{"id":52256,"date":"2026-02-11T10:46:56","date_gmt":"2026-02-11T09:46:56","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20020-661\/"},"modified":"2026-02-11T10:46:57","modified_gmt":"2026-02-11T09:46:57","slug":"20020-661","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20020-661\/","title":{"rendered":"Effekte landwirtschaftlicher Nutzungstypen auf den Zustand der Flie\u00dfgew\u00e4sser in Deutschland: Eine gro\u00dfskalige Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Die Artenvielfalt und Gesundheit von Flie\u00dfgew\u00e4sser\u00f6kosystemen sind stark durch menschliche Aktivit\u00e4ten beeintr\u00e4chtigt, was die Stabilit\u00e4t dieser \u00d6kosysteme und die von ihnen erbrachten \u00d6kosystemdienstleistungen stark gef\u00e4hrdet. Sowohl globale als auch europ\u00e4ische Bem\u00fchungen den R\u00fcckgang der Artenvielfalt einzud\u00e4mmen und f\u00fcr den Schutz der \u00d6kosysteme waren nicht sehr erfolgreich, insbesondere f\u00fcr Flie\u00dfgew\u00e4sser, so dass im Jahr 2021 nur f\u00fcr weniger als zehn Prozent der deutschen Fl\u00fcsse einen guten \u00f6kologischen Zustand erreichten. Die heutige Landwirtschaft wurde als Hauptursache f\u00fcr diese Verschlechterung identifiziert wie aus zahlreichen Studien hervorgeht. Jedoch unterscheiden sich die Auswirkungen der Landwirtschaft je nach Organismen und Umweltbedingungen wie Boden- und klimatischen Verh\u00e4ltnissen. Dar\u00fcber hinaus ist die Landwirtschaft nicht einheitlich. Die spezifischen landwirtschaftlichen Typen und Praktiken unterscheiden sich zwischen Regionen, was wiederum zu Unterschieden in der Intensit\u00e4t und des Einsatzes von Agrochemikalien f\u00fchrt, wie es viele Fallstudien nahelegen. Zur wirksamen Minderung dieser negativen Auswirkungen m\u00fcssen mehrere Wissensl\u00fccken geschlossen werden, deren Bearbeitung in sechs Kapiteln im Folgenden kurz beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Im ersten Kapitel wurde das aktuelle Wissen \u00fcber den Einfluss der Landwirtschaft auf die Flussbiota in einer Metaanalyse zusammengefasst und analysiert (Sch\u00fcrings et al., 2022). Gem\u00e4\u00df dieser Metaanalyse hat die Landwirtschaft insgesamt eine mittlere bis hohe negative Wirkung auf die Flussbiota, und die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Auswirkungen der Landwirtschaft zwischen landwirtschaftlichen Typen, Praktiken, den betrachteten Organismengruppen, sowie biologischen Metriken unterscheiden. Zweitens wurde ein pan-europ\u00e4ischer Datensatz verwendet, um eine landwirtschaftliche Typologie zu erstellen, basierend auf landwirtschaftlicher Produktion und landwirtschaftsbedingten Belastungen auf S\u00fc\u00dfgew\u00e4sser durch N\u00e4hrstoffe, Pestizide, Wasserentnahme und hydromorphologischen Ver\u00e4nderungen (Sch\u00fcrings et al., 2023). In diesem Kapitel wurde identifiziert, wie sich landwirtschaftliche Typen in ihren Belastungsmustern auf S\u00fc\u00dfwasser unterscheiden, und es zeigt sich, dass die Ber\u00fccksichtigung der Intensit\u00e4t landwirtschaftlichen Belastungen die Korrelation mit dem \u00f6kologischen Zustand nahezu verdoppelt. Drittens wurden die Auswirkungen verschiedener landwirtschaftlicher Typen auf den \u00f6kologischen Zustand gem\u00e4\u00df der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) untersucht, unter Verwendung hochaufl\u00f6sender landesweiter Landnutzungsdaten, mit Unterscheidung zwischen verschiedenen Anbaufr\u00fcchten (Sch\u00fcrings et al., 2024a). Die Auswirkungen auf den \u00f6kologischen Zustand unterschieden sich deutlich zwischen den Anbaufr\u00fcchten, die in der Regel mit unterschiedlichen Anwendungsraten von Agrarchemikalien in Verbindung gebracht werden. Makroinvertebraten und Makrophyten wurden am st\u00e4rksten von Anbaufr\u00fcchten mit intensivem Pestizideinsatz belastet, w\u00e4hrend Diatomeen haupts\u00e4chlich von n\u00e4hrstoffintensiven Anbaufr\u00fcchten beeintr\u00e4chtigt waren. Viertens zeigten die Ergebnisse in Markert et al. (2023), das st\u00e4dtische Gebiete und verschiedene landwirtschaftliche Kulturpflanzentypen mit typischen Anwendungsraten von Agrochemikalien tats\u00e4chlich mit den in Fl\u00fcssen beobachten Konzentrationen von Mikroschadstoffen in Verbindung stehen, die oft Umweltqualit\u00e4tsstandards \u00fcberschritten. F\u00fcnftens wurden sich zwischen den Anbaufr\u00fcchten unterscheidende Anwendungsraten von Agrarchemikalien verwendet, um einen landwirtschaftlichen Intensit\u00e4tsindex zu erstellen (Sch\u00fcrings et al., 2024b). Dieser Index verbesserte die Korrelationsst\u00e4rke zwischen der heutigen Landwirtschaft und dem \u00f6kologischen Zustand, wobei die deutlichsten Beziehungen zu Makroinvertebraten in kleinen Gew\u00e4ssern im Mittelgebirge festgestellt wurden. Sechstens wurden Erfahrungen aus der Umsetzung von Umweltgesetzgebungen wie der WRRL genutzt, um Empfehlungen f\u00fcr eine erfolgreiche Umsetzung und Implementierung des EU-Naturrestaurationsgesetzes (Nature Restoration Law) zu geben (Hering et al., 2023). Dieses abschlie\u00dfende Kapitel betont, dass die Verkn\u00fcpfung von Restaurationsbem\u00fchungen mit einer Umstellung auf nachhaltigere Landwirtschaft, deren Bedeutung in den vorherigen Kapiteln begr\u00fcndet ist, beispiellose Chancen f\u00fcr einen erfolgreichen Schutz der \u00d6kosystemfunktionen bieten w\u00fcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Zusammenfassend liefert diese Arbeit \u00fcberw\u00e4ltigende Hinweise f\u00fcr die negativen Auswirkungen von heutiger Landwirtschaft auf die Flussbiota, und identifiziert wichtige Einflussfaktoren, wie die Zusammenh\u00e4nge zwischen den Auswirkungen der Landwirtschaft und dem Einsatz von Agrochemikalien, insbesondere Pestiziden. Daher ist zur Minderung dieser Auswirkungen ein \u00dcbergang von der heutigen Landwirtschaft zu nachhaltigeren Praktiken wie \u00f6kologischen Landwirtschaft oder Agrar\u00f6kologie von entscheidender Bedeutung. Ein solcher \u00dcbergang w\u00e4re sowohl f\u00fcr die Zukunft von Landwirtschaft selbst als auch f\u00fcr den Schutz und die Wiederherstellung gesunder \u00d6kosysteme von gro\u00dfer Bedeutung, einschlie\u00dflich der erfolgreichen Umsetzung europ\u00e4ischer Umweltgesetzgebung wie des Naturrestaurationsgesetzes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Artenvielfalt und Gesundheit von Flie\u00dfgew\u00e4sser\u00f6kosystemen sind stark durch menschliche Aktivit\u00e4ten beeintr\u00e4chtigt, was die Stabilit\u00e4t dieser \u00d6kosysteme und die von ihnen erbrachten \u00d6kosystemdienstleistungen stark gef\u00e4hrdet. 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