{"id":52384,"date":"2026-01-27T10:46:49","date_gmt":"2026-01-27T09:46:49","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-532\/"},"modified":"2026-01-27T10:46:50","modified_gmt":"2026-01-27T09:46:50","slug":"20018-532","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-532\/","title":{"rendered":"Das Vorkommen des Gartenschl\u00e4fers (Eliomys quercinus) in unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen und deren Einfluss auf seine \u00dcberlebensf\u00e4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Populations\u00f6kologie und \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des Gartenschl\u00e4fers<\/p>\n<p>Der in Europa heimische Gartenschl\u00e4fer (<em>Eliomys quercinus<\/em>) ist ein kleiner nachtaktiver Nager aus der Familie der Bilche (Gliridae). In den letzten 20-30 Jahren ist sein Vorkommen um ca. 50 % zur\u00fcckgegangen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind bislang unklar. Deutschland tr\u00e4gt eine besondere Verantwortung f\u00fcr den Schutz dieser Art, da 10 % der Fl\u00e4che, auf welcher der Gartenschl\u00e4fer vorkommt, in Deutschland liegen.<\/p>\n<p>Hier kommt er in unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen vor, als Kulturfolger im Siedlungsbereich, G\u00e4rten oder Weinbergen, aber auch in den Hochlagen der Mittelgebirge. Baden-W\u00fcrttemberg liegt im Hauptverbreitungsgebiet des Gartenschl\u00e4fers, hier ist er h\u00e4ufig in den Hochlagen des Schwarzwaldes zu finden. F\u00fcr den Schwarzwald, wie f\u00fcr das restliche Deutschland, fehlen aktuelle Daten \u00fcber sein Vorkommen, oder werden gerade \u00fcber das Projekt \u201eSpurensuche Gartenschl\u00e4fer\u201c erhoben.<\/p>\n<p>Durch den Klimawandel ver\u00e4ndert sich das durch Nadelb\u00e4ume gepr\u00e4gte Bild des Schwarzwalds und es werden sich gebietsweise Laubbaumarten ausdehnen, w\u00e4hrend Fichten seltener vorkommen werden. Durch die Ver\u00e4nderung des Lebensraumes werden sowohl die Verf\u00fcgbarkeit von Ressourcen, wie z.B. Nahrung und Baumh\u00f6hlen als Ruhepl\u00e4tze und zur Jungenaufzucht, als auch Interaktionen mit anderen Arten, welche um die gleichen Ressourcen konkurrieren, beeinflusst. Eine dieser Arten ist der konkurrenzstarke Siebenschl\u00e4fer (<em>Glis glis<\/em>). Ein sympatrisches Vorkommen beider Arten k\u00f6nnte zu einer starken Konkurrenz um Ressourcen f\u00fchren und zudem eine Stresssituation f\u00fcr den Gartenschl\u00e4fer darstellen, ihn damit anf\u00e4lliger f\u00fcr Parasiten machen und insgesamt seine Leistungsf\u00e4higkeit negativ beeinflussen.<\/p>\n<p>Eine durch den Klimawandel h\u00f6here Umgebungstemperatur hat aber auch Konsequenzen f\u00fcr den Energiehaushalt von Kleins\u00e4ugern. F\u00fcr Winterschl\u00e4fer, wie den Gartenschl\u00e4fer, k\u00f6nnte dies bedeuten, dass sie w\u00e4hrend des Winterschlafs ihre K\u00f6rpertemperatur weniger stark absenken k\u00f6nnen und mehr Energie verbrauchen, den Winterschlaf fr\u00fcher beenden oder ihn nicht \u00fcberleben.<\/p>\n<p>Das \u00dcberleben einer Art ist also ma\u00dfgeblich davon abh\u00e4ngig, inwieweit Tiere physiologisch auf sich \u00e4ndernde Umweltbedingungen, wie z.B. klimatische Bedingungen, Ressourcenverf\u00fcgbarkeit und Interaktionen mit anderen Arten, reagieren bzw. sich daran anpassen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ziel dieser Studie war es daher, das Vorkommen des Gartenschl\u00e4fers im Schwarzwald in Abh\u00e4ngigkeit vom Lebensraum zu charakterisieren und die genetische Variabilit\u00e4t der Population vergleichend zu analysieren. Zudem sollte untersucht werden, welchen Einfluss Lebensraum, Konkurrenz und klimatische Parameter auf Ressourcennutzung, Physiologie, Parasitierungsrate, \u00dcberleben, Reproduktion und damit auf die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des Gartenschl\u00e4fers haben. Dabei wurden diese Untersuchungen vergleichend in unterschiedlichen Lebensr\u00e4umen, H\u00f6henlagen und Konkurrenzsituationen durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Um das Verbreitungsgebiet des Gartenschl\u00e4fers im Schwarzwald beurteilen zu k\u00f6nnen, wurde im Nationalpark Schwarzwald ein fl\u00e4chendeckendes Monitoring mit Spurentunneln durchgef\u00fchrt. Hier zeigte sich, dass der Gartenschl\u00e4fer noch fl\u00e4chendeckend vorkommt, wobei die Ergebnisse eines Habitateignungsmodells zeigten, dass pr\u00e4ferierte Habitate feuchte strukturreiche W\u00e4lder in hohen Lagen sind. In sechs Untersuchungsgebieten wurden Garten- und Siebenschl\u00e4fer mit Lebendfallen bzw. Nistk\u00e4sten gefangen, alle Tiere individuell markiert, vermessen, Alter und Geschlecht bestimmt und Kot- und Gewebeproben entnommen. Dadurch konnten grundlegende Informationen zu der Populationsstruktur und -dichte der Bilche erhoben werden.<\/p>\n<p>Die bereits mit den Gewebeproben durchgef\u00fchrte Mikrosatellitenanalyse zeigte eine hohe genetische Variabilit\u00e4t mit einem hohen Ma\u00df an Genfluss zwischen den Untersuchungsgebieten, wobei die Analysen der Proben aus den Jahren 2019 und 2020 noch ausstehen. Die mit den Kotproben durchgef\u00fchrte Nahrungsanalyse zeigte, dass Insekten, v. a. f\u00fcr juvenile Gartenschl\u00e4fer, eine essentielle Nahrungsressource darstellen. Siebenschl\u00e4fer zeigten dagegen eine rein herbivore Ern\u00e4hrungsweise, daher ist nicht davon auszugehen, dass beide Arten in direkter Nahrungskonkurrenz zueinander stehen. Gartenschl\u00e4fer zeigten eine signifkant h\u00f6here Infestationsrate mit Nematoden und einen negativen Einfluss der Nematodenlast das K\u00f6rpergewicht..<\/p>\n<p>Durch die Untersuchung von Stoffwechselraten zeigte sich, dass in der Reproduktion Gartenschl\u00e4fer tendenziell einen h\u00f6heren Energieverbrauch aufweisen. Bei den bisherigen Analysen lie\u00df sich kein Einfluss der Konkurrenz mit dem Siebenschl\u00e4fer auf den Energieverbrauch der Gartenschl\u00e4fer feststellen.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Telemetrie konnten Ressourcennutzung und Habitatanspr\u00fcche in Bezug auf Lebensraum und Konkurrenzbeziehungen charakterisiert werden. Es zeigt sich, dass Gartenschl\u00e4fer im Median eine Aktionsraumgr\u00f6\u00dfe von 2,1 ha haben, wobei in den bisherigen Auswertungen kein Einfluss von Geschlecht, Altersklasse und Konkurrenz mit dem Siebenschl\u00e4fer \u00a0auf die Aktionsraumgr\u00f6\u00dfe festgestellt werden konnte. Allerdings stellte sich heraus, dass bereits Waldwege eine Barriere f\u00fcr Gartenschl\u00e4fer darstellen, welche ungerne \u00fcberquert werden.<\/p>\n<p>Aus den bisherigen Ergebnissen l\u00e4sst sich sagen, dass Gartenschl\u00e4fer noch fl\u00e4chendeckend im NLP Schwarzwald vorkommen. Doch stellt die Barrierewirkung von Waldwegen potentielle Probleme f\u00fcr die \u00dcberlebenswahrscheinlichkeit des Gartenschl\u00e4fers dar, da dadurch Populationen voneinander getrennt und isolieren werden. Die noch ausstehende Untersuchung der genetischen Variabilit\u00e4t aller Proben wird zeigen, wie diese durch die Waldfragmentierung negativ beeinflusst werden k\u00f6nnte. Ein verringerter Genfluss und eine verringerte genetische Variabilit\u00e4t k\u00f6nnten sich negativ auf die Anpassungsf\u00e4higkeit an sich \u00e4ndernde Umweltbedingungen, wie den Klimawandel, auswirken, was die \u00dcberlebensf\u00e4higkeit dieser Art negativ beeinflussen k\u00f6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Populations\u00f6kologie und \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des Gartenschl\u00e4fers Der in Europa heimische Gartenschl\u00e4fer (Eliomys quercinus) ist ein kleiner nachtaktiver Nager aus der Familie der Bilche (Gliridae). In den letzten 20-30 Jahren ist sein Vorkommen um ca. 50 % zur\u00fcckgegangen. Die Gr\u00fcnde hierf\u00fcr sind bislang unklar. 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