{"id":52355,"date":"2026-02-28T10:46:21","date_gmt":"2026-02-28T09:46:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20018-561\/"},"modified":"2026-02-28T10:46:22","modified_gmt":"2026-02-28T09:46:22","slug":"20018-561","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20018-561\/","title":{"rendered":"Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald in 30 ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen im Nord- und S\u00fcdschwarzwald"},"content":{"rendered":"<p>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen<\/p>\n<p><strong>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald<\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Biomasse (Hallman et al. 2017) als auch die Diversit\u00e4t (Seibold et al. 2019) von Insekten sind r\u00fcckl\u00e4ufig. In untersuchten temperaten W\u00e4ldern ist die Biomasse von Insekten seit 2008 um 40% gesunken (Seibold et al. 2019). \u00a0Innerhalb der Insekten geh\u00f6ren Hautfl\u00fcgler (Hymenopteren) mit bisher ca. 154 000 beschriebenen Arten zur artenreichsten Familie (Aguiar et al. 2013). Sie sind ein Schl\u00fcsselelement um die Biodiversit\u00e4t anderer Insektengruppen zu erhalten (Lasalle and Gauld 1993) und machen die gro\u00dfe Mehrheit der sozial organisierten-, parasitoiden-, spezialisierten pr\u00e4datoren- und herbivoren Insekten aus (Austin and Dowton 2000). Weiterhin \u00fcbernehmen sie wichtige Rollen in \u00d6kosystemen, wie die Best\u00e4ubung von Bl\u00fctenpflanzen (Apoidae) und die biologische Kontrolle von Schadorganismen (Vespoidae) (Austin und Downton 2000).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Best\u00e4ubung von Bl\u00fctenpflanzen wird als eine Schl\u00fcsselrolle zum Erhalt der Funktionalit\u00e4t in \u00d6kosystemen gesehen (Abrol, 2012). In den gem\u00e4\u00dfigten Breiten sind ca. 78% der Bl\u00fctenpflanzen auf die Best\u00e4ubung von Insekten angewiesen (Ollerton, 2012). Bienen (Hymenoptera, Apoidae) z\u00e4hlen dabei zur wichtigsten Best\u00e4ubergruppe (Winfree, 2010). Um die Best\u00e4ubungsdienstleistung zu gew\u00e4hren ist eine abundante und artenreiche Wildbienenlebensgemeinschaft essentiell (Lowenstein et al. 2015; Kremen et al. 2002; Steffan-Dewenter et al. 2005). Weltweit jedoch, kann ein R\u00fcckgang der Artenvielfalt der Bienen beobachtet werden (Bartomeus et al. 2013; Biesmeijer et al. 2006; Burkle et al. 2013; Potts et al. 2010). In Deutschland sind \u00fcber 50% der ~565 Arten gef\u00e4hrdet (Westrich et al. 2011). Der Verlust an geeigneten Habitaten und der Einsatz von Pestiziden gelten dabei als wichtige Triebkr\u00e4fte im R\u00fcckgang der Wildbienen (Steffan-Dewenter &#038; Tscharntke; 1999; Larsson &#038; Franzen, 2007; Potts et al. 2010; IPBES, 2016). Durch den Nutzen von Best\u00e4ubern f\u00fcr die Produktion von Nahrungsmitteln (Klein et al. 2007) wurde die Abundanz und Artenreichtum von Wildbienen in den letzten 20 Jahren vermehrt in Agrarlandschaften und urbanen Systemen untersucht (f\u00fcr Agrarlandschaften z.B. Tscharntke et al. 2005; Ollerton et al. 2014; Winfree et al. 2018; Beyer et al. 2020; Du Clos et al. 2020; f\u00fcr urbane Systeme z.B. Lanner et al. 2020; Staab et al. 2020).<\/p>\n<p>Neben den Bienen sind auch Schwebfliegen wichtige Best\u00e4uber von Bl\u00fctenpflanzen (Ssymank et al. 2008; Orford et al. 2015). In manchen F\u00e4llen so wichtig wie Bienen (Forup et al. 2008). Als Teil eines Landschaftsmosaiks erh\u00f6hen W\u00e4lder die Diversit\u00e4t und Abundanz von Wildbienen und Schwebfliegen (Watson et al. 2011; Sch\u00fcepp et al. 2014; Proesmans et al. 2019). Da Best\u00e4uber auf geeignete Nist-, Nahrungsressourcen und Nistmaterial angewiesen sind, (Wetstrich 1996) sind sie reaktiv auf Eingriffe, die diese Parameter beeinflussen. Jedoch zeigen Schwebfliegen andere Reaktionen auf Habitatver\u00e4nderungen als Wildbienen (Jauker, 2009). Forstarbeiten wie Einzelbaumentnahme (Taki et al. 2010), Gruppenf\u00e4llungen (Roberts et al. 2017) und kontrolliertes Brennen (Campell et al. 2018) k\u00f6nnen Wildbienen in W\u00e4ldern f\u00f6rdern. Auch akkumuliertes Totholz und offene Bodenstellen k\u00f6nnen Bienen in W\u00e4ldern f\u00f6rdern, da sie das Potential f\u00fcr geeignete Nistpl\u00e4tze erh\u00f6hen (Hanula et al. 2016). Aus diesem Grund k\u00f6nnen auch sp\u00e4te Sukzessionsstadien in W\u00e4ldern wichtig f\u00fcr einige Bienenarten sein (Taki et al. 2007; Winfree et al. 2007). Das bedeutet die aktive Restauration von W\u00e4ldern, d.h. die Schaffung von L\u00fccken im Bestand und die Akkumulation von Totholz, welche die nat\u00fcrlichen Prozesse in W\u00e4ldern beschleunigen und simulieren soll, k\u00f6nnten Wildbienen f\u00f6rdern. Die aktive Restauration in W\u00e4ldern und die Implikationen f\u00fcr den Wildbienenschutz sind jedoch nicht gut untersucht (siehe aber Breland et al. 2018).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Um den Einfluss von Forstmanagement und Umweltvariablen auf die Abundanz und Diversit\u00e4t von Best\u00e4ubern besser zu verstehen und um m\u00f6gliche Ma\u00dfnahmen zur Habitatverbesserung abzuleiten, habe ich als Teil meiner Dissertation Bienen auf verschiedenen Wald-Bewirtschaftungsformen aufgenommen. Diese 45 Fl\u00e4chen sind Teil des FFK-Projekts der FVA. Des Weiteren wurde auf 12 Fl\u00e4chen im Nationalpark Schwarzwald untersucht, inwiefern eine Restauration in W\u00e4ldern zur Steigerung der Abundanz und Diversit\u00e4t von Wildbienen genutzt werden kann. Die Forschungsfragen waren:<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es einen Einfluss von kleinskaligen Restaurationsma\u00dfnahmen auf die Abundanz und Diversit\u00e4t von Wildbienen in temperaten W\u00e4ldern?<\/li>\n<li>Welche Umweltvariablen beeinflussen die Abundanz und Diversit\u00e4t positiv und wie kann dies zur Habitataufwertung genutzt werden?<\/li>\n<li>Werden W\u00e4lder auch von Offenlandarten genutzt?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">Um die systematische Erschlie\u00dfung der W\u00e4lder in Deutschland zu erm\u00f6glichen, sind diese von Forststra\u00dfen von einer Gesamtl\u00e4nge von etwa 512.000 km durchzogen (BMEL, 2017). Im Gegensatz zu dichten Waldbest\u00e4nden, weisen Stra\u00dfen einen erh\u00f6hten Lichteinfall, eine h\u00f6here Diversit\u00e4t an Gef\u00e4\u00dfpflanzen und einen h\u00f6heren Anteil an offenen Bodenstellen auf (Avon et al. 2010; Watkins et al. 2003; Wojcik und Buchmann 2012). Dies deutet darauf hin, dass Forststra\u00dfen in W\u00e4ldern geeignete Nahrungs- und Nistressourcen f\u00fcr Wildbienen darbieten k\u00f6nnten. Bislang wurden Forststra\u00dfen in W\u00e4ldern jedoch nur bedingt untersucht (Berg et al. 2011) und ihre Rolle als Ausbreitungskorridor und Nahrungsquelle sind nicht gekl\u00e4rt (Hanula et al. 2016; Rivers et al. 2019).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Benutzen auch Offenlandarten Forststra\u00dfen als Nahrungsquelle?<\/li>\n<li>L\u00e4sst sich die Abundanz und der Artenreichtum m\u00f6glicher Offenlandarten durch die umgebende Landschaftsmatrix erkl\u00e4ren?<\/li>\n<li>Inwiefern beeinflusst die Bl\u00fctenfl\u00e4che bestimmter Pflanzenarten die Abundanz und den Artenreichtum an Wildbienen?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Hohlraumnistende Hymenoptera wurden h\u00e4ufig als Modell-Systeme verwendet, um trophische Interaktionen in verschiedensten Lebensr\u00e4umen zu untersuchen (Klein et al. 2008; Steffan-Dewenter und Schiele 2008; Staab et al. 2018). Dies liegt daran, dass Nisthilfen erm\u00f6glichen, Bienen- und Wespen-Lebensgemeinschaften direkt in den Lebensr\u00e4umen zu untersuchen, in denen sie sich fortpflanzen k\u00f6nnen (Tscharntke, 1998). Au\u00dferdem ist es leicht zu bewerkstelligen (Sobek et al. 2009), indem Nistressourcen in die Landschaften ausgebracht und sp\u00e4ter untersucht werden. Untersuchungen zeigen, dass die Abundanz, nicht aber die Diversit\u00e4t von hohlraumnistenden Bienen, Wespen und den nat\u00fcrlichen Gegenspielern entlang eines Baum-Diversit\u00e4tsgradienten zunimmt (Sobek et al. 2009). Bisher wurden temperate Nadelw\u00e4lder aber nur selten Gegenstand von Untersuchungen mit Nisthilfen (siehe Rubene et al. 2015 f\u00fcr boreale Nadelw\u00e4lder; Staab et al. 2018).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die N\u00e4he zu Waldhabitaten erh\u00f6ht die Abundanz und Diversit\u00e4t von Hohlraumbr\u00fctenden Wespen in landwirtschaftlichen Habitaten (Holzschuh et al. 2009) und k\u00f6nnte damit die biologische Kontrolle von Wespen auf die umliegende Landschaft erh\u00f6hen (Tscharntke et al. 2005).<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<ul>\n<li>Gibt es einen Unterschied in den Parasitierungsraten bei unterschiedlichem Forstmanagement?<\/li>\n<li>Gibt es Unterschiede in den Fortpflanzungsraten bei unterschiedlichem Forstmanagement?<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">\u00a0<\/p>\n<p>Die so gewonnenen Erkenntnisse k\u00f6nnen als Grundlage naturschutzfachlicher Beurteilungen von W\u00e4ldern f\u00fcr Wildbienen und Wespen dienen und die Wichtigkeit von Waldnutzungsarten f\u00fcr einzelne Artengruppen beleuchten. Der Erfolg von konkreten Ma\u00dfnahmen zur Lebensraumverbesserung wird untersucht, woraus sich Empfehlungen f\u00fcr das Management von W\u00e4ldern gewinnen lassen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen Naturschutzfachliche Eignung von lichten W\u00e4ldern als Lebensraum von bedrohten Wildbienen und Wespen im Vergleich zum Wirtschaftswald Die Biomasse (Hallman et al. 2017) als auch die Diversit\u00e4t (Seibold et al. 2019) von Insekten sind r\u00fcckl\u00e4ufig. 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