{"id":53243,"date":"2026-01-27T10:50:30","date_gmt":"2026-01-27T09:50:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20002-392\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:31","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:31","slug":"20002-392","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20002-392\/","title":{"rendered":"Ausbreitung, Etablierung und Populationsgenetik des SilbergrasesCorynephorus (L.) P. BEAUV. als Grundlage eines Biotopverbundes f\u00fcr Sandmagerrasen in Deutschland"},"content":{"rendered":"<p>Ausbreitung und Populationsgenetik des SilbergrasesZiel des Vorhabens ist die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zur Fragmentierung der Habitate sowie zur genetischen Isolation des Silbergrases (Corynephorus canescens). Des Weiteren sollen Pflegema\u00dfnahmen auf ihre Eignung f\u00fcr ein erfolgreiches Management von  Silbergrasfluren getestet werden. Die Ergebnisse sollen als Grundlage dienen, um ein erfolgreiches, \u00fcberregionales Biotopverbundkonzept f\u00fcr Sandmagerrasen in Deutschland zu entwickeln. Die Fragmentierung von Lebensr\u00e4umen ist eines der bedeutendsten Probleme im Naturschutz weltweit. Sie \u00e4u\u00dfert sich in der Ver\u00e4nderung von Biotopgrenzen, Vergr\u00f6\u00dferung der Isolation durch zunehmende Distanzen und strukturelle Barrieren, Verschlechterung der Habitatqualit\u00e4t durch verst\u00e4rkte Randeffekte und fehlende Korridore zur Ausbreitung von Tier- und Pflanzenarten. Sandlebensr\u00e4ume werden aufgrund von wachsendem Fl\u00e4chenverbrauch durch \u00dcberbauung und Aufforstung, fehlenden Bodenst\u00f6rungen, sowie N\u00e4hrstoffanreicherung durch Stickstoffeintr\u00e4ge aus der Luft immer seltener. So wurden sie in Bayern w\u00e4hrend der letzten 100 Jahre auf ca. 1% ihrer urspr\u00fcnglichen Ausdehnung zur\u00fcckgedr\u00e4ngt.Die Verf\u00fcgbarkeit offener Sandfl\u00e4chen spielt f\u00fcr den Fortbestand der Silbergrasfluren eine entscheidende Rolle, da das Silbergras als konkurrenzschwache Pionierart nur diese Stellen besiedelt und an die dort herrschenden Extrembedingungen sehr gut angepasst ist. Das Silbergras toleriert neben N\u00e4hrstoffarmut, Wassermangel und extremen Temperaturen auch \u00dcbersandung durch Wind oder Ameisenaktivit\u00e4t. Nat\u00fcrliche und anthropogene St\u00f6rungen wie Tritt- und Fahrspuren, Bioturbation, Wind- und Wassererosion, milit\u00e4rischer \u00dcbungsbetrieb, Sandabbau und naturschutzfachliche Pflegema\u00dfnahmen stellen wichtige \u00f6kologische Prozesse f\u00fcr die Erhaltung von Sandlebensr\u00e4umen dar.Populationsbiologie:Das Ausbreitungspotential von Silbergrassamen (Karyopsen) wurde an drei Standorten  untersucht. Hierzu wurden Trichterfallen f\u00fcr einen Zeitraum von acht Wochen im Gel\u00e4nde aufgestellt um zu testen, welche Entfernungen die Karyopsen von C. canescens  bei unterschiedlichen Barrieresituationen \u00fcberbr\u00fccken. Es hat sich gezeigt, dass die Ausbreitungsdistanz der Silbergraskaryopsen an den untersuchten Standorten im Bereich von wenigen Metern liegt. Um die Etablierungswahrscheinlichkeit des Silbergrases an verschiedenen Standorten zu untersuchen, wurden Untersuchungsfl\u00e4chen angelegt, auf denen sowohl der Anflug der Samen als auch die Keimung und Etablierung \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum verfolgt werden kann. Die Untersuchungsfl\u00e4chen wurden in Bereichen angelegt, in denen vorher Pflegema\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt wurden (Oberbodenabtrag, Sandaufsch\u00fcttung), um die Etablierungs-wahrscheinlichkeit mit der Art der Pflegema\u00dfnahmen in Beziehung zu setzen. Erg\u00e4nzend hierzu wurden Experimente zur Saatgut\u00fcbertragung durchgef\u00fchrt. Hier hat sich gezeigt, dass neben der Behandlung (Art der Pflegema\u00dfnahme) in erster Linie die Distanz zu einer Donorpopulation f\u00fcr eine Besiedlung der Fl\u00e4che und die erfolgreiche Etablierung von C. canescens verantwortlich ist.Populationsgenetik:In kleinen, isolierten Populationen ist die Erhaltung der genetischen Vielfalt h\u00e4ufig problematisch, da hier die genetische Drift, d.h. die zuf\u00e4llige Verschiebung der Allelh\u00e4ufigkeit im Genpool, besonders wirksam ist. Der Grad der genetischen Diversit\u00e4t und Isolation r\u00e4umlich fragmentierter Silbergraspopulationen wurde mittels Isoenzymanalyse untersucht.F\u00fcr die Untersuchungen wurden 34 Populationen von Corynephorus canescens bez\u00fcglich ihrer populationsgenetischen Struktur analysiert (Isoenzymanalyse). Hierbei war keine deutliche Differenzierung der genetischen Diversit\u00e4t  zwischen den Regionen festzustellen. Es traten keine &#8220;Privat-Allele&#8221; auf. Es konnte jedoch bei sechs Populationen unabh\u00e4ngig von der Region eine signifikante Abweichung vom Hardy-Weinberg-Gleichgewicht beobachtet werden. In Bezug auf die Fitness der Individuen hat sich gezeigt, dass der Durchmesser der Pflanzen als Ma\u00df f\u00fcr die relative Wachstumsrate sowohl von der genetischen Diversit\u00e4t als auch vom Inzuchtkoeffizienten abh\u00e4ngig ist. Auch zwischen r\u00e4umlicher und genetischer Distanz besteht ein signifikanter Zusammenhang. Erg\u00e4nzend hierzu wurden Best\u00e4ubungsexperimente durchgef\u00fchrt, um zu kl\u00e4ren, ob bei C. canescens Selbstbest\u00e4ubung stattfindet, da die Best\u00e4ubungs- und Befruchtungsbiologie einer Art ganz wesentlich bestimmt, welche r\u00e4umlichen genetischen Muster zu erwarten sind. C.canescens ist selbstkompatibel, k\u00f6nnte sich also im Gegensatz zu vielen anderen Gr\u00e4sern selbst befruchten. Es soll deshalb gekl\u00e4rt werden, ob bei C. canescens Selbst- oder Fremdbefruchtung vorliegt.Die Ergebnisse der populationsgenetischen Untersuchungen erm\u00f6glichen eine Einsch\u00e4tzung des Gef\u00e4hrdungspotentials (Inzuchtwahrscheinlichkeit) der Silbergras-Populationen. Mit Hilfe der Untersuchungen zur Populationsbiologie von C. canescens soll gekl\u00e4rt werden, in welcher Entfernung neue Fl\u00e4chen geschaffen werden k\u00f6nnen, bzw. welche Pflegema\u00dfnahmen auf vorhandenen Fl\u00e4chen erfolgversprechend sind. Begleitend wird mit Vertretern von Naturschutzverb\u00e4nden und Beh\u00f6rden ein Ma\u00dfnahmenkatalog zum Erhalt der stark bedrohten Silbergrasfluren entwickelt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausbreitung und Populationsgenetik des SilbergrasesZiel des Vorhabens ist die Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagen zur Fragmentierung der Habitate sowie zur genetischen Isolation des Silbergrases (Corynephorus canescens). 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