{"id":52674,"date":"2026-01-27T10:48:21","date_gmt":"2026-01-27T09:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20012-223\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:22","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:22","slug":"20012-223","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20012-223\/","title":{"rendered":"Optimierung von \u00d6kosystemdienstleistungen in Wald\u00f6kosystemen: Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6kosystemdienstleistungen und Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><strong>Zielsetzung und Projektbeschreibung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die zunehmende Intensit\u00e4t der Landnutzung w\u00e4hrend der letzten 50 Jahre f\u00fchrte zu starken Ver\u00e4nderungen in der Struktur von \u00d6kosystemen, die den Verlust von Biodiversit\u00e4t nach sich ziehen k\u00f6nnen, aber auch die Aufrechterhaltung von \u00d6kosystemdienstleitungen wie die Bereitstellung von Rohstoffen, Reinigung von Luft und Wasser oder CO2-Speicherung gef\u00e4hrden. Insbesondere Wald\u00f6kosysteme sind hiervon betroffen. Eine der augenf\u00e4lligsten Ver\u00e4nderungen ist der R\u00fcckgang der Totholzvorr\u00e4te im Wald. Totholz und seine Bewohner spielen jedoch eine wichtige Rolle in der R\u00fcckf\u00fchrung von N\u00e4hrstoffen, CO2-Speicherung oder der Verj\u00fcngung bestimmter Waldgesellschaften. Zudem sind circa 30% der in W\u00e4ldern lebenden Arten an Totholz gebunden. Erkenntnisse \u00fcber den Beitrag von Totholz zu diesen unverzichtbaren \u00d6kosystemdienstleitungen sowie dessen Bedeutung f\u00fcr die Biodiversit\u00e4t haben daher zu einer breiten Akzeptanz f\u00fcr das Belassen von Totholz im Wald gef\u00fchrt, die jedoch aufgrund steigender Energieholzpreise einem zunehmenden Nutzungsdruck gegen\u00fcbersteht. Um diesen Konflikt zu l\u00f6sen, wird von Seiten der Praxis zunehmend der Bedarf nach optimierten Nutzungskonzepten verlautbart. <br \/>Ziel dieses Promotionsvorhabens ist es, am Beispiel der funktional vielf\u00e4ltigen Artengruppe der Totholzk\u00e4fer die Effekte von Totholzmenge und -diversit\u00e4t auf biologische Vielfalt und Abbauprozesse zu untersuchen. <br \/>Zu diesem Zweck wurden innerhalb der montanen Bergmischwaldzone des Nationalparks Bayerischer Wald 190 Versuchsfl\u00e4chen angelegt. Auf diesen wurden definierte Mengen und Qualit\u00e4ten an Totholz so platziert, dass s\u00e4mtliche Kombinationen der Faktoren Mikroklima (offene und geschlossene Waldbest\u00e4nde), Ressourcenverf\u00fcgbarkeit (Totholzmenge) und Ressourcendiversit\u00e4t (Baumart und Dimension des Totholzes) abgedeckt werden. \u00dcber drei Jahre hinweg sollen nun auf diesen Fl\u00e4chen xylobionte K\u00e4fer mittels Flugfenster- und Barberfallen sowie Stammeklektoren gefangen und bestimmt werden. Totholzk\u00e4fer sind f\u00fcr die vorliegende Fragestellung besonders geeignet, da sie eine sehr diverse Gruppe mit zahlreichen hochspezialisierten Arten darstellen, \u00fcber die ein hoher Wissensstand vorliegt. Desweiteren werden auch Laufk\u00e4fer, Spinnen, Springschw\u00e4nze und xylobionte Wanzen erfasst, die ebenfalls von der Erh\u00f6hung der strukturellen Vielfalt durch die Anreicherung von Totholz profitieren. Um die Effekte des liegenden Totholzes auf Boden und N\u00e4hrstoffhaushalt zu untersuchen, werden auf allen Versuchsfl\u00e4chen Bodenproben entnommen und analysiert. Die Aktivit\u00e4t von Bodenorganismen beim Abbau organischer Substanz wird mit Hilfe sogenannter \u201eBait Lamina\u201c erfasst. Durch die Berechnung von gemischten generalisierten linearen Modellen, Pfadanalysen und partiellen Redundanzanalysen sollen die komplexen Beziehungen zwischen Totholzmenge, -diversit\u00e4t und -dimension sowie deren Effekte auf xylobionte Artengemeinschaften in offenen und geschlossenen W\u00e4ldern aufgeschl\u00fcsselt werden.<br \/>Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse sollen wissenschaftlich begr\u00fcndete Empfehlungen abgegeben werden, wie eine Totholzanreicherung trotz zunehmender \u00f6konomischer Zw\u00e4nge optimiert werden kann. Diese Ergebnisse k\u00f6nnen sowohl in Naturschutzkonzepten von Forstbetrieben als auch in staatlichen F\u00f6rderprogrammen Eingang finden und damit einen wichtigen Beitrag zu einer integrativen Waldbewirtschaftung leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><strong>Stand November 2014:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Xylobionte K\u00e4fer und Wanzen<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Fensterfallen konnten 2012 und 2013 insgesamt rund 1500 K\u00e4ferarten nachgewiesen werden, wovon 460 Arten als xylobiont eingestuft sind. Vorl\u00e4ufige Auswertungen zeigen, dass die Zusammensetzung der Artengemeinschaften je Versuchsfl\u00e4che stark vom Mikroklima gepr\u00e4gt ist. Das bedeutet, schattige Best\u00e4nde und besonnte Freifl\u00e4chen werden von unterschiedlichen Artengemeinschaften besiedelt. Desweiteren finden sich unabh\u00e4ngige Effekte der Totholzmenge und \u2013diversit\u00e4t:  Die Artenzahl xylobionter K\u00e4fer steigt signifikant mit der Menge ausgebrachten Totholzes und mit steigender Totholzdiversit\u00e4t. <\/p>\n<p>Auch wenn die endg\u00fcltige Auswertung des Gesamtdatensatzes inklusive der F\u00e4nge aus 2014 abzuwarten bleibt, w\u00fcrden diese unabh\u00e4ngigen Effekte bedeuten, dass bei der Anreicherung von Totholz nicht nur auf die Menge sondern auch auf die Art des Totholzes und das Mikroklima geachtet werden m\u00fcsste. Wenn sich die Ergebnisse best\u00e4tigen, w\u00fcrde dies bedeuten, dass bei Bereitstellung eines vielf\u00e4ltigen Totholzangebots die Gesamtmenge reduziert werden k\u00f6nnte.<br \/>Innerhalb der Ordnung der Wanzen gibt es eine geringe Anzahl echter Totholzbewohner, alle fast ausschlie\u00dflich aus der Familie der Aradidaen bzw. Rindenwanzen. Auch wenn in Deutschland nur knapp \u00fcber 20 Arten vorkommen, ist diese Gruppe f\u00fcr den Naturschutz von Bedeutung, da ein Gro\u00dfteil dieser Arten auf der Roten Liste gef\u00fchrt wird. 2012 und 2013 konnten insgesamt \u00fcber 220 Tiere aus 6 Arten gefangen werden (Seibold et al. 2014). Die Auswertung zeigte, dass obwohl diese Arten an Holzpilzen fressen, nicht die Abundanz bestimmter Pilzarten, sondern die Totholzmenge die H\u00e4ufigkeit der Rindenwanzen erkl\u00e4rte. Dies l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass Rindenwanzen bei der Lokalisierung neuer Habitate eher den Duftstoffen von Holz als denen von Pilzen folgen. Desweiteren l\u00e4sst sich f\u00fcr den Naturschutz ableiten, dass die Anreicherung von Totholz auf besonnten Fl\u00e4chen dieser gef\u00e4hrdeten Artengruppe zu Gute kommt.<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>Epig\u00e4ische Insekten<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Barberfallen wurden 2012 und 2013 insgesamt 464 epig\u00e4ische K\u00e4ferarten, 229 Spinnenarten und 36 Collembolenarten (nur 2012) nachgewiesen. Bei allen drei Artengruppen zeigt sich wiederrum eine klare Separierung der Artengemeinschaften nach Mikroklimaten. Desweiteren zeigt sich ein Anstieg der Collembolendichten mit Erh\u00f6hung der strukturellen Vielfalt in Form von Totholz, sowie h\u00f6here Dichten von K\u00e4fern und Collembolen an Totholz als in 2m Entfernung. Ebenso finden sich h\u00f6here Artenzahlen von Spinnen und K\u00e4fern unmittelbar an Totholz. Diese Ergebnisse zeigen, dass Totholz auch f\u00fcr nicht-xylobionte Artengruppen von Bedeutung ist und diese zumindest teilweise sogar f\u00f6rdert. Die Anreicherung von Totholz kann also ohne Schaden f\u00fcr diese Artengruppen durchgef\u00fchrt werden.<br \/>\u00a0<\/p>\n<p>Abbauaktivit\u00e4t von Bodenorganismen<\/p>\n<p>Die Abbauaktivit\u00e4t der bodenlebenden Organismen war wie zu erwarten vom Mikroklima gepr\u00e4gt mit h\u00f6heren Abbauraten auf besonnten Fl\u00e4chen. Desweiteren stieg die Abbauaktivit\u00e4t mit der Menge ausgebrachter \u00c4ste. St\u00e4mme hatten keinen signifikanten Effekt. Diese Ergebnisse zeigen, dass die schnelle Umsetzung schwachen Totholzes bereits im dritten Jahr nach der Ausbringung durch die R\u00fcckf\u00fchrung von N\u00e4hrelementen zu einer F\u00f6rderung der Destruentengemeinschaften f\u00fchrt. Dieser Effekt ist bei vergleichsweise schwach zersetztem starkem Totholz zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu finden. Die Bedeutung von schwachem Totholz f\u00fcr die Funktionalit\u00e4t der Destruentengemeinschaften und N\u00e4hrstoffkreisl\u00e4ufe im Wald wird dadurch unterstrichen und sollte bei der Energieholzgewinnung unbedingt beachtet werden.<strong><br \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p>Totholz ist einer der zentralen Streitpunkte in der Diskussion um Biodiversit\u00e4t, \u00d6kosystemdienstleistungen und Forstwirtschaft. Totholzanreicherung hat starke, positive Effekte auf xylobionte Arten aber auch auf nicht-xylobionte Arten wie Laufk\u00e4fer oder Spinnen. Neben der Totholzmenge ist die Art und Vielfalt des angereicherten Totholzes von gro\u00dfer Bedeutung und sollte daher in Totholzkonzepten ber\u00fccksichtigt werden. Dar\u00fcber hinaus zeigen sich bereits kurz nach Ausbringung von schwachem Totholz positive Effekte auf die Funktionalit\u00e4t von Destruentengemeinschaften, was die Bedeutung dieser Ressource f\u00fcr Wald\u00f6kosysteme unterstreicht. <br \/>\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6kosystemdienstleistungen und Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt Zielsetzung und Projektbeschreibung: Die zunehmende Intensit\u00e4t der Landnutzung w\u00e4hrend der letzten 50 Jahre f\u00fchrte zu starken Ver\u00e4nderungen in der Struktur von \u00d6kosystemen, die den Verlust von Biodiversit\u00e4t nach sich ziehen k\u00f6nnen, aber auch die Aufrechterhaltung von \u00d6kosystemdienstleitungen wie die Bereitstellung von Rohstoffen, Reinigung von Luft und Wasser oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2477],"class_list":["post-52674","promotionsstipendium","type-promotionsstipendium","status-publish","hentry","tag-deutschland"],"meta_box":{"dbu_stipendiaten_az":"20012\/223","dbu_stipendiaten_anrede":"","dbu_stipendiaten_nachname":"Seibold","dbu_stipendiaten_vorname":"Sebastian","dbu_stipendiaten_titel":"Dr.","dbu_stipendiaten_fbeginn":"2013-01-01 00:00:00","dbu_stipendiaten_fende":"2015-12-31 00:00:00","dbu_stipendiaten_e_anschrif":"Technische Universit\u00e4t M\u00fcnchen (TUM) Department f\u00fcr \u00d6kologie und \u00d6kosystemmanagement Lehrstuhl f\u00fcr Terrestrische \u00d6kologie","dbu_stipendiaten_betreuer":"Dr. J\u00f6rg M\u00fcller","dbu_stipendiaten_email_dienst":"sebastian.seibold@tum.de"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/promotionsstipendium"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58686,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674\/revisions\/58686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}