{"id":52636,"date":"2026-02-11T10:48:37","date_gmt":"2026-02-11T09:48:37","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20013-265\/"},"modified":"2026-02-11T10:48:38","modified_gmt":"2026-02-11T09:48:38","slug":"20013-265","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20013-265\/","title":{"rendered":"Auswirkungen von Systemischen Insektiziden auf aquatische Zersetzter (AUSI)"},"content":{"rendered":"<p>Wirkpfad systemischer Insektizide<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Systemische Neonicotinoide geh\u00f6ren zu den weltweit meist genutzten Insektiziden. Neben ihrer Anwendung in der Landwirtschaft werden sie zunehmend zur Bek\u00e4mpfung von Baumsch\u00e4dlingen in der Forstwirtschaft eingesetzt. Die im Herbst von Laubb\u00e4umen fallenden Bl\u00e4tter k\u00f6nnen allerdings immer noch Neonicotinoide enthalten. Gelangen diese kontaminierten Bl\u00e4tter schlie\u00dflich in nahegelegene B\u00e4che werden die wasserl\u00f6slichen Neonicotinoide wieder mobilisiert und somit potenziell aquatische Nicht-Zielorganismen \u00fcber die Wasserphase exponiert. Obwohl der Standardtestorganismus <em>Daphnia magna<\/em> (Crustacea; Cladocera) relativ unempfindlich gegen\u00fcber Neonicotinoiden ist, sind viele andere aquatische Invertebraten bereits bei einer Exposition im ng\/L- bis niedrigem \u00b5g\/L-Bereich negativ beeintr\u00e4chtigt. Besonders laubzersetzende Invertebraten (=\u00a0Shredder) k\u00f6nnten, zus\u00e4tzlich zu einer Exposition \u00fcber die Wasserphase, durch den Eintrag von Neonicotinoid-kontaminiertem Laub in ein Flie\u00dfgew\u00e4sser negativ beeintr\u00e4chtigt werden, da Laub f\u00fcr sie eine essentielle Nahrungsquelle darstellt. Jedoch erhielt dieser Expositionspfad im Zusammenhang mit aquatischen Shreddern und Neonicotinoid-kontaminiertem Pflanzenmaterial bisher kaum Aufmerksamkeit seitens der Forschung und findet keine Ber\u00fccksichtigung in der aquatischen Umweltrisikobewertung. Das Hauptziel dieser Arbeit war daher (1) Neonicotinoidr\u00fcckst\u00e4nde in Bl\u00e4ttern zu quantifizieren sowie f\u00fcr Shredder relevante Expositionswege zu identifizieren, (2) \u00f6kotoxikologische Effekte einer Exposition \u00fcber die Wasserphase sowie \u00fcber die Nahrung f\u00fcr zwei Modell-Shredder <em>Gammarus fossarum<\/em> (Amphipoda) und <em>Chaetopteryx villosa<\/em> (Insecta) zu untersuchen, und schlie\u00dflich (3) biotische und abiotische Faktoren zu betrachten, welche eine Exposition unter Feldbedingungen potenziell beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Im Rahmen dieser Arbeit konnten R\u00fcckst\u00e4nde der Neonicotinoide Imidacloprid, Thiacloprid und Acetamiprid in Bl\u00e4tter behandelter Schwarzerlen quantifiziert werden. Ein entwickeltes \u201eWorst-Case Modell\u201c prognostizierte niedrige Imidaclopridwasserkonzentrationen f\u00fcr einen Bach in welchen Imidacloprid-kontaminierte Bl\u00e4tter eingetragen werden. Jedoch konnte mit Hilfe des Modells die Aufnahme \u00fcber die Nahrung als ein f\u00fcr aquatische Shredder relevanter Expositionspfad identifiziert werden. Der Konsum von Neonicotinoid-kontaminierten Bl\u00e4ttern f\u00fchrte, bei gleichzeitiger Exposition \u00fcber die Wasserphase (= kombinierte Exposition), in beiden Testorganismen zu st\u00e4rkeren Effekten als die alleinige Exposition \u00fcber die Wasserphase. Des Weiteren gelang es in einem weiteren Laborexperiment die beiden Expositionswege mittels einer Durchflussanlage zu separieren. Hierbei f\u00fchrte die separate Exposition von <em>G. fossarum<\/em> sowohl \u00fcber die Nahrung (=\u00a0Konsum von Thiacloprid-kontaminierten Bl\u00e4ttern) als auch \u00fcber die Wasserphase zu vergleichbaren Effektgr\u00f6\u00dfen. Zudem lie\u00dfen sich die unter einer kombinierten Exposition beobachteten Effektgr\u00f6\u00dfen weitestgehend mit dem Referenzmodell der \u201eUnabh\u00e4ngigen Wirkung\u201c vorhersagen, was eine Wirkung auf unterschiedliche molekulare Zielorte vermuten l\u00e4sst. Die durch Imidacloprid ausgel\u00f6ste toxischen Effekte auf <em>G.\u00a0fossarum<\/em> konnten schlie\u00dflich durch eine Behandlung der Bl\u00e4tter mit UV-Strahlung (repr\u00e4sentativ f\u00fcr Sonnenlicht) sowie durch Leaching in Wasser reduziert werden. Jedoch waren beide Shredder-Spezies nicht dazu in der Lage aktiv eine Aufnahme von Neonicotinoiden \u00fcber die Nahrung zu vermeiden. Daher geht aus dieser Arbeit die Empfehlung hervor, bereits w\u00e4hrend der Registrierung von systemischen Pestiziden, auf nahrungsbedingte Effekte zu testen und dadurch aquatische Shredder als auch assoziierte \u00d6kosystemfunktionen (z.B. Laubabbau) zu sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wirkpfad systemischer Insektizide Systemische Neonicotinoide geh\u00f6ren zu den weltweit meist genutzten Insektiziden. Neben ihrer Anwendung in der Landwirtschaft werden sie zunehmend zur Bek\u00e4mpfung von Baumsch\u00e4dlingen in der Forstwirtschaft eingesetzt. Die im Herbst von Laubb\u00e4umen fallenden Bl\u00e4tter k\u00f6nnen allerdings immer noch Neonicotinoide enthalten. 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