{"id":53272,"date":"2026-01-27T10:50:33","date_gmt":"2026-01-27T09:50:33","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20002-280\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:34","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:34","slug":"20002-280","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20002-280\/","title":{"rendered":"Einfluss von Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahmen auf den Stoffhaushalt degradierter Niedermoore"},"content":{"rendered":"<p>Untersuchung degradierter NiedermoorprofileZusammenfassung\/SummaryZur Einsch\u00e4tzung der Auswirkungen einer Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme auf den Stoffhaushalt eines degradierten Niedermoores wurde ein ehemals entw\u00e4ssertes und seit 1996 wieder vern\u00e4sstes ca. 10 Hektar gro\u00dfes Areal im Randow-Welse-Bruch im nord\u00f6stlichen Brandenburg \u00fcber mehrere Jahre untersucht.Stoffkreisl\u00e4ufe wurden vor allem in Abh\u00e4ngigkeit der sich durch die Wiedervern\u00e4ssung \u00e4ndernden Redoxbedingungen modifiziert. Obwohl Phosphor, ein die Eutrophierung ausl\u00f6sendes Element, selbst direkt nicht durch einen Wechsel von aeroben zu anaeroben Bedingungen durch die Wiedervern\u00e4ssung beeinflusst wird, \u00e4nderte sich dessen Mobilit\u00e4t auf Grund der R\u00fcckl\u00f6sung seines Sorptionspartners.Infolge der anhaltend reduzierenden Bedingungen fand nach mehrj\u00e4hriger Wiedervern\u00e4ssung der Prozess der R\u00fcckl\u00f6sung amorpher Eisen(hydr)oxide statt, wobei der ehemals an diese Verbindungen fixierte Phosphor freigesetzt wurde. Selbst nach 6 Jahren war die Mobilisierung des Eisens aus diesen amorphen Verbindungen nicht abgeschlossen. Derzeit kann nicht abgesch\u00e4tzt werden, wie lange die R\u00fcckl\u00f6sung und damit eine Freisetzung von Phosphor andauern wird. Untersuchungen im Niedermoorgebiet des Peenetals (Jordan 2004) zeigten \u00e4hnliche Ergebnisse, wobei die Reduzierung von Fe(III) zu Fe(II) nach 9 Jahren noch nicht abgeschlossen war.Daher muss die Phosphor-Freisetzung bei der Wiedervern\u00e4ssung von Niedermooren mit einem hohen Gehalt an amorphen Eisenverbindungen f\u00fcr einen gegenw\u00e4rtig nicht quantifizierten Zeitraum in Betracht gezogen werden, was zu vor\u00fcbergehenden Konflikten im Wasser- und Bodenschutz f\u00fchren kann. Der Wiedervern\u00e4ssung als Ma\u00dfnahme zum Bodenschutz bei Niedermooren steht eine vor\u00fcbergehende Freisetzung von Phosphor, was zu einem erh\u00f6hten Phosphor-Austragsrisiko und damit zu einem Eutrophierungsrisiko f\u00fcr angrenzende \u00d6kosysteme f\u00fchren kann, gegen\u00fcber. Jedoch bedeutet eine erh\u00f6hte Freisetzung von Phosphor nicht automatisch ein erh\u00f6htes Austragspotenzial, denn nach der Mobilisierung von Phosphor kann es beispielsweise in kalkreichen Substraten als Calciumphosphat gef\u00e4llt werden. Weiterhin wird Phosphor an aeroben Phasengrenzen an Fe(III) erneut festgelegt. Zus\u00e4tzlich kann Phosphor nach initiiertem Torfwachstum wieder in der organischen Substanz gespeichert und somit einer Freisetzung dauerhaft entzogen werden.Bei einem prognostizierten sehr hohen Phosphor-Austragspotenzial des Niedermoorbodens sollten die durch eine Wiedervern\u00e4ssung auftretenden \u00f6kologischen Auswirkungen bewertet und \u00fcber einen gewissen Zeitraum eventuell Ma\u00dfnahmen (z.B. Errichtung einer Phosphor-F\u00e4llungsanlage wie im Rambower Moor) getroffen werden, die zu einer gezielten Phosphor-Festlegung in der wieder vern\u00e4ssten Fl\u00e4che f\u00fchren, damit durch die Wiedervern\u00e4ssung der Niedermoorfl\u00e4che nicht die Eutrophierung benachbarter \u00d6kosysteme verursacht wird. Erh\u00f6hte Phosphor-Austr\u00e4ge nach einer Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme w\u00fcrden den Zielen der Europ\u00e4ischen Wasserrahmenrichtlinie (2000) sowie den Bem\u00fchungen von HELCOM (Helsinki Commission) und OSPAR (Kommission zum Schutz des Nordostatlantiks), diffuse Stoffeintr\u00e4ge zu vermindern, widersprechen.Ob die Wiederverwendung von gereinigtem kommunalen Abwasser zuk\u00fcnftig eine Alternative zur Wiedervern\u00e4ssung von Niedermooren darstellen k\u00f6nnte, wurde durch Lysimeteruntersuchungen, in denen gereinigtes Abwasser einer zweistufigen kommunalen Abwasserbehandlungsanlage eingesetzt wurde, untersucht. Zur \u00dcberpr\u00fcfung, inwiefern Niedermoore nach einer Wiedervern\u00e4ssung wieder als N\u00e4hrstoffsenken sowie als zus\u00e4tzliche Reinigungsstufe f\u00fcr Abw\u00e4sser fungieren und zus\u00e4tzlich einen positiven Beitrag zur Reduzierung des Treibhauseffektes liefern, wurden Stoffums\u00e4tze von Niedermoorprofilen in Lysimetern bilanziert. Damit sollte eine Bewertung m\u00f6glich werden, ob die R\u00fcckf\u00fchrung des gereinigten Abwassers in die Landschaft \u00f6kologisch vertr\u00e4glich ist.Bez\u00fcglich der untersuchten N\u00e4hrstoffe und Schwermetalle bestand im Untersuchungszeitraum kein Gef\u00e4hrdungsrisiko f\u00fcr Boden und Wasser bei Einsatz gereinigter kommunaler Abw\u00e4sser als alternative Wiedervern\u00e4ssung der Niedermoorprofile aus dem Havell\u00e4ndischen Luch (Brandenburg). Bedingung f\u00fcr einen l\u00e4ngerfristigen Einsatz mit gereinigtem kommunalen Abwasser ist die Entnahme der Pflanzensubstanz, damit nicht durch den Abbau der Biomasse die N\u00e4hrstoffe, einschlie\u00dflich des Phosphors, freigesetzt und dem Boden bzw. dem Wasser wieder zugef\u00fchrt werden k\u00f6nnen. Durch j\u00e4hrliche Ernte der Schilfbiomasse l\u00e4sst sich dauerhaft ein gro\u00dfes N\u00e4hrstoffpotenzial entziehen, das umso gr\u00f6\u00dfer ist, je zeitiger die Ernte im Herbst erfolgt. Rationelles Ernten f\u00fcr eine stoffliche und energetische Verwertung von Schilf (Wichtmann 1999, Mauring 2003) wird erst im Winter durchgef\u00fchrt. Daher sollte k\u00fcnftig ebenso untersucht werden, wie durch eine sehr sp\u00e4te sowie eine unterlassene Ernte des Pflanzenbestandes die N\u00e4hrstoffe durch den Abbau der Biomasse freigesetzt, gegebenenfalls in neu gebildeter organischer Substanz gespeichert bzw. dem N\u00e4hrstoffkreislauf wieder zugef\u00fchrt werden und wie dadurch die N\u00e4hrstoffbilanz beeinflusst wird. Torfbildung als Retention ist wegen der geringen j\u00e4hrlichen Akkumulationsraten f\u00fcr die Verbesserung der Wasserqualit\u00e4t jedoch von untergeordneter Bedeutung ? auch wenn diese geringen Akkumulationsraten langfristig enorme Kohlenstoff- und Stickstoffmengen den globalen Stoffkreisl\u00e4ufen entziehen k\u00f6nnen (Trepel 2001).Die Erfassung der gasf\u00f6rmigen Emissionen erm\u00f6glichte eine Ber\u00fccksichtigung innerhalb der Stoffbilanzierung und andererseits eine Bewertung der Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme hinsichtlich ihrer Klimarelevanz. Auf Grund des anaeroben Milieus durch die Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme wurde neben Lachgas auch molekularer Stickstoff als gasf\u00f6rmige Stickstoffverbindung gebildet. Besonders in Hinblick auf die Klimarelevanz der emittierten Spurengase w\u00e4hrend der Wiedervern\u00e4ssung ist diese Tatsache bedeutsam, denn w\u00e4hrend Lachgas ein klimarelevantes Gas ist, besitzt molekularer Stickstoff kein Treibhauspotenzial. Daher w\u00e4re eine potentielle Erh\u00f6hung der Nitrat-Stickstoff-Fracht im Abwasser unbedenklich, denn das hohe Denitrifikationspotenzial des Niedermoorbodens w\u00fcrde h\u00f6here Emissionen des f\u00fcr den Treibhauseffekt unbedenklichen molekularen Stickstoffs anstelle des klimarelevanten Lachgases zur Folge haben.Die summarische Klimawirkung der Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme konnte nur mittels in der Literatur diskutierten CO2-Akkumulationsraten im Boden bei wieder vern\u00e4ssten Niedermooren abgesch\u00e4tzt werden, da mit dem gew\u00e4hlten methodischen Ansatz der Anteil des Kohlenstoffdioxids von Boden und Pflanze nicht getrennt werden konnte. Demnach zeigte sich gegen\u00fcber der entw\u00e4sserten Lysimetervariante ein deutlich positiver Beitrag zur Reduzierung des Treibhauseffektes durch die Wiedervern\u00e4ssung, was bereits bisherige Studien festgestellt hatten. Jedoch ist offensichtlich die Qualit\u00e4t des Zusatzwassers, das zur Wiedervern\u00e4ssung der Torfprofile des Niedermoores Havell\u00e4ndisches Luch eingesetzt wurde, entscheidend. Der positive Effekt der Wiedervern\u00e4ssung auf die kumulierte Klimawirkung der Treibhausgase wurde durch Anwendung von gereinigtem Abwasser mit h\u00f6herem N\u00e4hrstoffeintrag gegen\u00fcber Leitungswasser (Kontrollvariante) zur Wiedervern\u00e4ssung abgeschw\u00e4cht. W\u00e4hrend f\u00fcr das Kontroll-Lysimeter insgesamt eine Verminderung des Treibhauseffektes (negative Zahlen) durch ganzj\u00e4hrig hohe Wasserst\u00e4nde dokumentiert wurde, wurde f\u00fcr die durch Abwasser wieder vern\u00e4ssten Niedermoorlysimeter eine summarische Klimarelevanz der Spurengasemission von<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Untersuchung degradierter NiedermoorprofileZusammenfassung\/SummaryZur Einsch\u00e4tzung der Auswirkungen einer Wiedervern\u00e4ssungsma\u00dfnahme auf den Stoffhaushalt eines degradierten Niedermoores wurde ein ehemals entw\u00e4ssertes und seit 1996 wieder vern\u00e4sstes ca. 10 Hektar gro\u00dfes Areal im Randow-Welse-Bruch im nord\u00f6stlichen Brandenburg \u00fcber mehrere Jahre untersucht.Stoffkreisl\u00e4ufe wurden vor allem in Abh\u00e4ngigkeit der sich durch die Wiedervern\u00e4ssung \u00e4ndernden Redoxbedingungen modifiziert. 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