{"id":52808,"date":"2026-10-23T12:50:44","date_gmt":"2026-10-23T10:50:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20010-086\/"},"modified":"2026-10-23T12:50:47","modified_gmt":"2026-10-23T10:50:47","slug":"20010-086","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20010-086\/","title":{"rendered":"Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00c3\u2013kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke in einem Wald\u00c3\u00b6kosystem Ostpolens"},"content":{"rendered":"<p>Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00d6kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke<\/p>\n<p><strong>Interaktionen zwischen Arten sind ein essentieller Bestandteil \u00c3\u00b6kologischer Lebensgemeinschaften, weil sie eng mit der Koevolution von Arten, sowie mit der Organisation und der Funktionalit\u00c3\u00a4t von \u00c3\u2013kosystemen verbunden sind. Zusammengenommen bilden diese Interaktionen zwischen Arten komplexe und sehr dynamische Beziehungsgeflechte, sogenannte Interaktionsnetzwerke. Die Struktur dieser Netzwerke \u00c3\u00a4ndert sich aufgrund der r\u00c3\u00a4umlichen und zeitlichen Variabilit\u00c3\u00a4t im gemeinsamen Vorkommen interagierender Arten, und aufgrund der Zu- oder Abnahme einzelner Arten durch die Fragmentierung oder Degradierung nat\u00c3\u00bcrlicher Lebensr\u00c3\u00a4ume. Im letzten Urwald Relikt des Europ\u00c3\u00a4ischen Tieflands in Bialowieza (Ostpolen), untersuchte ich nat\u00c3\u00bcrliche und menschlich bedingte Dynamiken in hoch diversen mutualistischen Netzwerken aus Pflanzen und deren best\u00c3\u00a4ubenden und samenausbreitenden Tieren. Mutualistische Interaktionen zwischen Pflanzen und Best\u00c3\u00a4ubern und Samenausbreitern bilden die Grundlage f\u00c3\u00bcr wichtige \u00c3\u2013kosystemprozesse, da Pflanzen wichtige Ressourcen f\u00c3\u00bcr eine Vielzahl von Tierarten darstellen, die ihrerseits entscheidend zu Regenerationsprozessen in Pflanzengemeinschaften beitragen.<\/strong><\/p>\n<p>Im Rahmen meiner Studien konnte ich zeigen, dass r\u00c3\u00a4umliche und zeitliche Variation im Vorkommen verschiedener Pflanzenarten und die damit einhergehende Variation in deren ph\u00c3\u00a4nologischen Nischen beeinflussen, inwiefern zeitgleich fruchtende Pflanzenarten um samenausbreitende Tiere konkurrieren oder sich gegenseitig in ihrer Ausbreitungsf\u00c3\u00a4higkeit f\u00c3\u00b6rdern. So wurden h\u00c3\u00a4ufige Pflanzenarten seltener von Samenausbreitern besucht wenn sie zeitgleich mit anderen Arten fruchteten, wohingegen seltene Pflanzenarten von der Pr\u00c3\u00a4senz anderer fruchtender Arten profitierten. Zudem waren Pflanzenarten, die ein \u00c3\u00a4hnliches Spektrum an samenausbreitenden Tierarten hatten auch stark r\u00c3\u00a4umlich miteinander assoziiert. Diese Ergebnisse deuten an, dass \u00c3\u00b6kologische Interaktionen sowohl die Organisation \u00c3\u00b6kologischer Gemeinschaften als auch die Koexistenz von Arten beeinflussen. Ferner hatten Ver\u00c3\u00a4nderungen im Nahrungssuchverhalten der Samenausbreiter als Reaktion auf die Verf\u00c3\u00bcgbarkeit von Fruchtressourcen und Nahrungskonkurrenz durch andere Tiere einen starken Effekt auf die Struktur der Gemeinschaften und auf die Redundanz in Samenausbreitungsprozessen. So hatte beispielsweise verminderte Konkurrenz durch den Verlust von Waldspezialisten in genutzten Waldgebieten, eine erh\u00c3\u00b6hte Spezialisierung und eine Abnahme der Redundanz in den Beziehungen zwischen Pflanzen und deren Samenausbreitern zur Folge.<\/p>\n<p>Der Vergleich der mutualistischen Beziehungen zwischen Pflanzen und ihren Best\u00c3\u00a4ubern und Samenausbreitern zeigte auf welche Weise der biotische Kontext Landnutzungseffekte auf \u00c3\u00b6kologische Gemeinschaften beeinflussen kann. So reagierte der Mutualismus zwischen Pflanzen und Samenausbreitern empfindlicher auf die Degradation des untersuchten Urwaldgebietes, als der Mutualismus zwischen Pflanzen und Best\u00c3\u00a4ubern. Dieses Ergebnis verdeutlicht, dass ein hohes Ma\u00c3\u0178 an Generalisierung, wie etwa im Mutualismus zwischen Pflanzen und Samenausbreitern, nicht notwendigerweise einen stabilen Puffer gegen\u00c3\u00bcber einem Verlust von Arten bildet. Dies gilt insbesondere, wenn wenige Arten einen \u00c3\u00bcberproportionalen Effekt innerhalb einer Gemeinschaft haben, oder wenn bestimmte Arten besonders sensibel auf menschliche St\u00c3\u00b6rung reagieren.<\/p>\n<p>Dar\u00c3\u00bcber hinaus zeigen meine Studien, dass forstliche Nutzung von Urwaldgebieten korrelierte Effekte auf die Interaktionen der Pflanzen in beiden mutualistischen Beziehungen hatte: Pflanzenarten, die in genutzten W\u00c3\u00a4ldern viele Samenausbreiter verloren, waren auch von einem Verlust an Best\u00c3\u00a4ubern betroffen. Die St\u00c3\u00a4rke dieser Landnutzungseffekte konnte anhand von Verschiebungen in der H\u00c3\u00a4ufigkeit einzelner Pflanzenarten in genutzten Waldgebieten mit einer Bestimmtheit von 40 bis 70 % vorhergesagt werden. Das bedeutet, dass eine \u00c3\u201enderung in der Populationsdichte einer einzigen Art ausreicht, um in einer Art Domino-Effekt die Interaktionen sowie die Populationen anderer Arten zu beeinflussen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass die Effekte von Landnutzung auf \u00c3\u00b6kologische Gemeinschaften teilweise durch die Verf\u00c3\u00bcgbarkeit von pflanzlichen Nahrungsressourcen in genutzten Lebensr\u00c3\u00a4umen getrieben sind. Da nat\u00c3\u00bcrliche und menschlich bedingte Dynamiken in mutualistischen Gemeinschaften \u00c3\u00a4hnlichen Prinzipien zu folgen scheinen, k\u00c3\u00b6nnte eine Ber\u00c3\u00bccksichtigung der Verf\u00c3\u00bcgbarkeit von Ressourcen in genutzten Lebensr\u00c3\u00a4umen genauere Vorhersagen \u00c3\u00bcber die St\u00c3\u00a4rke von Landnutzungseffekten auf \u00c3\u00b6kologische Lebensgemeinschaften erm\u00c3\u00b6glichen. Insgesamt deuten diese Ergebnisse an, dass die Effekte von Landnutzung auf Interaktionen zwischen Arten potentiell weitreichende Effekte auf die Funktionalit\u00c3\u00a4t ganzer \u00c3\u2013kosysteme haben k\u00c3\u00b6nnten, da sie zu einem parallelen Verlust verschiedener \u00c3\u00b6kosystemarer Dienstleistungen, wie etwa Best\u00c3\u00a4ubung oder Samenausbreitung durch Tiere, f\u00c3\u00bchren k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfluss menschlicher Nutzung auf \u00d6kosystemprozesse und mutualistische Netzwerke Interaktionen zwischen Arten sind ein essentieller Bestandteil \u00c3\u00b6kologischer Lebensgemeinschaften, weil sie eng mit der Koevolution von Arten, sowie mit der Organisation und der Funktionalit\u00c3\u00a4t von \u00c3\u2013kosystemen verbunden sind. Zusammengenommen bilden diese Interaktionen zwischen Arten komplexe und sehr dynamische Beziehungsgeflechte, sogenannte Interaktionsnetzwerke. 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