{"id":52948,"date":"2026-01-27T10:48:54","date_gmt":"2026-01-27T09:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-942\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:55","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:55","slug":"20007-942","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-942\/","title":{"rendered":"StSP Umweltethik: Nachhaltige Ern\u00e4hrung? Suffizienz zwischen normativen und eudaimonistischen Fragen am Beispiel des Praxisfelds Ern\u00e4hrung"},"content":{"rendered":"<p>Nachhaltige Ern\u00e4hrung?<\/p>\n<p><strong>Sustainable Food Consumption?<br \/>Claims for Sustainable Lifestyles in between Normative and Eudaimonistic Issues<br \/>The Example of Food Production and Consumption<\/strong><\/p>\n<p><strong>Suffizienz zwischen normativen und eudaimonistischen Fragen<br \/>am Beispiel des Praxisfelds Ern\u00e4hrung<\/strong><\/p>\n<p>Erl\u00e4uterung und Relevanz der Fragestellung<br \/>Entwicklung ist nachhaltig, wenn sie gerecht ist gegen\u00fcber heutigen und zuk\u00fcnftigen Menschen. Forderungen nach nachhaltiger Entwicklung sind daher normative Forderungen. Meine Arbeit zeigt, dass nachhaltige Entwicklung nicht ohne Lebensstilver\u00e4nderungen zu erreichen ist. Die meisten Menschen empfinden Lebensstilentscheidungen jedoch als individuelle, private Angelegenheit beziehungsweise in einem noch zu erl\u00e4uternden Sinn als Fragen guten Lebens. In der Arbeit verorte ich Forderungen nach nachhaltigen Lebensstilen (Suffizienz) daher in einem Spannungsfeld zwischen normativen Fragen und Fragen guten Lebens. Vor diesem Hintergrund untersuche ich, ob und wie es im Rahmen einer normativen Konzeption von Nachhaltigkeit m\u00f6glich ist, Forderungen nach nachhaltigen Lebensstilen zu begr\u00fcnden:<br \/>\u0095\tKapitel 1 entwickelt eine normative Konzeption von Nachhaltigkeit.<br \/>\u0095\tKapitel 2 verortet Forderungen nach nachhaltigen Lebensstilen im Rahmen dieser Konzeption und widerlegt g\u00e4ngige Einw\u00e4nde gegen solche Forderungen.<br \/>\u0095\tKapitel 3 zeigt, inwiefern die vorgestellte Konzeption von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Lebensstilen Vorstellungen guten Lebens voraussetzt.<br \/>\u0095\tKapitel 4 wendet die theoretischen \u00dcberlegungen auf das Praxisfeld Ern\u00e4hrung an.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Kapitel I\tNachhaltigkeit<br \/>Ich unterscheide in der Arbeit zwischen einem Konzept und verschiedenen Konzeptionen von Nachhaltigkeit: ein Konzept von Nachhaltigkeit umfasst die Fragen, auf die jede Konzeption eine Antwort geben muss, ohne dass das Konzept diese Antworten schon inhaltlich pr\u00e4judiziert. Aufbauend auf der Brundtland-Definition schlage ich ein zweidimensionales Konzept von Nachhaltigkeit vor. Hinsichtlich der ersten \u0082normativen Dimension\u0091 zeige ich, inwieweit der F\u00e4higkeitenansatz geeignet ist, die im Konzept von Nachhaltigkeit vorausgesetzten Gerechtigkeitsforderungen zu spezifizieren. Hinsichtlich der zweiten \u0082Dimension der Randbedingungen von Nachhaltigkeit\u0091 zeige ich, dass die Pr\u00e4missen des F\u00e4higkeitenansatzes nicht ausreichen, eine Konzeption von Natur- und Sozialkapital sowie deren Wechselbeziehungen zu spezifizieren. Aufbauend auf einer Konzeptionalisierung von Naturkapital im Rahmen einer Theorie der Fonds sowie von Wechselbeziehungen zwischen Natur- und Sozialkapital im Rahmen von (Re)Produktivit\u00e4t positioniere ich mich hinsichtlich starker Nachhaltigkeit und begr\u00fcnde eine Constant Natural Capital Rule, Management-Regeln und Leitlinien starker Nachhaltigkeit \u0096 unter anderem die Leitlinie der Suffizienz.<\/p>\n<p>Kapitel II\tNachhaltige Lebensstile \u0096 Suffizienz<br \/>Im Anschluss an das Menschenbild des F\u00e4higkeitenansatzes lassen sich drei Ans\u00e4tze nachhaltiger Lebensstile unterscheiden: Es ist erstens m\u00f6glich, dass Individuen einen nachhaltigen Lebensstil w\u00e4hlen, weil dies ihren je eigenen Vorstellungen des Guten entspricht. Politische Ma\u00dfnahmen k\u00f6nnen zweitens nachhaltige Lebensstile fordern und drittens solche Lebensstile f\u00f6rdern. Aus der Perspektive des politischen Liberalismus sollte sich der Staat m\u00f6glichst neutral gegen\u00fcber verschiedenen Vorstellungen guten Lebens verhalten. Politische Ma\u00dfnahmen, die Suffizienz fordern und f\u00f6rdern, sind jedoch insofern zul\u00e4ssig, als sie <br \/>\u0095\tauf normativen \u00dcberlegungen beruhen, das hei\u00dft darin begr\u00fcndet sind, dass bestimmte Lebensstilentscheidungen nachweislich anderen schaden, und<br \/>\u0095\tdie M\u00f6glichkeit ihrer Adressaten gem\u00e4\u00df einer je eigenen Vorstellung des Guten zu leben nicht \u00fcber Geb\u00fchr einschr\u00e4nken.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Kapitel III\tDie Bedeutung von Vorstellungen guten Lebens f\u00fcr Nachhaltigkeit und nachhaltige Lebensstile<br \/>Sowohl die Bestimmung von Naturkapital als auch die Abgrenzung legitimer von illegitimen Suffizienz-Ma\u00dfnahmen setzten mindestens implizit bestimmte Vorstellungen des Guten voraus. Dies ber\u00fchrt nicht die Priorit\u00e4t des Rechten vor dem Guten. Stattdessen ist zu unterscheiden zwischen umfassenden und \u0082nicht umfassenden\u0091 Vorstellungen des Guten. Die in einer Konzeption von Nachhaltigkeit und nachhaltigen Lebensstilen vorausgesetzten Vorstellungen sollten \u0082nicht umfassend\u0091 sein. Nussbaum pr\u00e4sentiert eine Liste von zehn F\u00e4higkeiten, die sie als plausiblen Kandidaten f\u00fcr eine \u0082nicht umfassende\u0091 Konzeption des Guten ansieht. Diese Liste ist jedoch nicht spezifisch genug, um Naturkapital abzugrenzen oder legitime von illegitimen Suffizienz-Ma\u00dfnahmen zu unterscheiden. Sie bedarf der Spezifikation durch Deliberation. Damit r\u00fcckt Nussbaums Position in die N\u00e4he von Sen. Dieser vertritt die Auffassung, Auswahl und Gewichtung von F\u00e4higkeiten sollten in Form \u00f6ffentlicher, demokratischer Meinungsbildung erfolgen. Letztlich setzen sowohl Nussbaum als auch Sen deliberative Vorstellungen voraus, ohne diese hinreichend zu spezifizieren.<br \/>Hinsichtlich der Bestimmung von Naturkapital ist es im Anschluss an Nussbaum m\u00f6glich, einen theoretisch fundierten, reichen Naturkapitalbegriff zu entwickeln. Dieser bleibt jedoch unterbestimmt. Im Anschluss an Sen sind jene Suffizienz-Ma\u00dfnahmen als legitim anzusehen, die sich die Mitglieder einer Gesellschaft in demokratisch legitimierten Verfahren selbst auferlegen. Hinsichtlich der Qualifikation demokratischer Verfahren als legitim bleibt auch dieses Argument unterbestimmt.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Kapitel IV\tNachhaltige Nahrungsmittelproduktion und Ern\u00e4hrung<br \/>Die meisten Menschen verstehen Ern\u00e4hrung als individuelle und private Angelegenheit. Gleichzeitig hat die Art, wie wir uns ern\u00e4hren, sehr weitgehende Auswirkungen auf die Umwelt und die Bedingungen, unter denen Nahrungsmittel hergestellt werden. Ern\u00e4hrung stellt daher ein paradigmatisches Beispiel f\u00fcr die Spannung zwischen als individuell und privat empfundenen Lebensstilen einerseits und gesellschaftlichen, normativ relevanten Auswirkungen dieser Lebensstilentscheidungen andererseits dar.<br \/>In Kapitel IV wende ich die theoretischen Einsichten der ersten drei Kapitel auf das Praxisfeld Ern\u00e4hrung an. So wird deutlich, dass und inwiefern die entwickelte Position es trotz der in Kapitel III aufgezeigten offenen Fragen erm\u00f6glicht, konkrete und weitreichende Anforderungen hinsichtlich nachhaltiger Nahrungsmittelproduktion und Ern\u00e4hrung schl\u00fcssig zu begr\u00fcnden<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachhaltige Ern\u00e4hrung? 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