{"id":52256,"date":"2026-10-23T12:48:07","date_gmt":"2026-10-23T10:48:07","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20020-661\/"},"modified":"2026-10-23T12:48:10","modified_gmt":"2026-10-23T10:48:10","slug":"20020-661","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20020-661\/","title":{"rendered":"Effekte landwirtschaftlicher Nutzungstypen auf den Zustand der Flie\u00c3\u0178gew\u00c3\u00a4sser in Deutschland: Eine gro\u00c3\u0178skalige Analyse von Ursache-Wirkungsbeziehungen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Die Artenvielfalt und Gesundheit von Flie\u00c3\u0178gew\u00c3\u00a4sser\u00c3\u00b6kosystemen sind stark durch menschliche Aktivit\u00c3\u00a4ten beeintr\u00c3\u00a4chtigt, was die Stabilit\u00c3\u00a4t dieser \u00c3\u2013kosysteme und die von ihnen erbrachten \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen stark gef\u00c3\u00a4hrdet. Sowohl globale als auch europ\u00c3\u00a4ische Bem\u00c3\u00bchungen den R\u00c3\u00bcckgang der Artenvielfalt einzud\u00c3\u00a4mmen und f\u00c3\u00bcr den Schutz der \u00c3\u2013kosysteme waren nicht sehr erfolgreich, insbesondere f\u00c3\u00bcr Flie\u00c3\u0178gew\u00c3\u00a4sser, so dass im Jahr 2021 nur f\u00c3\u00bcr weniger als zehn Prozent der deutschen Fl\u00c3\u00bcsse einen guten \u00c3\u00b6kologischen Zustand erreichten. Die heutige Landwirtschaft wurde als Hauptursache f\u00c3\u00bcr diese Verschlechterung identifiziert wie aus zahlreichen Studien hervorgeht. Jedoch unterscheiden sich die Auswirkungen der Landwirtschaft je nach Organismen und Umweltbedingungen wie Boden- und klimatischen Verh\u00c3\u00a4ltnissen. Dar\u00c3\u00bcber hinaus ist die Landwirtschaft nicht einheitlich. Die spezifischen landwirtschaftlichen Typen und Praktiken unterscheiden sich zwischen Regionen, was wiederum zu Unterschieden in der Intensit\u00c3\u00a4t und des Einsatzes von Agrochemikalien f\u00c3\u00bchrt, wie es viele Fallstudien nahelegen. Zur wirksamen Minderung dieser negativen Auswirkungen m\u00c3\u00bcssen mehrere Wissensl\u00c3\u00bccken geschlossen werden, deren Bearbeitung in sechs Kapiteln im Folgenden kurz beschrieben wird.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Im ersten Kapitel wurde das aktuelle Wissen \u00c3\u00bcber den Einfluss der Landwirtschaft auf die Flussbiota in einer Metaanalyse zusammengefasst und analysiert (Sch\u00c3\u00bcrings et al., 2022). Gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 dieser Metaanalyse hat die Landwirtschaft insgesamt eine mittlere bis hohe negative Wirkung auf die Flussbiota, und die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich die Auswirkungen der Landwirtschaft zwischen landwirtschaftlichen Typen, Praktiken, den betrachteten Organismengruppen, sowie biologischen Metriken unterscheiden. Zweitens wurde ein pan-europ\u00c3\u00a4ischer Datensatz verwendet, um eine landwirtschaftliche Typologie zu erstellen, basierend auf landwirtschaftlicher Produktion und landwirtschaftsbedingten Belastungen auf S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178gew\u00c3\u00a4sser durch N\u00c3\u00a4hrstoffe, Pestizide, Wasserentnahme und hydromorphologischen Ver\u00c3\u00a4nderungen (Sch\u00c3\u00bcrings et al., 2023). In diesem Kapitel wurde identifiziert, wie sich landwirtschaftliche Typen in ihren Belastungsmustern auf S\u00c3\u00bc\u00c3\u0178wasser unterscheiden, und es zeigt sich, dass die Ber\u00c3\u00bccksichtigung der Intensit\u00c3\u00a4t landwirtschaftlichen Belastungen die Korrelation mit dem \u00c3\u00b6kologischen Zustand nahezu verdoppelt. Drittens wurden die Auswirkungen verschiedener landwirtschaftlicher Typen auf den \u00c3\u00b6kologischen Zustand gem\u00c3\u00a4\u00c3\u0178 der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) untersucht, unter Verwendung hochaufl\u00c3\u00b6sender landesweiter Landnutzungsdaten, mit Unterscheidung zwischen verschiedenen Anbaufr\u00c3\u00bcchten (Sch\u00c3\u00bcrings et al., 2024a). Die Auswirkungen auf den \u00c3\u00b6kologischen Zustand unterschieden sich deutlich zwischen den Anbaufr\u00c3\u00bcchten, die in der Regel mit unterschiedlichen Anwendungsraten von Agrarchemikalien in Verbindung gebracht werden. Makroinvertebraten und Makrophyten wurden am st\u00c3\u00a4rksten von Anbaufr\u00c3\u00bcchten mit intensivem Pestizideinsatz belastet, w\u00c3\u00a4hrend Diatomeen haupts\u00c3\u00a4chlich von n\u00c3\u00a4hrstoffintensiven Anbaufr\u00c3\u00bcchten beeintr\u00c3\u00a4chtigt waren. Viertens zeigten die Ergebnisse in Markert et al. (2023), das st\u00c3\u00a4dtische Gebiete und verschiedene landwirtschaftliche Kulturpflanzentypen mit typischen Anwendungsraten von Agrochemikalien tats\u00c3\u00a4chlich mit den in Fl\u00c3\u00bcssen beobachten Konzentrationen von Mikroschadstoffen in Verbindung stehen, die oft Umweltqualit\u00c3\u00a4tsstandards \u00c3\u00bcberschritten. F\u00c3\u00bcnftens wurden sich zwischen den Anbaufr\u00c3\u00bcchten unterscheidende Anwendungsraten von Agrarchemikalien verwendet, um einen landwirtschaftlichen Intensit\u00c3\u00a4tsindex zu erstellen (Sch\u00c3\u00bcrings et al., 2024b). Dieser Index verbesserte die Korrelationsst\u00c3\u00a4rke zwischen der heutigen Landwirtschaft und dem \u00c3\u00b6kologischen Zustand, wobei die deutlichsten Beziehungen zu Makroinvertebraten in kleinen Gew\u00c3\u00a4ssern im Mittelgebirge festgestellt wurden. Sechstens wurden Erfahrungen aus der Umsetzung von Umweltgesetzgebungen wie der WRRL genutzt, um Empfehlungen f\u00c3\u00bcr eine erfolgreiche Umsetzung und Implementierung des EU-Naturrestaurationsgesetzes (Nature Restoration Law) zu geben (Hering et al., 2023). Dieses abschlie\u00c3\u0178ende Kapitel betont, dass die Verkn\u00c3\u00bcpfung von Restaurationsbem\u00c3\u00bchungen mit einer Umstellung auf nachhaltigere Landwirtschaft, deren Bedeutung in den vorherigen Kapiteln begr\u00c3\u00bcndet ist, beispiellose Chancen f\u00c3\u00bcr einen erfolgreichen Schutz der \u00c3\u2013kosystemfunktionen bieten w\u00c3\u00bcrde.<\/p>\n<p style=\"text-align:justify;\">Zusammenfassend liefert diese Arbeit \u00c3\u00bcberw\u00c3\u00a4ltigende Hinweise f\u00c3\u00bcr die negativen Auswirkungen von heutiger Landwirtschaft auf die Flussbiota, und identifiziert wichtige Einflussfaktoren, wie die Zusammenh\u00c3\u00a4nge zwischen den Auswirkungen der Landwirtschaft und dem Einsatz von Agrochemikalien, insbesondere Pestiziden. Daher ist zur Minderung dieser Auswirkungen ein \u00c3\u0153bergang von der heutigen Landwirtschaft zu nachhaltigeren Praktiken wie \u00c3\u00b6kologischen Landwirtschaft oder Agrar\u00c3\u00b6kologie von entscheidender Bedeutung. Ein solcher \u00c3\u0153bergang w\u00c3\u00a4re sowohl f\u00c3\u00bcr die Zukunft von Landwirtschaft selbst als auch f\u00c3\u00bcr den Schutz und die Wiederherstellung gesunder \u00c3\u2013kosysteme von gro\u00c3\u0178er Bedeutung, einschlie\u00c3\u0178lich der erfolgreichen Umsetzung europ\u00c3\u00a4ischer Umweltgesetzgebung wie des Naturrestaurationsgesetzes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Artenvielfalt und Gesundheit von Flie\u00c3\u0178gew\u00c3\u00a4sser\u00c3\u00b6kosystemen sind stark durch menschliche Aktivit\u00c3\u00a4ten beeintr\u00c3\u00a4chtigt, was die Stabilit\u00c3\u00a4t dieser \u00c3\u2013kosysteme und die von ihnen erbrachten \u00c3\u2013kosystemdienstleistungen stark gef\u00c3\u00a4hrdet. 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