{"id":52978,"date":"2026-01-27T10:48:56","date_gmt":"2026-01-27T09:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-912\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:58","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:58","slug":"20007-912","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-912\/","title":{"rendered":"Wirt-Parasit-Interaktionen bei der invasiven Strandkrabbe Carcinus maenas in Europa und \u00fcberseeischen Kolonisationsgebieten: Welche Rolle spielt Parasitenbefall f\u00fcr den Invasionserfolg der Art?"},"content":{"rendered":"<p>Wirt-Parasit-Interaktionen bei Carcinus maenas in Europa und \u00fcberseeischen Kolonisationsgebieten.Seit Menschen reisen f\u00fchren sie &#8211; manchmal bewusst, manchmal unbewusst ? Tiere oder Pflanzen mit sich, von denen sich einige in der f\u00fcr sie neuen Umwelt etablieren konnten. Seit der Globalisierung des weltweiten Handels hat sich dieser Trend vervielfacht, so dass eingef\u00fchrte Arten heute zu den wichtigsten Faktoren geh\u00f6ren, die die weltweite Biodiversit\u00e4t bedrohen.Eine dieser invasiven Arten ist die europ\u00e4ische Strandkrabbe, Carcinus maenas. Aus ihrer Heimat an der Atlantikk\u00fcste Europas wurde sie, vermutlich mit dem Ballastwasser von Schiffen, bis an die K\u00fcsten S\u00fcd- und Nordamerikas, S\u00fcdaustraliens und S\u00fcdafrikas verschleppt. Wie bei vielen invasiven Arten tritt auch bei C. maenas das Ph\u00e4nomen auf, dass die Art in dem neu besiedelten Gebiet erfolgreicher ist als im nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebiet. Die Krabbe gef\u00e4hrdet dadurch die einheimischen. In einigen Gebieten wurde durch die Einf\u00fchrung von C. maenas die Abundanz verschiedener Muschel- und Krabbenarten um bis zu 90% reduziert. Aus diesem Grund wird zur Zeit nach M\u00f6glichkeiten der biologischen Kontrolle der Art geforscht.Wie viele invasive Arten ist C. maenas im neuen Verbreitungsgebiet weniger mit Parasiten belastet als in ihrer Heimat ? m\u00f6glicherweise einer der Hauptgr\u00fcnde f\u00fcr den ungew\u00f6hnlichen Erfolg, den die Strandkrabben dort haben (?parasite release hypothesis?). Daher werden Parasiten als vielversprechendes Mittel zur biologischen Kontrolle der Strandkrabbe in den kolonisierten Gebieten in Betracht gezogen und zurzeit auf ihre Wirtsspezifizit\u00e4t untersucht. Der zweite essentielle Faktor f\u00fcr die biologische Kontrolle, die Effektivit\u00e4t, wurde noch nicht gekl\u00e4rt. Dies sollte nun in meiner Arbeit zum ersten Mal geschehen, indem untersucht wird, ob Parasiten f\u00fcr die Fitness des Wirtes C. maenas in ausreichendem Ma\u00dfe beeintr\u00e4chtigen um sie f\u00fcr die biologische Kontrolle der Krabben einzusetzen.Um diesen Aspekt der Wirt-Parasit-Beziehung zu aufzukl\u00e4ren, wurden sowohl Krabben aus Europa als auch aus den kolonisierten Gebieten in S\u00fcdafrika und Australien gesammelt. Zus\u00e4tzlich wurden Krabben im Labor experimentell infiziert um die korrelativen Daten der Felduntersuchungen zu unterst\u00fctzen. Die Krabben wurden auf verschiedene Parameter hin untersucht, die indikativ f\u00fcr die Fitness sein k\u00f6nnen. Dazu geh\u00f6ren neben der Gr\u00f6\u00dfe der Tiere das Trockengewicht der Gonaden und die Konzentration von Hemocyten, gel\u00f6sten Proteinen sowie die Aktivit\u00e4t von Phenoloxidase in der Hemolymphe. Meine Untersuchungen zeigen eine starke Variation sowohl in Bezug auf die Pr\u00e4valenz als auch die Intensit\u00e4t von Parasiten in Europa. Aus diesem Grund spielt die Ursprungspopulation eine gro\u00dfe Rolle bei der Beurteilung der Bedeutung von Parasitenverlust f\u00fcr den Invasionserfolg. Ich konnte best\u00e4tigen, dass parasitische Kastratoren den erwarteten negativen Effekt auf die Wirtsreproduktion haben. Was jedoch andere Parasiten sowie andere Fitnessparameter betrifft, konnte ich im gro\u00dfen und ganzen keine weitere negativen Auswirkungen feststellen, weder in individuellen betroffenen Krabben noch auf Populationsebene. Es gab jedoch schwache Hinweise auf Mortalit\u00e4t bei starken Infektionen mit micropalliden Digenea sowie Anzeichen f\u00fcr Ver\u00e4nderungen in der H\u00e4mocytenkonzentration unter dem Einfluss von sekund\u00e4ren Stressoren. Experimentelle Infektionen mit diesen Parasiten konnten diese Beobachtungen nicht best\u00e4tigen, erniedrigte Proteinkonzentrationen in der H\u00e4molymphe deuteten hier jedoch darauf hin, dass die generelle Konstitution des Wirtes beeintr\u00e4chtigt wird.Zusammenfassend kann aus meinen Ergebnissen geschlossen werden, dass Parasitenbefall nicht der Hauptfaktor ist, der die Populationen von C. maenas in Europe kontrolliert. Es ist wahrscheinlich, dass zahlreiche Faktoren sowohl abiotischer als auch biotischer Art zusammenwirken. Daher ist davon auszugehen dass der Verlust von Parasiten im Verlauf des Invasionsprozesses nur bedingt zum Erfolg der Strandkrabbe in \u00dcbersee beitr\u00e4gt. Parasiten aus dem nat\u00fcrlichen Verbreitungsgebiet von C. maenas kommen daher vermutlich nicht f\u00fcr eine biologische Kontrolle von invasiven Populationen der Krabbe in Betracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirt-Parasit-Interaktionen bei Carcinus maenas in Europa und \u00fcberseeischen Kolonisationsgebieten.Seit Menschen reisen f\u00fchren sie &#8211; manchmal bewusst, manchmal unbewusst ? Tiere oder Pflanzen mit sich, von denen sich einige in der f\u00fcr sie neuen Umwelt etablieren konnten. 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