{"id":52978,"date":"2026-10-23T12:52:09","date_gmt":"2026-10-23T10:52:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-912\/"},"modified":"2026-10-23T12:52:10","modified_gmt":"2026-10-23T10:52:10","slug":"20007-912","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-912\/","title":{"rendered":"Wirt-Parasit-Interaktionen bei der invasiven Strandkrabbe Carcinus maenas in Europa und \u00c3\u00bcberseeischen Kolonisationsgebieten: Welche Rolle spielt Parasitenbefall f\u00c3\u00bcr den Invasionserfolg der Art?"},"content":{"rendered":"<p>Wirt-Parasit-Interaktionen bei Carcinus maenas in Europa und \u00fcberseeischen Kolonisationsgebieten.Seit Menschen reisen f\u00c3\u00bchren sie &#8211; manchmal bewusst, manchmal unbewusst ? Tiere oder Pflanzen mit sich, von denen sich einige in der f\u00c3\u00bcr sie neuen Umwelt etablieren konnten. Seit der Globalisierung des weltweiten Handels hat sich dieser Trend vervielfacht, so dass eingef\u00c3\u00bchrte Arten heute zu den wichtigsten Faktoren geh\u00c3\u00b6ren, die die weltweite Biodiversit\u00c3\u00a4t bedrohen.Eine dieser invasiven Arten ist die europ\u00c3\u00a4ische Strandkrabbe, Carcinus maenas. Aus ihrer Heimat an der Atlantikk\u00c3\u00bcste Europas wurde sie, vermutlich mit dem Ballastwasser von Schiffen, bis an die K\u00c3\u00bcsten S\u00c3\u00bcd- und Nordamerikas, S\u00c3\u00bcdaustraliens und S\u00c3\u00bcdafrikas verschleppt. Wie bei vielen invasiven Arten tritt auch bei C. maenas das Ph\u00c3\u00a4nomen auf, dass die Art in dem neu besiedelten Gebiet erfolgreicher ist als im nat\u00c3\u00bcrlichen Verbreitungsgebiet. Die Krabbe gef\u00c3\u00a4hrdet dadurch die einheimischen. In einigen Gebieten wurde durch die Einf\u00c3\u00bchrung von C. maenas die Abundanz verschiedener Muschel- und Krabbenarten um bis zu 90% reduziert. Aus diesem Grund wird zur Zeit nach M\u00c3\u00b6glichkeiten der biologischen Kontrolle der Art geforscht.Wie viele invasive Arten ist C. maenas im neuen Verbreitungsgebiet weniger mit Parasiten belastet als in ihrer Heimat ? m\u00c3\u00b6glicherweise einer der Hauptgr\u00c3\u00bcnde f\u00c3\u00bcr den ungew\u00c3\u00b6hnlichen Erfolg, den die Strandkrabben dort haben (?parasite release hypothesis?). Daher werden Parasiten als vielversprechendes Mittel zur biologischen Kontrolle der Strandkrabbe in den kolonisierten Gebieten in Betracht gezogen und zurzeit auf ihre Wirtsspezifizit\u00c3\u00a4t untersucht. Der zweite essentielle Faktor f\u00c3\u00bcr die biologische Kontrolle, die Effektivit\u00c3\u00a4t, wurde noch nicht gekl\u00c3\u00a4rt. Dies sollte nun in meiner Arbeit zum ersten Mal geschehen, indem untersucht wird, ob Parasiten f\u00c3\u00bcr die Fitness des Wirtes C. maenas in ausreichendem Ma\u00c3\u0178e beeintr\u00c3\u00a4chtigen um sie f\u00c3\u00bcr die biologische Kontrolle der Krabben einzusetzen.Um diesen Aspekt der Wirt-Parasit-Beziehung zu aufzukl\u00c3\u00a4ren, wurden sowohl Krabben aus Europa als auch aus den kolonisierten Gebieten in S\u00c3\u00bcdafrika und Australien gesammelt. Zus\u00c3\u00a4tzlich wurden Krabben im Labor experimentell infiziert um die korrelativen Daten der Felduntersuchungen zu unterst\u00c3\u00bctzen. Die Krabben wurden auf verschiedene Parameter hin untersucht, die indikativ f\u00c3\u00bcr die Fitness sein k\u00c3\u00b6nnen. Dazu geh\u00c3\u00b6ren neben der Gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e der Tiere das Trockengewicht der Gonaden und die Konzentration von Hemocyten, gel\u00c3\u00b6sten Proteinen sowie die Aktivit\u00c3\u00a4t von Phenoloxidase in der Hemolymphe. Meine Untersuchungen zeigen eine starke Variation sowohl in Bezug auf die Pr\u00c3\u00a4valenz als auch die Intensit\u00c3\u00a4t von Parasiten in Europa. Aus diesem Grund spielt die Ursprungspopulation eine gro\u00c3\u0178e Rolle bei der Beurteilung der Bedeutung von Parasitenverlust f\u00c3\u00bcr den Invasionserfolg. Ich konnte best\u00c3\u00a4tigen, dass parasitische Kastratoren den erwarteten negativen Effekt auf die Wirtsreproduktion haben. Was jedoch andere Parasiten sowie andere Fitnessparameter betrifft, konnte ich im gro\u00c3\u0178en und ganzen keine weitere negativen Auswirkungen feststellen, weder in individuellen betroffenen Krabben noch auf Populationsebene. Es gab jedoch schwache Hinweise auf Mortalit\u00c3\u00a4t bei starken Infektionen mit micropalliden Digenea sowie Anzeichen f\u00c3\u00bcr Ver\u00c3\u00a4nderungen in der H\u00c3\u00a4mocytenkonzentration unter dem Einfluss von sekund\u00c3\u00a4ren Stressoren. Experimentelle Infektionen mit diesen Parasiten konnten diese Beobachtungen nicht best\u00c3\u00a4tigen, erniedrigte Proteinkonzentrationen in der H\u00c3\u00a4molymphe deuteten hier jedoch darauf hin, dass die generelle Konstitution des Wirtes beeintr\u00c3\u00a4chtigt wird.Zusammenfassend kann aus meinen Ergebnissen geschlossen werden, dass Parasitenbefall nicht der Hauptfaktor ist, der die Populationen von C. maenas in Europe kontrolliert. Es ist wahrscheinlich, dass zahlreiche Faktoren sowohl abiotischer als auch biotischer Art zusammenwirken. Daher ist davon auszugehen dass der Verlust von Parasiten im Verlauf des Invasionsprozesses nur bedingt zum Erfolg der Strandkrabbe in \u00c3\u0153bersee beitr\u00c3\u00a4gt. Parasiten aus dem nat\u00c3\u00bcrlichen Verbreitungsgebiet von C. maenas kommen daher vermutlich nicht f\u00c3\u00bcr eine biologische Kontrolle von invasiven Populationen der Krabbe in Betracht.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirt-Parasit-Interaktionen bei Carcinus maenas in Europa und \u00fcberseeischen Kolonisationsgebieten.Seit Menschen reisen f\u00c3\u00bchren sie &#8211; manchmal bewusst, manchmal unbewusst ? Tiere oder Pflanzen mit sich, von denen sich einige in der f\u00c3\u00bcr sie neuen Umwelt etablieren konnten. 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