{"id":52267,"date":"2026-10-23T12:48:11","date_gmt":"2026-10-23T10:48:11","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20020-650\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:12","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:12","slug":"20020-650","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20020-650\/","title":{"rendered":"Kolleg-Energiewende: Industrialisierungsprozesse zwischen Karbonisierung und Klimapolitik &#8211; Empirische Evidenz aus Indonesien"},"content":{"rendered":"<p>L\u00c3\u00a4nder des globalen S\u00c3\u00bcdens stehen vor der Herausforderung, Armut zu bek\u00c3\u00a4mpfen und gleichzeitig emissionsfreie Energiesysteme zu entwickeln. <strong>Industrialisierung<\/strong> soll zu Ersterem beitragen, wird allerdings h\u00c3\u00a4ufig von der Nutzung fossiler Energietr\u00c3\u00a4ger (insbesondere Kohle) begleitet, was Zweiteres erschwert.<\/p>\n<p>Das vorliegende Forschungsvorhaben zu Industrialisierungsprozessen zwischen Karbonisierung und Klimapolitik geht einerseits der Frage nach, weshalb sich industrialisierende L\u00c3\u00a4nder in Phasen des Strukturwandels auf emissionsintensive Kohle setzen. Andererseits wird erforscht, wie sich effektive Klimaschutzinstrumente wie ein CO2-Preis auf industrielle Netzwerke in diesen Regionen auswirken w\u00c3\u00bcrden.<\/p>\n<p>Ich nutze einen exklusiven Mikro-Datensatz mit hochaufgel\u00c3\u00b6sten Informationen zu indonesischen Firmen, um mit Hilfe <strong>\u00c3\u00b6konometrischer Methoden<\/strong> kausale Effekte zu ermitteln und aussagekr\u00c3\u00a4ftige Szenarien zu modellieren.<\/p>\n<p>Das Forschungsprojekt umfasst insgesamt vier Teileinheiten:<\/p>\n<p>In Projekt 1A wird die Hypothese untersucht, dass Kohlekraftwerke <strong>Spillover-Effekte<\/strong> aufweisen, also Vorteile f\u00c3\u00bcr Industrieunternehmen bieten, die \u00c3\u00bcber die Bereitstellung g\u00c3\u00bcnstiger Energie hinausgehen. Dazu werde ich den kausalen Effekt der Inbetriebnahme eines Kraftwerks auf Besch\u00c3\u00a4ftigung, Wachstum und Profitabilit\u00c3\u00a4t indonesischer Betriebe ermitteln.<\/p>\n<p>In Projekt 1B wird analysiert, ob <strong>energietr\u00c3\u00a4gerspezifische Einfl\u00c3\u00bcsse<\/strong> auf die Entstehung regionaler Industriecluster bestehen. Es wird die Hypothese \u00c3\u00bcberpr\u00c3\u00bcft, dass Kohlekraftwerke die Clusterbildung st\u00c3\u00a4rker beeinflussen als andere Energietr\u00c3\u00a4ger wie Gas, \u00c3\u2013l oder erneuerbare Energien wie Wasserkraft und Geothermie.<\/p>\n<p>In Projekt 2A soll ex post evaluiert werden, wie <strong>\u00c3\u201enderungen von Elektrizit\u00c3\u00a4tspreisen<\/strong> innerhalb von Wertsch\u00c3\u00b6pfungsketten weitergegeben werden. Die Hypothese ist, dass sektorale und regionale Unterschiede darin bestehen, ob und wie Energiepreisschocks in industriellen Netzwerken propagieren. Empirisch wird hier eine Reform der Strompreissubventionen in Indonesien ausgenutzt.<\/p>\n<p>In Projekt 2B wird ex ante erforscht, wie sich Energiepreissteigerungen etwa in Folge eines <strong>CO2-Preises<\/strong> auswirken w\u00c3\u00bcrden. Von besonderem Interesse sind hierbei energieintensive und exportorientierte Unternehmen, deren Wettbewerbsf\u00c3\u00a4higkeit beeintr\u00c3\u00a4chtigt werden k\u00c3\u00b6nnte.<\/p>\n<p>Methodisch werden in den Projekten 1A, 1B und 2A so genannte nat\u00c3\u00bcrliche Experimente ausgenutzt, um kausale Effekte zu ermitteln. Das geschieht mit \u00c3\u00b6konometrischen Methoden wie dem Differenz-von-Differenzen-Ansatz oder Instrumentvariablensch\u00c3\u00a4tzungen. Projekt 2A erfordert zus\u00c3\u00a4tzlich die Modellierung der Unternehmens-Netzwerke. In Projekt 2B bediene ich mich der Methode der Mikrosimulation. So k\u00c3\u00b6nnen die Auswirkungen einer politischen Ma\u00c3\u0178nahme im Vorfeld ihrer Einf\u00c3\u00bchrung abgesch\u00c3\u00a4tzt werden.<\/p>\n<p>In der wissenschaftlichen Literatur existiert nur wenig Forschung zu Mustern der Industrialisierung und der Rolle verschiedener Energietr\u00c3\u00a4ger (insbesondere von Kohle) in L\u00c3\u00a4ndern des globalen S\u00c3\u00bcdens. Dar\u00c3\u00bcber hinaus sind nur wenige Untersuchungen der Auswirkungen von Klimaschutzinstrumenten auf einzelne Unternehmen in diesen Regionen bekannt. Weiterhin basieren die bekannten Ver\u00c3\u00b6ffentlichungen h\u00c3\u00a4ufig auf der Analyse aggregierter Makro-Daten. Das vorliegende Forschungsvorhaben, in dem mit detaillierten Mikrodaten von indonesischen Firmen Aufschluss \u00c3\u00bcber energietr\u00c3\u00a4gerspezifische \u00c3\u0153bertragungseffekte und den Einfluss von Kohlenstoffbepreisung erhalten werden soll, tr\u00c3\u00a4gt damit zum Schlie\u00c3\u0178en einer Forschungsl\u00c3\u00bccke bei.<\/p>\n<p>Gleichzeitig ist das Projekt nicht nur aus akademischer Sicht interessant, sondern k\u00c3\u00b6nnte \u00c3\u00bcber einen Dialog mit Entscheidungs*tr\u00c3\u00a4gerinnen direkt in den klimapolitischen Diskurs hineinwirken. Die Ergebnisse k\u00c3\u00b6nnen f\u00c3\u00bcr den Fall Indonesiens zum Beispiel dazu beitragen, Kompensationen f\u00c3\u00bcr besonders betroffene Unternehmen einzurichten. So kann verhindert werden, dass erfolgreicher Klimaschutz Industrialisierungsprozesse verlangsamt und somit Wohlstandzuw\u00c3\u00a4chse verhindert.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>L\u00c3\u00a4nder des globalen S\u00c3\u00bcdens stehen vor der Herausforderung, Armut zu bek\u00c3\u00a4mpfen und gleichzeitig emissionsfreie Energiesysteme zu entwickeln. Industrialisierung soll zu Ersterem beitragen, wird allerdings h\u00c3\u00a4ufig von der Nutzung fossiler Energietr\u00c3\u00a4ger (insbesondere Kohle) begleitet, was Zweiteres erschwert. 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