{"id":52211,"date":"2026-10-23T12:46:58","date_gmt":"2026-10-23T10:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-706\/"},"modified":"2026-10-23T12:47:00","modified_gmt":"2026-10-23T10:47:00","slug":"20021-706","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-706\/","title":{"rendered":"Integration des Schutzes waldestypischer Kryptogamen (Flechten, Moose) in die Forstwirtschaft im mitteleurop\u00c3\u00a4ischen Binnentiefland"},"content":{"rendered":"<p>Ziel und Ansatz<\/p>\n<p>Ziel des Projektes ist die Erarbeitung von Managementempfehlungen f\u00c3\u00bcr die Bewirtschaftung von W\u00c3\u00a4ldern des mitteleurop\u00c3\u00a4ischen Binnentieflandes mit Blick auf den Schutz rindenbewohnender (epiphytischer) Kryptogamen (Flechten, Moose). Da der Gro\u00c3\u0178teil der deutschen und polnischen Waldfl\u00c3\u00a4chen einer Bewirtschaftung unterliegt und auch weiterhin unterliegen wird, ist die Integration von Artenschutzma\u00c3\u0178nahmen von besonderer Bedeutung f\u00c3\u00bcr den Erhalt der Biodiversit\u00c3\u00a4t im Waldbereich. Flechten und Moose sind dabei zwei der vielf\u00c3\u00a4ltigsten Artengruppen. Die Datenerhebung erfolgte auf einem 100 km breiten Gel\u00c3\u00a4ndestreifen entlang der deutsch-polnischen Grenze (Nord-S\u00c3\u00bcd: Berlin bis Zittau). In diesem Gebiet wurde \u00c3\u00bcber einen teilrandomisierten Ansatz per GIS und Gel\u00c3\u00a4ndebegehungen explizit nach Waldstrukturen gesucht, die f\u00c3\u00bcr das Vorkommen rindenbewohnender Flechten und Moose interessant waren. Beprobt wurden 1 ha gro\u00c3\u0178e Fl\u00c3\u00a4chen \u00c3\u00bcber die intensive Begehung der gesamten Fl\u00c3\u00a4che und Erfassung aller auftretenden Epiphyten.<\/p>\n<p>Ergebnisse (Stand: 22.11.2024)<\/p>\n<p>Insgesamt konnte mit einer Gesamtartenzahl von 187 rindenbewohnenden Flechten- und Moostaxa eine beeindruckende Vielfalt im Untersuchungsgebiet nachgewiesen werden. Reinbest\u00c3\u00a4nde aus Kiefer und Fichte bilden mit durchschnittlich zehn Arten pro Untersuchungsfl\u00c3\u00a4che die mit Abstand arten\u00c3\u00a4rmsten Waldtypen. Bereits das Vorhandensein eines oder weniger B\u00c3\u00a4ume einer anderen Baumart kann jedoch zur deutlichen Steigerung der Artenvielfalt auf der Fl\u00c3\u00a4che f\u00c3\u00bchren. F\u00c3\u00bcr die Region sind dabei besonders L\u00c3\u00a4rche, Birke, Stiel- und Traubeneiche sowie Weichlaubh\u00c3\u00b6lzer wie Pappel und Weide relevant. Aber auch die nicht-heimische Roteiche leistet einen wichtigen Beitrag f\u00c3\u00bcr den Schutz rindenbewohnender Flechten und Moose in den Wirtschaftsw\u00c3\u00a4ldern des Untersuchungsgebietes. 68,4 % der Flechten- und 62,3 % der Moosarten, die an Eichen gefunden wurden, konnten sowohl an den heimischen Arten Stiel- und Traubeneiche als auch an der Roteiche festgestellt werden. \u00c3\u201ehnliche Artenspektren sind vor allem in jungen Eichenbest\u00c3\u00a4nden zu finden. Dennoch bildet die Roteiche keinen Ersatz f\u00c3\u00bcr die heimischen Eichenarten und wenn m\u00c3\u00b6glich, sollten letztere bei der Baumartenwahl den Vorrang genie\u00c3\u0178en. In Waldbrand-gef\u00c3\u00a4hrdeten Regionen bietet sich allerdings \u00c3\u00bcber die Roteiche die M\u00c3\u00b6glichkeit, Synergieeffekte zwischen Waldbrandpr\u00c3\u00a4vention und Artenschutz zu erzeugen. Sogenannte Waldbrandriegel aus Roteiche k\u00c3\u00b6nnen hier eine vielversprechende L\u00c3\u00b6sung darstellen. Generell sind die M\u00c3\u00b6glichkeiten kleinfl\u00c3\u00a4chiger Ma\u00c3\u0178nahmen zu betonen, die ein gro\u00c3\u0178es Potenzial f\u00c3\u00bcr den Artenschutz und ein geringes Konfliktpotenzial im Kontext einer wirtschaftlichen Nutzung umfassen. Das Belassen von Einzelb\u00c3\u00a4umen kann dabei nicht nur f\u00c3\u00bcr die Artenvielfalt an sich, sondern auch f\u00c3\u00bcr das konkrete Vorkommen gef\u00c3\u00a4hrdeter Arten relevant sein. Besonders eindrucksvoll l\u00c3\u00a4sst sich dies am Beispiel des Wei\u00c3\u0178haubigen Goldhaarmooses (Orthotrichum scanicum Gr\u00c3\u00b6nvall) darstellen. Das Vorkommen dieser deutschlandweit gef\u00c3\u00a4hrdeten (Rote Liste: 3) Art konnte \u00c3\u00bcber alle Untersuchungsfl\u00c3\u00a4chen nur an einer einzigen Weide inmitten eines ansonsten reinen Kiefernbestandes entdeckt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ziel und Ansatz Ziel des Projektes ist die Erarbeitung von Managementempfehlungen f\u00c3\u00bcr die Bewirtschaftung von W\u00c3\u00a4ldern des mitteleurop\u00c3\u00a4ischen Binnentieflandes mit Blick auf den Schutz rindenbewohnender (epiphytischer) Kryptogamen (Flechten, Moose). 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