{"id":53218,"date":"2026-01-27T10:50:27","date_gmt":"2026-01-27T09:50:27","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20003-491\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:27","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:27","slug":"20003-491","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20003-491\/","title":{"rendered":"Genetische Einfl\u00fcsse allochthoner Wasserfr\u00f6sche auf endemische Wasserfroschpopulationen (R. esculenta-Komplex)"},"content":{"rendered":"<p>Einfl\u00fcsse allochthoner Wasserfr\u00f6sche auf endemische WasserfroschpopulationenDer Handel mit gebietsfremden (allochthonen) Wasserfr\u00f6schen, insbesondere zu kulinarischen Zwecken, hat in vielen L\u00e4ndern Europas zu Faunenverf\u00e4lschungen gef\u00fchrt, da immer wieder importierte Fr\u00f6sche ausgesetzt wurden und wohl auch heute noch werden. Die Verbreitung solcher Tiere stellt ein bisher wenig beachtetes Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr die einheimische Wasserfroschfauna dar. Die ausgesetzten Individuen stammen meist aus S\u00fcdosteuropa und Anatolien. Allochthone Wasserfr\u00f6sche konkurrieren nicht nur mit einheimischen Tieren um Ressourcen, sie bilden auch aus genetischer Sicht eine ernstzunehmende Bedrohung der Best\u00e4nde, da zwischen allochthonen und autochthonen Wasserfroscharten keine bzw. nur sehr eingeschr\u00e4nkte pr\u00e4- und postzygote Isolations-mechanismen ausgepr\u00e4gt sind. Aus Paarungen zwischen endemischen Wasserfr\u00f6schen und eingeschleppten Tieren gehen h\u00e4ufig fertile Hybriden hervor, wodurch Introgressionen allochthoner Gene in den endemischen Genpool m\u00f6glich werden. Morphologisch sind allochthone Wasserfr\u00f6sche nicht von autochthonen zu unterschieden. Erst durch den Einsatz molekularer Methoden ist es m\u00f6glich, die Art- bzw. Formzugeh\u00f6rig-keit korrekt zu identifizieren. Die gro\u00dfe Masse der Gewebeproben wurde in der Bundesrepublik entlang des Rheins gesammelt, dazu kommen einige aus der Westschweiz und Frankreich. Im Rahmen dieser Arbeit wurden bereits die mitochondrialen (mt) Genotypen von mehr als 450 DNA-Proben bestimmt. An Hand der DNA-Sequenzen wurde \u00fcberraschender Weise die gro\u00dffl\u00e4chige Verbreitung eines Genotyps festgestellt, der typisch f\u00fcr eine bisher nur aus Italien bekannte Art (Rana bergeri) ist. Der Anteil der mitochondrialen allochthonen Genotypen betr\u00e4gt 25 % wenn nur die anatolischen- und s\u00fcdosteurop\u00e4ischen Formen in Betracht gezogen werden. Wenn auch die Tiere mit dem mt-Genotypen der italienischen Form (R. bergeri) als urspr\u00fcnglich  anthropogen verschleppt angesehen werden, steigt der Anteil auf 56 %. Von den im Ruhrtal beprobten Tieren wiesen knapp 90 % einen mt-Genotypen auf, der urspr\u00fcnglich nur auf dem Balkan verbreitet war. Neben den mt-Genotypen wird auch eine Region der Kern &#8211; DNA untersucht. Dabei zeigte sich, dass mehr als die H\u00e4lfte der beprobten Tiere einen heterozygoten Zustand in der sequenzierten Region aufweist, was die Auswertung erheblich erschwert. Bis jetzt zeichnet sich ab, dass wenn die Kern ? DNA zugrunde gelegt wird, der Anteil allochthoner Formen deutlich niedriger ausf\u00e4llt. Da aber erst ein kleiner Teil der Proben auf den Kern ? Genotyp hin untersucht wurde, k\u00f6nnten die Zahl noch wesentlich ansteigen. Ebenso k\u00f6nnten viele allochthone Genotypen nur im heterozygoten Zustand auftreten. Weiterhin soll durch Aufzuchtsexperimente die \u00f6kologische Plastizit\u00e4t von autochthonen und allochthonen Individuen sowie der F1-Hybriden aus Kreuzungen: autochthon x allochthon, unter naturnahen Bedingungen vergleichend analysiert werden. Die daf\u00fcr erforderlichen Kreuzungsexperimente wurden zwischen einheimischen R. ridibunda und anatolischen Wasserfr\u00f6schen (R. cf. bedriagae) durchgef\u00fchrt. Nach den ersten Ergebnissen scheinen die Hybriden keine reduzierte \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit zu haben. Die erh\u00f6hte Entwicklungsgeschwindigkeit der Hybriden kann eventuell durch den Heterosiseffekt erkl\u00e4rt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfl\u00fcsse allochthoner Wasserfr\u00f6sche auf endemische WasserfroschpopulationenDer Handel mit gebietsfremden (allochthonen) Wasserfr\u00f6schen, insbesondere zu kulinarischen Zwecken, hat in vielen L\u00e4ndern Europas zu Faunenverf\u00e4lschungen gef\u00fchrt, da immer wieder importierte Fr\u00f6sche ausgesetzt wurden und wohl auch heute noch werden. Die Verbreitung solcher Tiere stellt ein bisher wenig beachtetes Gef\u00e4hrdungspotential f\u00fcr die einheimische Wasserfroschfauna dar. 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