{"id":52674,"date":"2026-10-23T12:50:25","date_gmt":"2026-10-23T10:50:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20012-223\/"},"modified":"2026-10-23T12:50:25","modified_gmt":"2026-10-23T10:50:25","slug":"20012-223","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20012-223\/","title":{"rendered":"Optimierung von \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen in Wald\u00c3\u00b6kosystemen: Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt"},"content":{"rendered":"<p>\u00d6kosystemdienstleistungen und Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><strong>Zielsetzung und Projektbeschreibung:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die zunehmende Intensit\u00c3\u00a4t der Landnutzung w\u00c3\u00a4hrend der letzten 50 Jahre f\u00c3\u00bchrte zu starken Ver\u00c3\u00a4nderungen in der Struktur von \u00c3\u2013kosystemen, die den Verlust von Biodiversit\u00c3\u00a4t nach sich ziehen k\u00c3\u00b6nnen, aber auch die Aufrechterhaltung von \u00c3\u2013kosystemdienstleitungen wie die Bereitstellung von Rohstoffen, Reinigung von Luft und Wasser oder CO2-Speicherung gef\u00c3\u00a4hrden. Insbesondere Wald\u00c3\u00b6kosysteme sind hiervon betroffen. Eine der augenf\u00c3\u00a4lligsten Ver\u00c3\u00a4nderungen ist der R\u00c3\u00bcckgang der Totholzvorr\u00c3\u00a4te im Wald. Totholz und seine Bewohner spielen jedoch eine wichtige Rolle in der R\u00c3\u00bcckf\u00c3\u00bchrung von N\u00c3\u00a4hrstoffen, CO2-Speicherung oder der Verj\u00c3\u00bcngung bestimmter Waldgesellschaften. Zudem sind circa 30% der in W\u00c3\u00a4ldern lebenden Arten an Totholz gebunden. Erkenntnisse \u00c3\u00bcber den Beitrag von Totholz zu diesen unverzichtbaren \u00c3\u2013kosystemdienstleitungen sowie dessen Bedeutung f\u00c3\u00bcr die Biodiversit\u00c3\u00a4t haben daher zu einer breiten Akzeptanz f\u00c3\u00bcr das Belassen von Totholz im Wald gef\u00c3\u00bchrt, die jedoch aufgrund steigender Energieholzpreise einem zunehmenden Nutzungsdruck gegen\u00c3\u00bcbersteht. Um diesen Konflikt zu l\u00c3\u00b6sen, wird von Seiten der Praxis zunehmend der Bedarf nach optimierten Nutzungskonzepten verlautbart. <br \/>Ziel dieses Promotionsvorhabens ist es, am Beispiel der funktional vielf\u00c3\u00a4ltigen Artengruppe der Totholzk\u00c3\u00a4fer die Effekte von Totholzmenge und -diversit\u00c3\u00a4t auf biologische Vielfalt und Abbauprozesse zu untersuchen. <br \/>Zu diesem Zweck wurden innerhalb der montanen Bergmischwaldzone des Nationalparks Bayerischer Wald 190 Versuchsfl\u00c3\u00a4chen angelegt. Auf diesen wurden definierte Mengen und Qualit\u00c3\u00a4ten an Totholz so platziert, dass s\u00c3\u00a4mtliche Kombinationen der Faktoren Mikroklima (offene und geschlossene Waldbest\u00c3\u00a4nde), Ressourcenverf\u00c3\u00bcgbarkeit (Totholzmenge) und Ressourcendiversit\u00c3\u00a4t (Baumart und Dimension des Totholzes) abgedeckt werden. \u00c3\u0153ber drei Jahre hinweg sollen nun auf diesen Fl\u00c3\u00a4chen xylobionte K\u00c3\u00a4fer mittels Flugfenster- und Barberfallen sowie Stammeklektoren gefangen und bestimmt werden. Totholzk\u00c3\u00a4fer sind f\u00c3\u00bcr die vorliegende Fragestellung besonders geeignet, da sie eine sehr diverse Gruppe mit zahlreichen hochspezialisierten Arten darstellen, \u00c3\u00bcber die ein hoher Wissensstand vorliegt. Desweiteren werden auch Laufk\u00c3\u00a4fer, Spinnen, Springschw\u00c3\u00a4nze und xylobionte Wanzen erfasst, die ebenfalls von der Erh\u00c3\u00b6hung der strukturellen Vielfalt durch die Anreicherung von Totholz profitieren. Um die Effekte des liegenden Totholzes auf Boden und N\u00c3\u00a4hrstoffhaushalt zu untersuchen, werden auf allen Versuchsfl\u00c3\u00a4chen Bodenproben entnommen und analysiert. Die Aktivit\u00c3\u00a4t von Bodenorganismen beim Abbau organischer Substanz wird mit Hilfe sogenannter \u00e2\u20ac\u017eBait Lamina\u00e2\u20ac\u0153 erfasst. Durch die Berechnung von gemischten generalisierten linearen Modellen, Pfadanalysen und partiellen Redundanzanalysen sollen die komplexen Beziehungen zwischen Totholzmenge, -diversit\u00c3\u00a4t und -dimension sowie deren Effekte auf xylobionte Artengemeinschaften in offenen und geschlossenen W\u00c3\u00a4ldern aufgeschl\u00c3\u00bcsselt werden.<br \/>Auf Basis der gewonnen Erkenntnisse sollen wissenschaftlich begr\u00c3\u00bcndete Empfehlungen abgegeben werden, wie eine Totholzanreicherung trotz zunehmender \u00c3\u00b6konomischer Zw\u00c3\u00a4nge optimiert werden kann. Diese Ergebnisse k\u00c3\u00b6nnen sowohl in Naturschutzkonzepten von Forstbetrieben als auch in staatlichen F\u00c3\u00b6rderprogrammen Eingang finden und damit einen wichtigen Beitrag zu einer integrativen Waldbewirtschaftung leisten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><strong>Stand November 2014:<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Xylobionte K\u00c3\u00a4fer und Wanzen<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Fensterfallen konnten 2012 und 2013 insgesamt rund 1500 K\u00c3\u00a4ferarten nachgewiesen werden, wovon 460 Arten als xylobiont eingestuft sind. Vorl\u00c3\u00a4ufige Auswertungen zeigen, dass die Zusammensetzung der Artengemeinschaften je Versuchsfl\u00c3\u00a4che stark vom Mikroklima gepr\u00c3\u00a4gt ist. Das bedeutet, schattige Best\u00c3\u00a4nde und besonnte Freifl\u00c3\u00a4chen werden von unterschiedlichen Artengemeinschaften besiedelt. Desweiteren finden sich unabh\u00c3\u00a4ngige Effekte der Totholzmenge und \u00e2\u20ac\u201cdiversit\u00c3\u00a4t:  Die Artenzahl xylobionter K\u00c3\u00a4fer steigt signifikant mit der Menge ausgebrachten Totholzes und mit steigender Totholzdiversit\u00c3\u00a4t. <\/p>\n<p>Auch wenn die endg\u00c3\u00bcltige Auswertung des Gesamtdatensatzes inklusive der F\u00c3\u00a4nge aus 2014 abzuwarten bleibt, w\u00c3\u00bcrden diese unabh\u00c3\u00a4ngigen Effekte bedeuten, dass bei der Anreicherung von Totholz nicht nur auf die Menge sondern auch auf die Art des Totholzes und das Mikroklima geachtet werden m\u00c3\u00bcsste. Wenn sich die Ergebnisse best\u00c3\u00a4tigen, w\u00c3\u00bcrde dies bedeuten, dass bei Bereitstellung eines vielf\u00c3\u00a4ltigen Totholzangebots die Gesamtmenge reduziert werden k\u00c3\u00b6nnte.<br \/>Innerhalb der Ordnung der Wanzen gibt es eine geringe Anzahl echter Totholzbewohner, alle fast ausschlie\u00c3\u0178lich aus der Familie der Aradidaen bzw. Rindenwanzen. Auch wenn in Deutschland nur knapp \u00c3\u00bcber 20 Arten vorkommen, ist diese Gruppe f\u00c3\u00bcr den Naturschutz von Bedeutung, da ein Gro\u00c3\u0178teil dieser Arten auf der Roten Liste gef\u00c3\u00bchrt wird. 2012 und 2013 konnten insgesamt \u00c3\u00bcber 220 Tiere aus 6 Arten gefangen werden (Seibold et al. 2014). Die Auswertung zeigte, dass obwohl diese Arten an Holzpilzen fressen, nicht die Abundanz bestimmter Pilzarten, sondern die Totholzmenge die H\u00c3\u00a4ufigkeit der Rindenwanzen erkl\u00c3\u00a4rte. Dies l\u00c3\u00a4sst darauf schlie\u00c3\u0178en, dass Rindenwanzen bei der Lokalisierung neuer Habitate eher den Duftstoffen von Holz als denen von Pilzen folgen. Desweiteren l\u00c3\u00a4sst sich f\u00c3\u00bcr den Naturschutz ableiten, dass die Anreicherung von Totholz auf besonnten Fl\u00c3\u00a4chen dieser gef\u00c3\u00a4hrdeten Artengruppe zu Gute kommt.<\/p>\n<p>\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Epig\u00c3\u00a4ische Insekten<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Barberfallen wurden 2012 und 2013 insgesamt 464 epig\u00c3\u00a4ische K\u00c3\u00a4ferarten, 229 Spinnenarten und 36 Collembolenarten (nur 2012) nachgewiesen. Bei allen drei Artengruppen zeigt sich wiederrum eine klare Separierung der Artengemeinschaften nach Mikroklimaten. Desweiteren zeigt sich ein Anstieg der Collembolendichten mit Erh\u00c3\u00b6hung der strukturellen Vielfalt in Form von Totholz, sowie h\u00c3\u00b6here Dichten von K\u00c3\u00a4fern und Collembolen an Totholz als in 2m Entfernung. Ebenso finden sich h\u00c3\u00b6here Artenzahlen von Spinnen und K\u00c3\u00a4fern unmittelbar an Totholz. Diese Ergebnisse zeigen, dass Totholz auch f\u00c3\u00bcr nicht-xylobionte Artengruppen von Bedeutung ist und diese zumindest teilweise sogar f\u00c3\u00b6rdert. Die Anreicherung von Totholz kann also ohne Schaden f\u00c3\u00bcr diese Artengruppen durchgef\u00c3\u00bchrt werden.<br \/>\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Abbauaktivit\u00c3\u00a4t von Bodenorganismen<\/p>\n<p>Die Abbauaktivit\u00c3\u00a4t der bodenlebenden Organismen war wie zu erwarten vom Mikroklima gepr\u00c3\u00a4gt mit h\u00c3\u00b6heren Abbauraten auf besonnten Fl\u00c3\u00a4chen. Desweiteren stieg die Abbauaktivit\u00c3\u00a4t mit der Menge ausgebrachter \u00c3\u201este. St\u00c3\u00a4mme hatten keinen signifikanten Effekt. Diese Ergebnisse zeigen, dass die schnelle Umsetzung schwachen Totholzes bereits im dritten Jahr nach der Ausbringung durch die R\u00c3\u00bcckf\u00c3\u00bchrung von N\u00c3\u00a4hrelementen zu einer F\u00c3\u00b6rderung der Destruentengemeinschaften f\u00c3\u00bchrt. Dieser Effekt ist bei vergleichsweise schwach zersetztem starkem Totholz zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu finden. Die Bedeutung von schwachem Totholz f\u00c3\u00bcr die Funktionalit\u00c3\u00a4t der Destruentengemeinschaften und N\u00c3\u00a4hrstoffkreisl\u00c3\u00a4ufe im Wald wird dadurch unterstrichen und sollte bei der Energieholzgewinnung unbedingt beachtet werden.<strong><br \/><\/strong><\/p>\n<p><strong>Zusammenfassung<\/strong><\/p>\n<p>Totholz ist einer der zentralen Streitpunkte in der Diskussion um Biodiversit\u00c3\u00a4t, \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen und Forstwirtschaft. Totholzanreicherung hat starke, positive Effekte auf xylobionte Arten aber auch auf nicht-xylobionte Arten wie Laufk\u00c3\u00a4fer oder Spinnen. Neben der Totholzmenge ist die Art und Vielfalt des angereicherten Totholzes von gro\u00c3\u0178er Bedeutung und sollte daher in Totholzkonzepten ber\u00c3\u00bccksichtigt werden. Dar\u00c3\u00bcber hinaus zeigen sich bereits kurz nach Ausbringung von schwachem Totholz positive Effekte auf die Funktionalit\u00c3\u00a4t von Destruentengemeinschaften, was die Bedeutung dieser Ressource f\u00c3\u00bcr Wald\u00c3\u00b6kosysteme unterstreicht. <br \/>\u00c2\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00d6kosystemdienstleistungen und Totholzanreicherung &#8211; Menge versus Vielfalt Zielsetzung und Projektbeschreibung: Die zunehmende Intensit\u00c3\u00a4t der Landnutzung w\u00c3\u00a4hrend der letzten 50 Jahre f\u00c3\u00bchrte zu starken Ver\u00c3\u00a4nderungen in der Struktur von \u00c3\u2013kosystemen, die den Verlust von Biodiversit\u00c3\u00a4t nach sich ziehen k\u00c3\u00b6nnen, aber auch die Aufrechterhaltung von \u00c3\u2013kosystemdienstleitungen wie die Bereitstellung von Rohstoffen, Reinigung von Luft und Wasser oder [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[2477],"class_list":["post-52674","promotionsstipendium","type-promotionsstipendium","status-publish","hentry","tag-deutschland"],"meta_box":{"dbu_stipendiaten_az":"20012\/223","dbu_stipendiaten_anrede":"","dbu_stipendiaten_nachname":"Seibold","dbu_stipendiaten_vorname":"Sebastian","dbu_stipendiaten_titel":"Dr.","dbu_stipendiaten_fbeginn":"2013-01-01 00:00:00","dbu_stipendiaten_fende":"2015-12-31 00:00:00","dbu_stipendiaten_e_anschrif":"Technische Universit\u00c3\u00a4t M\u00c3\u00bcnchen (TUM) Department f\u00c3\u00bcr \u00c3\u2013kologie und \u00c3\u2013kosystemmanagement Lehrstuhl f\u00c3\u00bcr Terrestrische \u00c3\u2013kologie","dbu_stipendiaten_betreuer":"Dr. J\u00c3\u00b6rg M\u00c3\u00bcller","dbu_stipendiaten_email_dienst":"sebastian.seibold@tum.de"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/promotionsstipendium"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":58686,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/promotionsstipendium\/52674\/revisions\/58686"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=52674"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=52674"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=52674"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}