{"id":52966,"date":"2026-01-27T10:48:56","date_gmt":"2026-01-27T09:48:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-924\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:57","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:57","slug":"20007-924","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-924\/","title":{"rendered":"Angeln, Evolution und Schutz aquatischer Diversit\u00e4t: Die Bedeutung der ph\u00e4notypischen Variabilit\u00e4t f\u00fcr die Fangbarkeit von Fischen"},"content":{"rendered":"<p>Angeln, Evolution und Schutz aquatischer Diversit\u00e4t<\/p>\n<p>In den industrialisierten L\u00e4ndern gehen Millionen von Menschen der freizeitm\u00e4\u00dfigen Angelfischerei nach. Sie stellt weltweit als auch in Deutschland selbst die dominierende Fischerei- und Nutzungsform der S\u00fc\u00dfwasser-Fischbest\u00e4nde dar. Hierzulande werden von Anglern etwa 45.000 t Fisch den Gew\u00e4ssern entnommen, w\u00e4hrend der Ertrag der kommerziellen Fischerei lediglich etwa 3.500 t betr\u00e4gt. Auch die \u00f6konomische Dimension der Angelfischerei \u00fcbersteigt die der kommerziellen Seen- und Flussfischerei in Gr\u00f6\u00dfenordnungen (6,4 Mrd. Euro in der Angelfischerei, lediglich etwa 10 Mio. Euro in der Erwerbsfischerei). Ungeachtet dessen wird die soziale, \u00f6konomische und auch \u00f6kologische Bedeutung der Hobbyangelei weiterhin h\u00e4ufig untersch\u00e4tzt, da die Wissenschaft bisher \u00fcberwiegend auf die Auswirkungen der kommerziellen Fischerei, meist in marinen Systemen, fokussiert hat. Vergleichbar zur kommerziellen Fischerei kann allerdings auch die Angelfischerei alleine durch die schiere Zahl an Anglern an den Gew\u00e4ssern Fischpopulationen messbar beeinflussen und durch selektive Befischung, Fischbesatz u.\u00e4. auf die aquatische Biodiversit\u00e4t einwirken. Dieses geschieht durch die Dezimierung der Individuenzahl per se sowie der Selektion begehrter Arten. Dar\u00fcber hinaus ist die Angelfischerei selektiv in Bezug auf Gr\u00f6\u00dfe, Alter, Geschlecht und bestimmte Verhaltensmuster von Fischen. Gerichtete angelfischereilich-induzierte Selektion setzt wie in der nat\u00fcrlichen Selektion an ph\u00e4notypischen Auspr\u00e4gungen an. Wenn wie \u00fcblicherweise der Fall, ein Teil des Ph\u00e4notyps genetisch determiniert ist, kann die Selektion durch die Angelfischerei zu evolution\u00e4ren Ver\u00e4nderungen f\u00fchren und so die genotypische Variabilit\u00e4t innerhalb einzelner Fischgemeinschaften beeinflussen. Das Wissen \u00fcber genotypische Ver\u00e4nderungen durch selektive Mortalit\u00e4t stammt haupts\u00e4chlich aus Untersuchungen kommerzieller Fischerei, allerdings sind auch in der Angelfischerei evolution\u00e4re Ver\u00e4nderungen denkbar, wenn sich z.B. einzelne Individuen einer Art aufgrund bestimmter ph\u00e4notypischer Auspr\u00e4gungen besser fangen lassen und in der Folge bestimmte Gene h\u00e4ufiger aus dem Genpool entfernt werden als andere. Anhand von Selektionsexperimenten bei Forellenbarschen (Micropterus salmoides) konnte gezeigt werden, dass die Eigenschaft eines Fisches, gut- bzw. schlecht mit der Angel fangbar zu sein, vererbbar ist. Bisher fehlen jedoch Untersuchungen die dezidiert beschreiben, welche ph\u00e4notypischen Merkmale bei Fischen zu einer guten oder schlechten Fangbarkeit f\u00fchren. Allerdings ist genau dieses Wissen notwendig, um abzusch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen, welche Konsequenzen f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t eine gerichtete Selektion durch die Angelfischerei haben kann.Ziel der der Arbeit ist es daher, am Beispiel einer angelfischereilich relevanten Fischart verschiedenste ph\u00e4notypische Merkmale zu charakterisieren und deren Korrelation zur Fangbarkeit mit der Angel zu \u00fcberpr\u00fcfen. Dies soll am Beispiel von Karpfen (Cyprinus carpio), einem der wichtigsten Fischarten in der europ\u00e4ischen Binnenfischerei und insbesondere der europ\u00e4ischen Angelfischerei, geschehen. Die Studie findet am Leibniz-Institut f\u00fcr Gew\u00e4sser\u00f6kologie und Binnenfischerei in Berlin Friedrichshagen statt.Zielsetzung ZusammenfassungZiel des Vorhabens ist es, 1) durch die Analyse der Korrelation verschiedenster ph\u00e4notypischer Merkmale bei Fischen mit deren Fangbarkeit durch die Handangel einen Beitrag zum Verst\u00e4ndnis des evolution\u00e4ren Potentials der Angelfischerei zu liefern sowie 2) zu analysieren, inwieweit die ph\u00e4notypische Variabilit\u00e4t innerhalb einer Fischpopulation zum Erhalt der Population unter befischten Bedingungen beitragen kann. Die Studie liefert somit Grundlagenwissen zur Bedeutung der intraspezifischen ph\u00e4notypischen Variabilit\u00e4t f\u00fcr den Erhalt von Fischpopulationen. Sie hat dar\u00fcber hinaus enorme Ausstrahlungskraft f\u00fcr das praktische fischereiliche Management.Erste Ergebnisse zu den ph\u00e4notypischen Korrelaten der Angelfabngbarkeit wurden mit Hilfe eines Teichversuchs unter Verwendung neuartiger und innovativer telemetrischer Verfahren generiert. Es zeigte sich, dass eine Fischpopulation in Gruppen gut und schlecht fangbarer Fische unterteilt werden kann. Zudem war vor allem die Aktivit\u00e4t der Fische positiv mit der individuellen Fangbarkeit korreliert. Weiterhin zeigten gut fangbare Fische eine signifikant h\u00f6here Wachstumsrate. Weitere Untersuchungen zu den ph\u00e4notypischen Korrelaten der Angelfangbarkeit sollen unternommen werden, insbesondere in Bezug auf das Verhalten, die Physiologie und die Morphologie der Fische, um letztlich das evolution\u00e4re Potential angelfischereilicher Selektion besser einsch\u00e4tzen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Angeln, Evolution und Schutz aquatischer Diversit\u00e4t In den industrialisierten L\u00e4ndern gehen Millionen von Menschen der freizeitm\u00e4\u00dfigen Angelfischerei nach. Sie stellt weltweit als auch in Deutschland selbst die dominierende Fischerei- und Nutzungsform der S\u00fc\u00dfwasser-Fischbest\u00e4nde dar. 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