{"id":52830,"date":"2026-01-27T10:48:40","date_gmt":"2026-01-27T09:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20010-064\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:41","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:41","slug":"20010-064","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20010-064\/","title":{"rendered":"Die m\u00f6glichen Auswirkungen klimabedingter Naturkatastrophen auf innerstaatliche Fl\u00fcchtlingsstr\u00f6me und das Potenzial dieser Klimafl\u00fcchtlinge, gewaltsame Konflikte in den Zielregionen auszul\u00f6sen oder zu versch\u00e4rfen"},"content":{"rendered":"<p>Klimawandel, Flucht und gewaltsame Konflikte: Klimafl\u00fcchtlinge als Ursache von Gewaltkonflikten?<\/p>\n<p>Kann der globale Klimawandel gewaltsame Konflikte zwischen und innerhalb von Staaten ausl\u00f6sen oder versch\u00e4rfen und somit eine Bedrohung f\u00fcr internationalen Frieden und Sicher-heit darstellen? In vielen Modellen \u00fcber den Zusammenhang von Umweltver\u00e4nderungen und gewaltsamen Konflikten werden umweltinduzierte Bev\u00f6lkerungsbewegungen als eine Zwi-schenvariable aufgefasst, welche Umweltver\u00e4nderungen und Konflikte miteinander verkn\u00fcpft. Diese Dissertation konzentriert sich auf eine bestimmte Form von Bev\u00f6lkerungsbewegungen, die aufgrund der Klimaerw\u00e4rmung vor allem in den kommenden Jahrzehnten h\u00e4ufiger und st\u00e4rker in Erscheinung treten wird: die durch Sturm- und Flutkatastrophen ausgel\u00f6ste Vertreibung. Daher lautet die Forschungsfrage: <br \/>Kann die Ankunft von Menschen, die durch Sturm- und Flutkatastrophen vertrieben wurden, die Gefahr der Entstehung oder Versch\u00e4rfung von gewaltsamen Konflikten in den Aufnahmegebieten erh\u00f6hen und wenn ja, unter welchen Bedingungen?<\/p>\n<p>Die theoretische Grundlage bildet die Konfliktkonstellation des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltver\u00e4nderung (WBGU) \u00fcber Umweltmigration. Darin gehen die Forscher der Frage nach, \u00fcber welche Mechanismen Umweltmigration \u0096 ausgel\u00f6st u.a. durch Sturm- und Flutkatastrophen \u0096 gewaltsame Konflikte verursachen oder versch\u00e4rfen kann. Der WBGU identifiziert hierbei sechs m\u00f6gliche Kausalpfade: (i) Ressourcenverf\u00fcgbar-keit\/Demographie (ii) Ethnizit\u00e4t (iii) Diaspora\/Migrationsnetzwerke (iv) Reaktion der Regie-rung des Ziellandes\/der Zielregion (v) Governance-Kapazit\u00e4ten (vi) politische Stabilit\u00e4t. Das Forschungsziel besteht darin, diesen Erkl\u00e4rungsansatz des WBGU mittels einer Qualitative Comparative Analysis (QCA) sowie einer Fallstudienanalyse empirisch zu \u00fcberpr\u00fcfen.<\/p>\n<p>Die Ergebnisse der QCA-Analyse unterst\u00fctzen das WBGU-Modell nicht. Sie liefern lediglich vorsichtige Hinweise darauf, dass ethnische Spannungen, geringe Governance-Kapazit\u00e4ten sowie ein politisch instabiles Umfeld eine Rolle bei der Versch\u00e4rfung von gewaltsamen Kon-flikten in den Aufnahmeregionen von Umweltvertriebenen spielen.<\/p>\n<p>Die Fallstudie konzentriert sich auf den Tropensturm Sendong, der Ende 2011 im Nordwesten der s\u00fcdlichen Inselgruppe Mindanao auf den Philippinen gro\u00dfe Verw\u00fcstung angerichtet hat. Die mit Sendong einhergehenden Sturzfluten forderten mehr als 1 000 Todesopfer und ver-trieben \u00fcber 400 000 Menschen, welche zum Teil in Evakuierungs- und \u00dcbergangslagern Zu-flucht suchten. Im Zuge der Feldforschung wurden Gespr\u00e4che (leitfadengest\u00fctzte Expertenin-terviews und Gruppeninterviews) sowohl mit zahlreichen Vertretern der humanit\u00e4ren Ge-meinschaft (u.a. GIZ, NGOs, UN) und der Regierungsbeh\u00f6rden gef\u00fchrt als auch mit den Umweltvertriebenen. Auf der Basis dieser Interviews und der Dokumentenanalyse k\u00f6nnen folgende, vorl\u00e4ufige, Ergebnisse festgehalten werden: Einerseits sind die Bedingungen des WBGU-Modells in den untersuchten Aufnahmeregionen weitgehend vorhanden. So sind sie zum Teil gepr\u00e4gt von u.a. Ressourcenmangel, religi\u00f6sen\/ethnischen Spannungen, \u00fcberlasteten Governance-Kapazit\u00e4ten und politischer Instabilit\u00e4t. Andererseits f\u00fchrt die Ankunft von Um-weltvertriebenen zwar durchaus zu zahlreichen Spannungen und Konflikten in den Aufnah-megebieten, letztlich eskalieren diese aber nicht gewaltsam \u0096 etwa in Form von Ausschreitun-gen oder bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen organisierten Gruppen. Vielmehr hat man es mit nicht-gewaltsamen Konflikten (z.B. \u00fcber die Verteilung und den Zugang von Res-sourcen) sowie inter-personeller Gewalt (Kriminalit\u00e4t, Mord) und h\u00e4uslicher Gewalt zu tun. Im Falle von Sendong hat vornehmlich die starke und schnelle Pr\u00e4senz der humanit\u00e4ren Ge-meinschaft, das gute Camp-Management und die Ber\u00fccksichtigung der Interessen der Auf-nahmeregionen eine Eskalation hin zu Gewaltkonflikten verhindert.<\/p>\n<p>Zusammenfassend ist also festzuhalten: Das WBGU-Modell kann weder von der QCA-Analyse noch von der Fallstudie best\u00e4tigt werden. Umweltbedingte Bev\u00f6lkerungsbewegungen im Kontext des Klimawandels sind somit weniger ein Sicherheits-, sondern vielmehr ein Entwicklungsproblem.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Klimawandel, Flucht und gewaltsame Konflikte: Klimafl\u00fcchtlinge als Ursache von Gewaltkonflikten? Kann der globale Klimawandel gewaltsame Konflikte zwischen und innerhalb von Staaten ausl\u00f6sen oder versch\u00e4rfen und somit eine Bedrohung f\u00fcr internationalen Frieden und Sicher-heit darstellen? 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