{"id":53002,"date":"2026-01-27T10:50:01","date_gmt":"2026-01-27T09:50:01","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-888\/"},"modified":"2026-01-27T10:50:02","modified_gmt":"2026-01-27T09:50:02","slug":"20007-888","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-888\/","title":{"rendered":"Die Krankheiten und Todesursachen des Grauen Kranichs (Grus grus) in Deutschland in den Jahren 1998 &#8211; 2008"},"content":{"rendered":"<p>Gesundheitsstatus des Eurasischen Kranichs in Deutschland<\/p>\n<p><span style=\"font-size:14px;\"><strong>Die Krankheiten und Todesursachen des Grauen Kranichs (<em>Grus grus<\/em>) in Deutschland in den Jahren 1998-2008<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Der Kranich hat eine besondere Bedeutung hinsichtlich des Schutzes von Lebensr\u00e4umen und Lebensgemeinschaften bedrohter Arten, indem er als Indikatorart das Funktionieren wichtiger \u00d6kosysteme anzeigt. Zus\u00e4tzlich f\u00f6rdert das besondere gesellschaftliche Interesse an diesem Gro\u00dfvogel in unserer Kulturlandschaft die Weiterentwicklung und \u00f6ffentliche Akzeptanz des Naturschutzgedankens. Im Zuge der positiven Bestandsentwicklung in den letzten Jahren und des vielf\u00e4ltigen Anpassungsprozesses der Kraniche an anthropogen bedingte Habitatver\u00e4nderungen k\u00f6nnen neben anderen \u00d6kofaktoren auch Krankheiten Einfluss auf die Dynamik und Bedrohung von Teilpopulationen nehmen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Zielsetzung: Die angestrebten Untersuchungen von relevanten parasit\u00e4ren Infektionsschwerpunkten an Rast- und \u00c4sungsfl\u00e4chen sowie die Analyse anthropogen bedingter Todesursachen des Kranichs in Deutschland sollen zu neuen Erkenntnissen auf dem Gebiet der anwendungsorientierten Wildtierforschung f\u00fchren. So k\u00f6nnen auf Grundlage des Wissens \u00fcber die Biologie des Kranichs und der in diesem Projekt erarbeiteten Forschungsergebnisse, Interessensgruppen wie z.B. Landwirte, J\u00e4ger, Tourismus-\u00a0 verantwortliche und Natursch\u00fctzer an der L\u00f6sung persistierender Konfliktfelder beteiligt werden und eigene Beitr\u00e4ge f\u00fcr den Kranich- und Naturschutz in Deutschland leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Hintergrund: Die von Kranichen verursachten Sch\u00e4den an landwirtschaftlichen Kulturen insbesondere an Maiskeimlingen mit resultierenden Ertragsverlusten, k\u00f6nnen regional verst\u00e4rkt durch die zunehmende Anzahl von Nichtbr\u00fctern bzw. Junggesellentrupps in Erscheinung treten. Bei dem Versuch die V\u00f6gel von den landwirtschaftlichen Nutzfl\u00e4chen zu vertreiben werden auch Methoden (z.B. illegaler Beschuss) eingesetzt, die zu Verlusten beim Kranich f\u00fchren k\u00f6nnen. Begr\u00fcndet werden Verfolgungen in der Zunahme von Infektionskrankheiten, die von Wildv\u00f6geln auf Haustiere \u00fcbertragen werden k\u00f6nnten, wodurch sich ein weiteres Spannungsfeld aufbaut. Um diese Spannungsfelder zu entsch\u00e4rfen und Sch\u00e4den an landwirtschaftlichen Kulturen zu reduzieren, werden auf ausgew\u00e4hlten relativ kleinen Fl\u00e4chen in einigen L\u00e4ndern Ablenkf\u00fctterungen durchgef\u00fchrt. Dies hat zur Folge, dass sich regional in den n\u00f6rdlichen Bundesl\u00e4ndern bis zu 10.000 Kraniche auf Ablenkf\u00fctterungsfl\u00e4chen konzentrieren, wodurch der Pathogendruck und das Infektionsrisiko auf diesen Fl\u00e4chen ansteigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In der Folge ihrer Ausbreitung in die vom Menschen dichter besiedelten Gebiete sind Kraniche an ihren Brut- und Rastpl\u00e4tzen vielf\u00e4ltigen St\u00f6rungen ausgesetzt. H\u00e4ufiger kann es auch zu t\u00f6dlichen Unf\u00e4llen w\u00e4hrend des Fluges kommen, wenn die V\u00f6gel beispielsweise mit Stromleitungen in der Landschaft kollidieren. Im Jahr 2004 starben in Mecklenburg-Vorpommern und in Th\u00fcringen \u00fcber 40 Kraniche und zahlreiche andere Wildv\u00f6gel an einer Zinkphosphidvergiftung, die h\u00f6chstwahrscheinlich durch ein unsachgem\u00e4\u00dfes Ausbringen von Rodentiziden hervorgerufen wurde.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Aufgrund von Infektionen mit Parasiten, Viren, Bakterien und Pilzen k\u00f6nnen besonders dann Erkrankungen verst\u00e4rkt auftreten, wenn sich der Pathogendruck durch eine hohe Konzentration von Wildv\u00f6geln auf r\u00e4umlich begrenzten \u00c4sungsfl\u00e4chen an Rastpl\u00e4tzen erh\u00f6ht. Inwieweit der Mensch einer m\u00f6glichen Zunahme von Infektionskrankheiten durch eine Konzentrierung von Kranichen auf relativ kleinen Ablenkf\u00fctterungsfl\u00e4chen Vorschub leistet, ist nicht gekl\u00e4rt. So bildet die parasit\u00e4re Infektion mit dem Spulwurm <em>Porrocaecum<\/em> sp., die als relativ h\u00e4ufig beim Kranich angenommen wird, ein Untersuchungsschwerpunkt dieses Forschungsprojekts.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Fazit: Aufgrund der positiven Bestandsentwicklung des Grauen Kranichs werden in Europa die Konflikte mit der Landwirtschaft zunehmen. Die <em>Crane Specialist Group der World Conservation Union (IUCN)<\/em> empfiehlt neben dem Schutz und der Wiederherstellung von Feuchtgebieten sowie der Erhaltung von Rastpl\u00e4tzen ein Monitoring und eine intensivere Erforschung der Krankheiten aller Kranicharten, da das Auftreten von Infektionskrankheiten in limitierten Rast- und \u00dcberwinterungsgebieten als ein hoher Risikofaktor insbesondere bei wachsenden Populationen bewertet wird. An dieser Empfehlung kn\u00fcpft diese Studie an, mit dem Ziel die nat\u00fcrlichen und anthropogen bedingten Gef\u00e4hrdungsursachen der freilebenden Kraniche in Deutschland zu untersuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Aufbauend auf den Ergebnissen sind Interessensgruppen dazu aufgerufen, gemeinsam mit den Kranichsch\u00fctzern L\u00f6sungsans\u00e4tze zu erarbeiten, um anthropogen bedingte Todesursachen bei Kranichen und anderen Gro\u00dfv\u00f6geln zu reduzieren. Der bestehende Kontakt zu internationalen Kranichexperten, z.B. mit Tier\u00e4rzten und Biologen an der <em>International Crane Foundation (ICF)<\/em> ist dabei eine wichtige Grundlage f\u00fcr ein gemeinschaftliches Bestreben im Kranich- und Naturschutz weltweit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gesundheitsstatus des Eurasischen Kranichs in Deutschland Die Krankheiten und Todesursachen des Grauen Kranichs (Grus grus) in Deutschland in den Jahren 1998-2008 Der Kranich hat eine besondere Bedeutung hinsichtlich des Schutzes von Lebensr\u00e4umen und Lebensgemeinschaften bedrohter Arten, indem er als Indikatorart das Funktionieren wichtiger \u00d6kosysteme anzeigt. 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