{"id":52205,"date":"2026-10-23T12:46:58","date_gmt":"2026-10-23T10:46:58","guid":{"rendered":"https:\/\/www.dbu.de\/promotionsstipendium\/20021-712\/"},"modified":"2026-10-23T12:46:59","modified_gmt":"2026-10-23T10:46:59","slug":"20021-712","status":"publish","type":"promotionsstipendium","link":"https:\/\/www.dbu.de\/en\/promotionsstipendium\/20021-712\/","title":{"rendered":"Klimapolitik und Gerechtigkeit \u00c3\u00bcber die Verteilung der Kosten des Klimaschutzes innerhalb und zwischen Generationen"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align:justify;\">Wir leben in Zeiten \u00c3\u00bcberlappender Krisen. \u00c3\u2013ffentliche Aufmerksamkeit und Ressourcen sind zunehmend knappe G\u00c3\u00bcter. Es ist daher wichtiger denn je zu verstehen, welche Faktoren ausschlaggebend f\u00c3\u00bcr Zustimmung zu Klimapolitik sind. Zugleich ist eine L\u00c3\u00bccke zwischen der Zustimmung zu Klimapolitik und der Zustimmung zu konkreten Einzelma\u00c3\u0178nahmen beobachtbar. Diese L\u00c3\u00bccke legt nahe, dass Individuen dem erwarteten Nutzen aus Klimapolitik im individuellen Kalk\u00c3\u00bcl auch die privat anfallenden Kosten einzelner Ma\u00c3\u0178nahmen gegen\u00c3\u00bcberstellen, welche die Zahlungsbereitschaft vieler zu \u00c3\u00bcbersteigen scheinen. In der Klimaliteratur wenig erforscht ist der Einfluss der Diskontrate, welche typischerweise in Kosten-Nutzen-Rechnungen auftaucht, auf die Zustimmung zu Klimapolitik. In Zukunft anfallende Kosten und Nutzen werden diskontiert, um alternativen Nutzungsm\u00c3\u00b6glichkeiten, Ungeduld und sich mit der Zeit ver\u00c3\u00a4nderndem Einkommen Rechnung zu tragen. Dass implizite Diskontraten einkommensschwacher Individuen systematisch h\u00c3\u00b6her sind als jene wohlhabenderer ist dabei ein empirisch dokumentiertes Ph\u00c3\u00a4nomen. Die Wirkmechanismen sind Liquidit\u00c3\u00a4tsbeschr\u00c3\u00a4nkungen sowie Stress, dem einkommensschwache Menschen systematisch st\u00c3\u00a4rker ausgesetzt sind. Im ersten Teil meiner Dissertation frage ich, wie die systematische Variation von Diskontraten entlang der Einkommensskala Unterst\u00c3\u00bctzung f\u00c3\u00bcr Klimapolitik beeinflussen. Die Ergebnisse aus einem einfachen analytischen Modellrahmen sind dabei die Folgenden: Eine h\u00c3\u00b6here Diskontrate f\u00c3\u00bchrt zu einer niedrigeren Bewertung in Zukunft anfallender Vorteile von Klimapolitik. Deshalb f\u00c3\u00bchrt diese zu einem niedrigeren bevorzugten Ambitionslevel von Klimapolitik unter den Einkommensschw\u00c3\u00a4cheren. Transfers von den Einkommensst\u00c3\u00a4rkeren zu den unteren Einkommensklassen senken die Diskontrate und erh\u00c3\u00b6hen so die Unterst\u00c3\u00bctzung letzterer. Das minimale Ambitionslevel, welches von allen Teilen der Bev\u00c3\u00b6lkerung unterst\u00c3\u00bctzt wird, kann durch eine Umverteilung zwischen arm und reich erh\u00c3\u00b6ht werden. Das resultierende Ambitionsniveau bleibt dabei hinter jenem zur\u00c3\u00bcck, welches sich in einer Gesellschaft ohne die liquidit\u00c3\u00a4tsbeschr\u00c3\u00a4nkten Einkommensschwachen ergeben w\u00c3\u00bcrde. Das Ambitionsniveau kann dann (und nur dann) weiter erh\u00c3\u00b6ht werden, wenn es gelingt, die Kosten der Klimapolitik (zum Teil) auf die zuk\u00c3\u00bcnftigen Einkommens-schwachen zu \u00c3\u00bcbertragen. Dies geschieht in diesem Modellrahmen bspw. durch die Aufnahme von Staatsschulden. Sind also heterogene Diskontraten ein treibender Faktor f\u00c3\u00bcr die Unterst\u00c3\u00bctzung f\u00c3\u00bcr Klimapolitik, dann kann diese durch Umverteilung oder eine progressive Kostenverteilung maximiert werden. Gleichzeitig zeigt das Modell, wie es gesellschaftliche Mehrheiten f\u00c3\u00bcr noch ambitioniertere Klimapolitik geben kann bspw. durch die Aufnahme von Staatsschulden \u00e2\u20ac\u201c zulasten der zuk\u00c3\u00bcnftigen Einkommensschwachen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wir leben in Zeiten \u00c3\u00bcberlappender Krisen. \u00c3\u2013ffentliche Aufmerksamkeit und Ressourcen sind zunehmend knappe G\u00c3\u00bcter. Es ist daher wichtiger denn je zu verstehen, welche Faktoren ausschlaggebend f\u00c3\u00bcr Zustimmung zu Klimapolitik sind. Zugleich ist eine L\u00c3\u00bccke zwischen der Zustimmung zu Klimapolitik und der Zustimmung zu konkreten Einzelma\u00c3\u0178nahmen beobachtbar. 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