{"id":52420,"date":"2026-10-23T12:48:40","date_gmt":"2026-10-23T10:48:40","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20017-496\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:41","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:41","slug":"20017-496","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20017-496\/","title":{"rendered":"Subletale Wirkungen von Terbuthylazin und Diclofenac auf die Reproduktion des einheimischen Edelkrebses Astacus astacus und des invasiven Marmorkrebses Procambarus fallax f. virginalis"},"content":{"rendered":"<p>Subletale Wirkungen von Umweltchemikalien auf die Reproduktion einheimischer Flusskrebse<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Die Flie\u00c3\u0178- und Stillgew\u00c3\u00a4sser in Deutschland und Europa werden durch anthropogene Eintr\u00c3\u00a4ge zunehmend belastet. Abh\u00c3\u00a4ngig von der Anwendung unterscheiden sich die Eintragspfade \u00e2\u20ac\u201c und damit die m\u00c3\u00b6glichen Auswirkungen \u00e2\u20ac\u201c verschiedener Stoffgruppen gravierend. So f\u00c3\u00bchrt die saisonal begrenzte Anwendung von Pflanzenschutzmitteln zu kurzzeitigen Eintragsspitzen, wogegen Pharmazeutika und deren R\u00c3\u00bcckst\u00c3\u00a4nde kontinuierlich \u00c3\u00bcber h\u00c3\u00a4usliche Abw\u00c3\u00a4sser eingetragen werden. <\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Unter den Pflanzenschutzmitteln ist Terbuthylazin mit ca. 1.000 t pro Jahr eines der meistverwendeten Herbizide im Maisanbau und wird durch die umweltoffene Anwendung \u00c3\u00bcber Drainagen und Oberfl\u00c3\u00a4chenabfluss h\u00c3\u00a4ufig in hohen Konzentrationen in Gew\u00c3\u00a4sser eingebracht. Im Fr\u00c3\u00bchjahr werden Konzentrationsmaxima von bis zu 8 <span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\">\u00c2\u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">\u00e2\u20ac\u20181<\/span> gemessen. Dies entspricht einer \u00c3\u0153berschreitung des Grund- und Trinkwassergrenzwerts von 0,1 <span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\">\u00c2\u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">-1<\/span><span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> um das 80-fache<\/span><\/span>. Bei den pharmazeutischen Produkten hat das Schmerzmittel Diclofenac in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen.<span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> Durch Maximalkonzentrationen bis zu 29 \u00c2\u00b5gL<\/span><\/span><span style=\"color:#000000;\">-1<\/span><span style=\"background:#FFFFFF;\"><span style=\"color:#000000;\"> stellt es eines der wichtigsten Pharmazeutika in Gew\u00c3\u00a4ssern dar. Unter den nichtsteroidalen Entz\u00c3\u00bcndungshemmern ist Diclofenac mit einem Drittel am Marktanteil der meistverkaufte Wirkstoff. Aufgrund von Abwaschungen ist der Stoff, der in Kl\u00c3\u00a4ranlagen nur in geringem Ma\u00c3\u0178 abgebaut werden kann, in der aquatischen Umwelt h\u00c3\u00a4ufiger zu finden als jedes andere Medikament. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Angesichts der auftretenden Konzentrationen spielen h\u00c3\u00a4ufig untersuchte akute Effekte der Chemikalien nur eine untergeordnete Rolle, w\u00c3\u00a4hrend vor allem subletale Effekte zu Sch\u00c3\u00a4digungen wichtiger Arten f\u00c3\u00bchren k\u00c3\u00b6nnen. Die Flusskrebse, als die gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ten Wirbellosen unserer S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasser\u00c3\u00b6kosysteme, mit ihrer Eigenschaft als Schl\u00c3\u00bcsselorganismen stellen hier aus verschiedenen Gr\u00c3\u00bcnden eine besonders sch\u00c3\u00bctzenswerte Gruppe dar. Als Omnivore mit einem weiten Beutespektrum wirken sie auf verschiedene trophische Ebenen. Ihre An- oder Abwesenheit f\u00c3\u00bchrt \u00e2\u20ac\u201c ebenso wie eine Ver\u00c3\u00a4nderung in der Bestandsdichte \u00e2\u20ac\u201c zu Verschiebungen in der Artenzusammensetzung, in der Qualit\u00c3\u00a4t aquatischer Umgebungen und in den Strukturen biologischer Gemeinschaften. Der Erhalt dieser Tiere ist somit von gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178tem \u00c3\u00b6kologischen Interesse.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Bei den Flusskrebsen ist die Reproduktion eine besonders empfindliche Phase im Lebenszyklus. Die Eier der Tiere werden bereits im August in den Weibchen angelegt, bevor sie zwischen September und November ausgesto\u00c3\u0178en und befruchtet werden. Die weitere Entwicklung unter dem Hinterleib der Weibchen dauert weitere 6 bis 8 Monate. Diese Fortpflanzungsstrategie f\u00c3\u00bchrt dazu, dass die Eier \u00c3\u00bcber einen sehr langen Zeitraum (sch\u00c3\u00a4dlichen) Umwelteinfl\u00c3\u00bcssen ausgesetzt sind.<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\"><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Ausgehend von den Ergebnissen meiner Masterarbeit, die bereits Hinweise auf die Effekte von Umweltchemikalien auf die Reproduktion von Flusskrebsen lieferte,<\/span><\/span><span style=\"font-size:12pt;\"><span> sollen toxikologische Versuche zur Reproduktion von Edelkrebsen durchgef\u00c3\u00bchrt werden. Dazu sollen <\/span><\/span><span style=\"font-size:12pt;\"><span>folgende Parameter betrachtet werden: Histologische Untersuchungen der fortpflanzungsrelevanten Gewebe (Spermien, Eier), Untersuchung des Reproduktionserfolges (Entwicklungszeit und Entwicklungsstadien), Einfluss der Chemikalien auf die Ausbildung von Geschlechtszellen und den Einfluss der Chemikalien auf nachkommende Generationen.<\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0.0001pt;text-align:justify;\"><span style=\"line-height:normal;\"><span><span style=\"font-size:12pt;\"><span>Zus\u00c3\u00a4tzlich sollen Freilandversuche durchgef\u00c3\u00bchrt werden mit dem Ziel, die Auswirkungen vorhandener Chemikalien auf die Eientwicklung von Flusskrebsen unter realen Bedingungen im Freiland zu ermitteln. <\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p style=\"margin-bottom:0.0001pt;text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p><span style=\"font-size:12pt;\"><span style=\"line-height:107%;\"><span>Ich erwarte, dass mein Promotionsvorhaben Erkenntnisse \u00c3\u00bcber die Bedeutung der ausgew\u00c3\u00a4hlten Umweltchemikalien auf die Reproduktion der vom Aussterben bedrohten, einheimischen Flusskrebse liefert. <span style=\"color:#000000;\">Diese Erkenntnisse k\u00c3\u00b6nnen neben einer st\u00c3\u00a4rkeren Ber\u00c3\u00bccksichtigung subletaler Auswirkungen bei der Bewertung von Umweltchemikalien auch der Erarbeitung von Konzepten dienen, die den <\/span>Zustand der Lebensgemeinschaften unserer Oberfl\u00c3\u00a4chengew\u00c3\u00a4sser<span style=\"color:#000000;\"> verbessern.<\/span><\/span><\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Subletale Wirkungen von Umweltchemikalien auf die Reproduktion einheimischer Flusskrebse Die Flie\u00c3\u0178- und Stillgew\u00c3\u00a4sser in Deutschland und Europa werden durch anthropogene Eintr\u00c3\u00a4ge zunehmend belastet. 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