{"id":52361,"date":"2026-02-09T10:48:19","date_gmt":"2026-02-09T09:48:19","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-555\/"},"modified":"2026-02-09T10:48:21","modified_gmt":"2026-02-09T09:48:21","slug":"20018-555","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-555\/","title":{"rendered":"Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages"},"content":{"rendered":"<p>Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages<\/p>\n<p>Die Herstellung und Nachfrage nach Holzkohle hat in den letzten Jahren global zugenommen. Nach Recherchen der FAO und NGOs kochen und heizen ca. 2,7 Milliarden Menschen mit Holz bzw. Holzkohle. In Europa werden jedes Jahr ca. 800.000 Tonnen Holzkohle zum Grillen verwendet und Daten des Statistischen Bundesamtes belegen, dass der Verbrauch in Deutschland in den letzten Jahren von etwa 150.000 t (2002) auf 250.000 t (2016) angestiegen ist.<\/p>\n<p>Aktuelle Recherchen und Berichte der Umweltverb\u00e4nde und Medien (zum Beispiel ZDF Frontal, NDR Panorama oder 3SAT Dokumentation Klimakiller Holzkohle) weisen in diesem Kontext darauf hin, dass die f\u00fcr das Grillvergn\u00fcgen verwendete Holzkohle\/-Briketts nicht &#8211;<em>wie allgemein angenommen-<\/em>aus heimischen W\u00e4ldern oder zumindest aus Europa stammt, sondern zu ca. 70 % aus dem EU-Ausland importiert wird und im gro\u00dfen Umfang auch tropische H\u00f6lzer enth\u00e4lt. Die in Westafrika und S\u00fcdamerika zu Kohle verarbeiteten H\u00f6lzer stammen dabei h\u00e4ufig aus Naturw\u00e4ldern ohne den Nachweis einer Zertifizierung bzw. legalen Nutzung. Weiterhin kann festgestellt werden, dass die als Europ\u00e4ische Holzkohle deklarierten Sortimente h\u00e4ufig Beimischungen von Tropenh\u00f6lzern enthalten.<\/p>\n<p>Die Ver\u00f6ffentlichung dieser Fakten in den Medien f\u00fchrte in den letzten beiden Jahren zu intensiven \u00f6ffentlichen und politischen Diskussionen. In einer Presseerkl\u00e4rung des BMEL vom 29. Juli 2016 hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt bereits appelliert <em>beim Kauf und Handel von Holzkohle auf deren Nachhaltigkeit zu achten, <\/em>nachdem die ersten Ergebnisse des Th\u00fcnen-Instituts f\u00fcr Holzforschung \u00fcber falsch deklarierte Holzkohle-Sortimente f\u00fcr eine Verbraucherschutz-organisation in \u00d6sterreich ver\u00f6ffentlicht wurden. Weiterhin hat Minister Schmidt in der Presseerkl\u00e4rung mitgeteilt: <em>&#8220;Ich setze mich in Br\u00fcssel daf\u00fcr ein, dass Holzkohle mit in die EU-Holzhandelsverordnung aufgenommen wird und damit sichergestellt ist, dass sie aus legalen Quellen stammt<\/em>.&#8221; Diese Absicht wurde im Rahmen einer weiteren Presseanfrage vom 02. August 2017 an das BMEL wiederholt und bekr\u00e4ftigt<em>: Das Bundesministerium f\u00fcr Ern\u00e4hrung und Landwirtschaft hat sich klar f\u00fcr die Aufnahme von Holzkohle sowie weiterer Holzprodukte in die EU-Holzhandelsverordnung ausgesprochen. <\/em>Vor diesem Hintergrund wird derzeit gepr\u00fcft, ob neben Brennholz, das seit M\u00e4rz 2013 der Europ\u00e4ischen Holzhandelsverordnung (EUTR) unterliegt, auch Holzkohle und Holzkohlebriketts aufgenommen werden.<\/p>\n<p>Eine Aufnahme von Holzkohle\/-Briketts in die Liste der Holzerzeugnisse, die der EUTR unterliegen, w\u00fcrde bedeuten, dass die Hersteller und Importeure konkrete und nachvollziehbare Angaben f\u00fcr die verwendeten H\u00f6lzer (mit Angabe der botanischen Arten) und Herk\u00fcnfte (sog. Sorgfaltspflichten) machen m\u00fcssten. Diese Angaben werden in Deutschland im Rahmen des Holzhandelssicherungsgesetzes (HolzSiG) von der zust\u00e4ndigen Kontrollbeh\u00f6rde der Bundesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft und Ern\u00e4hrung (BLE) staatlich \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p>Infolge dieser intensiven medialen und \u00f6ffentlichen Wahrnehmung hat das Th\u00fcnen-Kompetenzzentrum Holzherk\u00fcnfte bereits in 2017 zahlreiche Anfragen von H\u00e4ndlern (v.a. aus dem Bereich der Discounter) und Importeuren erhalten, die freiwillig ihre Sortimente in Bezug auf die angegebenen Deklarationen pr\u00fcfen lassen, um auch eine Verbrauchert\u00e4uschung auszuschlie\u00dfen. Die Ergebnisse der Pr\u00fcfungen von ca. 150 Sortimenten haben ergeben, dass etwa 30 % der Sortimente nicht korrekt deklariert waren. Es ist davon auszugehen, dass die Anzahl der Anfragen auch in diesem und den kommenden Jahren stark ansteigen werden, da die \u00dcberpr\u00fcfung der Holzkohlesortimente weiterhin im Fokus der Umweltverb\u00e4nde liegt und zunehmend internationale H\u00e4ndler Pr\u00fcfauftr\u00e4ge einreichen.<\/p>\n<p>Die Erfahrungen aus den bisherigen Untersuchungen am Th\u00fcnen-Kompetenzzentrum Holzherk\u00fcnfte zeigen, dass f\u00fcr die Holzartenbestimmung bei Holzkohle und Briketts ein hoher zeitlicher und methodischer Aufwand ben\u00f6tigt wird und die Referenzen f\u00fcr die Identifizierung von Tropenh\u00f6lzern in Holzkohle (dringend) erweitert werden m\u00fcssen. Weiterhin unterscheiden sich die Methoden zur anatomischen Bestimmung von Holzkohle\/-Briketts von denen der klassischen Holzartenbestimmung von Massivh\u00f6lzern, da das Gewebe durch den Verkohlungsprozess stark zersetzt\/komprimiert wird und keine ebenen (planen) Schnittpr\u00e4parate hergestellt werden k\u00f6nnen. Durch die Verkohlung ver\u00e4ndern sich zudem die makroskopischen und mikroskopischen Identifikationsmerkmale, wie beispielsweise die Farbe, die Dichte und Merkmale der Feinstruktur etc., sodass die Anzahl der diagnostischen Merkmale erheblich reduziert ist bzw. ihre Wertigkeit sorgf\u00e4ltig evaluiert werden muss. Dies gilt insbesondere f\u00fcr die Bestimmung von tropischen H\u00f6lzern aus Familien und Gattungen, die viele individuelle Arten mit \u00e4hnlichen Strukturmerkmalen besitzen, z.B. aus den Familien der FABACEAE und SAPOTACEAE.<\/p>\n<p>Das Th\u00fcnen-Institut arbeitet derzeit an einer neuen Methode, basierend auf 3D-Auflichtmikroskopie, um die Holzartenidentifizierung (Koch et al. 2015, Koch et al. 2016) von Holzkohle zu optimieren und international f\u00fcr andere Pr\u00fcfinstitute nutzbar zu machen. Daf\u00fcr sind eine Weiterentwicklung der methodischen Vorgehensweise und die Bereitstellung einer Bild-Datenbank mit Beschreibung der diagnostischen Strukturmerkmale notwendig. Im Rahmen der Promotionsarbeit sollen dabei folgende Aufgaben und Ziele bearbeitet und umgesetzt werden:<\/p>\n<p>1. Untersuchung und Beschreibung der anatomischen Holzstrukturen der zur Holzkohleherstellung verwendeten Holzarten regionaler M\u00e4rkte f\u00fchrender Produktionsregionen (Osteuropa, S\u00fcdamerika, S\u00fcdostasien und Afrika) auf Basis der 3DAuflichtmikroskopie.<\/p>\n<p>2. Kontrollierte Verkohlungsversuche und systematische Erfassung der hierbei entstehenden Artefakte in Bezug auf die anatomischen Strukturmerkmale der Holzkohle unter Anwendung der 3DAuflichtmikroskopie.<\/p>\n<p>3. Anfertigung einer Merkmalsliste zur Holzartenbestimmung von Holzkohle und regionaler Zuordnung borealer\/gem\u00e4\u00dfigter Breiten sowie subtropischer-\/tropischer Breiten von Holzkohle.<\/p>\n<p>4. Ausarbeitung von digitalen Datenbl\u00e4ttern basierend auf der Auswertung von anatomischen Strukturmerkmalen (anatomischer Fingerabdruck) f\u00fcr die Herstellung von Holzkohle genutzter Wirtschaftsbaumarten, die von internationalen Pr\u00fcfungseinrichtungen und bei Zollkontrollen etc. f\u00fcr die Identifizierung von Holzkohle und Holzkohlebriketts genutzt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ziel dieser Arbeit ist es, mit den Forschungsergebnissen die methodischen und wissenschaftlichen Grundlagen f\u00fcr die Bestimmung und Pr\u00fcfung von Holzkohle gem\u00e4\u00df den Anforderungen und Richtlinien der EUTR zu erarbeiten und damit den Schutz bedrohter Baumarten zu f\u00f6rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Holzartenidentifizierung von Holzkohle\/-Briketts zur Vermeidung des illegalen Holzeinschlages Die Herstellung und Nachfrage nach Holzkohle hat in den letzten Jahren global zugenommen. 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