{"id":52897,"date":"2026-02-09T10:50:08","date_gmt":"2026-02-09T09:50:08","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20008-990\/"},"modified":"2026-02-09T10:50:09","modified_gmt":"2026-02-09T09:50:09","slug":"20008-990","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20008-990\/","title":{"rendered":"Die Rolle der Flexibilit\u00e4t in den Internationalen Beziehungen: Effektivit\u00e4t von rechtlich bindenden Vertr\u00e4gen im Vergleich zu flexiblen Aktionsprogrammen"},"content":{"rendered":"<p>Die Rolle von Flexibilit\u00e4t in den Internationalen Beziehungen<\/p>\n<p>In dieser Dissertation besch\u00e4ftige ich mich mit der Effektivit\u00e4t grenz\u00fcberschreitender Abkommen im Bereich der Internationalen Umweltpolitik. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt insbesondere auf der Wasserqualit\u00e4t grenz\u00fcberschreitender Fl\u00fcsse in Europa. Zentrale Annahme der Arbeit ist, dass das Unterzeichnen internationaler Abkommen einen Einfluss auf die Umweltqualit\u00e4t hat. Vier verschiedene aber zugleich auch verwandte Fragen werden in dieser Arbeit behandelt: Erstens, sind rechtlich bindende Vertr\u00e4ge effektiv? Genauer gesagt, lassen sich Effekte rechtlich bindender Vertr\u00e4ge auf die Umweltqualit\u00e4t nachweisen, die ohne sie nicht zu Stande gekommen w\u00e4ren? Zweitens untersuche ich in dieser Arbeit die Effektivit\u00e4t rechtlich nichtbindender Abkommen. Vor allem analysiere ich den Einfluss rechtlich nichtbindender Abkommen auf die Umweltqualit\u00e4t. Drittens gehe ich der Frage nach, ob rechtlich bindende Vertr\u00e4ge effektiver sind als rechtlich nichtbindende Abkommen. Schlie\u00dflich evaluiere ich die Effektivit\u00e4t von \u201aaddierten Abkommen\u2018, also von Abkommen, die in Bereichen hinzugef\u00fcgt werden, in denen bereits ein rechtlich bindender Vertrag beziehungsweise ein rechtlich nichtbindendes Abkommen existiert.<\/p>\n<p>Um diese Fragen zu beantworten wende ich einen \u201amixed-method\u2018 Ansatz an: Eine integrative Analyse von statistischen und fallbasierten Methoden, in der die Ergebnisse der ersten Methode f\u00fcr die Fallauswahl benutzt werden. Im quantitativen Teil besteht die Arbeit insbesondere aus einer statistischen Analyse des Einflusses internationaler Abkommen auf die Wasserqualit\u00e4t grenz\u00fcberschreitender Fl\u00fcsse in Europa. Der Datensatz besteht aus 773 Beobachtungen und umfasst 39 grenz\u00fcberschreitende Fl\u00fcsse, 43 L\u00e4nder-Dyaden zwischen 1954 und 2008 mit dem empirischen Schwerpunkt auf der Ebene des Fluss-Dyaden-Jahres. Im qualitativen Teil der Arbeit werden zwei F\u00e4lle aus dem Datensatz ausgew\u00e4hlt: Die Donau und der Rhein. Ziel der Fallstudienanalyse ist eine fundiertere Beschreibung und Illustration der Ergebnisse der statistischen Analyse sowie eine Charakterisierung der Kausalmechanismen zwischen den Abkommen und grenz\u00fcberschreitender Wasserqualit\u00e4t.<\/p>\n<p>Das wesentlichste empirische Ergebnis der Arbeit ist, dass Abkommen wirken. Internationale Abkommen haben zu einer Verbesserung der Wasserqualit\u00e4t bei grenz\u00fcberschreitenden Fl\u00fcssen in Europa gef\u00fchrt, die ohne sie nicht zustande gekommen w\u00e4re. Zu wichtigen Randbedingungen geh\u00f6ren in diesem Zusammenhang die Charakteristika der Staaten, wie Demokratie und Einkommen. Zudem wurde ein positiver Effekt eines \u201aZeit-Trends\u2018 gefunden. Insbesondere dieser letzte Befund wurde durch die Ergebnisse der Fallstudien unterst\u00fctzt. Diese haben gezeigt, dass ein gestiegenes Umweltbewusstsein sowie die Aktivit\u00e4ten von Nichtregierungsorganisationen wichtige Hintergrundbedingungen sind, wenn es um die Effektivit\u00e4t internationaler Abkommen geht.<\/p>\n<p>Die wichtigste Erkenntnis f\u00fcr die Politik lautet: \u00c4u\u00dferst entscheidend ist ein fr\u00fcher Beginn grenz\u00fcberschreitender Kooperation durch internationale Abkommen. Insbesondere in solchen F\u00e4llen, wo durch Abkommen mit der \u00dcberwachung grenz\u00fcberschreitender Umweltqualit\u00e4t begonnen wird. Die Ergebnisse haben gezeigt, dass die \u00dcberwachung von Wasserqualit\u00e4t Transparenz erm\u00f6glicht. Transparenz wiederum war die Grundlage f\u00fcr ein vertrauensbasiertes Verh\u00e4ltnis der Staaten untereinander. Abkommen k\u00f6nnen hier als Verst\u00e4rker zwischenstaatlicher Kooperation wirken. Zudem ist die \u00dcberwachung der Umweltqualit\u00e4t auch f\u00fcr individuelle und soziale Lernprozesse bedeutsam (Abkommen als Unterst\u00fctzer von Lernprozessen), f\u00fcr eine Ver\u00e4nderung der Kosten- und Nutzen-Kalkulation von Akteuren (Abkommen als Nutzen- Modifizierer) sowie f\u00fcr die Formierung der Identit\u00e4t, des Verst\u00e4ndnisses, der Wahrnehmung<br \/>und Normen involvierter Akteure (Abkommen als Rollen-Definierer). Schlie\u00dflich, wenn es um die Entscheidung \u00fcber die Form eines Abkommen geht, hat sich ein rechtlich bindendes Abkommen als effektiver im Vergleich mit einem nichtbindenden Abkommen f\u00fcr das erste Abkommen eines Bereiches erwiesen. Wenn es jedoch um ein \u201aaddiertes\u2018, also hinzugef\u00fcgtes Abkommen in einem Bereich geht, so k\u00f6nnen die Ergebnisse hier leider keine klare Leitschnur vorgeben.<\/p>\n<p>Diese Dissertation offenbart wichtige Zusammenh\u00e4nge zwischen internationalen Abkommen und grenz\u00fcberschreitender Wasserqualit\u00e4t. Nichtsdestotrotz weisen die Ergebnisse auch auf ungel\u00f6ste Fragen und somit auf weiteren Forschungsbedarf hin.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Rolle von Flexibilit\u00e4t in den Internationalen Beziehungen In dieser Dissertation besch\u00e4ftige ich mich mit der Effektivit\u00e4t grenz\u00fcberschreitender Abkommen im Bereich der Internationalen Umweltpolitik. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt insbesondere auf der Wasserqualit\u00e4t grenz\u00fcberschreitender Fl\u00fcsse in Europa. Zentrale Annahme der Arbeit ist, dass das Unterzeichnen internationaler Abkommen einen Einfluss auf die Umweltqualit\u00e4t hat. 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