{"id":52420,"date":"2026-02-28T10:46:24","date_gmt":"2026-02-28T09:46:24","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20017-496\/"},"modified":"2026-02-28T10:46:24","modified_gmt":"2026-02-28T09:46:24","slug":"20017-496","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20017-496\/","title":{"rendered":"Subletale Wirkungen von Terbuthylazin und Diclofenac auf die Reproduktion des einheimischen Edelkrebses Astacus astacus und des invasiven Marmorkrebses Procambarus fallax f. virginalis"},"content":{"rendered":"<p>Subletale Wirkungen von Umweltchemikalien auf die Reproduktion einheimischer Flusskrebse<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Die Flie\u00df- und Stillgew\u00e4sser in Deutschland und Europa werden durch anthropogene Eintr\u00e4ge zunehmend belastet. Abh\u00e4ngig von der Anwendung unterscheiden sich die Eintragspfade \u2013 und damit die m\u00f6glichen Auswirkungen \u2013 verschiedener Stoffgruppen gravierend. So f\u00fchrt die saisonal begrenzte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu kurzzeitigen Eintragsspitzen, wogegen Pharmazeutika und deren R\u00fcckst\u00e4nde kontinuierlich \u00fcber h\u00e4usliche Abw\u00e4sser eingetragen werden. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Unter den Pflanzenschutzmitteln ist Terbuthylazin mit ca. 1.000 t pro Jahr eines der meistverwendeten Herbizide im Maisanbau und wird durch die umweltoffene Anwendung \u00fcber Drainagen und Oberfl\u00e4chenabfluss h\u00e4ufig in hohen Konzentrationen in Gew\u00e4sser eingebracht. Im Fr\u00fchjahr werden Konzentrationsmaxima von bis zu 8 <span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\">\u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">\u20111<\/span> gemessen. Dies entspricht einer \u00dcberschreitung des Grund- und Trinkwassergrenzwerts von 0,1 <span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\">\u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">-1<\/span><span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> um das 80-fache<\/span><\/span>. Bei den pharmazeutischen Produkten hat das Schmerzmittel Diclofenac in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen.<span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> Durch Maximalkonzentrationen bis zu 29 \u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">-1<\/span><span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> stellt es eines der wichtigsten Pharmazeutika in Gew\u00e4ssern dar. Unter den nichtsteroidalen Entz\u00fcndungshemmern ist Diclofenac mit einem Drittel am Marktanteil der meistverkaufte Wirkstoff. Aufgrund von Abwaschungen ist der Stoff, der in Kl\u00e4ranlagen nur in geringem Ma\u00df abgebaut werden kann, in der aquatischen Umwelt h\u00e4ufiger zu finden als jedes andere Medikament. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Angesichts der auftretenden Konzentrationen spielen h\u00e4ufig untersuchte akute Effekte der Chemikalien nur eine untergeordnete Rolle, w\u00e4hrend vor allem subletale Effekte zu Sch\u00e4digungen wichtiger Arten f\u00fchren k\u00f6nnen. Die Flusskrebse, als die gr\u00f6\u00dften Wirbellosen unserer S\u00fc\u00dfwasser\u00f6kosysteme, mit ihrer Eigenschaft als Schl\u00fcsselorganismen stellen hier aus verschiedenen Gr\u00fcnden eine besonders sch\u00fctzenswerte Gruppe dar. Als Omnivore mit einem weiten Beutespektrum wirken sie auf verschiedene trophische Ebenen. Ihre An- oder Abwesenheit f\u00fchrt \u2013 ebenso wie eine Ver\u00e4nderung in der Bestandsdichte \u2013 zu Verschiebungen in der Artenzusammensetzung, in der Qualit\u00e4t aquatischer Umgebungen und in den Strukturen biologischer Gemeinschaften. Der Erhalt dieser Tiere ist somit von gr\u00f6\u00dftem \u00f6kologischen Interesse.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Bei den Flusskrebsen ist die Reproduktion eine besonders empfindliche Phase im Lebenszyklus. Die Eier der Tiere werden bereits im August in den Weibchen angelegt, bevor sie zwischen September und November ausgesto\u00dfen und befruchtet werden. Die weitere Entwicklung unter dem Hinterleib der Weibchen dauert weitere 6 bis 8 Monate. Diese Fortpflanzungsstrategie f\u00fchrt dazu, dass die Eier \u00fcber einen sehr langen Zeitraum (sch\u00e4dlichen) Umwelteinfl\u00fcssen ausgesetzt sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Ausgehend von den Ergebnissen meiner Masterarbeit, die bereits Hinweise auf die Effekte von Umweltchemikalien auf die Reproduktion von Flusskrebsen lieferte,<\/span><\/span><span style=\"font-size:12pt;\"><span> sollen toxikologische Versuche zur Reproduktion von Edelkrebsen durchgef\u00fchrt werden. Dazu sollen <\/span><\/span><span style=\"font-size:12pt;\"><span>folgende Parameter betrachtet werden: Histologische Untersuchungen der fortpflanzungsrelevanten Gewebe (Spermien, Eier), Untersuchung des Reproduktionserfolges (Entwicklungszeit und Entwicklungsstadien), Einfluss der Chemikalien auf die Ausbildung von Geschlechtszellen und den Einfluss der Chemikalien auf nachkommende Generationen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0.0001pt;text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Zus\u00e4tzlich sollen Freilandversuche durchgef\u00fchrt werden mit dem Ziel, die Auswirkungen vorhandener Chemikalien auf die Eientwicklung von Flusskrebsen unter realen Bedingungen im Freiland zu ermitteln. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0.0001pt;text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-size:12pt;\"><span style=\"line-height:107%;\"><span>Ich erwarte, dass mein Promotionsvorhaben Erkenntnisse \u00fcber die Bedeutung der ausgew\u00e4hlten Umweltchemikalien auf die Reproduktion der vom Aussterben bedrohten, einheimischen Flusskrebse liefert. <span style=\"color:#000000;\">Diese Erkenntnisse k\u00f6nnen neben einer st\u00e4rkeren Ber\u00fccksichtigung subletaler Auswirkungen bei der Bewertung von Umweltchemikalien auch der Erarbeitung von Konzepten dienen, die den <\/span>Zustand der Lebensgemeinschaften unserer Oberfl\u00e4chengew\u00e4sser<span style=\"color:#000000;\"> verbessern.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Subletale Wirkungen von Umweltchemikalien auf die Reproduktion einheimischer Flusskrebse Die Flie\u00df- und Stillgew\u00e4sser in Deutschland und Europa werden durch anthropogene Eintr\u00e4ge zunehmend belastet. 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