{"id":52686,"date":"2026-10-23T12:50:25","date_gmt":"2026-10-23T10:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20012-210\/"},"modified":"2026-10-23T12:50:27","modified_gmt":"2026-10-23T10:50:27","slug":"20012-210","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20012-210\/","title":{"rendered":"Aquakulturen mariner Makroalgen: Isolierung und Anwendung von Sporulationsinhibitoren aus dem Meersalat Ulva"},"content":{"rendered":"<p>Aquakulturen mariner Makroalgen<\/p>\n<p>Die gr\u00c3\u00bcne Makroalge <em>Ulva<\/em>, die zur Alge des Jahres 2015 gek\u00c3\u00bcrt wurde, ist als Meersalat bekannt und verf\u00c3\u00bcgt \u00c3\u00bcber eine gute Anpassungsf\u00c3\u00a4higkeit gegen\u00c3\u00bcber unterschiedlichen Temperatur- und Salinit\u00c3\u00a4tsbereichen. Dies gilt insbesondere auch gegen\u00c3\u00bcber abiotischen Umweltbelastungen, wie Schwermetalleintrag oder anthropogener Eutrophierung. Aus diesen Gr\u00c3\u00bcnden besiedelt <em>Ulva <\/em>erfolgreich weltweit solche K\u00c3\u00bcstengebiete, die durch extensiv genutzte K\u00c3\u00bcstenbereiche hohe Belastungen haben. Saisonale Algenbl\u00c3\u00bcten von <em>Ulva<\/em> treten vor allem in stark eutrophierten Gew\u00c3\u00a4ssern wie der Bucht von Qingdao (China), aber auch in der Algarve (Portugal) auf. Daher besteht auch ein hohes Forschungsinteresse an den Wachstumsbedingungen von <em>Ulva<\/em>. Neben der \u00c3\u00b6kologischen Bedeutung von<em> Ulva<\/em>, wird auch diskutiert, die Alge zur Wiederaufbereitung eutrophierter (Prozess-)Abw\u00c3\u00a4sser (z.B. aus Fischzuchten) zu verwenden.(1) In solchen Systemen kann die Alge durch schnelle Aufnahme von Phosphor- und Stickstoffquellen, sowie Schwermetallen als N\u00c3\u00a4hrstofffilter dienen.(2) Die Gewinnung gro\u00c3\u0178er Biomassen der Alge unter kontrollierten Kulturbedingungen ist f\u00c3\u00bcr m\u00c3\u00b6glichst effektive N\u00c3\u00a4hrstofffilter in Aquakulturen erstrebenswert. F\u00c3\u00bcr ein solches Vorhaben muss der spontane Wechsel des Generationszyklus und der einhergehende Biomassenverlust aufgrund von Keimzellenbildung in Kultivierungssystemen verhindert werden.<br \/>Der Vortrag stellt die Art <em>Ulva<\/em> mutabilis als Modelsystem zur Erforschung der Regulation des Generationszyklus von Diplohaplonten vor und wie diese Alge zur Optimierung von Kultivierungen eingesetzt werden k\u00c3\u00b6nnte. <em>U. mutabilis<\/em> hat sich als idealer Modelorganismus herausgestellt, da die schnelle vegetative Vermehrung unter Laborbedingungen und die bereits bekannte Bakterienflora, die zum Wachstum von angelegten Kulturen ben\u00c3\u00b6tigt werden, vorhanden sind.(3,4) <em>In natura <\/em>wechselt sich der diploide Sporophyt mit dem haploiden Gametophyt durch Bildung von Keimzellen ab. Bei der Gametogenese, der Keimzellbildung von Gameten, wandelt sich die Blattzelle des Gametophyten binnen drei Tagen in ein Gametangium um. Die zweigei\u00c3\u0178ligen Gameten beider Geschlechtstypen schwimmen beim Austreten aus dem Keimzellbeh\u00c3\u00a4lter zum Licht und verschmelzen zu einer Zygote, aus der ein diploider Sporophyt entsteht.(5) Die verschmolzenen weiblichen und m\u00c3\u00a4nnlichen Gameten bilden Zygoten aus, aus denen neue diploide Sporophyten entstehen. Finden die Gameten allerdings keinen Paarungspartner, bildet sich ein neuer Gametophyt. Es zeigte sich, dass die Differenzierung einer Blattzelle in ein Gametangium (Sporangium), Sporulationsinhibitoren (SI-1 und SI-2) reguliert, bzw. inhibitiert wird. Ist die Alge in einem fertilen Stadium, k\u00c3\u00b6nnen beide Sporulationsinhibitoren durch Mediumwechsel und Fragmentierung entfernt werden, sodass sich innerhalb von drei Tagen die Blattzellen in Gametangien differenzieren.(6) Die darin enthaltenen Gameten bleiben im Gametangium. Die Freisetzung (Ausschw\u00c3\u00a4rmen) erfolgt erst durch Entfernen des Schw\u00c3\u00a4rminhibitors (SWI). Dies erfolgt durch einen erneuten Mediumwechsel.3 W\u00c3\u00a4hrend es sich bei dem SI-1 um ein Glykoprotein handelt, geh\u00c3\u00b6rt der SI-2 und der SWI zu den niedermolekularen Substanzen. Einige dieser Substanzen wurden auch in artverwandten Organismen gefunden und biologisch nachgewiesen.(7)<br \/>Insbesondere stellt der analytische Prozess unter besonderer Ber\u00c3\u00bccksichtigung der angewandten analytisch-chemischen Methoden und der Herausforderung der sehr niedrigen Konzentration in diesem biologischen System ein interessantes Themengebiet dar. Dies soll beispielhaft am SWI in diesem biologischen System gezeigt werden. Da sich alle Substanzen unter der Nachweisgrenze analytisch-chemischer Methoden wie der Massenspektrometrie (MS) liegen, werden biologische Aktivit\u00c3\u00a4tstests zum Nachweis zur Hilfe genommen. Diese helfen auch in biotestgeleiteten Verfahren die Substanzen chromatographisch zu fraktionieren, anzureichern und so zu identifizieren.<br \/>Im Weiteren ist eine neue Methodik zur <em>in situ <\/em>Identifizierung metabolischer Lipidprofile in der Zellwand von <em>U. mutabilis <\/em>w\u00c3\u00a4hrend der Gametogenese mittels bildgebender Matrix-unterst\u00c3\u00bctzter Laser-Desorption\/Ionisation (MALDI) gekoppelt mit MS etabliert worden.(8,9) Mit Hilfe des MALDI-MS-Imaging soll eine visuelle Darstellung der drei t\u00c3\u00a4gigen Gametogenese erfolgen. Es soll dabei eine chemische Unterscheidung der Differenzierung von einer Blattzelle in ein Gametangium w\u00c3\u00a4hrend der drei Tage erm\u00c3\u00b6glicht werden, um die Vorg\u00c3\u00a4nge w\u00c3\u00a4hrenddessen besser verstehen zu k\u00c3\u00b6nnen. Die Erkenntnisse, dieses in der Grundlagenforschung angesiedelten Projektes, sollen direkt auf ihre Anwendbarkeit in landbasierten Aquakulturen \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcft werden.<\/p>\n<p>1\tSchramm, W., 149-169 (John WIley &#038; Sons, 1991).<br \/>2\tNeori, A., Cohen, I. &#038; Gordin, H., Botanica Marina 34, 483-489 (1991).<br \/>3\tWichard, T. &#038; Oertel, W., Journal of Phycology 46, 248-259 (2010).<br \/>4\tSpoerner, M., Wichard, T., Bachhuber, T., Stratmann, J. &#038; Oertel, W., Journal of Phycology 48, 1433-1447 (2012).<br \/>5\tL\u00c3\u00b8vlie, A., Nytt. Mag. Zool. 16, 39-49 (1968).<br \/>6\tStratmann, J., Paputsoglu, G. &#038; Oertel, W., Journal of Phycology 32, 1009-1021 (1996).<br \/>7 Vesty,E. F., Kessler,R. W, Wichard,T., Coates,J. C., Front Plant. Sci. 6, 2015<br \/>8\tZemski Berry, K. A. et al., Chemical Reviews 111, 6491-6512 (2011).<br \/>9\tVieler, A., Wilhelm, C., Goss, R., S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178, R. &#038; Schiller, J., Chemistry and Physics of Lipids 150, 143-155 (2007)<br \/>\u00c2\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Aquakulturen mariner Makroalgen Die gr\u00c3\u00bcne Makroalge Ulva, die zur Alge des Jahres 2015 gek\u00c3\u00bcrt wurde, ist als Meersalat bekannt und verf\u00c3\u00bcgt \u00c3\u00bcber eine gute Anpassungsf\u00c3\u00a4higkeit gegen\u00c3\u00bcber unterschiedlichen Temperatur- und Salinit\u00c3\u00a4tsbereichen. Dies gilt insbesondere auch gegen\u00c3\u00bcber abiotischen Umweltbelastungen, wie Schwermetalleintrag oder anthropogener Eutrophierung. 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