{"id":52582,"date":"2026-01-27T10:48:09","date_gmt":"2026-01-27T09:48:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20014-330\/"},"modified":"2026-01-27T10:48:11","modified_gmt":"2026-01-27T09:48:11","slug":"20014-330","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20014-330\/","title":{"rendered":"Experimentelle Untersuchung der Effekte verschiedener Kalisalzkonzentrationen und Ionenkompositionen auf die Stress- und Immunantwort bei Pl\u00f6tzen (Rutilus rutilus) zur Evaluation physiologischer Beeintr\u00e4chtigungen durch Abw\u00e4sser der Kaliindustrie"},"content":{"rendered":"<p>Einfluss von Kaliabw\u00e4ssern auf die Stress- und Immunantwort bei Pl\u00f6tzen (Rutilus rutilus)<\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Aquatische Organismen sind einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt, die nat\u00fcrlichen oder anthropogenen Ursprungs sein k\u00f6nnen. Ein aktuelles \u00f6kologisches Problem stellen die Abw\u00e4sser der Kaliindustrie dar, die hohe Konzentrationen an Ionen enthalten. Sie entstehen bei der F\u00f6rderung und Verarbeitung von Kalisalzen und ein Gro\u00dfteil der Abw\u00e4sser wird zur Entsorgung in Gew\u00e4sser, wie das Werra-Fulda-Weser-Flusssystem geleitet. Eine Folge der Versalzung der Werra ist ein gro\u00dfer Verlust an Diversit\u00e4t und Abundanz lokal angesiedelter Organismen. Es wurde au\u00dferdem eine Abnahme der Fischabundanz und -biomasse und eine erh\u00f6hte Erkrankungsrate der Fische dokumentiert. Gegenw\u00e4rtig sind 2500 mg\/l Cl-, 340 mg\/l Mg2+ und 200 mg\/l K+ und eine Wasserh\u00e4rte von 90\u00b0 dH in Deutschland zul\u00e4ssig. Es ist bekannt, dass erh\u00f6hte Konzentrationen und vor allem ein Missverh\u00e4ltnis (Imbalanzen) an Ionen die F\u00e4higkeit zur Osmoregulation und weitere physiologische Funktionen in S\u00fc\u00dfwasserorganismen beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen. Jedoch existieren keine wissenschaftliche Daten \u00fcber die akuten und\u00a0chronischen physiologischen Effekte dieser Abw\u00e4sser auf heimische Fische. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Um diese Fragen zu kl\u00e4ren, sollte die Stress- und Immunantwort und <\/span><\/span><\/span>osmoregulative Kapazit\u00e4t\u00a0<span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>adulter Individuen sowie Effekte auf die Nachkommenschaft f\u00fcr eine in Deutschland heimische und repr\u00e4sentative Fischart, der Pl\u00f6tze (<em>Rutilus rutilus L.<\/em>), in Laborversuchen untersucht werden.\u00a0Es sollte erstens festgestellt werden, welche Effekte verschiedene subletale Kalisalzkonzentrationen (entsprechend der heutigen und zuk\u00fcnftigen Grenzwerte der drei Ionen) auf die Stress- und Immunantwort und die osmoregulative Kapazit\u00e4t haben. Zweitens sollten\u00a0durch den Einsatz verschiedener Ionenl\u00f6sungen (je mit erh\u00f6hten Konzentrationen an K+, Mg2+\u00a0sowie K+ und Mg2+ in Kombination), kausale Ionenverh\u00e4ltnisse bestimmt werden. Die Versuche umfassten vier verschiedene Expositionszeitr\u00e4ume von 24 Stunden, 7 Tagen, 21 Tagen und 8 Wochen. Des Weiteren sollten die Effekte dieser Ionenl\u00f6sungen auf die Spermienmotilit\u00e4t von Flussbarsch und Pl\u00f6tze sowie Befruchtungserfolg, Schlupf und fr\u00fche Entwicklungsstadien der Pl\u00f6tze untersucht werden.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Es konnte nachgewiesen werden, dass durch fast alle\u00a0Expositionsgruppen eine transiente Stressantwort in den Adulten induziert wurde, die unter anderem durch akute erh\u00f6hte Cortisol- und Glukosekonzentrationen charakterisiert war.\u00a0<\/span><\/span><\/span>Des Weiteren zeigten sich transiente osmoregulative St\u00f6rungen, eine chronische Erh\u00f6hung des Sulfatgehalts des Blutplasmas mit unbekannten Langzeitfolgen sowie moderate Ver\u00e4nderungen des Kiemenepithels der Pl\u00f6tze, die m\u00f6glicherweise mit einer Verschlechterung des Gasaustauschs einhergehen.\u00a0<span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Die Summe der Ionen (<\/span><\/span><\/span>wie in den Expositionsgruppen der heutigen und zuk\u00fcnftigen Grenzwerte und der Kombination von K+ und Mg2+)<span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>\u00a0f\u00fchrte zu st\u00e4rkeren Effekten als die Einzelionen.\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Bei der Untersuchung der Effekte auf die Nachkommenschaft der Pl\u00f6tze konnten deutlich st\u00e4rkere negative Effekte nachgewiesen werden. Dazu geh\u00f6rten ein ver\u00e4ndertes Schwimmverhalten der Flussbarsch-Spermien sowie vergr\u00f6\u00dferte Eidurchmesser, verfr\u00fchter Schlupf und eine erh\u00f6hte Deformations- und Mortalit\u00e4tsrate von Embryonen und Larven <\/span><\/span><\/span>der Pl\u00f6tze<span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>.\u00a0\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Es ist eindeutig, dass die verschiedenen Lebensstadien der Pl\u00f6tze unterschiedlich sensitiv auf die hohen Konzentrationen und Imbalanzen von Ionen reagieren. Obwohl keine der Ionenl\u00f6sungen eine akute Toxizit\u00e4t bei adulten Fischen erzeugte, ist nicht klar, welche Effekte unter nat\u00fcrlichen Bedingungen in Kombination mit anderen Stressoren hervorgerufen werden. Es kann davon ausgegangen werden, dass der R\u00fcckgang der Art in der Werra zumindest zum Teil durch\u00a0eine gest\u00f6rte fr\u00fche Entwicklung verursacht wird. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0cm;margin-left:0cm;margin-right:0cm;margin-top:0cm;\"><span style=\"line-height:20.4pt;\"><span style=\"color:#000000;margin:0px;\"><span>Aufgrund dieser Erkenntnisse und der offensichtlichen \u00f6kologischen Auswirkungen, die in der Werra beschrieben wurden, ist eine Anpassung der\u00a0Einleiterlaubnis der Abw\u00e4sser dringend zu empfehlen, um eine Gef\u00e4hrdung der dort lebenden Organismen auszuschlie\u00dfen. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einfluss von Kaliabw\u00e4ssern auf die Stress- und Immunantwort bei Pl\u00f6tzen (Rutilus rutilus) Aquatische Organismen sind einer Vielzahl von Stressoren ausgesetzt, die nat\u00fcrlichen oder anthropogenen Ursprungs sein k\u00f6nnen. 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