{"id":52945,"date":"2026-01-27T10:48:54","date_gmt":"2026-01-27T09:48:54","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20007-945\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:54","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:54","slug":"20007-945","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20007-945\/","title":{"rendered":"Populationsgenetische Untersuchungen zur Erfolgskontrolle von ex situ-Schutzprogrammen in Zoologischen G\u00e4rten am Beispiel der Wildkatze (Felis silvestris) und ihrer n\u00e4chsten Verwandten"},"content":{"rendered":"<p>Populationsgenetische Untersuchungen zur Erfolgskontrolle von ex situ-SchutzprogrammenIn den letzten Jahren ist die Anzahl bedrohter Arten, die auf ex situ-Schutzprogramme angewiesen sind, deutlich gestiegen. Bislang wurde die Effizienz von ex situ-Zuchtprogrammen allerdings selten systematisch untersucht. Ziel dieser Arbeit war es zun\u00e4chst den aktuellen Wissensstand zu den Auswirkungen der ex situ-Zucht auf die genetische Vielfalt bedrohter Arten zusammen zu fassen. Hierbei sollte gekl\u00e4rt werden ob die selbst gesetzten Ziele des Weltverbandes der Zoos und Aquarien (WAZA) in rezenten Zoopopulationen erreicht werden. Bei dieser Auswertung publizierter Daten stellte sich heraus, dass eine Zucht in Gefangenschaft auf Dauer zu einem Verlust der genetischen Vielfalt f\u00fchrt, dass diesem Effekt allerdings durch ein sorgf\u00e4ltiges Management der Zuchtpopulation entgegengewirkt werden kann. Die Daten legen nahe, dass es Grenzwerte f\u00fcr die Zahl der Gr\u00fcnder (15) und die Gr\u00f6\u00dfe der Zuchtpopulation (100) gibt, mit deren Erreichen Inzucht minimiert und ein vergleichsweise hohes Ma\u00df genetischer Vielfalt erhalten werden kann. Es zeigte sich aber auch, dass noch viel Forschungsbedarf in Bezug auf die genetischen Auswirkungen von ex situ-Zucht besteht. Vor allem der Vergleich zwischen der Zuchtpopulation und nat\u00fcrlichen Wildpopulationen ist von elementarer Bedeutung um die Effizienz und den Erfolg von Zuchtprogrammen bewerten zu k\u00f6nnen. Auch zeigte sich, dass es zus\u00e4tzlichen Forschungsbedarf bez\u00fcglich genetischer Anpassungen an die Bedingungen in Gefangenschaft gibt, was die vermehrte Nutzung von nicht-neutralen genetischen Markern nahe legt. Zudem sollte verst\u00e4rkt eine \u00dcbertragung der wissenschaftlichen Erkenntnisse in die praktische Anwendung im Zoo erfolgen (z. B. in Bezug auf die Artenzusammensetzung oder die Managementstrategien). Die Untersuchungen an der Europ\u00e4ischen Wildkatze (Felis silvestris silvestris) zeigen, dass es im Laufe der Haltung in Zoos vermutlich mehrfach zu Hybridisierung mit Hauskatzen oder zur Aufnahme von Hybriden kam. Lediglich ein Drittel der Zuchtpopulation wies den mitochondrialen Haplotyp auf, der auch in wilden Populationen zu finden ist und kann daher f\u00fcr eine weitere Zucht empfohlen werden. Dies macht die Aufnahme von zus\u00e4tzlichen Individuen aus den Wildpopulationen zu einer n\u00f6tigen Voraussetzung zur effektiven Erhaltung der genetischen Diversit\u00e4t dieser Art. Von weiteren Wiederansiedelungen mit Tieren aus der ex situ Zucht ist generell abzuraten, da sich die Europ\u00e4ische Wildkatze inzwischen wieder auf nat\u00fcrlichem Wege ausbreitet. Die genetischen Daten liefern in diesem Fall einen wichtigen Grundstock f\u00fcr die Etablierung eines Zuchtbuches. Eine Analyse der derzeitigen Haltungsbedingungen f\u00fcr diese Art zeigte, dass die Haltungsstandards die gesetzlichen Mindestanforderungen weit \u00fcbertreffen. Allerdings zeigte ein Vergleich mit den Empfehlungen aus der Verhaltensforschung bei Kleinkatzen, dass vor allem in Bezug auf den Kontakt zu den Pflegern und der F\u00fctterung noch Verbesserungspotenzial besteht.Die genetischen Untersuchungen an der ex situ-Population der Arabischen Sandkatze (Felis margarita harrisoni) zeigen, dass trotz einer st\u00e4rkeren Bedrohung, weniger Gr\u00fcndertieren und einer kleineren Zuchtpopulation bei dieser Art ein hohes Ma\u00df an genetischer Diversit\u00e4t erhalten werden konnte. Die Daten legen nahe, dass die 18 Gr\u00fcnder f\u00fcr dieses Zuchtprogramm eine hohe genetische Diversit\u00e4t eingebracht haben und nicht n\u00e4her mit einander verwandt waren. Zudem zeigt dieses Beispiel dass genetische Untersuchungen auch bei Populationen mit detaillierten Zuchtbuchdaten sehr sinnvoll sein k\u00f6nnen, da ein Fehler in den Zuchtbuchdaten nachgewiesen werden konnte. Die genetischen Daten best\u00e4tigen zudem die Ergebnisse zu den Grenzwerten f\u00fcr die Anzahl der Gr\u00fcnder und die Gr\u00f6\u00dfe der Zuchtpopulation.\tInsgesamt scheinen ex situ-Zuchtprogramme durchaus geeignet zu sein um die genetische Vielfalt bedrohter Arten zu erhalten. Wichtig ist eine ausreichend gro\u00dfe Zahl genetisch variabler Gr\u00fcnder und ein sorgsames Zuchtmanagement. Allerdings l\u00e4sst sich langfristig aufgrund der kleinen Populationsgr\u00f6\u00dfen Inzucht und der Verlust genetischer Vielfalt in Zoopopulationen nicht vermeiden. Die Fallbeispiele untermalen den gro\u00dfen Nutzen den genetische Untersuchungen f\u00fcr die Kontrolle und Verbesserung von Erhaltungszuchtprogrammen haben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Populationsgenetische Untersuchungen zur Erfolgskontrolle von ex situ-SchutzprogrammenIn den letzten Jahren ist die Anzahl bedrohter Arten, die auf ex situ-Schutzprogramme angewiesen sind, deutlich gestiegen. 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