{"id":52440,"date":"2026-10-23T12:48:44","date_gmt":"2026-10-23T10:48:44","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20017-476\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:44","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:44","slug":"20017-476","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20017-476\/","title":{"rendered":"Hydroelektrische Projektionen: Imaginationen, \u00c3\u2013ffentlichkeiten und audiovisuelle Medien der Wasserkraft im Europa des 20. Jahrhunderts"},"content":{"rendered":"<p>Kulturen der Wasserkraft im Gebrauchsfilm<\/p>\n<p>In den 1950er-Jahren kommt es in ganz Europa zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit: Staud\u00c3\u00a4mme und Wasserkraftwerke von zuvor nicht gekanntem Ausma\u00c3\u0178 verwandeln Gebirgst\u00c3\u00a4ler und Flussl\u00c3\u00a4ufe in hydroelektrische Landschaften; gleichzeitig halten Filmemacher, meist im Auftrag der Bau- oder Betreiberunternehmen, diese Verwandlung in unz\u00c3\u00a4hligen Filmen fest. Diese Wasserkraftfilme dokumentieren nicht nur einen drastischen Landschaftswandel am Beginn der \u00e2\u20ac\u0161Great Acceleration\u00e2\u20ac\u02dc (Will Steffen), die aktuell als Epochenschwelle des Anthropoz\u00c3\u00a4ns debattiert wird. Sie kommentieren und inszenieren auch diese Verwandlung und stellen so eine hervorragende Quelle zur Analyse gesellschaftlicher Imaginationen des Verh\u00c3\u00a4ltnisses von Natur, Technik und Gesellschaft in einer Zeit des Umbruchs dar.<\/p>\n<p>Ab den 1950er-Jahren wurde die Elektrizit\u00c3\u00a4tsgewinnung aus Wasserkraft mit zunehmendem Protest zu einer \u00c3\u00b6ffentlichen und umstrittenen Technologie. Die \u00c3\u00b6ffentliche visuelle Kultur der Wasserkraft, zu der neben den Wasserkraftfilmen etwa auch Fotografien, Kraftwerksmodelle oder die Inszenierungen von Er\u00c3\u00b6ffnungsfeiern geh\u00c3\u00b6ren, ist somit mehr als blo\u00c3\u0178 schm\u00c3\u00bcckendes Beiwerk. Sie muss als Symptom und Bestandteil der gesellschaftlichen Auseinandersetzungen \u00c3\u00bcber den \u00c3\u00a4sthetischen und moralischen Wert von Landschaften betrachtet werden, die landschaftsver\u00c3\u00a4ndernde Gro\u00c3\u0178technologien wie die Wasserkraft im gesamten 20. Jahrhundert begleiten.<\/p>\n<p>Um mich diesen Auseinandersetzungen zu n\u00c3\u00a4hern untersuche ich die Wasserkraftfilme also als Gebrauchsfilme, die erst im Kontext bestimmter Debatten und bestimmter Auff\u00c3\u00bchrungspraktiken Bedeutung entfalteten. Ich frage somit einerseits danach, f\u00c3\u00bcr welche \u00c3\u2013ffentlichkeiten diese Filme produziert wurden und welche \u00c3\u2013ffentlichkeiten sie wiederum produzierten. Andererseits frage ich nach der Pr\u00c3\u00a4gekraft der Filme in den Debatten um den Wasserkraftausbau: Welche Imaginationen von Natur, Technik und Gesellschaft propagierten die Filme und wie wurde die Verwandlung von Landschaften damit gedeutet? Ziel meiner Arbeit ist es, insbesondere Ambivalenzen und Widerspr\u00c3\u00bcche in der Rhetorik der Filme und den sie umgebenden Auseinandersetzungen sichtbar zu machen. So soll ein differenzierteres Bild der kulturellen Wahrnehmung von Modernisierungsprozessen entstehen, das einen Reflexionsraum auch f\u00c3\u00bcr heutige Positionen zu landschaftsver\u00c3\u00a4ndernden Gro\u00c3\u0178technologien er\u00c3\u00b6ffnet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Kulturen der Wasserkraft im Gebrauchsfilm In den 1950er-Jahren kommt es in ganz Europa zu einer bemerkenswerten Zusammenarbeit: Staud\u00c3\u00a4mme und Wasserkraftwerke von zuvor nicht gekanntem Ausma\u00c3\u0178 verwandeln Gebirgst\u00c3\u00a4ler und Flussl\u00c3\u00a4ufe in hydroelektrische Landschaften; gleichzeitig halten Filmemacher, meist im Auftrag der Bau- oder Betreiberunternehmen, diese Verwandlung in unz\u00c3\u00a4hligen Filmen fest. 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