{"id":53120,"date":"2026-01-27T10:50:16","date_gmt":"2026-01-27T09:50:16","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20005-766\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:16","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:16","slug":"20005-766","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20005-766\/","title":{"rendered":"Habitatanforderungen und Ausbreitungslimitierung f\u00fcr die in Mitteleuropa vom Aussterben bedrohte Art Cerambyx cerdo (Coleoptera, Cerambycidae)"},"content":{"rendered":"<p>Habitat- und Ausbreitungsmodellierung beim HeldbockDer Heldbock (Cerambyx cerdo L.) ist in Mitteleuropa eine vom Aussterben bedrohte Bockk\u00e4ferart. Fraglich war, welche genauen Bedingungen die Art zur Existenz ben\u00f6tigt und welche Eigenschaften Habitate aufweisen m\u00fcssen, um ein l\u00e4ngerfristiges \u00dcberleben des Heldbocks zu sichern. Ebenso ist sehr wenig bekannt \u00fcber das Bewegungsverhalten im Lebensraum bzw. \u00fcber die M\u00f6glichkeiten einer Ausbreitung \u00fcber l\u00e4ngere Distanzen. Der Heldbock ist als Altholzbesiedler ein Repr\u00e4sentant eines an Struktur und Mikroklimaten reichen Lebensraumes. Durch die Erfassung weiterer xylobionter K\u00e4ferarten soll die Eignung des Heldbockes als Schirmart analysiert werden.Die Ergebnisse dieses Vorhabens schaffen die Vorraussetzung f\u00fcr einen effektiven und effizienten Natur- und Artenschutz. Cerambyx cerdo ist eine europa- und weltweit gesch\u00fctzte Art (vgl. FFH-Richtlinie; Washingtoner Artenschutzabkommen). F\u00fcr den Erhalt der in Mitteleuropa beheimateten Unterart C. cerdo cerdo und f\u00fcr das \u00dcberleben der Art insgesamt tr\u00e4gt Deutschland eine gro\u00dfe Verantwortung. FazitMit Hilfe der durchgef\u00fchrten Studien konnten \u00f6kologische Schl\u00fcsselfaktoren f\u00fcr die vom Aussterben bedrohte Bockk\u00e4ferart Cerambyx cerdo identifiziert und erstmals quantifiziert werden. Diese Faktoren zeigen die enge Habitatbindung der untersuchten Art und erweitern die bisherigen Kenntnisse \u00fcber die Biologie der FFH-Art. Es konnte gezeigt werden, dass dieser Bockk\u00e4fer vor allem \u00e4ltere, besonnte Eichen mit Saftfluss besiedelt. Erst ein Mindestdurchmesser von 60 cm erh\u00f6ht die Vorkommenswahrscheinlichkeit signifikant. Strukturell zur Besiedlung geeignete Habitate m\u00fcssen sich allerdings auch in relativer r\u00e4umlicher N\u00e4he zu anderen, bereits besiedelten B\u00e4umen befinden. Das verdeutlicht das geringe Ausbreitungspotential der Art. Erstmals untersucht zeigte sich auch, dass von C. cerdo besiedelte Eichen artenreicher sind als andere vergleichbare Eichen. Seine wahrscheinliche Rolle als \u00d6kosystementwickler und der mit ihm assoziierte Artenreichtum unterstreicht seine europaweite Bedeutung f\u00fcr den Schutz der xylobionten K\u00e4ferfauna. Das best\u00e4tigt die bisher ohne entsprechende Untersuchung seiner \u00f6kologischen Rolle getroffene Einordnung als &#8220;FFH-Art&#8221;.Verschiedene Managementans\u00e4tze zum Erhalt der Art werden diskutiert. Durch die Freistellung einzelner B\u00e4ume oder Waldbereiche  in unmittelbarer Nachbarschaft zu besiedelten Eichen k\u00f6nnen bestehende Populationen gezielt gef\u00f6rdert werden. In Anbetracht des schwachen Ausbreitungspotentials der Art empfehlen sich auch Wiederansiedlungen in weiter entfernten Gebieten. Dabei ist zu ber\u00fccksichtigen, dass es eine gen\u00fcgend gro\u00dfe Anzahl von Eichen in verschiedenen Altersklassen gibt, um eine langfristige Populationsentwicklung  und -etablierung zu gew\u00e4hrleisten. Um der Knappheit potentiell besiedelbarer Habitate in Zukunft vorzubeugen, sollten Anpflanzungen von Solit\u00e4reichen vorgenommen werden, zumal diese B\u00e4ume eine artenreiche xylobionte Gemeinschaft aufgrund ihrer speziellen Lage beherbergen. Langfristig gesehen bieten wahrscheinlich durch Beweidung gepflegte, gro\u00dfr\u00e4umig halboffene Landschaften die besten Bedingungen f\u00fcr den Schutz von C. cerdo und f\u00fcr die Erhaltung einer artenreichen xylobionten Insektenfauna.  Isolierte Solit\u00e4rb\u00e4ume beherbergen eine vergleichbare, z.T. sogar h\u00f6here Artenvielfalt als B\u00e4ume im geschlossenen Bestand. Die Artenvielfalt wird weitgehend von \u00f6kologischen Habitatparametern bestimmt. Fragmentierungsparameter spielen eine untergeordnete Rolle. Trotzdem findet sich an Solit\u00e4rb\u00e4umen eine andere Zusammensetzung der xylobionten Fauna, wobei h\u00f6here trophische Gilden, z.B. r\u00e4uberisch lebende K\u00e4fer, von einer Fragmentierung ihrer Habitate negativ beeinflusst werden. Grunds\u00e4tzlich wird angenommen, dass Eigenschaften wie Flugf\u00e4higkeit, K\u00f6rpergr\u00f6\u00dfe und Habitatbindung die Sensibilit\u00e4t von Arten gegen\u00fcber der Fragmentierung ihrer Habitate beeinflussen. Im Rahmen dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass auch der trophische Rang innerhalb der xylobionten Gemeinschaft die Sensibilit\u00e4t einer Art f\u00fcr Fragmentierung bedingt. F\u00fcr tropische Waldfragmente konnte gezeigt werden, dass epig\u00e4isch lebende R\u00e4uber ebenfalls st\u00e4rker von Fragmentierung betroffen sind als andere epig\u00e4isch lebende Arten (Didham et al. 1998). Bisherige Untersuchungen bei Invertebraten analysierten vorwiegend bodenbewohnende K\u00e4fer (Didham et al. 1998, Davies et al. 2000). Bei der Gemeinschaft xylobionter K\u00e4fer konnte die Rolle von Fragmentierung erstmals in dieser Arbeit analysiert werden. Die Ergebnisse unterst\u00fctzen die sogenannte &#8220;trophic rank-hypothesis&#8221; (Holt et al. 1999), nach der vor allem Arten aus h\u00f6heren trophischen Ebenen von Ver\u00e4nderungen der Fl\u00e4chengr\u00f6\u00dfe (und eventuell der Isolation) betroffen sind.     Solit\u00e4reichen, insbesondere alte Exemplare, haben einen hohen naturschutzfachlichen Wert f\u00fcr xylobionte K\u00e4fer und andere Tiergruppen, da diese Eichen sich in wichtigen physiologischen Parametern von anderen Eichen unterscheiden. In mediterranen Gebieten beherbergen alte Eichen eine Vielzahl von holzbewohnenden K\u00e4ferarten. Neben Alteichen sind vom Menschen genutzte Schneitelw\u00e4lder ein guter Ansatz f\u00fcr die Erhaltung von Biodiversit\u00e4t im mediterranen Raum.Zuk\u00fcnftige Managementans\u00e4tze sollten auf ein enges r\u00e4umliches Nebeneinander von geschlossenen Best\u00e4nden und Solit\u00e4rb\u00e4umen zielen. Das Konzept der halboffenen Weidelandschaft bietet daf\u00fcr eine m\u00f6gliche Grundlage.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Habitat- und Ausbreitungsmodellierung beim HeldbockDer Heldbock (Cerambyx cerdo L.) ist in Mitteleuropa eine vom Aussterben bedrohte Bockk\u00e4ferart. Fraglich war, welche genauen Bedingungen die Art zur Existenz ben\u00f6tigt und welche Eigenschaften Habitate aufweisen m\u00fcssen, um ein l\u00e4ngerfristiges \u00dcberleben des Heldbocks zu sichern. 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