{"id":52320,"date":"2026-10-23T12:48:21","date_gmt":"2026-10-23T10:48:21","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20019-597\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:21","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:21","slug":"20019-597","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20019-597\/","title":{"rendered":"Genetische Analysen stark bedrohter heimischer Flusskrebse: Populationsgenetik und eDNA-Untersuchung von Stein- und Dohlenkrebsbest\u00c3\u00a4nden mittels Mikrosatellitenanalyse (Populationsgenetik) und Umwelt-DNS (Artnachweis im Gew\u00c3\u00a4sser)"},"content":{"rendered":"<p>Genetische Analysen stark bedrohter heimischer Flusskrebse: Populationsgenetik und eDNA<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Heimische Flusskrebse geh\u00c3\u00b6ren zu den gegenw\u00c3\u00a4rtig am st\u00c3\u00a4rksten gef\u00c3\u00a4hrdeten Tiergruppen in Deutschland. Die wichtigsten Vorkommen der beiden FFH-Arten Stein- (<em>Austropotamobius torrentium<\/em>) und Dohlenkrebs (<em>Austropotamobius pallipes<\/em>) befinden sich dabei in Baden-W\u00c3\u00bcrttemberg.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die Best\u00c3\u00a4nde gehen seit mehreren Jahrzehnten zur\u00c3\u00bcck und beschr\u00c3\u00a4nken sich meist auf voneinander isolierte Restpopulationen in Oberlaufgew\u00c3\u00a4ssern. Diese Verinselung f\u00c3\u00bchrt zu fehlendem genetischem Austausch, was den Verlust von genetischer Diversit\u00c3\u00a4t (Generosion), Inzuchtdepression und eine verminderte Anpassungsf\u00c3\u00a4higkeit zur Folge haben kann. F\u00c3\u00bcr den langfristigen Erhalt der Best\u00c3\u00a4nde werden daher dringend Aussagen zur genetischen Diversit\u00c3\u00a4t und Populationsstruktur ben\u00c3\u00b6tigt. Hier\u00c3\u00bcber ist jedoch bislang nichts bekannt.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">In meinem Promotionsvorhaben m\u00c3\u00b6chte ich daher erstmals in Deutschland Stein- und Dohlenkrebsbest\u00c3\u00a4nde populationsgenetisch untersuchen. Insgesamt sollen 10 Best\u00c3\u00a4nde in vier Untersuchungsgebieten anhand von Mikrosatelliten-Analysen (12 Mikrosatelliten-Loci je Art) genetisch charakterisiert und miteinander verglichen werden. Zus\u00c3\u00a4tzlich werden Daten zur Bestandsdichte und -gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e sowie zur k\u00c3\u00b6rperlichen Fitness der Tiere erhoben. Diese sollen anschlie\u00c3\u0178end mit den genetischen Daten zusammengef\u00c3\u00bchrt werden, um ein konsistentes Bild des Populationszustands zu erhalten. Dadurch will ich kl\u00c3\u00a4ren, in welchem Ausma\u00c3\u0178 und durch welche Prozesse, die genetische Diversit\u00c3\u00a4t von Stein- und Dohlenkrebsbest\u00c3\u00a4nden verloren geht.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Schutzma\u00c3\u0178nahmen f\u00c3\u00bcr die heimischen Flusskrebse erfordern im Regelfall zudem eine fortlaufende \u00c3\u0153berwachung der Best\u00c3\u00a4nde (Monitoring). Ein vielversprechendes Instrument hierf\u00c3\u00bcr ist der Artnachweis anhand von eDNA (environmental DNA, Umwelt DNS) im Wasserk\u00c3\u00b6rper. Stein- und Dohlenkrebse sind wegen ihrer versteckten Lebensweise generell schwer nachweisbar und konventionelle Methoden (bspw. h\u00c3\u00a4ndische Nachsuche) sind zeitaufw\u00c3\u00a4ndig und h\u00c3\u00a4ufig mit einer St\u00c3\u00b6rung der Best\u00c3\u00a4nde verbunden. Bestandsaufnahmen mittels eDNA sind dagegen nicht invasiv und potenziell hochsensitiv. Bisher unbekannte Vorkommen k\u00c3\u00b6nnen anhand von eDNA m\u00c3\u00b6glicherweise auch schnell und gezielt gesucht werden.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Die eDNA-Forschung ist jedoch noch eine junge Disziplin und wurde bisher nicht auf Stein- und Dohlenkrebse angewendet. Im Zuge meiner Promotion m\u00c3\u00b6chte ich daher neben dem Verst\u00c3\u00a4ndnis ihrer Populationsgenetik auch die Eignung von eDNA als Nachweis f\u00c3\u00bcr diese Arten untersuchen und die Detektionswahrscheinlichkeit in Abh\u00c3\u00a4ngigkeit von raum-zeitlichen Faktoren evaluieren. Konkret m\u00c3\u00b6chte ich an vier Krebsbest\u00c3\u00a4nden den Einfluss von Probenahme-Zeitpunkt, Distanz zum Bestand, Bestandsdichte und Gew\u00c3\u00a4ssergr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178e untersuchen.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Insgesamt will ich mit Hilfe moderner genetischer Analysen einen wegweisenden Beitrag zum Schutz der beiden stark bedrohten Flusskrebsarten leisten. Dazu will ich u.a. auch Hilfestellungen und Handlungsempfehlungen f\u00c3\u00bcr angewandte Schutzma\u00c3\u0178nahmen (z. B. k\u00c3\u00bcnstlicher Individuenaustausch, Gewichtung von Best\u00c3\u00a4nden anhand ihrer genetischen Ausstattung, Auswahl von Spender-populationen) und Monitoring-Programme (z. B. Anwendung von eDNA Methoden) erarbeiten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Genetische Analysen stark bedrohter heimischer Flusskrebse: Populationsgenetik und eDNA Heimische Flusskrebse geh\u00c3\u00b6ren zu den gegenw\u00c3\u00a4rtig am st\u00c3\u00a4rksten gef\u00c3\u00a4hrdeten Tiergruppen in Deutschland. Die wichtigsten Vorkommen der beiden FFH-Arten Stein- (Austropotamobius torrentium) und Dohlenkrebs (Austropotamobius pallipes) befinden sich dabei in Baden-W\u00c3\u00bcrttemberg. 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