{"id":52355,"date":"2026-10-23T12:48:25","date_gmt":"2026-10-23T10:48:25","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-561\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:28","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:28","slug":"20018-561","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-561\/","title":{"rendered":"Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00c3\u00a4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald in 30 ausgew\u00c3\u00a4hlten Fl\u00c3\u00a4chen im Nord- und S\u00c3\u00bcdschwarzwald"},"content":{"rendered":"<p>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen<\/p>\n<p><strong>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00c3\u00a4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Biomasse (Hallman et al. 2017) als auch die Diversit\u00c3\u00a4t (Seibold et al. 2019) von Insekten sind r\u00c3\u00bcckl\u00c3\u00a4ufig. In untersuchten temperaten W\u00c3\u00a4ldern ist die Biomasse von Insekten seit 2008 um 40% gesunken (Seibold et al. 2019). \u00c2\u00a0Innerhalb der Insekten geh\u00c3\u00b6ren Hautfl\u00c3\u00bcgler (Hymenopteren) mit bisher ca. 154 000 beschriebenen Arten zur artenreichsten Familie (Aguiar et al. 2013). Sie sind ein Schl\u00c3\u00bcsselelement um die Biodiversit\u00c3\u00a4t anderer Insektengruppen zu erhalten (Lasalle and Gauld 1993) und machen die gro\u00c3\u0178e Mehrheit der sozial organisierten-, parasitoiden-, spezialisierten pr\u00c3\u00a4datoren- und herbivoren Insekten aus (Austin and Dowton 2000). Weiterhin \u00c3\u00bcbernehmen sie wichtige Rollen in \u00c3\u2013kosystemen, wie die Best\u00c3\u00a4ubung von Bl\u00c3\u00bctenpflanzen (Apoidae) und die biologische Kontrolle von Schadorganismen (Vespoidae) (Austin und Downton 2000).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Best\u00c3\u00a4ubung von Bl\u00c3\u00bctenpflanzen wird als eine Schl\u00c3\u00bcsselrolle zum Erhalt der Funktionalit\u00c3\u00a4t in \u00c3\u2013kosystemen gesehen (Abrol, 2012). In den gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178igten Breiten sind ca. 78% der Bl\u00c3\u00bctenpflanzen auf die Best\u00c3\u00a4ubung von Insekten angewiesen (Ollerton, 2012). Bienen (Hymenoptera, Apoidae) z\u00c3\u00a4hlen dabei zur wichtigsten Best\u00c3\u00a4ubergruppe (Winfree, 2010). Um die Best\u00c3\u00a4ubungsdienstleistung zu gew\u00c3\u00a4hren ist eine abundante und artenreiche Wildbienenlebensgemeinschaft essentiell (Lowenstein et al. 2015; Kremen et al. 2002; Steffan-Dewenter et al. 2005). Weltweit jedoch, kann ein R\u00c3\u00bcckgang der Artenvielfalt der Bienen beobachtet werden (Bartomeus et al. 2013; Biesmeijer et al. 2006; Burkle et al. 2013; Potts et al. 2010). In Deutschland sind \u00c3\u00bcber 50% der ~565 Arten gef\u00c3\u00a4hrdet (Westrich et al. 2011). Der Verlust an geeigneten Habitaten und der Einsatz von Pestiziden gelten dabei als wichtige Triebkr\u00c3\u00a4fte im R\u00c3\u00bcckgang der Wildbienen (Steffan-Dewenter &#038; Tscharntke; 1999; Larsson &#038; Franzen, 2007; Potts et al. 2010; IPBES, 2016). Durch den Nutzen von Best\u00c3\u00a4ubern f\u00c3\u00bcr die Produktion von Nahrungsmitteln (Klein et al. 2007) wurde die Abundanz und Artenreichtum von Wildbienen in den letzten 20 Jahren vermehrt in Agrarlandschaften und urbanen Systemen untersucht (f\u00c3\u00bcr Agrarlandschaften z.B. Tscharntke et al. 2005; Ollerton et al. 2014; Winfree et al. 2018; Beyer et al. 2020; Du Clos et al. 2020; f\u00c3\u00bcr urbane Systeme z.B. Lanner et al. 2020; Staab et al. 2020).<\/p>\n<p>Neben den Bienen sind auch Schwebfliegen wichtige Best\u00c3\u00a4uber von Bl\u00c3\u00bctenpflanzen (Ssymank et al. 2008; Orford et al. 2015). In manchen F\u00c3\u00a4llen so wichtig wie Bienen (Forup et al. 2008). Als Teil eines Landschaftsmosaiks erh\u00c3\u00b6hen W\u00c3\u00a4lder die Diversit\u00c3\u00a4t und Abundanz von Wildbienen und Schwebfliegen (Watson et al. 2011; Sch\u00c3\u00bcepp et al. 2014; Proesmans et al. 2019). Da Best\u00c3\u00a4uber auf geeignete Nist-, Nahrungsressourcen und Nistmaterial angewiesen sind, (Wetstrich 1996) sind sie reaktiv auf Eingriffe, die diese Parameter beeinflussen. Jedoch zeigen Schwebfliegen andere Reaktionen auf Habitatver\u00c3\u00a4nderungen als Wildbienen (Jauker, 2009). Forstarbeiten wie Einzelbaumentnahme (Taki et al. 2010), Gruppenf\u00c3\u00a4llungen (Roberts et al. 2017) und kontrolliertes Brennen (Campell et al. 2018) k\u00c3\u00b6nnen Wildbienen in W\u00c3\u00a4ldern f\u00c3\u00b6rdern. Auch akkumuliertes Totholz und offene Bodenstellen k\u00c3\u00b6nnen Bienen in W\u00c3\u00a4ldern f\u00c3\u00b6rdern, da sie das Potential f\u00c3\u00bcr geeignete Nistpl\u00c3\u00a4tze erh\u00c3\u00b6hen (Hanula et al. 2016). Aus diesem Grund k\u00c3\u00b6nnen auch sp\u00c3\u00a4te Sukzessionsstadien in W\u00c3\u00a4ldern wichtig f\u00c3\u00bcr einige Bienenarten sein (Taki et al. 2007; Winfree et al. 2007). Das bedeutet die aktive Restauration von W\u00c3\u00a4ldern, d.h. die Schaffung von L\u00c3\u00bccken im Bestand und die Akkumulation von Totholz, welche die nat\u00c3\u00bcrlichen Prozesse in W\u00c3\u00a4ldern beschleunigen und simulieren soll, k\u00c3\u00b6nnten Wildbienen f\u00c3\u00b6rdern. Die aktive Restauration in W\u00c3\u00a4ldern und die Implikationen f\u00c3\u00bcr den Wildbienenschutz sind jedoch nicht gut untersucht (siehe aber Breland et al. 2018).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Um den Einfluss von Forstmanagement und Umweltvariablen auf die Abundanz und Diversit\u00c3\u00a4t von Best\u00c3\u00a4ubern besser zu verstehen und um m\u00c3\u00b6gliche Ma\u00c3\u0178nahmen zur Habitatverbesserung abzuleiten, habe ich als Teil meiner Dissertation Bienen auf verschiedenen Wald-Bewirtschaftungsformen aufgenommen. Diese 45 Fl\u00c3\u00a4chen sind Teil des FFK-Projekts der FVA. Des Weiteren wurde auf 12 Fl\u00c3\u00a4chen im Nationalpark Schwarzwald untersucht, inwiefern eine Restauration in W\u00c3\u00a4ldern zur Steigerung der Abundanz und Diversit\u00c3\u00a4t von Wildbienen genutzt werden kann. Die Forschungsfragen waren:<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es einen Einfluss von kleinskaligen Restaurationsma\u00c3\u0178nahmen auf die Abundanz und Diversit\u00c3\u00a4t von Wildbienen in temperaten W\u00c3\u00a4ldern?<\/li>\n<li>Welche Umweltvariablen beeinflussen die Abundanz und Diversit\u00c3\u00a4t positiv und wie kann dies zur Habitataufwertung genutzt werden?<\/li>\n<li>Werden W\u00c3\u00a4lder auch von Offenlandarten genutzt?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">Um die systematische Erschlie\u00c3\u0178ung der W\u00c3\u00a4lder in Deutschland zu erm\u00c3\u00b6glichen, sind diese von Forststra\u00c3\u0178en von einer Gesamtl\u00c3\u00a4nge von etwa 512.000 km durchzogen (BMEL, 2017). Im Gegensatz zu dichten Waldbest\u00c3\u00a4nden, weisen Stra\u00c3\u0178en einen erh\u00c3\u00b6hten Lichteinfall, eine h\u00c3\u00b6here Diversit\u00c3\u00a4t an Gef\u00c3\u00a4\u00c3\u0178pflanzen und einen h\u00c3\u00b6heren Anteil an offenen Bodenstellen auf (Avon et al. 2010; Watkins et al. 2003; Wojcik und Buchmann 2012). Dies deutet darauf hin, dass Forststra\u00c3\u0178en in W\u00c3\u00a4ldern geeignete Nahrungs- und Nistressourcen f\u00c3\u00bcr Wildbienen darbieten k\u00c3\u00b6nnten. Bislang wurden Forststra\u00c3\u0178en in W\u00c3\u00a4ldern jedoch nur bedingt untersucht (Berg et al. 2011) und ihre Rolle als Ausbreitungskorridor und Nahrungsquelle sind nicht gekl\u00c3\u00a4rt (Hanula et al. 2016; Rivers et al. 2019).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Benutzen auch Offenlandarten Forststra\u00c3\u0178en als Nahrungsquelle?<\/li>\n<li>L\u00c3\u00a4sst sich die Abundanz und der Artenreichtum m\u00c3\u00b6glicher Offenlandarten durch die umgebende Landschaftsmatrix erkl\u00c3\u00a4ren?<\/li>\n<li>Inwiefern beeinflusst die Bl\u00c3\u00bctenfl\u00c3\u00a4che bestimmter Pflanzenarten die Abundanz und den Artenreichtum an Wildbienen?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Hohlraumnistende Hymenoptera wurden h\u00c3\u00a4ufig als Modell-Systeme verwendet, um trophische Interaktionen in verschiedensten Lebensr\u00c3\u00a4umen zu untersuchen (Klein et al. 2008; Steffan-Dewenter und Schiele 2008; Staab et al. 2018). Dies liegt daran, dass Nisthilfen erm\u00c3\u00b6glichen, Bienen- und Wespen-Lebensgemeinschaften direkt in den Lebensr\u00c3\u00a4umen zu untersuchen, in denen sie sich fortpflanzen k\u00c3\u00b6nnen (Tscharntke, 1998). Au\u00c3\u0178erdem ist es leicht zu bewerkstelligen (Sobek et al. 2009), indem Nistressourcen in die Landschaften ausgebracht und sp\u00c3\u00a4ter untersucht werden. Untersuchungen zeigen, dass die Abundanz, nicht aber die Diversit\u00c3\u00a4t von hohlraumnistenden Bienen, Wespen und den nat\u00c3\u00bcrlichen Gegenspielern entlang eines Baum-Diversit\u00c3\u00a4tsgradienten zunimmt (Sobek et al. 2009). Bisher wurden temperate Nadelw\u00c3\u00a4lder aber nur selten Gegenstand von Untersuchungen mit Nisthilfen (siehe Rubene et al. 2015 f\u00c3\u00bcr boreale Nadelw\u00c3\u00a4lder; Staab et al. 2018).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die N\u00c3\u00a4he zu Waldhabitaten erh\u00c3\u00b6ht die Abundanz und Diversit\u00c3\u00a4t von Hohlraumbr\u00c3\u00bctenden Wespen in landwirtschaftlichen Habitaten (Holzschuh et al. 2009) und k\u00c3\u00b6nnte damit die biologische Kontrolle von Wespen auf die umliegende Landschaft erh\u00c3\u00b6hen (Tscharntke et al. 2005).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es einen Unterschied in den Parasitierungsraten bei unterschiedlichem Forstmanagement?<\/li>\n<li>Gibt es Unterschiede in den Fortpflanzungsraten bei unterschiedlichem Forstmanagement?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Die so gewonnenen Erkenntnisse k\u00c3\u00b6nnen als Grundlage naturschutzfachlicher Beurteilungen von W\u00c3\u00a4ldern f\u00c3\u00bcr Wildbienen und Wespen dienen und die Wichtigkeit von Waldnutzungsarten f\u00c3\u00bcr einzelne Artengruppen beleuchten. Der Erfolg von konkreten Ma\u00c3\u0178nahmen zur Lebensraumverbesserung wird untersucht, woraus sich Empfehlungen f\u00c3\u00bcr das Management von W\u00c3\u00a4ldern gewinnen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00c3\u00a4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald Die Biomasse (Hallman et al. 2017) als auch die Diversit\u00c3\u00a4t (Seibold et al. 2019) von Insekten sind r\u00c3\u00bcckl\u00c3\u00a4ufig. 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