{"id":53178,"date":"2026-01-27T10:50:23","date_gmt":"2026-01-27T09:50:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20004-706\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:23","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:23","slug":"20004-706","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20004-706\/","title":{"rendered":"Verteilung, Funktion und Bedeutung von Schwebfliegen (Diptera, Syrphidae) in einer peripheren Agrarlandschaft"},"content":{"rendered":"<p>Schwebfliegen in einer peripheren AgrarlandschaftDie Industrialisierung der Landwirtschaft der letzten Dekaden birgt ein hohes Risiko f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t in Kulturlandschaften. M\u00f6glichen Konsequenzen eines Best\u00e4uberr\u00fcckgangs werden meist nur anhand eines Taxons, der Wildbienen, untersucht und auf die gesamte Best\u00e4ubergemeinschaft \u00fcbertragen. Dies verzerrt die Absch\u00e4tzung von Best\u00e4uberleistungen in Agrarlandschaften. Schwebfliegen beispielsweise tauchen kaum in den Szenarien zur globalen Best\u00e4uberkrise auf, obwohl sie in der Literatur traditionell als Best\u00e4uber gef\u00fchrt werden.Als neue Basis f\u00fcr die schwach fundierte Klassifikation habe ich die Best\u00e4uberleistung von Schwebfliegen f\u00fcr Raps untersucht. Die Fliegen steigerten sowohl den Samenansatz als auch den Ernteerfolg. Trotz erheblicher Schwankungen in Samenanzahl und ?gewicht zwischen den Jahren blieb dieser Effekt im Vergleich zur Kontrolle konstant. Ganz im Gegensatz zu Bienen war die Best\u00e4ubung in geringen Dichten erfolgreicher als in hohen Dichten.Um diese Ergebnisse von der experimentellen Ebene auf die Landschaftsskala zu extrapolieren, ist es n\u00f6tig, den Einfluss spezifischer Landschaftscharakteristika auf die Struktur von Best\u00e4ubergemeinschaften zu evaluieren. Dazu wurden Schwebfliegen auf 32 Kalkmagerrasen in S\u00fcd-Niedersachsen erfasst. Die Ergebnisse zeigen, dass die Artenzahl und die Dichte gegens\u00e4tzlich reagieren. Die Artenzahl wurde von Faktoren der Ressourcenqualit\u00e4t (z.B. Bl\u00fctendiversit\u00e4t, Habitatvielfalt) beeinflusst. Im Gegensatz dazu war die Dichte abh\u00e4ngig von Faktoren der Ressourcenquantit\u00e4t (z.B. Bl\u00fctendeckung, Habitatfl\u00e4che). Die jeweiligen funktionalen Gruppen wurden stark von der Verf\u00fcgbarkeit spezifischer Landnutzungstypen beeinflusst, wie Ackerland f\u00fcr aphidophage Arten und Wald f\u00fcr xylophage Arten.Um m\u00f6gliche Unterschiede zwischen verschiedenen Best\u00e4ubertaxa in der Abh\u00e4ngigkeit von Landschaftscharakteristika zu untersuchen wurden Wildbienen und Schwebfliegen in der Wetterauregion Mittelhessens aufgenommen. Die Artenzahl der Wildbienen nahm entlang von unbefestigten Feldwegen in Landschaften mit wenigen, isolierten Gr\u00fcnl\u00e4ndern mit steigender Entfernung zu naturnahen Habitaten ab, w\u00e4hrend ein solcher Abfall in den Dichten unabh\u00e4ngig vom Landschaftskontext war. Die Artenzahl der Schwebfliegen war unabh\u00e4ngig von der Distanz, die Schwebfliegendichten jedoch stiegen unabh\u00e4ngig vom Landschaftskontext mit steigender Entfernung von den naturnahen Habitaten an. S\u00e4mtliche Taxa der Best\u00e4ubergilde nehmen dieselbe Landschaft also ausgesprochen unterschiedlich wahr.Die vorliegende Arbeit zeigt deutlich die Relevanz von Schwebfliegen als Best\u00e4uber in Agrarlandschaften. Der gesteigerte Ernteertrag bei Sommerraps ist ein seltenes Beispiel der Best\u00e4uberleistung dieses Taxons und muss als Grundlage dienen, zuk\u00fcnftig weniger prominente Best\u00e4ubergeneralisten in der Debatte zur globalen Best\u00e4uberkriese zu ber\u00fccksichtigen. Die Annahme eines einfachen linearen Zusammenhanges zwischen Best\u00e4uberdichte und Best\u00e4uberleistung, das Ignorieren von modulierenden Effekten biotischer Interaktionen also, scheint zudem f\u00fcr diese wichtigen Vertreter der Best\u00e4ubergemeinschaft nicht zuzutreffen.Schwebfliegen sind zudem stark an landwirtschaftliche Managementpraktiken angepasst und somit vielversprechende Dienstleister f\u00fcr die Best\u00e4ubung in Agrar\u00f6kosystemen. Da sie im au\u00dferdem gegenl\u00e4ufig zu Wildbienen auf spezifische Landschaftscharakteristika reagieren, kann von einer erg\u00e4nzenden Best\u00e4uberleistung auf der Landschaftebene ausgegangen werden. So f\u00fcllen Schwebfliegen die L\u00fccken in Landschaften, die von Bienen kaum genutzt werden, und k\u00f6nnen die postulierte Best\u00e4uberkriese in gewissem Ma\u00dfe abschw\u00e4chen. Der spezifische \u00f6kologische und \u00f6konomische Wert dieser ausgleichenden Leistung muss in zuk\u00fcnftigen Studien noch ermittelt werden.Jedoch werden Generalisierungen hinsichtlich des Effektes der Landschaftsstruktur auf alle Best\u00e4uber zu falschen Empfehlungen f\u00fcr die Landschaftsplanung sowie den Naturschutz f\u00fchren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwebfliegen in einer peripheren AgrarlandschaftDie Industrialisierung der Landwirtschaft der letzten Dekaden birgt ein hohes Risiko f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t in Kulturlandschaften. M\u00f6glichen Konsequenzen eines Best\u00e4uberr\u00fcckgangs werden meist nur anhand eines Taxons, der Wildbienen, untersucht und auf die gesamte Best\u00e4ubergemeinschaft \u00fcbertragen. Dies verzerrt die Absch\u00e4tzung von Best\u00e4uberleistungen in Agrarlandschaften. 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