{"id":52592,"date":"2026-10-23T12:50:06","date_gmt":"2026-10-23T10:50:06","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20014-319\/"},"modified":"2026-10-23T12:50:09","modified_gmt":"2026-10-23T10:50:09","slug":"20014-319","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20014-319\/","title":{"rendered":"Entwicklung von effizienten Biokatalysatoren zur Nutzung definierter Substratspezifit\u00c3\u00a4ten in der industriellen Biotechnologie"},"content":{"rendered":"<p>Protein-Bioengineering pflanzlicher Polyphenoloxidasen (PPOs)<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Effizienter, wirtschaftlicher, nachhaltiger- das sind nur einige der Gr\u00c3\u00bcnde daf\u00c3\u00bcr, dass immer mehr rein chemische industrielle Verfahren durch den Einsatz sogenannter Biokatalysatoren ersetzt werden. W\u00c3\u00a4hrend einer k\u00c3\u00bcrzlich in unserer Arbeitsgruppe durchgef\u00c3\u00bchrten Doktorarbeit zu Struktur-Funktions-Beziehungen von L\u00c3\u00b6wenzahn-Polyphenoloxidasen (PPOs) gelang M. Dirks-Hofmeister die Identifizierung und Isolierung von elf PPO-Isoenzymen aus dem Gew\u00c3\u00b6hnlichen L\u00c3\u00b6wenzahn. Bei PPOs (EC 1.10.3.1) handelt es sich um Kupfer-haltige Oxidoreduktasen, die mit Hilfe von molekularem Sauerstoff die Oxidation von <em>ortho<\/em>-Diphenolen zu den entsprechenden <em>ortho<\/em>-Chinonen katalysieren. W\u00c3\u00a4hrend reiner Sauerstoff in chemischen Prozessen auf Grund seiner sehr hohen Reaktivit\u00c3\u00a4t ein gro\u00c3\u0178es Risiko darstellt, sind oxidative Enzyme von Natur aus darauf spezialisiert, Sauerstoff gefahrlos umzusetzen. Neben der Entdeckung, dass verschiedene PPO-Isoenzyme unterschiedliche Substratspektren aufweisen, gelang Dirks-Hofmeister mit der erfolgreichen heterologen Expression der pflanzlichen PPOs in <em>Escherichia coli <\/em>ein entscheidender Fortschritt im Hinblick auf die industrielle Nutzbarkeit dieser Enzyme.<br \/>Durch die Etablierung der Expression von L\u00c3\u00b6wenzahn-PPOs in <em>E. coli <\/em>er\u00c3\u00b6ffnet sich mir jetzt die M\u00c3\u00b6glichkeit, durch Aminos\u00c3\u00a4ureaustausche gezielt\u00c2\u00a0 PPO-Varianten mit definierten Substratspezifit\u00c3\u00a4ten f\u00c3\u00bcr den Einsatz als Biokatalysatoren zu erstellen. Um weitere Anwendungsm\u00c3\u00b6glichkeiten f\u00c3\u00bcr diese hochinteressanten Enzyme aufzudecken, sollen au\u00c3\u0178erdem mittels eines <em>pull-downs <\/em>aus L\u00c3\u00b6wenzahn-Extrakten nat\u00c3\u00bcrliche Substrate der PPOs identifiziert werden.<br \/>Zu Beginn des Projekts sollen bioinformatische Sequenzanalysen sowie <em>in silico<\/em>-Strukturmodellierungen zur Identifizierung von Aminos\u00c3\u00a4uren (AS) f\u00c3\u00bchren, die durch ihre 3D-Lage im aktiven Zentrum der PPOs essentiell f\u00c3\u00bcr Aktivit\u00c3\u00a4t und Substratspezifit\u00c3\u00a4t des Enzyms sind. Die identifizierten AS sollen dann mit Hilfe degenerierter Primer in einer Polymerasekettenreaktion gegen eine Auswahl anderer AS ausgetauscht werden. Durch Expression der ver\u00c3\u00a4nderten PPOs in<em> E. coli <\/em>entsteht eine sogenannte fokussierte Protein-Bibliothek, die mit Hilfe von Modellsubstraten auf PPO-Aktivit\u00c3\u00a4t gescreent werden soll. Auf diese Weise entdeckte PPO-Varianten mit neuen Substratspezifit\u00c3\u00a4ten sollen aufgereinigt, biochemisch charakterisiert und schlie\u00c3\u0178lich f\u00c3\u00bcr Kinetik-Messungen zur Bestimmung von kcat, KM sowie der katalytischen Effizienz eingesetzt werden. Diese gr\u00c3\u00bcndliche biochemische Typisierung legt den Grundstein f\u00c3\u00bcr eine industrielle Nutzung der PPOs mit speziellen Substratspezifit\u00c3\u00a4ten als Biokatalysatoren.<br \/>Das Substrate-<em>pull<\/em>&#8211;<em>down<\/em> soll mit Hilfe sogenannter <em>loss-of-function <\/em>(<em>lof<\/em>)-PPOs erfolgen, die zwar in der Lage sind, Substrate im aktiven Zentrum zu binden, jedoch nicht, sie umzusetzen. Dazu sollen basierend auf bioinformatischen Analysen AS derart ausgetauscht werden, dass keine Katalyse mehr stattfinden kann, die 3D-Struktur des aktiven Zentrums jedoch unver\u00c3\u00a4ndert bleibt. Die <em>lof<\/em>-PPOs sollen mit phenolhaltigen Extrakten aus verschiedenen L\u00c3\u00b6wenzahn-Organen bzw. dem Latex inkubiert werden. Nach der Co-Aufreinigung von <em>lof<\/em>-Mutanten und gebundenen Substraten m\u00c3\u00bcssen die Enzyme denaturiert und aus dem Ansatz entfernt werden, um die \u00e2\u20ac\u017egefischten\u00e2\u20ac\u0153 Substrate durch eine <em>reversed phase<\/em>-Chromatographie aufzutrennen. Die weitere Identifizierung der pflanzlichen PPO-Substrate soll mit Hilfe des Massenspektrometers erfolgen, \u00c3\u00bcber das die AG Moerschbacher seit einigen Monaten verf\u00c3\u00bcgt. Die neu gewonnenen Substrate sollen zu Kinetik-Messungen sowie <em>in silico<\/em>&#8211;<em>docking<\/em>-Studien verwendet werden, auf deren Grundlage nach zeitlicher M\u00c3\u00b6glichkeit weitere neue effiziente PPO-Varianten erstellt werden sollen.<br \/>Die Entwicklung von PPO-Varianten mit definierten Substratspezifit\u00c3\u00a4ten sowie die Ausdehnung der Einsatzm\u00c3\u00b6glichkeiten dieser Biokatalysatoren durch ein erweitertes bekanntes Substratspektrum ist ein weiterer innovativer Schritt auf dem Weg hin zu einer biobasierten Wirtschaft.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protein-Bioengineering pflanzlicher Polyphenoloxidasen (PPOs) Effizienter, wirtschaftlicher, nachhaltiger- das sind nur einige der Gr\u00c3\u00bcnde daf\u00c3\u00bcr, dass immer mehr rein chemische industrielle Verfahren durch den Einsatz sogenannter Biokatalysatoren ersetzt werden. 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