{"id":53159,"date":"2026-01-27T10:50:20","date_gmt":"2026-01-27T09:50:20","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20004-726\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:20","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:20","slug":"20004-726","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20004-726\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderungen staatlichen Handelns in den 1970er Jahren. Wirtschafts- und umweltpolitische Entscheidungen am Beispiel der Flughafenerweiterungen in Frankfurt am Main und Stuttgart"},"content":{"rendered":"<p>Ver\u00e4nderungen staatlichen Handelns am Beispiel der FlughafenerweiterungenTraditionell wurden Umweltprobleme mit Hilfe von technischen Optimierungen, durch Verhaltens\u00e4nderungen auf der Grundlage von rechtlichen Vorschriften und \u00f6konomischen Anreizen oder durch die r\u00e4umliche Trennung von Verschmutzungsquelle und Betroffenen zu l\u00f6sen versucht. Der normativen Grundsatzentscheidung, ob im Zweifelsfall eher der wirtschaftliche Wohlstand oder eine intakte Umwelt die gesellschaftlich zu maximierende Zielgr\u00f6\u00dfe sein sollte, wurde damit jedoch ausgewichen. Erst in j\u00fcngster Zeit regt die Leitlinie der Nachhaltigkeit zum Kompromiss zwischen \u00f6kologischen, sozialen und \u00f6konomischen Zielen an, ohne jedoch bereits eine klare Richtschnur f\u00fcr gesamtgesellschaftlich kontroverse Entscheidungen zu bieten. Anhand der Flughafenerweiterungsdebatten in der Bundesrepublik seit 1945 geht das Dissertationsprojekt einer gesellschaftlichen Positionierung in diesem Zielkonflikt exemplarisch nach. Ziel der Arbeit ist es zum einen zu untersuchen, inwieweit sich mit dem gesellschaftlichen Normenverst\u00e4ndnis auch das Verst\u00e4ndnis von Staatsaufgaben ver\u00e4nderte und wie dies die F\u00e4higkeit gesellschaftlicher Akteure beeinflusste, allgemein akzeptierte Entscheidungen herbeizuf\u00fchren. Zum anderen soll die historische Dimension der Konflikte, insbesondere im Hinblick auf den Umweltdiskurs, ausgelotet werden. Dabei eignen sich Flugh\u00e4fen als Untersuchungsgegenstand zum einen, weil sich die Kontroversen um ihren Ausbau im Rahmen der entstehenden Umweltbewegung abspielten. Interessant ist zum anderen ihre r\u00e4umliche Dialektik: Im Funktionsmodus der Globalisierung tragen sie zur Raum\u00fcberwindung und Integration globaler Netzwerke bei, in der Region wirken sie durch L\u00e4rm und Landschaftszerst\u00f6rung als permanente St\u00f6rung. Dies stellt territorial strukturierte staatliche Einheiten vor die Schwierigkeit, zwischen den unterschiedlichen r\u00e4umlichen Daseinsmodi, Bed\u00fcrfnissen und Werthaltungen ihrer Staatsb\u00fcrger zu vermitteln. Anhand einer breiten Auswahl von schriftlichen Quellen werden diese Hypothesen \u00fcberpr\u00fcft und pr\u00e4zisiert. Die empirische Fallstudie konzentriert sich auf das Beispiel des Frankfurter Flughafens, der seit der Einf\u00fchrung der D\u00fcsenflugzeuge in den sp\u00e4ten f\u00fcnfziger Jahren stetig erweitert wurde. Den Kern der Ausbaubem\u00fchungen bildete das Projekt einer dritten Startbahn, die mit vier Kilometern L\u00e4nge und 45 Metern Breite in nahezu rechtem Winkel zu den bestehenden beiden Parallelbahnen in ein bis dahin geschlossenes Waldgebiet hineinragen sollte. In den sp\u00e4ten f\u00fcnfziger Jahren erstmals angedacht, 1966 luftverkehrsrechtlich genehmigt und 1971 planfestgestellt, \u00fcberdauerte das Projekt die konjunkturschwachen siebziger Jahre in langwierigen Auseinandersetzungen vor Gericht, bevor es im Herbst 1981 ausgerechnet zur Zeit einer konjunkturellen Schw\u00e4che des globalen Luftverkehrs verwirklicht wurde. Heftige Proteste aus den umliegenden Kommunen und der Bev\u00f6lkerung in der Nachbarschaft des Flughafens, die vor allem eine weitere Zunahme des ohnehin schon als unertr\u00e4glich empfundenen Flugl\u00e4rms bef\u00fcrchteten, hatten das Projekt von Anfang an begleitet. Als sich Ende der siebziger Jahre die gerichtliche Niederlage der Startbahngegner abzeichnete, gewannen die Proteste jedoch an Sch\u00e4rfe; anl\u00e4sslich des Baubeginns kam es zu heftigen und zum Teil blutigen Auseinandersetzungen zwischen Startbahngegnern und Polizei. Vor dem Hintergrund der beginnenden gesellschaftlichen Reflexion \u00fcber \u00f6kologische Zusammenh\u00e4nge w\u00e4hrend der siebziger Jahre war eine Startbahn, die von den Planern urspr\u00fcnglich als der beste aller Kompromisse insbesondere im Hinblick auf die geringst m\u00f6gliche L\u00e4rmbelastung der Anwohner konzipiert worden war, zum Symbol geworden f\u00fcr die Verbauung des regionalen Lebensraumes und das Geltungsbed\u00fcrfnis eines b\u00fcrgerfernen Machtstaates. Die Dissertation ordnet die Ereignisse und Diskurse aus dem Planungsverfahren in den Kontext der regionalen Entwicklung, der globalen Luftverkehrsentwicklung sowie der Bundesverkehrspolitik ein. Damit strebt die Arbeit ein umfassenderes Verst\u00e4ndnis der Flughafenkonflikte an als ein engerer Fokus auf die offene Auseinandersetzung an der Startbahn erlauben w\u00fcrde. Methodisch nimmt die Arbeit damit einen Spagat zwischen Mikro- und Makrogeschichte vor. Da sich die siebziger Jahre als Zeit beginnender Strukturbr\u00fcche abzeichnen, kn\u00fcpft die Arbeit au\u00dferdem an aktuelle geschichts- und sozialwissenschaftliche Debatten \u00fcber die siebziger Jahre als Umbruchsphase der Moderne an.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ver\u00e4nderungen staatlichen Handelns am Beispiel der FlughafenerweiterungenTraditionell wurden Umweltprobleme mit Hilfe von technischen Optimierungen, durch Verhaltens\u00e4nderungen auf der Grundlage von rechtlichen Vorschriften und \u00f6konomischen Anreizen oder durch die r\u00e4umliche Trennung von Verschmutzungsquelle und Betroffenen zu l\u00f6sen versucht. 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