{"id":52384,"date":"2026-10-23T12:48:34","date_gmt":"2026-10-23T10:48:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-532\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:35","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:35","slug":"20018-532","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-532\/","title":{"rendered":"Das Vorkommen des Gartenschl\u00c3\u00a4fers (Eliomys quercinus) in unterschiedlichen Lebensr\u00c3\u00a4umen und deren Einfluss auf seine \u00c3\u0153berlebensf\u00c3\u00a4higkeit"},"content":{"rendered":"<p>Populations\u00f6kologie und \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des Gartenschl\u00e4fers<\/p>\n<p>Der in Europa heimische Gartenschl\u00c3\u00a4fer (<em>Eliomys quercinus<\/em>) ist ein kleiner nachtaktiver Nager aus der Familie der Bilche (Gliridae). In den letzten 20-30 Jahren ist sein Vorkommen um ca. 50 % zur\u00c3\u00bcckgegangen. Die Gr\u00c3\u00bcnde hierf\u00c3\u00bcr sind bislang unklar. Deutschland tr\u00c3\u00a4gt eine besondere Verantwortung f\u00c3\u00bcr den Schutz dieser Art, da 10 % der Fl\u00c3\u00a4che, auf welcher der Gartenschl\u00c3\u00a4fer vorkommt, in Deutschland liegen.<\/p>\n<p>Hier kommt er in unterschiedlichen Lebensr\u00c3\u00a4umen vor, als Kulturfolger im Siedlungsbereich, G\u00c3\u00a4rten oder Weinbergen, aber auch in den Hochlagen der Mittelgebirge. Baden-W\u00c3\u00bcrttemberg liegt im Hauptverbreitungsgebiet des Gartenschl\u00c3\u00a4fers, hier ist er h\u00c3\u00a4ufig in den Hochlagen des Schwarzwaldes zu finden. F\u00c3\u00bcr den Schwarzwald, wie f\u00c3\u00bcr das restliche Deutschland, fehlen aktuelle Daten \u00c3\u00bcber sein Vorkommen, oder werden gerade \u00c3\u00bcber das Projekt \u00e2\u20ac\u017eSpurensuche Gartenschl\u00c3\u00a4fer\u00e2\u20ac\u0153 erhoben.<\/p>\n<p>Durch den Klimawandel ver\u00c3\u00a4ndert sich das durch Nadelb\u00c3\u00a4ume gepr\u00c3\u00a4gte Bild des Schwarzwalds und es werden sich gebietsweise Laubbaumarten ausdehnen, w\u00c3\u00a4hrend Fichten seltener vorkommen werden. Durch die Ver\u00c3\u00a4nderung des Lebensraumes werden sowohl die Verf\u00c3\u00bcgbarkeit von Ressourcen, wie z.B. Nahrung und Baumh\u00c3\u00b6hlen als Ruhepl\u00c3\u00a4tze und zur Jungenaufzucht, als auch Interaktionen mit anderen Arten, welche um die gleichen Ressourcen konkurrieren, beeinflusst. Eine dieser Arten ist der konkurrenzstarke Siebenschl\u00c3\u00a4fer (<em>Glis glis<\/em>). Ein sympatrisches Vorkommen beider Arten k\u00c3\u00b6nnte zu einer starken Konkurrenz um Ressourcen f\u00c3\u00bchren und zudem eine Stresssituation f\u00c3\u00bcr den Gartenschl\u00c3\u00a4fer darstellen, ihn damit anf\u00c3\u00a4lliger f\u00c3\u00bcr Parasiten machen und insgesamt seine Leistungsf\u00c3\u00a4higkeit negativ beeinflussen.<\/p>\n<p>Eine durch den Klimawandel h\u00c3\u00b6here Umgebungstemperatur hat aber auch Konsequenzen f\u00c3\u00bcr den Energiehaushalt von Kleins\u00c3\u00a4ugern. F\u00c3\u00bcr Winterschl\u00c3\u00a4fer, wie den Gartenschl\u00c3\u00a4fer, k\u00c3\u00b6nnte dies bedeuten, dass sie w\u00c3\u00a4hrend des Winterschlafs ihre K\u00c3\u00b6rpertemperatur weniger stark absenken k\u00c3\u00b6nnen und mehr Energie verbrauchen, den Winterschlaf fr\u00c3\u00bcher beenden oder ihn nicht \u00c3\u00bcberleben.<\/p>\n<p>Das \u00c3\u0153berleben einer Art ist also ma\u00c3\u0178geblich davon abh\u00c3\u00a4ngig, inwieweit Tiere physiologisch auf sich \u00c3\u00a4ndernde Umweltbedingungen, wie z.B. klimatische Bedingungen, Ressourcenverf\u00c3\u00bcgbarkeit und Interaktionen mit anderen Arten, reagieren bzw. sich daran anpassen k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p>Ziel dieser Studie war es daher, das Vorkommen des Gartenschl\u00c3\u00a4fers im Schwarzwald in Abh\u00c3\u00a4ngigkeit vom Lebensraum zu charakterisieren und die genetische Variabilit\u00c3\u00a4t der Population vergleichend zu analysieren. Zudem sollte untersucht werden, welchen Einfluss Lebensraum, Konkurrenz und klimatische Parameter auf Ressourcennutzung, Physiologie, Parasitierungsrate, \u00c3\u0153berleben, Reproduktion und damit auf die \u00c3\u0153berlebensf\u00c3\u00a4higkeit des Gartenschl\u00c3\u00a4fers haben. Dabei wurden diese Untersuchungen vergleichend in unterschiedlichen Lebensr\u00c3\u00a4umen, H\u00c3\u00b6henlagen und Konkurrenzsituationen durchgef\u00c3\u00bchrt.<\/p>\n<p>Um das Verbreitungsgebiet des Gartenschl\u00c3\u00a4fers im Schwarzwald beurteilen zu k\u00c3\u00b6nnen, wurde im Nationalpark Schwarzwald ein fl\u00c3\u00a4chendeckendes Monitoring mit Spurentunneln durchgef\u00c3\u00bchrt. Hier zeigte sich, dass der Gartenschl\u00c3\u00a4fer noch fl\u00c3\u00a4chendeckend vorkommt, wobei die Ergebnisse eines Habitateignungsmodells zeigten, dass pr\u00c3\u00a4ferierte Habitate feuchte strukturreiche W\u00c3\u00a4lder in hohen Lagen sind. In sechs Untersuchungsgebieten wurden Garten- und Siebenschl\u00c3\u00a4fer mit Lebendfallen bzw. Nistk\u00c3\u00a4sten gefangen, alle Tiere individuell markiert, vermessen, Alter und Geschlecht bestimmt und Kot- und Gewebeproben entnommen. Dadurch konnten grundlegende Informationen zu der Populationsstruktur und -dichte der Bilche erhoben werden.<\/p>\n<p>Die bereits mit den Gewebeproben durchgef\u00c3\u00bchrte Mikrosatellitenanalyse zeigte eine hohe genetische Variabilit\u00c3\u00a4t mit einem hohen Ma\u00c3\u0178 an Genfluss zwischen den Untersuchungsgebieten, wobei die Analysen der Proben aus den Jahren 2019 und 2020 noch ausstehen. Die mit den Kotproben durchgef\u00c3\u00bchrte Nahrungsanalyse zeigte, dass Insekten, v. a. f\u00c3\u00bcr juvenile Gartenschl\u00c3\u00a4fer, eine essentielle Nahrungsressource darstellen. Siebenschl\u00c3\u00a4fer zeigten dagegen eine rein herbivore Ern\u00c3\u00a4hrungsweise, daher ist nicht davon auszugehen, dass beide Arten in direkter Nahrungskonkurrenz zueinander stehen. Gartenschl\u00c3\u00a4fer zeigten eine signifkant h\u00c3\u00b6here Infestationsrate mit Nematoden und einen negativen Einfluss der Nematodenlast das K\u00c3\u00b6rpergewicht..<\/p>\n<p>Durch die Untersuchung von Stoffwechselraten zeigte sich, dass in der Reproduktion Gartenschl\u00c3\u00a4fer tendenziell einen h\u00c3\u00b6heren Energieverbrauch aufweisen. Bei den bisherigen Analysen lie\u00c3\u0178 sich kein Einfluss der Konkurrenz mit dem Siebenschl\u00c3\u00a4fer auf den Energieverbrauch der Gartenschl\u00c3\u00a4fer feststellen.<\/p>\n<p>Mit Hilfe der Telemetrie konnten Ressourcennutzung und Habitatanspr\u00c3\u00bcche in Bezug auf Lebensraum und Konkurrenzbeziehungen charakterisiert werden. Es zeigt sich, dass Gartenschl\u00c3\u00a4fer im Median eine Aktionsraumgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e von 2,1 ha haben, wobei in den bisherigen Auswertungen kein Einfluss von Geschlecht, Altersklasse und Konkurrenz mit dem Siebenschl\u00c3\u00a4fer \u00c2\u00a0auf die Aktionsraumgr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e festgestellt werden konnte. Allerdings stellte sich heraus, dass bereits Waldwege eine Barriere f\u00c3\u00bcr Gartenschl\u00c3\u00a4fer darstellen, welche ungerne \u00c3\u00bcberquert werden.<\/p>\n<p>Aus den bisherigen Ergebnissen l\u00c3\u00a4sst sich sagen, dass Gartenschl\u00c3\u00a4fer noch fl\u00c3\u00a4chendeckend im NLP Schwarzwald vorkommen. Doch stellt die Barrierewirkung von Waldwegen potentielle Probleme f\u00c3\u00bcr die \u00c3\u0153berlebenswahrscheinlichkeit des Gartenschl\u00c3\u00a4fers dar, da dadurch Populationen voneinander getrennt und isolieren werden. Die noch ausstehende Untersuchung der genetischen Variabilit\u00c3\u00a4t aller Proben wird zeigen, wie diese durch die Waldfragmentierung negativ beeinflusst werden k\u00c3\u00b6nnte. Ein verringerter Genfluss und eine verringerte genetische Variabilit\u00c3\u00a4t k\u00c3\u00b6nnten sich negativ auf die Anpassungsf\u00c3\u00a4higkeit an sich \u00c3\u00a4ndernde Umweltbedingungen, wie den Klimawandel, auswirken, was die \u00c3\u0153berlebensf\u00c3\u00a4higkeit dieser Art negativ beeinflussen k\u00c3\u00b6nnte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Populations\u00f6kologie und \u00dcberlebensf\u00e4higkeit des Gartenschl\u00e4fers Der in Europa heimische Gartenschl\u00c3\u00a4fer (Eliomys quercinus) ist ein kleiner nachtaktiver Nager aus der Familie der Bilche (Gliridae). In den letzten 20-30 Jahren ist sein Vorkommen um ca. 50 % zur\u00c3\u00bcckgegangen. Die Gr\u00c3\u00bcnde hierf\u00c3\u00bcr sind bislang unklar. 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