{"id":52439,"date":"2026-01-27T10:46:56","date_gmt":"2026-01-27T09:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20017-477\/"},"modified":"2026-01-27T10:46:57","modified_gmt":"2026-01-27T09:46:57","slug":"20017-477","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20017-477\/","title":{"rendered":"Psychologisches Empowerment von Engagierten im Umweltschutz &#8211; wie k\u00f6nnen individuelle, partizipatorische und kollektive Wirksamkeit Umweltverhalten und Engagement st\u00e4rken?"},"content":{"rendered":"<p>Psychologisches Empowerment von Engagierten im Umweltschutz<\/p>\n<p>Weltweit bekunden Klimaforscher*innen, dass Umweltver\u00e4nderungen wie Klimawandel und Biodiversit\u00e4tsverluste anthropogen, also durch den Menschen verursacht, sind. Die Psychologie als Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten wird deshalb zuk\u00fcnftig eine entscheidende Rolle einnehmen. In den letzten Jahrzehnten besch\u00e4ftigte sich die Umweltpsychologie mit der Frage, was Menschen zu umweltsch\u00fctzendem Verhalten bewegt. Ma\u00dfnahmen zu Einstellungs\u00e4nderung zeigten ihre Begrenzung, weil sie h\u00e4ufig nur in schwachem Zusammenhang mit umweltsch\u00fctzenden Handlungen standen. Deshalb wird mein Promotionsvorhaben sich mit drei bedeutsamen psychologischen Konstrukten besch\u00e4ftigen, die diese Einstellungs-Verhaltens-L\u00fccke teilweise erkl\u00e4ren und schlie\u00dfen k\u00f6nnen: individuelle, kollektive und partizipatorische Wirksamkeit.<\/p>\n<p>Individuelle Wirksamkeit (auch: Selbstwirksamkeit) ist die \u00dcberzeugung, erfolgreich handeln zu k\u00f6nnen, um bestimmte Ziele zu erreichen. Sie hat sich in vielen Studien als guter Pr\u00e4diktor f\u00fcr Umweltverhalten erwiesen. In den letzten Jahren unterstrichen einige Forscher*innen jedoch die Relevanz eines kollektiven Wirksamkeitserlebens, das die Paralyse durch pers\u00f6nliche Hilflosigkeit verringert. Kollektive Wirksamkeit ist der Glaube, durch gemeinsame Anstrengung ein Gruppenziel zu erreichen. Sie ist einer der besten Pr\u00e4diktoren f\u00fcr die Verhaltensintention, sich an kollektiven (Umweltschutz-)Aktionen zu beteiligen (r = .34). In zwei Studien stellte sich \u00fcberdies heraus, dass kollektive Wirksamkeit ein wesentlich besserer Pr\u00e4diktor f\u00fcr individuelles Umweltverhalten ist als Selbstwirksamkeit. Grenzen der kollektiven Wirksamkeit liegen in der Annahme, dass die Verhaltensmotivation sinkt, wenn meine Gruppe ihr Ziel auch ohne mein Zutun erreicht. Deshalb bildet partizipatorische Wirksamkeit eine Br\u00fccke zwischen individueller und kollektiver Wirksamkeit mit dem Gef\u00fchl, als Individuum einen inkrementellen Beitrag zum Gruppenziel leisten zu k\u00f6nnen. In neueren Studien wurde ein zus\u00e4tzlicher Vorhersagewert der partizipatorischen Wirksamkeit deutlich, der \u00fcber den Effekt von kollektiver Wirksamkeit hinausgeht, ihn oft sogar eliminiert. Den folgenden wissenschaftlich bedeutsamen Fragen widmet sich daher mein Promotionsvorhaben:<\/p>\n<p>(I) Welchen Einfluss haben Wirksamkeitserwartungen bez\u00fcglich diverser Ziele auf tats\u00e4chliches Umweltverhalten? (II) Welche Pr\u00e4diktoren der Wirksamkeitserwartungen existieren? (III) Unter welchen Bedingungen des Wirksamkeitserlebens wird Umweltengagement (z.B. in einer Umweltgruppe) aufrechterhalten und f\u00fchrt zu einem Spillover-Effekt auf individuelles Umweltverhalten (z.B. Ern\u00e4hrungsverhalten)? Um Forschungsfrage I und II zu testen, werden vier randomisierte Experimente durchgef\u00fchrt. Darin werden die Wirksamkeitssalienz bzw. -st\u00e4rke experimentell manipuliert, z.B. indem Proband*innen kurze Berichte \u00fcber die Bedeutsamkeit der Gruppe oder des Individuums zum Erreichen verschiedener Umweltschutzziele lesen. Um Forschungsfrage III zu beantworten, werden die Umweltbewusstseinsstudien 2014 und 2016 ausgewertet und eine umfangreiche Panel-Befragung \u00fcber mindestens drei Erhebungszeitpunkte durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Der Gro\u00dfteil bisheriger Forschung zu Wirksamkeitserwartungen sind einmalige korrelative Fragebogenstudien, die keine kausalen Aussagen zulassen und oft nur Verhaltensintention messen. Durch die vier Experimente und die Panel-Befragung mit tats\u00e4chlichen Verhaltensma\u00dfen k\u00f6nnen Schlussfolgerungen \u00fcber Kausalit\u00e4t, Reziprozit\u00e4t sowie \u00fcber l\u00e4ngsschnittliche Effekte bei jungen Konstrukten wie kollektiver und partizipatorischer Wirksamkeit getroffen werden. Zudem werden innovative Teilaspekte wie Zieldefinitionen und das Zusammenspiel mit positiven Emotionen betrachtet. Damit tr\u00e4gt das Promotionsvorhaben ma\u00dfgeblich zur umweltpsychologischen Wirksamkeitserwartungsforschung bei. Neben dem vielversprechenden Forschungsgegenstand wird dem Vorhaben durch den Schwerpunkt des Umweltengagements praktische Relevanz verliehen.<\/p>\n<p>Bisherige Erkenntnisse, die aus dieser Forschungsarbeit hervorgegangen sind:<\/p>\n<ul>\n<li>Selbstwirksamkeit wird in Studien sehr unterschiedlich operationalisiert. Es gilt, verhaltensbezogene Wirksamkeit (z.B. \u201eich kann recyclen\u201c) von zielbezogener Wirksamkeit (z.B. \u201eich kann zum Umweltschutz beitragen\u201c) zu unterscheiden.<\/li>\n<li>Operationalisierungen variieren in Studien sowohl in ihren beinhalteten Akteuren, Verhaltensweisen oder auch Zielen, was eine Akteur*in-Verhaltens-Ziel-Theorie der Selbstwirksamkeit nahelegt<\/li>\n<li>Positive Affekte, die mit Wirksamkeit in Bezug stehen, scheinen ein neues Forschungsfeld zu er\u00f6ffnen, mit dem Umweltverhalten vorhergesagt werden kann<\/li>\n<li>Privates Umweltverhalten kann eher durch eine Selbstwirksamkeit, die ein bestimmtes Verhalten beinhaltet, gest\u00e4rkt werden. \u00d6ffentliches Umweltverhalten wird vor allem durch kollektive Wirksamkeit beeinflusst. Aktivistisches Verhalten ist u.a. darin begr\u00fcndet, daran zu glauben, dass man selbst andere motivieren kann.<\/li>\n<li>Insgesamt scheint es leichter, Wirksamkeitserwartung zu senken und herausfordernd, diese zu st\u00e4rken.<\/li>\n<li>Das Wandercoaching vom netzwerk n e.V. ist eine effektive Ma\u00dfnahme, um Wissen, Gruppenzugeh\u00f6rigkeit, Wirksamkeitswahrnehmungen und \u2013gef\u00fchle zu f\u00f6rdern.<\/li>\n<li>Die Vorbedingungen von Selbstwirksamkeit und kollektiver Wirksamkeit sind vielf\u00e4ltig \u2013 wesentlich vielf\u00e4ltiger als sie momentan in psychologischer Forschung gehandelt werden. Eine gute qualitative \u00dcbersicht \u00fcber Vorbedingungen gibt sowohl Ans\u00e4tze f\u00fcr neue quantitative Forschung als auch Interventionsplanung.<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Psychologisches Empowerment von Engagierten im Umweltschutz Weltweit bekunden Klimaforscher*innen, dass Umweltver\u00e4nderungen wie Klimawandel und Biodiversit\u00e4tsverluste anthropogen, also durch den Menschen verursacht, sind. Die Psychologie als Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten wird deshalb zuk\u00fcnftig eine entscheidende Rolle einnehmen. In den letzten Jahrzehnten besch\u00e4ftigte sich die Umweltpsychologie mit der Frage, was Menschen zu umweltsch\u00fctzendem Verhalten bewegt. 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