{"id":52889,"date":"2026-01-27T10:48:47","date_gmt":"2026-01-27T09:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20008-999\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:48","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:48","slug":"20008-999","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20008-999\/","title":{"rendered":"Untersuchungen zu Aufbau, Stratigraphie und Genese von Nehrungshaken am Beispiel der Nordseeinseln Sylt und Amrum: Eine Methodenkombination aus Georadar und sedimentologischen Analysen"},"content":{"rendered":"<p>Overwash-Prozesse<\/p>\n<p>Barriereinseln und Nehrungshaken, geformt durch eine Kombination aus Wind, Wellen, Str\u00f6mung und K\u00fcstenl\u00e4ngstransport gelten als geologisch junge und morphologisch hoch aktive K\u00fcstenbereiche und variieren h\u00e4ufig in Ursprung, Genese und Entwicklung. Bisherige Untersuchungen zur Stratigraphie dieser durch engr\u00e4umige Fazieswechsel gepr\u00e4gten Sedimentationsr\u00e4ume basieren h\u00e4ufig allein auf Bohrungen. Daher sind die interne sedimentologische Struktur und die Prozesse, die zur Entwicklung von Barriereinseln und Nehrungshaken gef\u00fchrt haben, oftmals unzureichend untersucht.<\/p>\n<p>Ziel der folgenden Studie war es, anhand hochaufl\u00f6sender Georadarmessungen (GPR) und Bohrungen die Entstehung und interne sediment\u00e4re Architektur der Nehrungshaken von Sylt und Amrum zu rekonstruieren. Durch die Korrelation von Sediment- und Radarfazies konnten \u00fcber den bisherigen Kenntnisstand hinaus wertvolle, sich erg\u00e4nzende Informationen zur Geologie des oberfl\u00e4chennahen Untergrundes der Inseln Sylt und Amrum gewonnen werden. Auf dieser Grundlage wurden f\u00fcr den S\u00fcden Sylts, die Westk\u00fcste von Amrum und den Norden Amrums stratigraphische Modelle entwickelt, die schematisch den sedimentologischen Aufbau, die geomorphologisch-geologische Genese und die am Aufbau beteiligten Prozesse zusammenfassen. Die Einordnung in einen absoluten Zeitrahmen wurde durch Datierungen (AMS Radiokohlenstoff-Methode, Aminos\u00e4ure-Racemisierungs-Methode) erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse sind als Beispiel f\u00fcr die Heterogenit\u00e4t und Individualit\u00e4t von Nehrungshaken und Barriereinseln zu sehen. Es konnte gezeigt werden, dass Nehrungshaken hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer sediment\u00e4ren Struktur sowie den Prozessen ihrer Entstehung sehr unterschiedlich sind.<\/p>\n<p>Mit Ausnahme der heutigen D\u00fcnen zeigt die Stratigraphie der Ansatzzone des s\u00fcdlichen Nehrungshakens von Sylt an den zentralen Inselgeestkern s\u00fcdlich der Ortschaft Rantum insgesamt eine Vergr\u00f6berungs-Sequenz von tonigem Mischwatt im Liegenden \u00fcber Sandwatt bis zu den gr\u00f6beren washover-Schichten im Hangenden. Eine Besonderheit und regionale Abweichung stellt die Stratigraphie bei Puan Klent\/Th\u00f6rnh\u00f6rn dar. Dort wurde im Liegenden der Watt-Fazies ein fossiler Strandhaken nachgewiesen.<\/p>\n<p>Die transgressive Sequenz der Ansatzzone des s\u00fcdlichen Nehrungshakens von Sylt bei Rantum auf Sylt ist kennzeichnend f\u00fcr eine landw\u00e4rts gerichtete Wanderungsbewegung der Inselbarriere unter steigendem Meeresspiegel. Das Resultat des als \u0084barrier rollover\u0093 bezeichneten morphologischen Prozesses ist die allm\u00e4hliche Erosion der westlichen Barrierefront. Das erodierte Sediment der Westk\u00fcste wurde entweder durch overwash-Prozesse im r\u00fcckw\u00e4rtigen Inselbereich als washover fan abgelagert oder gelangte in den K\u00fcstenl\u00e4ngstransport, wurde zur Inselspitze transportiert und dort akkumuliert. Diese f\u00fchrte allm\u00e4hlich zum Wachstum und zur Progradation der s\u00fcdlichen Inselspitze (H\u00f6rnum Odde) in die sich s\u00fcdlich anschlie\u00dfende Tiderinne des H\u00f6rnum-Tiefs. Zahlreiche Erosionsdiskordanzen unterhalb des heutigen Meeresspiegels markieren urspr\u00fcngliche Inselspitzenendpositionen (time lines) und sind auf hochenergetische Sturmflutereignisse zur\u00fcckzuf\u00fchren. Die time lines werden nach S\u00fcden hin j\u00fcnger und zeichnen unterschiedliche Stadien der Progradation nach, die ein episodisches Wachstum der Inselspitze in Abh\u00e4ngigkeit von der Sedimentverf\u00fcgbarkeit und der Sturmflutintensit\u00e4t belegen. Alte Erosionsdiskordanzen belegen die fr\u00fche submarine Genese der H\u00f6rnum Odde. Ein starkes Wachstum der s\u00fcdlichen Inselspitze Sylts l\u00e4sst sich im Mittelalter nachweisen.<\/p>\n<p>Sturmfluten f\u00fchrten zudem immer wieder zu overwash-Prozessen und \u00dcberschwemmungen der noch jungen Inselspitze. Dies belegen \u00e4ltere washover-Ablagerungen, die in unterschiedlichen Phasen der Nehrungshakenentwicklung nachgewiesen werden konnten. Rezente overwash-Prozesse sind auf die heutigen D\u00fcnen beschr\u00e4nkt und wurden in dieser Arbeit mit der Fragestellung untersucht, ob und inwieweit das Georadar als Methode zur Prospektion von washover-Sedimenten herangezogen werden kann.<\/p>\n<p>Die unmittelbare Nachbarschaft der beiden Nehrungshaken von Sylt und Amrum l\u00e4sst einen \u00e4hnlichen sediment\u00e4ren Aufbau, eine analoge Genese in einem einheitlichen Prozess-System sowie ein vergleichbares Alter vermuten. Durch die Untersuchungen im Norden von Amrum sollte festgestellt werden, in wie weit das f\u00fcr die H\u00f6rnum Odde nachgewiesene Zusammenspiel von K\u00fcstenl\u00e4ngstransport, Progradation, sturmflutbedingten overwash-Prozessen und die zeitliche Unterbrechung des L\u00e4ngenwachstums durch Sturmfluterosion auch f\u00fcr Amrum zutrifft. Entgegen der Erwartungen unterscheidet sich der n\u00f6rdliche Nehrungshaken der Insel Amrum signifikant vom s\u00fcdlichen Nehrungshaken der Nachbarinsel Sylt.<\/p>\n<p>Studien zur Landschaftsentwicklung an der Westk\u00fcste Amrums wurden in einem Modell zusammengefasst, dass die Sedimentationsbedingungen, die im Westk\u00fcstenvorfeld herrschten bevor der Kniepsand an die Insel heranwanderte, beschreibt. Auf der Landoberfl\u00e4che des ertrinkenden saaleeiszeitlichen Geestkerns wurden zu Beginn der Flandrischen Transgression feink\u00f6rnige Sedimente eines Misch- und Schlickwatts abgelagert. Es ist davon auszugehen, dass der damals noch weit vor der K\u00fcste Amrums liegende Kniepsand eine Barriere bildete und so an der heute hochenergetischen Westk\u00fcste f\u00fcr str\u00f6mungsberuhigte Sedimentationsbedingungen sorgte. Ein weiteres Modell beschreibt den Andockmechanismus des Kniepsandes an die Insel Amrum. Durch die Anlagerung des ehemaligen Au\u00dfensandes und den damit einhergehenden Sedimentinput wurden die Bedingungen f\u00fcr eine gro\u00dffl\u00e4chige D\u00fcnenbildung geschaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Overwash-Prozesse Barriereinseln und Nehrungshaken, geformt durch eine Kombination aus Wind, Wellen, Str\u00f6mung und K\u00fcstenl\u00e4ngstransport gelten als geologisch junge und morphologisch hoch aktive K\u00fcstenbereiche und variieren h\u00e4ufig in Ursprung, Genese und Entwicklung. Bisherige Untersuchungen zur Stratigraphie dieser durch engr\u00e4umige Fazieswechsel gepr\u00e4gten Sedimentationsr\u00e4ume basieren h\u00e4ufig allein auf Bohrungen. 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