{"id":52362,"date":"2026-10-23T12:48:30","date_gmt":"2026-10-23T10:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-554\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:30","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:30","slug":"20018-554","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-554\/","title":{"rendered":"Selbstschutzstrategien im Angesicht des Klimawandels &#8211; ein Bed\u00c3\u00bcrfnis orientierter Erkl\u00c3\u00a4rungsansatz psychologischer Handlungsbarrieren f\u00c3\u00bcr Umweltverhalten"},"content":{"rendered":"<p>Selbstschutzstrategien im Angesicht des Klimawandels &#8211; ein Bed\u00fcrfnis-orientierter Erkl\u00e4rungsansatz<\/p>\n<p>Der Klimawandel stellt eine existenzielle Bedrohung f\u00c3\u00bcr das menschliche \u00c3\u0153berleben, die soziale Organisation der Gesellschaft und die Stabilit\u00c3\u00a4t der \u00c3\u2013kosysteme dar. Er ist daher zutiefst be\u00c3\u00a4ngstigend. Im Angesicht von Bedrohungen wollen sich Menschen h\u00c3\u00a4ufig sch\u00c3\u00bctzen, anstatt sich proaktiv zu verhalten. Wenn psychologische Ressourcen zur Bew\u00c3\u00a4ltigung nicht ausreichen, reagieren Menschen oft mit verschiedenen Formen der Leugnung. Diese Dissertation leistet einen Beitrag zum Verst\u00c3\u00a4ndnis des vielschichtigen Ph\u00c3\u00a4nomens der Klimawandelleugnung aus psychologischer Sicht.<\/p>\n<p>Es gibt vier Forschungsl\u00c3\u00bccken in der Literatur zur Klimawandelleugnung: Erstens hat das Spektrum der Klimawandelleugnung als selbstsch\u00c3\u00bctzende Reaktion auf die Klimakrise innerhalb der Psychologie bisher keine Beachtung gefunden. Zweitens wurde psychologische Grundbed\u00c3\u00bcrfnisbefriedigung, ein fundamentaler Indikator f\u00c3\u00bcr menschliches Funktionieren und die F\u00c3\u00a4higkeit, mit Bedrohungen umzugehen, bisher nicht als Pr\u00c3\u00a4diktor f\u00c3\u00bcr Klimawandelleugnung untersucht. Drittens sind Beziehungen des Spektrums der Klimawandelleugnung zu klimarelevanten Emotionen, insbesondere der Klimaangst, bisher nicht empirisch untersucht worden. Viertens wurde bisher nicht untersucht, wie sich das Spektrum der Klimawandelleugnung zu etablierten Pr\u00c3\u00a4diktoren der Klimawandelleugnung, d.h. rechtsideologischer \u00c3\u0153berzeugungen und m\u00c3\u00a4nnlichem Geschlecht, verh\u00c3\u00a4lt. Um diese L\u00c3\u00bccken zu schlie\u00c3\u0178en, untersuche ich, wie sich das Spektrum der Klimawandelleugnung im deutschen Kontext manifestiert und wie es mit psychologischer Grundbed\u00c3\u00bcrfnisbefriedigung und -frustration, umweltfreundlichem Verhalten, Klimaangst, ideologischer \u00c3\u0153berzeugung und Geschlecht zusammenh\u00c3\u00a4ngt.<\/p>\n<p>F\u00c3\u00bcnf Manuskripte zeigen, dass Klimawandelleugnung im deutschen Kontext auf einem Spektrum existiert, das von der Verzerrung von Fakten (interpretative Leugnung, insbesondere <em>Leugnung der pers\u00c3\u00b6nlichen und globalen Folgenschwere<\/em>) bis zur Leugnung von Implikationen reicht (implikatorische Leugnung, insbesondere <em>Vermeidung<\/em>, <em>Leugnung von Schuld<\/em> und <em>Rationalisierung der eigenen Beteiligung<\/em>). \u00c3\u0153ber alle Analysen hinweg war niedrige psychologische Grundbed\u00c3\u00bcrfnisbefriedigung Pr\u00c3\u00a4diktor f\u00c3\u00bcr das Spektrum der Klimawandelleugnung, das wiederum mit umweltfreundlichem Verhalten assoziiert war. Klimawandelleugnung stand generell in einem negativen Zusammenhang mit Klimaangst, mit Ausnahme einer positiven Assoziation von Vermeidung und Klimaangst. Rechtsideologische \u00c3\u0153berzeugung war der st\u00c3\u00a4rkste Pr\u00c3\u00a4diktor f\u00c3\u00bcr Klimawandelleugnung \u00c3\u00bcber das gesamte Spektrum hinweg. Bed\u00c3\u00bcrfnisbefriedigung und m\u00c3\u00a4nnliches Geschlecht waren weitere, aber schw\u00c3\u00a4chere Pr\u00c3\u00a4diktoren f\u00c3\u00bcr implikatorische Leugnung.<\/p>\n<p>Diese Ergebnisse legen nahe, dass das Spektrum der Klimawandelleugnung viele psychologische Funktionen erf\u00c3\u00bcllt. Klimawandelleugnung ist m\u00c3\u00b6glicherweise sowohl eine Selbstsch\u00c3\u00bctzende Strategie, um Emotionen herunter zu regulieren, als auch um sich vor dem Verlust von Privilegien zu sch\u00c3\u00bctzen. Kurz gesagt stellt Klimawandelleugnung eine Barriere f\u00c3\u00bcr Klimaschutzma\u00c3\u0178nahmen dar, die m\u00c3\u00b6glicherweise erst dann \u00c3\u00bcberwunden wird, wenn Menschen \u00c3\u00bcber ausreichende psychologische Ressourcen verf\u00c3\u00bcgen, um sich der Bedrohung durch den Klimawandel zu stellen und mit zugrundeliegenden Selbst-sch\u00c3\u00bctzenden, emotionalen Reaktionen umzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Selbstschutzstrategien im Angesicht des Klimawandels &#8211; ein Bed\u00fcrfnis-orientierter Erkl\u00e4rungsansatz Der Klimawandel stellt eine existenzielle Bedrohung f\u00c3\u00bcr das menschliche \u00c3\u0153berleben, die soziale Organisation der Gesellschaft und die Stabilit\u00c3\u00a4t der \u00c3\u2013kosysteme dar. Er ist daher zutiefst be\u00c3\u00a4ngstigend. Im Angesicht von Bedrohungen wollen sich Menschen h\u00c3\u00a4ufig sch\u00c3\u00bctzen, anstatt sich proaktiv zu verhalten. 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