{"id":52808,"date":"2026-01-27T10:48:37","date_gmt":"2026-01-27T09:48:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20010-086\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:38","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:38","slug":"20010-086","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20010-086\/","title":{"rendered":"Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00d6kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke in einem Wald\u00f6kosystem Ostpolens"},"content":{"rendered":"<p>Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00d6kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke<\/p>\n<p><strong>Interaktionen zwischen Arten sind ein essentieller Bestandteil \u00f6kologischer Lebensgemeinschaften, weil sie eng mit der Koevolution von Arten, sowie mit der Organisation und der Funktionalit\u00e4t von \u00d6kosystemen verbunden sind. Zusammengenommen bilden diese Interaktionen zwischen Arten komplexe und sehr dynamische Beziehungsgeflechte, sogenannte Interaktionsnetzwerke. Die Struktur dieser Netzwerke \u00e4ndert sich aufgrund der r\u00e4umlichen und zeitlichen Variabilit\u00e4t im gemeinsamen Vorkommen interagierender Arten, und aufgrund der Zu- oder Abnahme einzelner Arten durch die Fragmentierung oder Degradierung nat\u00fcrlicher Lebensr\u00e4ume. Im letzten Urwald Relikt des Europ\u00e4ischen Tieflands in Bialowieza (Ostpolen), untersuchte ich nat\u00fcrliche und menschlich bedingte Dynamiken in hoch diversen mutualistischen Netzwerken aus Pflanzen und deren best\u00e4ubenden und samenausbreitenden Tieren. Mutualistische Interaktionen zwischen Pflanzen und Best\u00e4ubern und Samenausbreitern bilden die Grundlage f\u00fcr wichtige \u00d6kosystemprozesse, da Pflanzen wichtige Ressourcen f\u00fcr eine Vielzahl von Tierarten darstellen, die ihrerseits entscheidend zu Regenerationsprozessen in Pflanzengemeinschaften beitragen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen meiner Studien konnte ich zeigen, dass r\u00e4umliche und zeitliche Variation im Vorkommen verschiedener Pflanzenarten und die damit einhergehende Variation in deren ph\u00e4nologischen Nischen beeinflussen, inwiefern zeitgleich fruchtende Pflanzenarten um samenausbreitende Tiere konkurrieren oder sich gegenseitig in ihrer Ausbreitungsf\u00e4higkeit f\u00f6rdern. So wurden h\u00e4ufige Pflanzenarten seltener von Samenausbreitern besucht wenn sie zeitgleich mit anderen Arten fruchteten, wohingegen seltene Pflanzenarten von der Pr\u00e4senz anderer fruchtender Arten profitierten. Zudem waren Pflanzenarten, die ein \u00e4hnliches Spektrum an samenausbreitenden Tierarten hatten auch stark r\u00e4umlich miteinander assoziiert. Diese Ergebnisse deuten an, dass \u00f6kologische Interaktionen sowohl die Organisation \u00f6kologischer Gemeinschaften als auch die Koexistenz von Arten beeinflussen. Ferner hatten Ver\u00e4nderungen im Nahrungssuchverhalten der Samenausbreiter als Reaktion auf die Verf\u00fcgbarkeit von Fruchtressourcen und Nahrungskonkurrenz durch andere Tiere einen starken Effekt auf die Struktur der Gemeinschaften und auf die Redundanz in Samenausbreitungsprozessen. So hatte beispielsweise verminderte Konkurrenz durch den Verlust von Waldspezialisten in genutzten Waldgebieten, eine erh\u00f6hte Spezialisierung und eine Abnahme der Redundanz in den Beziehungen zwischen Pflanzen und deren Samenausbreitern zur Folge.<\/p>\n<p>Der Vergleich der mutualistischen Beziehungen zwischen Pflanzen und ihren Best\u00e4ubern und Samenausbreitern zeigte auf welche Weise der biotische Kontext Landnutzungseffekte auf \u00f6kologische Gemeinschaften beeinflussen kann. So reagierte der Mutualismus zwischen Pflanzen und Samenausbreitern empfindlicher auf die Degradation des untersuchten Urwaldgebietes, als der Mutualismus zwischen Pflanzen und Best\u00e4ubern. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass ein hohes Ma\u00df an Generalisierung, wie etwa im Mutualismus zwischen Pflanzen und Samenausbreitern, nicht notwendigerweise einen stabilen Puffer gegen\u00fcber einem Verlust von Arten bildet. Dies gilt insbesondere, wenn wenige Arten einen \u00fcberproportionalen Effekt innerhalb einer Gemeinschaft haben, oder wenn bestimmte Arten besonders sensibel auf menschliche St\u00f6rung reagieren.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus zeigen meine Studien, dass forstliche Nutzung von Urwaldgebieten korrelierte Effekte auf die Interaktionen der Pflanzen in beiden mutualistischen Beziehungen hatte: Pflanzenarten, die in genutzten W\u00e4ldern viele Samenausbreiter verloren, waren auch von einem Verlust an Best\u00e4ubern betroffen. Die St\u00e4rke dieser Landnutzungseffekte konnte anhand von Verschiebungen in der H\u00e4ufigkeit einzelner Pflanzenarten in genutzten Waldgebieten mit einer Bestimmtheit von 40 bis 70 % vorhergesagt werden. Das bedeutet, dass eine \u00c4nderung in der Populationsdichte einer einzigen Art ausreicht, um in einer Art Domino-Effekt die Interaktionen sowie die Populationen anderer Arten zu beeinflussen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Effekte von Landnutzung auf \u00f6kologische Gemeinschaften teilweise durch die Verf\u00fcgbarkeit von pflanzlichen Nahrungsressourcen in genutzten Lebensr\u00e4umen getrieben sind. Da nat\u00fcrliche und menschlich bedingte Dynamiken in mutualistischen Gemeinschaften \u00e4hnlichen Prinzipien zu folgen scheinen, k\u00f6nnte eine Ber\u00fccksichtigung der Verf\u00fcgbarkeit von Ressourcen in genutzten Lebensr\u00e4umen genauere Vorhersagen \u00fcber die St\u00e4rke von Landnutzungseffekten auf \u00f6kologische Lebensgemeinschaften erm\u00f6glichen. Insgesamt deuten diese Ergebnisse an, dass die Effekte von Landnutzung auf Interaktionen zwischen Arten potentiell weitreichende Effekte auf die Funktionalit\u00e4t ganzer \u00d6kosysteme haben k\u00f6nnten, da sie zu einem parallelen Verlust verschiedener \u00f6kosystemarer Dienstleistungen, wie etwa Best\u00e4ubung oder Samenausbreitung durch Tiere, f\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00d6kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke Interaktionen zwischen Arten sind ein essentieller Bestandteil \u00f6kologischer Lebensgemeinschaften, weil sie eng mit der Koevolution von Arten, sowie mit der Organisation und der Funktionalit\u00e4t von \u00d6kosystemen verbunden sind. Zusammengenommen bilden diese Interaktionen zwischen Arten komplexe und sehr dynamische Beziehungsgeflechte, sogenannte Interaktionsnetzwerke. 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