{"id":52440,"date":"2026-01-27T10:46:56","date_gmt":"2026-01-27T09:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20017-476\/"},"modified":"2026-01-27T10:46:57","modified_gmt":"2026-01-27T09:46:57","slug":"20017-476","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20017-476\/","title":{"rendered":"Hydroelektrische Projektionen: Imaginationen, \u00d6ffentlichkeiten und audiovisuelle Medien der Wasserkraft im Europa des 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Kulturen der Wasserkraft im Gebrauchsfilm<\/p>\n<p>In den 1950er-Jahren kommt es in ganz Europa zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit: Staud\u00e4mme und Wasserkraftwerke von zuvor nicht gekanntem Ausma\u00df verwandeln Gebirgst\u00e4ler und Flussl\u00e4ufe in hydroelektrische Landschaften; gleichzeitig halten Filmemacher, meist im Auftrag der Bau- oder Betreiberunternehmen, diese Verwandlung in unz\u00e4hligen Filmen fest. Diese Wasserkraftfilme dokumentieren nicht nur einen drastischen Landschaftswandel am Beginn der \u201aGreat Acceleration\u2018 (Will Steffen), die aktuell als Epochenschwelle des Anthropoz\u00e4ns debattiert wird. Sie kommentieren und inszenieren auch diese Verwandlung und stellen so eine hervorragende Quelle zur Analyse gesellschaftlicher Imaginationen des Verh\u00e4ltnisses von Natur, Technik und Gesellschaft in einer Zeit des Umbruchs dar.<\/p>\n<p>Ab den 1950er-Jahren wurde die Elektrizit\u00e4tsgewinnung aus Wasserkraft mit zunehmendem Protest zu einer \u00f6ffentlichen und umstrittenen Technologie. Die \u00f6ffentliche visuelle Kultur der Wasserkraft, zu der neben den Wasserkraftfilmen etwa auch Fotografien, Kraftwerksmodelle oder die Inszenierungen von Er\u00f6ffnungsfeiern geh\u00f6ren, ist somit mehr als blo\u00df schm\u00fcckendes Beiwerk. Sie muss als Symptom und Bestandteil der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen \u00fcber den \u00e4sthetischen und moralischen Wert von Landschaften betrachtet werden, die landschaftsver\u00e4ndernde Gro\u00dftechnologien wie die Wasserkraft im gesamten 20. Jahrhundert begleiten.<\/p>\n<p>Um mich diesen Auseinandersetzungen zu n\u00e4hern untersuche ich die Wasserkraftfilme also als Gebrauchsfilme, die erst im Kontext bestimmter Debatten und bestimmter Auff\u00fchrungspraktiken Bedeutung entfalteten. Ich frage somit einerseits danach, f\u00fcr welche \u00d6ffentlichkeiten diese Filme produziert wurden und welche \u00d6ffentlichkeiten sie wiederum produzierten. Andererseits frage ich nach der Pr\u00e4gekraft der Filme in den Debatten um den Wasserkraftausbau: Welche Imaginationen von Natur, Technik und Gesellschaft propagierten die Filme und wie wurde die Verwandlung von Landschaften damit gedeutet? Ziel meiner Arbeit ist es, insbesondere Ambivalenzen und Widerspr\u00fcche in der Rhetorik der Filme und den sie umgebenden Auseinandersetzungen sichtbar zu machen. So soll ein differenzierteres Bild der kulturellen Wahrnehmung von Modernisierungsprozessen entstehen, das einen Reflexionsraum auch f\u00fcr heutige Positionen zu landschaftsver\u00e4ndernden Gro\u00dftechnologien er\u00f6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturen der Wasserkraft im Gebrauchsfilm In den 1950er-Jahren kommt es in ganz Europa zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit: Staud\u00e4mme und Wasserkraftwerke von zuvor nicht gekanntem Ausma\u00df verwandeln Gebirgst\u00e4ler und Flussl\u00e4ufe in hydroelektrische Landschaften; gleichzeitig halten Filmemacher, meist im Auftrag der Bau- oder Betreiberunternehmen, diese Verwandlung in unz\u00e4hligen Filmen fest. 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