{"id":52719,"date":"2026-02-11T10:48:47","date_gmt":"2026-02-11T09:48:47","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20012-177\/"},"modified":"2026-02-11T10:48:47","modified_gmt":"2026-02-11T09:48:47","slug":"20012-177","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20012-177\/","title":{"rendered":"Wiederansiedlungen &#8211; eine neue Strategie zum Schutz seltener Pflanzenarten am Beispiel der th\u00fcringischen Steppenrasen"},"content":{"rendered":"<p>M\u00f6glichkeiten der Wiederansiedlung von seltenen Pflanzenarten in Steppenrasen in Th\u00fcringen<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Seltene Pflanzenarten bilden in vielen L\u00e4ndern, darunter auch Deutschland, einen bedeutenden Anteil der pflanzlichen Diversit\u00e4t. Da in den oftmals kleinen Populationen dieser Arten demografische und umweltbedingte Stochastizit\u00e4t st\u00e4rker wirkt, sind diese mitunter auch in grunds\u00e4tzlich intakten Habitaten vom Aussterben bedroht. Hinzu kommt, dass diese Arten h\u00e4ufig kurzlebige Samenbanken haben und ein geringes Ausbreitungspotenzial besitzen, weshalb sie geeignete Habitate nicht von allein neu- oder wiederbesiedeln k\u00f6nnen. Aus diesen Gr\u00fcnden stellen f\u00fcr seltene Pflanzenarten Wiederansiedlungen in Form von Ausbringung von Samen und Jungpflanzen in geeignete Habitate eine notwendige Naturschutzstrategie dar.<br \/>Derzeit werden solche Wiederansiedlungsma\u00dfnahmen f\u00fcr zwei seltene Arten der Steppenrasen (<em>Pulsatilla pratensis<\/em> und <em>Scorzonera purpurea<\/em>) im Rahmen des LIFE-Projekts \u201eErhaltung und Entwicklung der Steppenrasen Th\u00fcringens\u201c im Th\u00fcringer Becken durchgef\u00fchrt. Diese werden im Rahmen der Promotionsarbeit analysiert und begleitet. Dabei soll beantwortet werden, ob die Eigenschaften von Quell- und Zielhabitaten einen Einfluss auf den Wiederansiedlungserfolg haben, wie viele Pflanzen angesiedelt werden m\u00fcssen, um eine sich selbst erhaltende Population zu etablieren und ob die Methode der Ansaat oder der Anpflanzung bessere Wiederansiedlungserfolge erzielt. Zudem sollen die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Aussterben von <em>S. purpurea<\/em> in Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt untersucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Schon ab 2009 bzw. 2010 wurden aus Samen von nat\u00fcrlichen Populationen der beiden Zielarten im Gew\u00e4chshaus Jungpflanzen angezogen. Im Fr\u00fchjahr 2010 (<em>S. purpurea<\/em>) und Herbst 2011 (<em>P. pratensis<\/em>) wurden etwa je Art etwa 900 Jungpflanzen in sechs bzw. acht Zielgebieten ausgebracht. Je Zielgebiet wurden die Pflanzen in zwei Habitattypen, Trockenrasen (S\u00fcdhang) und Halbtrockenrasen (Nordhang), gepflanzt. Zus\u00e4tzlich wurden im Januar 2012 in acht Zielgebieten insgesamt ca. 16.000 Samen von <em>Pulsatilla pratensis<\/em>, die H\u00e4lfte davon auf Nord-, die andere H\u00e4lfte auf S\u00fcdh\u00e4ngen, ausges\u00e4t.<br \/>W\u00e4hrend der Vegetationsperiode 2013 wurden zudem alle nat\u00fcrlichen Vorkommen von <em>S. purpurea<\/em> sowie Gebiete, in denen die Art vorkam, jedoch ausgestorben ist, in Sachsen- Anhalt und Th\u00fcringen besucht und ihre Gr\u00f6\u00dfe sowie Habitateigenschaften aufgenommen, um die Gr\u00fcnde f\u00fcr das Aussterben der Art zu ermitteln.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Etwa drei Viertel der angepflanzten Individuen von <em>P. pratensis<\/em> und 60\u00a0% der von <em>S. purpurea<\/em> waren im Jahre 2013 noch am Leben, davon bl\u00fchten je 16\u00a0%. Die \u00dcberlebensraten unterschieden sich nicht signifikant zwischen Pflanzen, die aus Samen aus Trocken- und Halbtrockenrasen gezogen wurden, sowie zwischen Pflanzen, die in Trocken- und Halbtrockenrasen ausgepflanzt wurden. Sie wurden allerdings von der H\u00f6he der umgebenden Vegetation, der Deckung der Streu- und auch der Deckung der Skelettschicht signifikant negativ beeinflusst. Die Deckung der Streu- und Krautschicht sowie die Hanginklination hatten zudem einen signifikant negativen Effekt und die H\u00f6he der umgebenden Vegetation einen signifikant positiven Effekt auf die Rate der bl\u00fchenden Pflanzen. Zudem bl\u00fchten <em>S. purpurea<\/em>-Nachkommen von gro\u00dfen Herkunftspopulationen signifikant h\u00e4ufiger als solche aus kleinen Populationen.<br \/>Die Aussterbeanalyse von <em>S. purpurea<\/em> zeigte, dass heute noch 28 von ehemals mindestens 82 Vorkommen in Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt existieren, was einen R\u00fcckgang der Art um zwei Drittel bedeutet. Die Art kommt heute konzentriert im Kyffh\u00e4usergebirge und der unmittelbaren Umgebung vor und ist au\u00dferhalb dieser Region weitgehend ausgestorben. Dabei war die Wahrscheinlichkeit, dass Vorkommen in kleinen, isolierten Gebieten ausstarben h\u00f6her als nicht-isolierte Vorkommen in gro\u00dfen Gebieten. Zudem wirkte sich der Anteil an f\u00fcr <em>S. purpurea<\/em> geeignetem Habitat (geringer Verbuschungs- und Verfilzungsgrad) signifikant positiv auf das \u00dcberleben der Art in einem Gebiet aus. Mehr rezente Populationen befanden auf s\u00fcd- als auf nordexponierten Fl\u00e4chen und die Gr\u00f6\u00dfe dieser noch rezenten Populationen wurde signifikant positiv von der Gr\u00f6\u00dfe des geeigneten Habitats beeinflusst.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In Th\u00fcringen und Sachsen-Anhalt ist <em>S. purpurea<\/em> eine stark gef\u00e4hrdete Art, die durch Habitatverlust vor allem durch fortschreitende Sukzession infolge von Nutzungsaufgabe aber auch durch Isolation noch geeigneter Habitate bedroht ist. Eine kontinuierlich extensive Nutzung bzw. Pflege der Habitate ist essentiell, um das \u00dcberleben der konkurrenzschwachen Art dauerhaft zu sichern. Auch Wiederansiedlungen k\u00f6nnen eine geeignete Methode zum Schutz der Art darstellen. Die Tatsache, dass ca. 75\u00a0% bzw. 60\u00a0% der angesiedelten Pflanzen \u00fcberlebten, deutet darauf hin, dass die Wiederansiedlung von <em>P. pratensis<\/em> und <em>S. purpurea<\/em> zu diesem Zeitpunkt als erfolgreich angesehen werden kann. Ein guter Pflegezustand der Fl\u00e4chen, der sich durch niedrige Vegetation und geringere Deckungen an Streu- und Krautschicht wiederspiegelt, vergr\u00f6\u00dfert mutma\u00dflich den Wiederansiedlungserfolg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>M\u00f6glichkeiten der Wiederansiedlung von seltenen Pflanzenarten in Steppenrasen in Th\u00fcringen Seltene Pflanzenarten bilden in vielen L\u00e4ndern, darunter auch Deutschland, einen bedeutenden Anteil der pflanzlichen Diversit\u00e4t. Da in den oftmals kleinen Populationen dieser Arten demografische und umweltbedingte Stochastizit\u00e4t st\u00e4rker wirkt, sind diese mitunter auch in grunds\u00e4tzlich intakten Habitaten vom Aussterben bedroht. 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