{"id":52361,"date":"2026-10-23T12:48:30","date_gmt":"2026-10-23T10:48:30","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-555\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:30","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:30","slug":"20018-555","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-555\/","title":{"rendered":"Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages"},"content":{"rendered":"<p>Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages<\/p>\n<p>Die Herstellung und Nachfrage nach Holzkohle hat in den letzten Jahren global zugenommen. Nach Recherchen der FAO und NGOs kochen und heizen ca. 2,7 Milliarden Menschen mit Holz bzw. Holzkohle. In Europa werden jedes Jahr ca. 800.000 Tonnen Holzkohle zum Grillen verwendet und Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Verbrauch in Deutschland in den letzten Jahren von etwa 150.000 t (2002) auf 250.000 t (2016) angestiegen ist.<\/p>\n<p>Aktuelle Recherchen und Berichte der Umweltverb\u00c3\u00a4nde und Medien (zum Beispiel ZDF Frontal, NDR Panorama oder 3SAT Dokumentation Klimakiller Holzkohle) weisen in diesem Kontext darauf hin, dass die f\u00c3\u00bcr das Grillvergn\u00c3\u00bcgen verwendete Holzkohle\/-Briketts nicht &#8211;<em>wie allgemein angenommen-<\/em>aus heimischen W\u00c3\u00a4ldern oder zumindest aus Europa stammt, sondern zu ca. 70 % aus dem EU-Ausland importiert wird und im gro\u00c3\u0178en Umfang auch tropische H\u00c3\u00b6lzer enth\u00c3\u00a4lt. Die in Westafrika und S\u00c3\u00bcdamerika zu Kohle verarbeiteten H\u00c3\u00b6lzer stammen dabei h\u00c3\u00a4ufig aus Naturw\u00c3\u00a4ldern ohne den Nachweis einer Zertifizierung bzw. legalen Nutzung. Weiterhin kann festgestellt werden, dass die als Europ\u00c3\u00a4ische Holzkohle deklarierten Sortimente h\u00c3\u00a4ufig Beimischungen von Tropenh\u00c3\u00b6lzern enthalten.<\/p>\n<p>Die Ver\u00c3\u00b6ffentlichung dieser Fakten in den Medien f\u00c3\u00bchrte in den letzten beiden Jahren zu intensiven \u00c3\u00b6ffentlichen und politischen Diskussionen. In einer Presseerkl\u00c3\u00a4rung des BMEL vom 29. Juli 2016 hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bereits appelliert <em>beim Kauf und Handel von Holzkohle auf deren Nachhaltigkeit zu achten, <\/em>nachdem die ersten Ergebnisse des Th\u00c3\u00bcnen-Instituts f\u00c3\u00bcr Holzforschung \u00c3\u00bcber falsch deklarierte Holzkohle-Sortimente f\u00c3\u00bcr eine Verbraucherschutz-organisation in \u00c3\u2013sterreich ver\u00c3\u00b6ffentlicht wurden. Weiterhin hat Minister Schmidt in der Presseerkl\u00c3\u00a4rung mitgeteilt: <em>&#8220;Ich setze mich in Br\u00c3\u00bcssel daf\u00c3\u00bcr ein, dass Holzkohle mit in die EU-Holzhandelsverordnung aufgenommen wird und damit sichergestellt ist, dass sie aus legalen Quellen stammt<\/em>.&#8221; Diese Absicht wurde im Rahmen einer weiteren Presseanfrage vom 02. August 2017 an das BMEL wiederholt und bekr\u00c3\u00a4ftigt<em>: Das Bundesministerium f\u00c3\u00bcr Ern\u00c3\u00a4hrung und Landwirtschaft hat sich klar f\u00c3\u00bcr die Aufnahme von Holzkohle sowie weiterer Holzprodukte in die EU-Holzhandelsverordnung ausgesprochen. <\/em>Vor diesem Hintergrund wird derzeit gepr\u00c3\u00bcft, ob neben Brennholz, das seit M\u00c3\u00a4rz 2013 der Europ\u00c3\u00a4ischen Holzhandelsverordnung (EUTR) unterliegt, auch Holzkohle und Holzkohlebriketts aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Eine Aufnahme von Holzkohle\/-Briketts in die Liste der Holzerzeugnisse, die der EUTR unterliegen, w\u00c3\u00bcrde bedeuten, dass die Hersteller und Importeure konkrete und nachvollziehbare Angaben f\u00c3\u00bcr die verwendeten H\u00c3\u00b6lzer (mit Angabe der botanischen Arten) und Herk\u00c3\u00bcnfte (sog. Sorgfaltspflichten) machen m\u00c3\u00bcssten. Diese Angaben werden in Deutschland im Rahmen des Holzhandelssicherungsgesetzes (HolzSiG) von der zust\u00c3\u00a4ndigen Kontrollbeh\u00c3\u00b6rde der Bundesanstalt f\u00c3\u00bcr Landwirtschaft und Ern\u00c3\u00a4hrung (BLE) staatlich \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcft.<\/p>\n<p>Infolge dieser intensiven medialen und \u00c3\u00b6ffentlichen Wahrnehmung hat das Th\u00c3\u00bcnen-Kompetenzzentrum Holzherk\u00c3\u00bcnfte bereits in 2017 zahlreiche Anfragen von H\u00c3\u00a4ndlern (v.a. aus dem Bereich der Discounter) und Importeuren erhalten, die freiwillig ihre Sortimente in Bezug auf die angegebenen Deklarationen pr\u00c3\u00bcfen lassen, um auch eine Verbrauchert\u00c3\u00a4uschung auszuschlie\u00c3\u0178en. Die Ergebnisse der Pr\u00c3\u00bcfungen von ca. 150 Sortimenten haben ergeben, dass etwa 30 % der Sortimente nicht korrekt deklariert waren. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Anfragen auch in diesem und den kommenden Jahren stark ansteigen werden, da die \u00c3\u0153berpr\u00c3\u00bcfung der Holzkohlesortimente weiterhin im Fokus der Umweltverb\u00c3\u00a4nde liegt und zunehmend internationale H\u00c3\u00a4ndler Pr\u00c3\u00bcfauftr\u00c3\u00a4ge einreichen.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen aus den bisherigen Untersuchungen am Th\u00c3\u00bcnen-Kompetenzzentrum Holzherk\u00c3\u00bcnfte zeigen, dass f\u00c3\u00bcr die Holzartenbestimmung bei Holzkohle und Briketts ein hoher zeitlicher und methodischer Aufwand ben\u00c3\u00b6tigt wird und die Referenzen f\u00c3\u00bcr die Identifizierung von Tropenh\u00c3\u00b6lzern in Holzkohle (dringend) erweitert werden m\u00c3\u00bcssen. Weiterhin unterscheiden sich die Methoden zur anatomischen Bestimmung von Holzkohle\/-Briketts von denen der klassischen Holzartenbestimmung von Massivh\u00c3\u00b6lzern, da das Gewebe durch den Verkohlungsprozess stark zersetzt\/komprimiert wird und keine ebenen (planen) Schnittpr\u00c3\u00a4parate hergestellt werden k\u00c3\u00b6nnen. Durch die Verkohlung ver\u00c3\u00a4ndern sich zudem die makroskopischen und mikroskopischen Identifikationsmerkmale, wie beispielsweise die Farbe, die Dichte und Merkmale der Feinstruktur etc., sodass die Anzahl der diagnostischen Merkmale erheblich reduziert ist bzw. ihre Wertigkeit sorgf\u00c3\u00a4ltig evaluiert werden muss. Dies gilt insbesondere f\u00c3\u00bcr die Bestimmung von tropischen H\u00c3\u00b6lzern aus Familien und Gattungen, die viele individuelle Arten mit \u00c3\u00a4hnlichen Strukturmerkmalen besitzen, z.B. aus den Familien der FABACEAE und SAPOTACEAE.<\/p>\n<p>Das Th\u00c3\u00bcnen-Institut arbeitet derzeit an einer neuen Methode, basierend auf 3D-Auflichtmikroskopie, um die Holzartenidentifizierung (Koch et al. 2015, Koch et al. 2016) von Holzkohle zu optimieren und international f\u00c3\u00bcr andere Pr\u00c3\u00bcfinstitute nutzbar zu machen. Daf\u00c3\u00bcr sind eine Weiterentwicklung der methodischen Vorgehensweise und die Bereitstellung einer Bild-Datenbank mit Beschreibung der diagnostischen Strukturmerkmale notwendig. Im Rahmen der Promotionsarbeit sollen dabei folgende Aufgaben und Ziele bearbeitet und umgesetzt werden:<\/p>\n<p>1. Untersuchung und Beschreibung der anatomischen Holzstrukturen der zur Holzkohleherstellung verwendeten Holzarten regionaler M\u00c3\u00a4rkte f\u00c3\u00bchrender Produktionsregionen (Osteuropa, S\u00c3\u00bcdamerika, S\u00c3\u00bcdostasien und Afrika) auf Basis der 3DAuflichtmikroskopie.<\/p>\n<p>2. Kontrollierte Verkohlungsversuche und systematische Erfassung der hierbei entstehenden Artefakte in Bezug auf die anatomischen Strukturmerkmale der Holzkohle unter Anwendung der 3DAuflichtmikroskopie.<\/p>\n<p>3. Anfertigung einer Merkmalsliste zur Holzartenbestimmung von Holzkohle und regionaler Zuordnung borealer\/gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178igter Breiten sowie subtropischer-\/tropischer Breiten von Holzkohle.<\/p>\n<p>4. Ausarbeitung von digitalen Datenbl\u00c3\u00a4ttern basierend auf der Auswertung von anatomischen Strukturmerkmalen (anatomischer Fingerabdruck) f\u00c3\u00bcr die Herstellung von Holzkohle genutzter Wirtschaftsbaumarten, die von internationalen Pr\u00c3\u00bcfungseinrichtungen und bei Zollkontrollen etc. f\u00c3\u00bcr die Identifizierung von Holzkohle und Holzkohlebriketts genutzt werden k\u00c3\u00b6nnen.<\/p>\n<p>Ziel dieser Arbeit ist es, mit den Forschungsergebnissen die methodischen und wissenschaftlichen Grundlagen f\u00c3\u00bcr die Bestimmung und Pr\u00c3\u00bcfung von Holzkohle gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 den Anforderungen und Richtlinien der EUTR zu erarbeiten und damit den Schutz bedrohter Baumarten zu f\u00c3\u00b6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages Die Herstellung und Nachfrage nach Holzkohle hat in den letzten Jahren global zugenommen. 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