer neuen Kultur des Genusses und Geschmacks beschrieben. Als ein weiteres zentrales Anliegen innerhalb des theoretischen Bezugsrahmens einer philosophischen Ethik der Ern\u00e4hrung wird der Versuch unternommen, den Themenbereich einer \u00f6kologischen Ethik durch den Aspekt der Ern\u00e4hrungs\u00f6kologie zu erweitern. Diesbez\u00fcglich soll der \u00f6kologische Begriff der \u00bbguten Natur\u00ab ? das normativ beanspruchte, qualitativ \u00bbBessere\u00ab einer \u00f6kologischen Landwirktschaft ? auf seine substanziellen, biologischen und landbaulichen Implikationen sowie agrarpolitischen und welt\u00f6konomischen Rahmenbedingungen diskutiert werden. Dar\u00fcber hinaus werden insbesondere die naturphilosophischen Aspekte hinsichtlich einer agrikulturellen Neuerfindung einer geschonten und in diesem Sinne gl\u00fccklichen Natur durchdacht werden. Im Mittelpunkt der gastrosophischen Naturbetrachtung steht der Gedanke ? um einen zentralen Gedanken des jungen Marx aufzugreifen ?  einer ?Humanisierung der Natur? als jener nicht unbetr\u00e4chtliche Teil des nat\u00fcrlich Seienden der Welt, der zum (leiblichen) Wohl der Menschheit bestellt und gelassen sein kann. Das Verst\u00e4ndnis eines solchen essthetisch vermittelten Metabolismus verlangt die \u00bbmetaphysische\u00ab Einsicht in die agrar\u00f6kologische Konstruktion, oder genauer gesagt, in die (um-)welt\u00f6kologische Konstruierbarkeit eines ethischen Mensch-Natur-Verh\u00e4ltnisses. So versucht eine gastrosophische Naturphilosophie ein solches Verst\u00e4ndnis der physiologisch grundlegenden, weltleiblichen Wirkzusammenh\u00e4nge zu gewinnen, dessen metaphysischen Anfangsgr\u00fcnde jedoch auch die erkenntnistheoretische Unm\u00f6glichkeit anzeigen, die eigenen normativen Grunds\u00e4tze im Vergleich zu anderen Wissenschaften der Natur als objektiver zu behaupten. ? Die \u00f6kologischer Wahrheit einer gl\u00fccklich geschonten, guten Natur ist allein ethisch-politisch begr\u00fcndet und nur agrikulturell wie materiell zu bewahrheiten. Um das Politische einer Ethik der individuellen \u00bbEssistenz\u00ab genauer zu fassen, wird es nicht zuletzt um die ?subversive Einsicht? (de Certeau) gehen, dass \u00d6konomie und Industrie ma\u00dfgeblich auf einzelnen Kaufakten beruht und Globalisierung sich \u00fcber die lokale Allt\u00e4glichkeit kultureller Praktiken vollzieht. So ist zu zeigen, dass eine Subpolitik der \u00f6konomischen Strukturen der globalen Nahrungsmittelproduktion heute auch von der unruhigen Freiheit der Produktauswahl durch den einzelnen vollm\u00fcndigen Konsumenten und dessen Kauf- und Urteilskraft ausgehen kann. Dieses subversive wie allt\u00e4gliche Machtquantum zu gebrauchen und sich entsprechendes kosten zu lassen, macht die individuelle Ern\u00e4hrungspraxis zu Sache einer Ethik des guten Lebens. Aus der Sicht der prak-tischen Philosophie kann folglich gezeigt werden, dass der Einzelne ? unterhalb der politischen Strukturen ? aufgrund einer ver\u00e4nderten Esskultur \u00fcber sein eigenes leibliches Wohl und dem mit Anderen geteilten kulinarischen Genuss hinaus auch ein agrar\u00f6kologisches Naturverh\u00e4ltnis sowie global gerechtere Ern\u00e4h-rungsverh\u00e4ltnisse nachhaltig verwirklichen kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>EssthetikDas Habilitationsprojekt versucht, mit der Grundlegung einer Ethik der Ern\u00e4hrung ein von der praktischen Philosophie vernachl\u00e4ssigtes Thema zu systematisieren. 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