{"id":52799,"date":"2026-01-27T10:48:35","date_gmt":"2026-01-27T09:48:35","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20010-096\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:37","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:37","slug":"20010-096","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20010-096\/","title":{"rendered":"Letzter Ausweg Genetik (?) &#8211; Ist die brandenburgische Smaragdeidechse (Lacerta viridis) durch Inzuchtdepression vom Aussterben bedroht?"},"content":{"rendered":"<p>Inzuchtdepression bei Smaragdeidechsen (Lacerta viridis)<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) ist in Deutschland eine besonders gesch\u00fctzte und vom Aussterben bedrohte Art. Die kleinen deutschen Inselvorkommen von Lacerta viridis lassen sich auf eine Einwanderung aus S\u00fcdeuropa w\u00e4hrend des postglazialen W\u00e4rmeoptimums zur\u00fcckf\u00fchren. In Brandenburg sind in den letzten 50 Jahren die Best\u00e4nde dramatisch zur\u00fcckgegangen, obwohl durch eine steigende Sonnenscheindauer im Zuge der Klimaerw\u00e4rmung das Gegenteil zu erwarten w\u00e4re. Da die Vorkommen trotz massiver Habitatverbesserungen innerhalb der letzten 20 Jahre unvermindert stark zur\u00fcckgehen, kam der Verdacht auf, dass Inzuchtdepression eine Rolle spielen k\u00f6nnte. Heute existieren nur noch drei brandenburgische Wildpopulationen. Bislang wurde jede dieser Populationen als v\u00f6llig distinkte Einheit gemanagt und der Austausch von Individuen strikt vermieden, um m\u00f6gliche lokale Anpassungen nicht durch Auszuchtdepression zu gef\u00e4hrden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Drei langj\u00e4hrig vom Landesumweltamt Brandenburg gehaltene Zuchtlinien mit genauem Stammbaum und unterschiedlichem Inzuchtgrad (autochthone brandenburgische Tiere) sowie eine weitere dort gepflegte Zuchtlinie aus dem Kernareal auf dem Balkan (Serbien) bieten die M\u00f6glichkeit, ein molekulares Markersystem zur Ermittlung des Inzuchtgrades zu etablieren, das an den Gefangenschaftstieren \u0084geeicht\u0093 werden kann. Die hier gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnen auf die brandenburgischen Wildpopulationen \u00fcbertragen werden, um deren Inzuchtgrad zu ermitteln. Probenentnahmen an Zucht- wie Wildtieren k\u00f6nnen hierzu minimalinvasiv \u00fcber Schleimhautabstriche erfolgen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Eine erste Untersuchung der Zucht- und Wildpopulationen mit Hilfe des Cytochrom <em>b<\/em> \u0096 Genes best\u00e4tigte unsere Vermutung, dass keine signifikante Unterschiede zwischen den Populationen gibt. Die serbische Referenzpopulation wies ebenfalls den gleichen Haplotypen wie die brandenburger Tiere auf. Im Gegensatz dazu, liefern die Mikrosatellitendaten auf den ersten Blick ein anderes Bild. Hier gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Populationen. Die genaue Auswertung dieser Daten ist noch nicht abgeschlossen. Bei den in der Naturschutzstation Rhinluch seit Anfang der 90er Jahre geh\u00e4lterten Individuen der brandenburger Smaragdeidechse konnte anhand der Zuchtb\u00fccher nachgewiesen werden, dass in den letzten Jahren eine deutliche Abnahme in Bezug auf Anzahl an gelegten und befruchteten Eiern zu verzeichnen war. Des Weiteren sank die Zahl, der aus den befruchteten Eiern geschl\u00fcpften Individuen dramatisch (Schlupfrate). Um diesen Trend aufzuhalten wurden ab 2006 vereinzelt Tiere aus den brandenburger Wildpopulationen in die Station aufgenommen. Einige dieser Tiere wurden mit Individuen der alten \u0084Inzuchtlinie\u0093 verpaart, um die m\u00f6glicherweise negativen Auswirkungen der Inzucht zu kompensieren. In den darauf folgenden Jahren konnte innerhalb dieser \u0084Auszuchtlinie\u0093 eine deutliche Verbesserung der verschiedenen Parameter beobachtet werden. Weiterhin wurde ab 2006 eine so genannte \u0084Frischblutlinie\u0093 etabliert. Hier wurden Tiere aus den brandenburger Wildpopulationen unter kontrollierten Laborbedingungen miteinander verpaart. Wie zu erwarten war, ist in dieser Linie der Anteil an gelegten und befruchteten Eiern, sowie geschl\u00fcpften Tieren am h\u00f6chsten. Sowohl in der \u0084Auszucht-\u0093, als auch in der \u0084Frischblutlinie\u0093 ist ein positiver Trend in Bezug auf die Schlupfrate zu verzeichnen. Die Heterozygotie \u0096 Fitness \u0096 Korrelation kann erst nach Abschluss der Mikrosatellitenuntersuchungen erfolgen. Wir erwarten, dass es hier eine klare Korrelation zwischen erh\u00f6htem Inzuchtgrad und verminderter Schlupfrate geben wird. Trotz der stetigen Abnahme der Populationsdichte, befinden sich die brandenburger Wildpopulationen in einem guten Gesundheits- und Ern\u00e4hrungszustand. Nur vereinzelt wurden auff\u00e4llige Tiere beobachtet z.B. ein Albino \u0096 Weibchen (subadult) oder ein stark melanistisches M\u00e4nnchen (adult). In allen drei Wildpopulationen wurden jedoch nur wenige Juvenile beobachtet. Die diesj\u00e4hrigen Mikrosatellitenanalysen sollen Aufschluss dar\u00fcber geben, ob die geringe Anzahl an Juvenilen m\u00f6glicherweise eine Folge der Inzucht sein k\u00f6nnte. Zus\u00e4tzlich soll die Populationsstruktur der brandenburger Smaragdeidechse an sich untersucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In Kooperation mit Prof. Dr. Werner Mayer von dem Naturhistorischen Museum Wien wurden die von ihm begonnenen phylogeographischen Untersuchungen am<em> Lacerta viridis<\/em> \u0096 und <em>L. bilineata<\/em> &#8211; Komplex beendet. Somit sollte es m\u00f6glich sein, genauere Aussagen bez\u00fcglich einer genetischen Isolation der brandenburger Populationen von dem Hauptvorkommen der Art zu erzielen. Hierf\u00fcr habe ich zus\u00e4tzliche Proben von <em>Lacerta<\/em> <em>viridis <\/em>und <em>L. bilineata<\/em> aus verschiedenen L\u00e4ndern mittels des Cytochrom <em>b<\/em>  und des <em>\u00df<\/em> \u0096 Fibrinogen \u0096 Intron7 untersucht. Die Analysen zeigen eine deutliche Unterteilung des Phylogrammes in vier gut unterst\u00fctzte Linien: <em>L. bilineata<\/em>, <em>L. v. meridionalis<\/em>, <em>L. viridis spp<\/em>. sowie die bereits von M. U. B\u00f6hme et al (2007) publizierte Adria &#8211; Linie. Die tiefen Verzweigungsmuster konnten jedoch nicht zufriedenstellend aufgel\u00f6st werden, sondern zeigen eine deutliche Polytonie des <em>Lacerta viridis \/ bilineata<\/em> &#8211; Komplexes. <\/p>\n<p>Die brandenburger Smaragdeidechsen unterscheiden sich im Cytochrom <em>b<\/em> nicht wesentlich von dem Hauptvorkommen der Linie <em>L. v. viridis<\/em> (2) in Mittel- und Osteuropa. Erstmalig konnte gezeigt werden, dass die t\u00fcrkischen Smaragdeidechsen (<em>L. v. meridionalis<\/em>) ein eigenst\u00e4ndiges Monophylum bilden, welches au\u00dferhalb der \u00fcbrigen <em>L. viridis spp<\/em>. geclustert wird. Auch die entlang der adriatischen K\u00fcste lebenden Smaragdeidechsen bilden ein gut unterst\u00fctztes Monophylum (Adria \u0096 Linie). Dies wurde bereits von M. U. B\u00f6hme et al. (2007) als \u0084West \u0096 Balkan\u0093 \u0096 Klade bzw. Lacerta \u0084Adria\u0093 etabliert. Das untersuchte Kerngen (<em>\u00df<\/em> \u0096 Fibrinogen \u0096 Intron7) weist eine hohe Variabilit\u00e4t auf. Eine eindeutige Differenzierung zwischen den Arten bzw. Unterarten war mittels Gelelektrophorese nicht m\u00f6glich. Im Gegensatz zu den Voruntersuchungen wiesen alle untersuchten Linien, bis auf die t\u00fcrkischen<em> Lacerta v. meridionalis<\/em>, sowohl Homozygote als auch Heterozygote bez\u00fcglich des Genes auf. Interessant war hierbei, dass Individuen innerhalb <em>Lacerta bilineata<\/em> und der Adria \u0096 Linie existieren, die entweder nur das kurze oder das lange Allel besitzen. Die t\u00fcrkischen <em>Lacerta v. meridionalis<\/em> besa\u00dfen durchg\u00e4ngig nur das lange Allel, waren somit stets homozygot bez\u00fcglich diesen Genes. Innerhalb der langen sowie der kurzen Genvarianten existieren charakteristische Substitutionen zwischen den Populationen. Dadurch konnte Genfluss zwischen den potenziellen Arten bzw. Unterarten nachgewiesen werden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Mit Blick auf die Gef\u00e4hrdungssituation der Smaragdeidechse in den sch\u00fctzenswerten Reliktvorkommen Brandenburgs hat das hier vorgestellte Projekt das Ziel, Grundlagen f\u00fcr die Erarbeitung neuer Handlungsrichtlinien f\u00fcr das Populationsmanagement zu liefern. Zus\u00e4tzlich werden im Rahmen der Untersuchungen wichtige Fragen zum Artstatus der \u00f6stlichen und westlichen Smaragdeidechse gekl\u00e4rt. Bisher existieren zwei Smaragdeidechsenarten in Deutschland. Auf Grund aktueller Untersuchungen, wird der Artstatus dieser zwei Taxa jedoch stark angezweifelt. Sollte sich best\u00e4tigen, dass es sich nicht um zwei verschiedene Arten handelt, h\u00e4tte dies ebenfalls Konsequenzen f\u00fcr die in ganz Deutschland durchgef\u00fchrten Schutzma\u00dfnahmen der Smaragdeidechsen.<br \/>\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Inzuchtdepression bei Smaragdeidechsen (Lacerta viridis) Die Smaragdeidechse (Lacerta viridis) ist in Deutschland eine besonders gesch\u00fctzte und vom Aussterben bedrohte Art. Die kleinen deutschen Inselvorkommen von Lacerta viridis lassen sich auf eine Einwanderung aus S\u00fcdeuropa w\u00e4hrend des postglazialen W\u00e4rmeoptimums zur\u00fcckf\u00fchren. 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